Hallo,
Aber ist es denn nicht
erschreckend, dass wohl über 90% aller Studenten sich nicht in
der Uni gut vorbereitet vorkommen?
Richtig, aber ich sehe die Schuld da überwiegend bei den Studenten und auch der schulischen Ausbildung, die einen auf selbständiges Arbeiten nicht vorbereitet.
Das Rep-gehen ist doch
wirklich eine Eigenart der juristischen Ausbildung. Sowas gibt
es in keinem anderen deutschen Studiengang in dem Ausmaß! Also
muss es wohl auch an der Gestaltung der Lehre an der Uni sein.
Richtig, das liegt aber daran, dass die Uni hier iGz anderen Studiengängen kein schulisches System hat. Das Jurastudium ist einfach ein Studium der Selbstorganisation und das ist auch ein erheblicher Teil, der die Qualifikation eines Juristen ausmacht.
Hätte ich das nicht so gemacht, sondern hätte mir nur alles im Rep vorlegen lassen, wäre ich jetzt in der Praxis völlig verloren. Und das geht vielen Juristen später genau so. Das ist wiederum eine Eigenart des juristischen Berufes und daher braucht man Leute, die bereits im Studium Selbstorganisation gezeigt und/oder gelernt haben.
Nur soviel, ich traue mir zu, dass zu beurteilen, da ich es
nicht einsehe 2.000 Euro zu zahlen. Ich bereite mich auf das
Examen OHNE REP vor. Insoweit kann ich es nun aber
nachvollziehen, was mir an der Uni fehlt und was das Rep
bietet. Klar kann man es darauf reduzieren, dass das Rep einem
strukturierte Skripte, einen Lehrplan und neue Fälle vorsetzt
und dann noch 3 x 4 Stunden (oder so) das ganze vorkaut. Nicht
zu unterschätzen ist aber m.E. auch der psychologische Effekt
des „getrieben werdens“.
Das meine ich. Genau diese Qualifikation braucht ein Jurist, insb. im richterlichen und anwaltlichen Bereich, dass er gut, effecktiv und selbstorganisiert arbeiten kann ohne dass ihn jemand antreibt.
Das fehlt in der Uni vollends. Man
wird nicht vorbereitet. Man erhält zwar zu allen
Pflichtfächern Vorlesungen, deren Inhalte gehen aber zum Teil
erheblich an den Examensanforderungen vorbei.
Gut, das kenne ich nicht so. Bei mir wurden (bzw. ich habe in meinen Vorlesungen) die relevanten Probleme angesprochen. Kann daher nur aus eigener Erfahrung schöpfen.
Wer das nicht
allein feststellen kann, der hat ein Problem, weil er
verlassen ist.
Das klingt hart, aber das ist eben eine Qualifikation eines Juristen.
Nur soviel. An der Humboldt ist man eigentlich nur bei
Strafrecht gut gerüstet. Da geben sich die Profs Mühe die
Probleme und Definitionen zu verkaufen. Man übt Falllösungen
und grundlegende Schemata. Wenn ich dagegen ins öff.Recht oder
Zivilrecht blicke wird mir ganz „schwummerig“. Ich hatte keine
Zivilrechtsvorlesung, an der ich echt mal Examensrelevantes
mitgenommen habe. Unser Prof. im Sachenrecht sagte
Immobiliarsachenrecht schaffe er nicht bei 2 SWS, der ZPO’ler
brachte lieber Rechtsvergleichung um Prozeß in der Welt und im
Fernsehen, Zwangsvollstreckung fiel ganz unter den Tisch.
Erbrecht gab es in 2 SWS gerademal die Basics, aber bspw.
Erbengemeinschaft blieb außen vor. Im Gesellschaftsrecht
wurden wir mit GbR, oHG, AG begnügt, da sich die KG und GmbH
dadurch ja von selbst ergebe etc. pp. Im öffentlichen Recht
verstand es unser Prof. grundlegend das allgemeine
Persönlichkeitsrecht und die Menschenwürde beim
Embryonenschutz zu lehren, aber keinerlei Infos zu Art. 12
oder 14 GG zu bringen und Verwaltungsrecht beschränkt sich
hier auf materielles Recht. VwGO ist in keiner Vorlesung ein
Thema! „bringen sie sich alleine bei.“
Wie gesagt, kann ich nicht beurteilen.
Tja. Ist das gute Lehre? Nein. Wer hier nicht schon im 2-3.
Semester merkt, dass die Vorlesungen nichtmal 10% dessen
abdecken, was man braucht, der ist verloren und muss dann ins
Rep. Das kann man dann in 2 Semestern auch nicht mit Büchern
nachpauken.
Nun, erfahrungsgemäß muss man sich 80% des Stoffes selbst aneignen. Tatsächlich sind die Vorlesgungen eher dazu da, das juristische Denken zu schulen und nicht, zB. die Tatbestände des Betruges vorzulesen.
Unsere Uni bietet nunmehr einen Klausurenkurs. Wir dürfen für
die Korrektur zahlen. Ist ja auch okay. Aber bedeutet dass,
das sich die WissMA absprechen? Nein! Im Semester werden 7
Klausuren aus dem öff-Recht angeboten. Eigentlich könnte man
ja in 7 x 5h Klausur nahezu das ganze Spektrum wenigstens
anreißen. Aber was passiert hier? Jeder macht, was er gerne
macht. Also war vor 2 Wochen eine Begründetheit der
Normenkontrolle dran. Es ging im all. Persönlichkeitsrecht.
Und was war diese Woche? Begründetheit des
Organstreitverfahren. Was wird gerügt? APR! Da geht mir das
Taschenmesser in der Hose auf.
Das ist in der Tat nicht so gut. In Frankfurt funktionieren die Absprachen.
Insoweit steh ich glaub ich nicht allein, wenn ich sagen kann.
Die Forschung steht mal hier der Lehre im Wege.
Das ist ein altes Problem, was auch schwer zu lösen ist. Die Lehre von der Forschung trennen ist aber gerade hier ein riesen Problem, weil man nur durch das Erlernen wissenschaftlichen Arbeitens später neue Materien (und von denen gibt es zu hauf) bewältigen kann.
Die
Grundlagenfächer (die ja nun einziges Prüfungsgebiet im
Staatsexamen sind) werden eher stiefmütterlich behandelt. Eine
Vorbereitung auf das 1. Examen findet nicht statt. Man mag ja
hier den Studenten Trägheit und Faulheit unterstellen, aber
sollte nicht die Lehre auch auf die Studenten ausgerichtet
sein?
Das ist sie meines Erachtens auch, nur verstehen viele Studenten darunter etwas anderes. Ein Jurastudium ist keine Akademie oder FH. Da sieht das anders aus.
Klar kann man nicht alles in den Vorlesungen vermitteln, muss
ja gar nicht. Selbststudium ist ja okay, aber dass man
effektiv nach 6 Semestern (und allen bestandenen Scheinen)
effektiv für das Examen nur 20-25% weiss, obwohl man 75% der
Regelstudienzeit verbraucht hat, ist ein klares Zeichen, dass
hier die Lehre ein Manko hat!
Sehe ich nicht so. 75% ist sehr viel und nach dem 6. Semester kommen noch 2 Semester Examensvorbereitung (das eigentliche Studium) und Klausuren und dann ist man gewappnet.
Erschreckend ist doch dann aber
auch, dass die kommerziellen Reps es schaffen (was die Lehre
nicht schafft) den fehlenden Stoff sagen wir mal weitere
30-50% (Rest allein) in 2 Semstern zu bringen. Die Quote
scheint mir da recht zu geben. Rep ist effektiver als Lehre.
Du verwechselst hier m.E. Stoffeintrichtern mit Lernen und Verstehen. Jura ist eben mehr als das und genau diese Aspekte fehlen den Reps. Das ist auch nicht schlimmm. Die Reps ersetzen den Eigenaufwand bei der Auswahl des Lernstoffs, der Zusammenstellung des Lernmaterials und und auch die Informationsvermittlung. Im Übrigen muss man hier genau so vor und nachlernen. Etwas was sehr viele auch nicht tuen und dann sagen, dass Rep sei schlecht.
Aber entscheidend bei Jura ist das Denken und das Verstehen der Dogmatik. Und dafür ist die Uni zuständig und das tut sie m.E. auch.
Ergo: Lehre hat nur mangelhafte Qualität. So, jetzt hab ich
aber mal Frust abgelassen… ich muss mal weiterlernen und das
ohne Rep!
Trotzem oder gerade deswegen: Viel Erfolg!
Dea
Gruß vom
showbee