Hallo,
seit kurzem studiere ich Psychologie auf Diplom. Das Fach ist jedoch wesentlich naturwissenschaftlicher orientiert als ich erwartet habe.Als geisteswissenschaftlicher Typ, der sich lieber mit Interpretation, Intuition und Traumdeutungen beschäftigt als statistische Berrechnungen anzustellen oder Kurven jeglicher Art zu deuten, sind meine Zweifel an meiner Wahl recht groß. Dennoch halte ich das, was ich persönlich unter Psychologie verstehe ( Kommunikation,Traumdeutung,C.G.Jung,…),für mein „Idealfach“; wer kann mir eventuell anregende, motivierende oder auch nur „leidensgenossensmäßige“ Tips geben zu einem befriedigerendem Studium zu kommen? Wird es wirklich nach dem Vor-Diplom alles beser wie oft zu hören? Gibt es tendenziell geisteswissenschaftlicher orientiertere Unis für diesen Fachbereich???
Liebe Andrea!
Schockiert sind viele der Studienanfänger im Fach Psychologie. Die Hälfte der Leute, die mit diesem Fach beginnen, haben sich dieses Studium anders vorgestellt. Ca. 1/3 springen vor dem Vordiplom ab und (wenn überhaupt!) nur die Hälfte der angetretenen Studenten absolvieren die Diplomprüfungen.
Jedenfalls erzählte mir das ein Dozent. Ich selber war zutiefst „beleidigt“, was man uns an der Uni so lehrte. Klar, Pawlow et. al kennenzulernen ist ja sogar historisch sehr interessant. Aber Methodenlehre, bis es aus den Ohren herauswabert, später Statisik I, dann II, dann III, dann… usw. rauf und runter in Vorlesungen und Seminaren und Übungsstunden (weil es sonst niemand kapiert hätte) war die Hölle für mich.
Ich habe das Grundstudium an der Humboldt-Universität „zu“ Berlin absolviert inkl. Vordiplom. Die HU ist die einzige Uni in Deutschland, in welcher das Fach „Psychologie“ am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Institut integriert ist. Wenn also einer sein Diplom dort schafft, und seine Dissertation dort schreibt und besteht, bekommt er den Doktor „rer. nat.“, überall anders den Dr. „phil“.
An allen anderen deutschen Unis ist „Psychologie“ ein geisteswissenschaftliches Fach und beim Philosophischen Institut „fakultiert“ *g*.
Nach dem Vordiplom habe ich ein Halbjahrespraktikum in Baden-Wü. gemacht und bin dann hier her umgezogen. Nun studiere ich im Hauptstudium an der Uni in Freiburg und bin (Gott sei Dank) „Scheinfrei“, in allen Fächern und Praktikas und - versuche mich nun (mühsamst) aufzuraffen und den letzten schweren Gang der Prüfungen und des Schreibens der Dipl.-arbeit zu gehen. *seufz*.
Mir hat das Grundstudium üeberhaupt keinen Spaß gemacht. Das lag z.T. an mir selber. Ich wollte das Diplom, um später endlich selbständig arbeiten zu können, vor allem „sozial“ arbeiten und Probleme „knacken“, sowie den unterschiedlichsten Menschen begegnen. Und nicht „Forschen“, „Forschen“…bis zum abwinken. Ich wollte auch keine „Karriere“ machen in der Wirtschaft als Medienpsychologe, Personaltrainer etc. und viiiieel Geld scheffeln. Und ich wollte auch nie den ultimativen Persönlichkeitstest entwickeln.
Das jedoch hatten so einige an der Uni vor und waren ganz scharf auf Leistung usw. Und diese ware nur dabei, dieses „langweilige“ Zeugs zu lernen. Aber die haben dafür dann auch gute Prüfungen hinbekommen. Ich nicht…Die ganz super Sozialen, die wiederum nuuur über Probleme „gelabert“ haben, interessierten mich auch nicht. (Von denen hatten selber so viele Probleme, daß die wirklich erstmal selber einen lieben Therapeuten gebraucht hätten).
Also habe ich viel Party gemacht und war grottenschlecht im Grundstudium. Vordiplom mit Ach-und-Krach in Berlin bestanden. Und zwischendurch die Sachen gelesen, die mir Spaß machten und mich mit meinen Freunden (nicht Uni) darüber ausgetauscht. Und gelitten…
Aaaaaabeer: Das Praktikum war dann so schön, die praktische Arbeit überhaupt, „endlich ran“ an die Patienten, die interessanten Fälle, zuhören lernen, dann Vertrauen aufbauen lernen (beiderseitig!) und dann endlich: Reden, da sein für die anderen. Seit dem bin ich „süchtig“ nach dem Job „Psychologin“.
Und in Freiburg ging auch alles ganz anders weiter. Viel philosophischer, ruhiger mit wesentlich besserer Didaktik als in Berlin und (ich finde) diese Uni ist wesentlich besser organisiert als die HU. Und dann „darf“ der Psychostudent im Hauptstudium auch Fächer wählen und andere „sausen“ lassen und muß sogar noch ein Jahr ein Nebenfach studieren. Und da hab´ ich zugeschlagen und bei den Medizinern „gelauscht“ (Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie). Und das hat mich dann total überzeugt.
Jetzt bin ich froh, daß ich weitergemacht habe (ich wollte zwischendurch 2 x hinschmeissen). Die besch…senste Prüfungen aller Diplomprüfungen in Statistik/Methoden habe ich „sogar“ schon hinter mir. Ganz, ganz knapp bestanden, aber ich brauche das Zeug nie nie wieder, das weiß ich. Wahrscheinlich werde ich keine einzige Prüfung gut machen. Ich habe viel zu viel Prüfungsangst i.d.R. Mein Ziel ist es, zu bestehen. Mehr will ich ja gar nicht…*gg*
Und nun muß ich aufpassen, daß ich zu Hause nicht „abgammele“ und mich nur der vergnügten Seite des „Daseins als Student“ zuwende, sondern auch mal in die Puschen kommen. Und das fällt mir sehr sehr schwer.
An welcher Uni bist Du denn „stationiert“ und mit wem tauscht Du Dich so aus? Und was hast Du später vor? Würde mich wirklich interessieren, wie es bei euch so „abgeht“. Und wo Du Praktikum machen willst.
Ganz liebe Grüße an „Frau Kollegin“
)
Bettina
PS: Übrigens, wenn Du Skripts oder Kopien mit Zusammenfassungen brauchst: Maile mir. Du kannst alles von mir über das Studium bekommen. Ich habe noch kein einziges Seminarpapier weggeschmissen!
Ich habe das Grundstudium an der Humboldt-Universität „zu“
Berlin absolviert inkl. Vordiplom. Die HU ist die einzige Uni
in Deutschland, in welcher das Fach „Psychologie“ am
Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Institut integriert ist.
Falsch, an der TU Dresden ist es genauso.
Tschuess Marco.
Wirklich???
Hi, Marco!
Unsere Dozenten hatten uns mit gerade diesem Satz immer „angeheizt“, wenn uns Statistik aus den Ohren ´rauskam. Und nun sagst Du, das sei nicht wahr???
Dann bin ich eben „voll“ fehlinformiert gewesen. `Tschuldige. Ist die Situation in Dresden schon immer so oder ist es erst neu, daß dort Psychol. am Math./Nat.-wiss. Institut integriert ist? Und überhaupt: gibt es nicht vielleicht noch mehr solcher Art von „Integrationen“ an deutschen Unis?? …wer weiß was…?
Liebe Grüße von Bettina
Hi, Bettina
Unsere Dozenten hatten uns mit gerade diesem Satz immer
„angeheizt“, wenn uns Statistik aus den Ohren ´rauskam. Und
nun sagst Du, das sei nicht wahr???Dann bin ich eben „voll“ fehlinformiert gewesen. `Tschuldige.
Ist die Situation in Dresden schon immer so oder ist es erst
neu, daß dort Psychol. am Math./Nat.-wiss. Institut integriert
ist? Und überhaupt: gibt es nicht vielleicht noch mehr solcher
Art von „Integrationen“ an deutschen Unis?? …wer weiß
was…?
Vielleicht ein ostdeutsches Phänomen (bin zu faul mal nach der Jenaer Uni zu schaun)
Insgesamt finde ich die Einordnung nicht völlig unlogisch, wenn man bedenkt das ja auch Arbeitspsychologie bzw. Gestaltungspsychologie gibt. Dort muss mit den Massen gearbeitet werden un ddort bieten sich stat. u.a. naturwiss. Methoden durchaus an.
Tschuess Marco.