Hi,
fast alle von uns dürften doch in ihrer Kindheit das Buch gelesen haben,
natürlich
ist es wirklich empfehlenswert, kinder schon so früh mit gewalt & tod zu konfrontieren?
und? hat es dir Schaden zugefügt?
Mich wundert es sehr, daß diese Frage tatsächlich auch heute immer wieder diskutiert wird. Es gehört schon eine Menge Unverständnis für die Denk- und Erlebensweise eines Kindes dazu, wenn man im Buch von Hoffmann eine Gefahr zu erkennen meint. Übrigens hatte der Arzt Hoffmann diese und andere Zeichnungen und Reime gemacht, um Kinder zu beruhigen, und nicht um ihnen Angst und Schrecken vor der sog. Wirklichkeit einzujagen.
Mit adultem, elterlichem Sadismus, durch den z.B: ein Daniel Paul Schreber vermutlich zerstört wurde, hat das also herzlich wenig zu tun.
Auf die Schnelle ein Kurzabriss zu Heinrich Hoffmann:
http://www.bikonline.de/histo/struwwelmaking.html
und ebenda auch eine interssante Literaturliste für die, die sich mit diesem Thema etwas gründlicher beschäftigen wollen:
http://www.bikonline.de/histo/struwwellit.html
Kinder verstehen sich sehr gut darauf, abstruse Übertreibungen richtig einzuordnen - und hinter ihnen die ernsthafte Sorge und Mahnung zu erkennen. Und gerade die ironische „Überzeichnung“ gibt ihnen Kriterien an die Hand, ernsthafte Bedrohungen als solche zu erkennen - z.B. Bestrafungen in Form von „Liebesentzug“ oder gar Seklusion oder Prügel, wenn sie nicht so sind, wie die „Großen“ es gerne hätten.
Der Vergleich zu Märchen liegt nahe, aber gerade in diesem Typus von Märchen (sogenannte Verwandlungsmärchen, wie sie sich vor allem in der Grimmschen Sammlung finden), wo Erwachsene „Grausamkeit“ in ihnen erkennen zu müssen meinen, handelt es sich wieder um ganz andere „Rituale“ als das, was Kinder von der gesellschaftlichen Realität automatisch mitkriegen, wenn sie mit offenen Augen durch den Tag zu gehen gelernt haben.
Ich kenne zahlreiche Eltern, die das „Struwwelpeter-Problem“ heftig diskutieren, aber andererseits ihre Kids beliebig vor der Glotze abhängen lassen, ohne die geringste Ahnung zu haben, was diese dort an Gewalt und abstruser, unreflektierter Gut-Böse-Dichotomie aufgedröhnt bekommen.
Wenn du ihnen heute den Struwwelpeter zeigst und vorliest, werden sie bereits eine gute Dosis sonstiger Comic-Gattungen durch andere Medien inhaliert haben. Wie es schon hier gesagt wurde: Ein begleitender elterlicher Schmunzel-Kommentar dazu ist immer gut, aber daß der Struwwelpeter oder ähnliches „angsterzeugend“ aufzufassen sei (und DANN erst auch angsterzeugend wirkt), lernen Kinder meist durch ebendiese Kommentare und nicht aus diesen Literaturen selbst.
Gruß
Metapher