Studium im Alter ;-) ?

Hallo,

Studieren im Alter – ist das noch sinnvoll? So stellt sich mir die Frage schon seit einigen Monaten.

Mein Problem ist folgendes: Nach längerer Berufstätigkeit habe ich mein Fachabitur nachgeholt und studiert, und zwar Architektur. Dies hat sich mittlerweile als großer Fehler herausgestellt, da die Baubranche aber so was vom am Boden ist!

Nach dem Studium war ich ein reichliches Jahr abeitslos mit Ausnahme von einer geringfügigen Beschäftigung. Seit einem halben Jahre arbeite ich freiberuflich in meinem Beruf. Eine Festeinstellung werde ich mit Sicherheit hier nicht bekommen. Dazu kommt, sobald ein Auftragsrückgang da ist (was bei Architekten nicht so selten ist…), bin ich die erste, die dann weniger oder gar nicht mehr kommen braucht. Die ganze Sache kann also von heute auf morgen vorbei sein. Außerdem ist die Arbeit nicht so toll.

Jetzt bin ich echt am Überlegen noch mal zu studieren – mit Mitte Dreißig.

Ich will ein Studium mit Zukunftsaussichten (was man natürlich nicht immer sagen kann) und flexibel einsetzbarem Wissen, da wir wahrscheinlich in ein paar Jahren in eine Gegend ziehen werden, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt ist.

Erste Gedanken waren BWL, Psychologie, evt. Wirtschaftsinformatik.

Mich würde jetzt mal interessieren, ob jemand in meinem Alter noch mal das studieren angefangen hat, welche Erfahrungen habt ihr gemacht. Wie sieht es aus mit der Stellensuche nach dem Studium? Haltet ihr die o. g. Studienrichtungen für geeignet oder eher nicht? Gibt es evt. noch andere Möglichkeiten für mich?

Wäre schön, wenn jemand dazu was schreiben könnte.

Gruß dgu

Hallo dgu,

ich kann hier nur für das Psychologiestudium sprechen. Habe selbst mit 30 diesen Studiengang angefangen und dachte, ich sei eine der älteren. Stimmt aber nicht. Durchschnittsalter der Erstsemester damals (1995) in Hamburg: 30! Ein wenig Lebenserfahrung schadet insbesondere bei Psychologie nicht.

Ich will ein Studium mit Zukunftsaussichten (was man natürlich
nicht immer sagen kann) und flexibel einsetzbarem Wissen, da
wir wahrscheinlich in ein paar Jahren in eine Gegend ziehen
werden, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt ist.

Zu deinen Wünschen: es kommt ganz darauf an, für welche Richtung in der Psychologie du dich interesierst bzw. spezialisieren würdest. Z.B. Organisationsentwicklung, Personalwesen, Werbung, Marketing, Erwachsenenbildung, Pädagogik, Therapie… Das Studium bietet da vielfältige Möglichkeiten, viele jedoch nur mit Zusatzausbildungen.

Berufsfelder für Psychologen gibt’s jede Menge, die Frage ist nur, wer sie sich leisten kann.

Mich würde jetzt mal interessieren, ob jemand in meinem Alter
noch mal das studieren angefangen hat, welche Erfahrungen habt
ihr gemacht. Wie sieht es aus mit der Stellensuche nach dem
Studium?

Ich selbst werde auf jeden Fall freiberuflich arbeiten, möglichst in der Erwachsenenbildung. Und ein Praktikum in einer Projektgruppe machen. Ich kenne wenige, die gleich nach dem Studium einen lukrativen Job (als Psychologen) gefunden haben.

Haltet ihr die o. g. Studienrichtungen für geeignet
oder eher nicht?

Geeignet vom Alter her auf jeden Fall. Allerdings wäre das für dich ein Zweitstudium. In Hamburg fallen da satte Studiengebühren an.
Geeignet von deinen Interessen her, musst du selber entscheiden.
Geeignet als Basis für sicheren Job, eher nicht.

Grüße
Ulla

Hallo
Ich kann mich da Ulla nur anschließen. Ich bin ebenfalls Freiberuflich tätig. Als Psychologe einen Job zu bekommen ist schwer, da der Markt sehr überfüllt ist und es manchmal wirklich auf Zusatzqualifikationen ankommt, um einen bestimmten Job zu bekommen. Vom Alter her ist das Fach auch sehr günstig.
Allerdings sollte man hier auch erwähnen, daß man dafür einen guten NC haben sollte, denn das Fach ist immer noch ein Dauerbrenner und Studienplätze zu bekommen ist nicht immer einfach. Die FernUni Hagen bietet Psychologie auch nicht mehr als Hauptfach an, daher ist mit dem Fernstudium auch nichts mehr.

Wirtschaft ist ebenfalls wie Psychologie sehr vielseitig, aber dafür hat man da bessere Aussichten auf eine Festanstellung, solange man in Bewegung bleibt. Aber da ist der Leistungsdruck sehr viel höher (und die Konkurrenz sehr viel jünger!).
Hier wäre ein Studium über 30 also wohl nur zu empfehlen, wenn es schon einige Erfahrungen im Wirtschaftssektor gibt.
Vom Alter her ist da wohl fast alles vertreten, allerdings mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfahrungen.
Und da ist es weitaus schwieriger, wenn man älter ist einen Job zu finden, als im Psychologischen Bereich.
Da sind Erfahrungen in vielen Bereichen praktisch und auch nützlich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man da einen gewaltigen Bonus gegenüber Kollegen hat, wenn man vorher schon anderes gemacht hat.
Im Wirtschaftsbereich hingegen, habe ich nicht selten Anzeigen gesehen, wo Leute gesucht wurden die am besten höchstens 25, zig Jahre Auslandserfahrung, natürlich ein Studium und schon einige Jahre Berufserfahrung haben.
Der Leistungsdruck ist in dem Bereich also sehr viel höher.

Jetzt habe ich gerade erst das mit dem Fachabi gelesen…
Wo wir gerade bei Alter sind, ich kenne viele die haben früh einen Beruf ausgeübt, haben dann eine Familie gegründet, mit Mitte 30 noch das Abitur nachgeholt und ein Studium angefangen, um beruflich nocheinmal neu anzufangen.
Heute ist das kaum noch eine Seltenheit. Ob das von Erfolg gekrönt ist, kommt natürlich auf die Berufserfahrung, die Person und weitere Umstände an.
Aber versuchen sollte man es wenigstens, wenn man es unbedingt machen will.
Wenn dich eins von beiden interessiert, dann mach es.
Schon damals wurde uns gesagt, macht das was euch interessiert und euch spaß macht, wie die Marktlage in einige Jahren aussieht, weiß niemand und wo ihr in einige Jahren seid, könnt ihr heute noch nicht sehen. Die Dinge ändern sich manchmal schneller als man selbst meint.
vor Jahren hat man den Leuten immer wieder gesagt, in den IT Bereich zu gehen, damit man einen totsicheren Job bekommt. Und heute brechen viele ihr Studium ab, verlieren ihren Job, oder finden erst keinen.

Von daher überleg dir erst recht in deinem Alter, was du wirklich willst und nicht was sicher scheint.

Grüße
Novalee

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Hallo Ulla, Novalee, alle anderen,

danke für eure doch mutmachenden Antworten.
Sicherlich, einfach wird es nicht werden, wenn man mit 40 nochmal neu anfängt.

Das mit dem BWL-Studium habe ich mir schon fast so gedacht. Auch ich habe schon diese Anzeigen gelesen - Unistudium, Auslandserfahrung, mind. 5 Jahre Berufserfahrung und nicht älter als 25 Jahre :wink:
Meine Erstausbildung war Bürokauffrau, daher besitze ich schon einige Wirtschafts-Kenntnisse. Eigentlich wollte ich meine Bau- und Wirtschaftskenntnisse zusammen in einem Job einsetzen - so waren meine Grundgedanken vor dem Architekturstudium. Ich wollte als Seiteneinsteiger dann in einem größeren Baubetrieb im Projektmanagement arbeiten. Aber hier (in Bayern) ist die wirtschaftliche Lage längst nicht mehr so gut, wie noch vor einigen Jahre, wo so ein Seiteneinstieg problemlos möglich gewesen ist.

Jetzt noch einige Fragen zur Psychologie (aus euren Antworten entnehme ich, das ihr beide Psychologen seid?). Wie lange muß ich für das Studium rechnen, wenn ich nebenbei halbtags arbeiten gehe? Zum Glück kann ich mir meine Arbeitsstunden durch die Freiberuflichkeit ziemlich frei einteilen (einen Vorteil muß das ja auch haben).
Welche Vertiefungsrichtungen im Studium sind sinnvoll? Habe ein bissel quergelesen und bin immer wieder auf Betriebs- und Organisationspsychologie gestossen - würde ja auch irgendwie zu meinen bisherigen Ausbildungen passen?!

Um die Studiengebühren fürs Zweitstudium hoffe ich herum zu kommen, da ich eigentlich einen berechtigten Grund für dieses Studium habe, ansonsten bin ich im Laufe des Jahres wieder arbeitlos!

Wie ist die Sache mit dem NC bei einem Zweitstudium? Mein Fachabitur habe ich sehr gut abgeschlossen. Zählt in meinem Fall dann der Abschluß des letzten Studiums? Kann ich auch Wartesemester einfließen lassen?

Mich würde noch mal interessieren, ob es andere Architekten gibt, die vor ähnlichen Problemen standen und wie ihr reagiert habt. Seid ihr im Beruf geblieben, habt ihr was ganz anderes gemacht, gibt es noch andere Möglichkeiten, als Quereinsteiger in andere Branchen zu gehen? Manchmal braucht man vielleicht bloß mal einen neuen Denkanstoß!

Gruß

dgu

Hi!

Studieren im Alter – ist das noch sinnvoll? So stellt
sich mir die Frage schon seit einigen Monaten.

Vielleicht ist die Ansicht einer Person mit der eher klassichen Richtung Schule, Studium, Beruf hier auch mal nicht schlecht, einfach um ein Gleichgewicht in die Sache zu bekommen.

Mein Problem ist folgendes: Nach längerer Berufstätigkeit habe
ich mein Fachabitur nachgeholt und studiert, und zwar
Architektur. Dies hat sich mittlerweile als großer Fehler
herausgestellt, da die Baubranche aber so was vom am Boden
ist!

Ich denke, dass Architektur sehr oft in die freiberufliche Tätigkeit mündet. Das ist in diesem Beruf wohl normal.
Zwei freunde von mir machen das auch, der eine sehr erfolgreich in London (allerdings angestellt), der andere mässig erfolgreich in Deutschland (freiberuflich).
Der Beruf bietet viele Chancen, erfordert aber eben auch ein hohes Mass an Flexibilität.

Nach dem Studium war ich ein reichliches Jahr abeitslos mit
Ausnahme von einer geringfügigen Beschäftigung. Seit einem
halben Jahre arbeite ich freiberuflich in meinem Beruf. Eine
Festeinstellung werde ich mit Sicherheit hier nicht bekommen.

Vermutlich nciht.

Dazu kommt, sobald ein Auftragsrückgang da ist (was bei
Architekten nicht so selten ist…), bin ich die erste,
die dann weniger oder gar nicht mehr kommen braucht. Die ganze
Sache kann also von heute auf morgen vorbei sein.

Das ist eben das Risisko bei einer freiberuflichen Tätigkeit. Dafür zahlst Du keine Sozialversicherungsbeiträge.

Außerdem ist
die Arbeit nicht so toll.

Das ist allerdings wirklich schlecht.
Lieggt es am Feld generell oder an den aktuellen Aufträgen?

Jetzt bin ich echt am Überlegen noch mal zu studieren –
mit Mitte Dreißig.

Generell kein Problem.

Ich will ein Studium mit Zukunftsaussichten (was man natürlich
nicht immer sagen kann) und flexibel einsetzbarem Wissen, da
wir wahrscheinlich in ein paar Jahren in eine Gegend ziehen
werden, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt ist.

Du möchtest also nicht zum Zeitvertreib studieren, sondern wirklich in Deinem Fach arbeiten?

Erste Gedanken waren BWL, Psychologie, evt.
Wirtschaftsinformatik.

Mich würde jetzt mal interessieren, ob jemand in meinem Alter
noch mal das studieren angefangen hat, welche Erfahrungen habt
ihr gemacht. Wie sieht es aus mit der Stellensuche nach dem
Studium? Haltet ihr die o. g. Studienrichtungen für geeignet
oder eher nicht? Gibt es evt. noch andere Möglichkeiten für
mich?

Ein Freund und Studienkollege von mir hat mit 33 Jahren sein Studium aufgenommen und wurde nie fertig.
Der Fokus muss stimmen und natürlich auch das Studienfach. Rein nach aktuellen Berufs- und Gehaltsaussichten zu studieren, bringt nichts, denn man beschäftigt sich dann evtl. mit etwas, was einen unglücklich macht.

Zu Deinen Fachbeispielen:

Psychologie ist eine brotlose Kunst. Wenn es Dich nicht wirklich von fachlicher Seite her interessiert, lasse es.

BWL: sorry, aber dafür denke ich, bist Du zu alt. Du würdest mit 40 starten, Dich für einen Assistentinnen-Job zu bewerben.
Das wird nichts, in diesem Feld sollte man mit 40 schon einen gewissen Stand erreicht haben.

Wirtschaftsinformatik: ähnlich wie BWL. Die Konkurrenz ist 27, unverheiratet, kinderlos und örtlich flexibel.

Was mir bei Deiner Beschreibung spontan eingefallen ist: wenn es nicht um eine reine Horizonterweiterung oder Nebenbeschäftigung einer sich geistig unausgelastet fühlenden Hausfrau und Mutter geht, solltest Du keine Zeit verschwenden. Mache etwas aus Deiner Architekturausbildung und spezialisiere Dich auf ökologische Renovierungen, Aus-/Umbauten, Luxusbäder im Wintergarten oder was auch immer.
Du solltest nämlich bedenken, dass Du mit einem neuen Studium 5 Jahre gar nichts verdienst, mit Architektur jedoch während dieser Zeit durchaus Geld verdienen kannst. Geht es also ums Geld, dürfte ein neues Studium „in Deinem Alter“ (sorry) immer teurer sein, als aus einer vorhandenen, bereits sehr guten Ausbildung etwas zu machen.

So, das waren meine 2 Eurocent.

Grüße und viele Erfolg,

Mathias

Hallo,
bzgl. NC und Psychologie: ich weiß, dass sich eine Bekannte erfolgreich eingeklagt hat bei Psychologie, mittels einer sogenannten Kapazitätenklage (oder so ähnlich). Bei Interesse kann ich da noch mal nachfragen.
Sie bestätigte mir übrigens auch, dass das Anfangsalter bei Psychologie eher über 30 als unter 30 liegt:smile:
Das Du um die Studiengebühren drumherumkommst bezweifele ich allerdings ganz stark - drück Dir aber Däumchen. Drohende Arbeitslosigkeit wird kein schlagendes Argument sein, das betrifft momentan wohl zu viele .

Gruß
Ayla

(selber Spätstudierende, allerdings „schon“ mit 25 angefangen)

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Studium in *Alter*, ja.
Studium im Alter, z.B. als Emeritus oder Rentner
seinen Horizont erweitern, geistig fit zu bleiben etc.
halte ich für außerordentlich sinnvoll.

Auch der junge Student, kann vom gewaltigen
Erfahrungsschatz viel profitieren.

Ein Studium aus Verlegenheit ist weder in
jungen noch in mittleren Jahren sinnvoll
und belastet die ohnehin schon knappen
Kapazitäten.

Gruss, Marco

Hallo ayla,

bzgl. NC und Psychologie: ich weiß, dass sich eine Bekannte
erfolgreich eingeklagt hat bei Psychologie, mittels einer
sogenannten Kapazitätenklage (oder so ähnlich). Bei Interesse
kann ich da noch mal nachfragen.
Sie bestätigte mir übrigens auch, dass das Anfangsalter bei
Psychologie eher über 30 als unter 30 liegt:smile:

Würde mich schon mal interessieren, wie deine Bekannte den Studienplatz eingeklagt hat!? Aber eigentlich hat die ZVS doch auch immer eine Anzahl von Plätzen für Zweitstudenten vorzuhalten? Oder muß man sich dann direkt bei der Uni bewerben?

Gruß dgu

Hallo,
wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ging es so: man sucht sich eine Uni aus, besucht dort Psychologie-Seminare ohne für Psychologie eingeschrieben zu sein und macht auch Scheine! Dann kann man sagen: Hey, Uni, bei Euch ist noch Platz für Psychologie-Stundenten, also nehmt mich gefälligst auf.
Naja, so ungefähr:smile:Ich würde einfach mal googlen.
Das ganze ist aber ziemlich zeitraubend und anstrengened, und einen Anwalt wirst Du wohl auch brauchen!!!

Gru8ß
Ayla

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