Sublimierung

Hi,
beim googlen bin ich auf folgenden Artikel über den Begriff der Sublimierung gestoßen
http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%2…
der mich dazu anregt, mich noch ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen.

Gestolpert bin ich vor allem über das Zitat von Freud, wonach „das Wesen der künstlerischen Leistung psychoanalytisch unzugänglich sei“.

Denke, dass diese Aussage zwischenzeitlich überholt ist. Mir ist nur das im dumont-TB-Verlag erschienene Buch „Kunstpsychologie - Wodurch Kunstwerke wirken“ von Martin Schuster & Horst Beisl bekannt, das sich, wie der Untertitel besagt, mehr mit der Wirkung auf den Betrachter als auf den Impuls des Künstlers bezieht.

Kann mir jemand was über neuere Erkenntnisse in Sachen Kunst- (genauer: Künstler-)Psychologie(-analyse) mitteilen bzw. Quellen nennen, wo ich mehr zu diesem Thema erfahren kann?

Als Künstlerin - also Praktikerin - interessieren mich die Mutmaßungen der Theoretiker immer ganz besonders *smile*.

Gruß,
Anja

Liebe Anja

Gestolpert bin ich vor allem über das Zitat von Freud, wonach
„das Wesen der künstlerischen Leistung psychoanalytisch
unzugänglich sei“.

Da haben wir es einmal mehr mit dem understatement FREUDs zu tun.
Er hat sich ja öfters Kunstwerken psychoanalytisch genähert (nur die Musik ließ er aus, weil er sich selbst für unmusikalisch hielt) und man kann ohne Übertrebung sagen, dass es zwischen Freud und den verschiedensten Künstlern ein großes gegenseitiges Interesse gab, um nicht gar von Liebe zu sprechen. :wink:
Der oben zitierte Satz dürfte also zunächst einmal Freuds Bescheidenheit ausdrücken; vielleicht würde er im Zusammenhang auch klarer. (Manchmal hat er ja nach eingehender Analyse noch in etwa geschrieben: Aber in den Tiefen ist es uns doch nicht möglich, den letzten Zugang zu dem Kunstwerk usw usf…)
Muss in die Praxis, saher nur kurz dazu… :wink:
Gruß,
Branden

der kreative Prozeß
Hi Anja,

zu Fragen der Kreativität dürften folgende Klassiker interesante Perpektiven liefern (sofern du sie nicht eh schon kennst):

Lew S.Wygoski: Psychologie der Kunst (1968). Dresden 1976
Lawrence S. Kubie: Psychoanalyse und Genie. Der schöpferische Prozess. Hamburg 1966
und mein Favorit:
Christian Kellerer: Objet trouvé und Surrealismus. Zur Psychologie der modernen Kunst. Hamburg 1968
neu aufgelegt als:
Christian Kellerer: Der Sprung ins Leere. Objet trouvé, Surrealismus, Zen. Köln 1982

Grüße

Metapher

das ‚t‘
… von Wygo t ski liefer ich hiermit nach :smile:

Hallo Anja,

Gestolpert bin ich vor allem über das Zitat von Freud, wonach
„das Wesen der künstlerischen Leistung psychoanalytisch
unzugänglich sei“.
Denke, dass diese Aussage zwischenzeitlich überholt ist.

ich kann zu der Aussage jetzt nicht viel sagen, weil ich ihren Kontext nicht kenne.

Aber was hältst Du für „überholt“?
Die Tatsache, dass das „Wesen“ der künstlerischen Leistung psychoanalytisch unzugänglich sei?
Da kann ich mir keine mögliche Überholung denken, weil sicher niemand, der das Standardverfahren der Psychoanalyse für die Kunstinterpretation anwendet, unwidersprochen behaupten könnte, damit das „Wesen“ der Kunst erfasst zu haben.

Oder hältst Du diese Anwendung der Psychoanalyse auf die Kunst als solches für überholt?
Da würde ich zustimmen, weil „die angewandte Psychoanalyse in der Analyse von Kunstwerken immer nur sich selbst finden kann“ (frei zitiert nach Žižek)

Kann mir jemand was über neuere Erkenntnisse in Sachen Kunst-
(genauer: Künstler-)Psychologie(-analyse) mitteilen bzw.
Quellen nennen, wo ich mehr zu diesem Thema erfahren kann?

das Gebiet der Kunst-Psychoanalyse ist absolut unüberschaubar, selbst für Experten (und deshalb für mich a fortiori);
insbesondere, da sich gerade im Bereich der psychoanalytischen Interpretation von Kunst, insbesondere des Films, eine sich auf den französischen Analytiker Lacan berufende sehr heterogene „Szene“ gebildet hat, die völlig anders vorgeht als diejenigen, die am Freudschen Verfahren festhalten.

in knappen Worten bestätigt findest Du das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalytische_Filmt…

Lektüre-Empfehlungen hast Du ja schon bekommen, da möchte ich keine weiteren hinzufügen.

Außer vielleicht, weil angenehm lesbar und gut als „Methode“ für eigene (Selbst)Analysen anwendbar:
Sarte, „Baudelaire“
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499142252/qid…

Als Künstlerin - also Praktikerin - interessieren mich die
Mutmaßungen der Theoretiker immer ganz besonders *smile*.

:wink:
Naja, gerade viele „Lacanianer“ unter den Theoretikern halten sich selbst für Praktiker, beanspruchen also durchaus „künstlerisch“ vorzugehen, wie auch generell schon Lacans Revision Freuds sehr stark durch den Surrealismus der frühen 30er Jahre, vor allem durch den frühen Dalí, angestoßen wurde.

Viele Grüße
franz

Hallo

Gestolpert bin ich vor allem über das Zitat von Freud, wonach
„das Wesen der künstlerischen Leistung psychoanalytisch
unzugänglich sei“.

Kann mir jemand was über neuere Erkenntnisse in Sachen Kunst-
(genauer: Künstler-)Psychologie(-analyse) mitteilen bzw.
Quellen nennen, wo ich mehr zu diesem Thema erfahren kann?

Ich weiß von einem Philosophie-Dozent, der mit einer Gruppe von Studenten mal extra in ein Museum gefahren ist um das Bild einer analytischen (im Freudschen Sinne) Interpretation zu unterziehen - ein abstraktes Bild von Kandinsky. Der Dozent hat die meiste Zeit gesprochen, sieht Freud ähnlich und kam am Ende u.a. zum Schluß (und dieser war seiner Ansicht nach unumstösslich), daß ein blauer Fleck auf dem Bild für „die Kastration“ sein muß. Ein deutlicher Beweis für die Wirkkraft und Wissenschafltichkeit analytischer Ansätze.
Gruß,
Markus

Hi Markus,

Der Dozent
hat die meiste Zeit gesprochen, sieht Freud ähnlich und kam am
Ende u.a. zum Schluß (und dieser war seiner Ansicht nach
unumstösslich), daß ein blauer Fleck auf dem Bild für „die
Kastration“ sein muß.

*smile*

Ein deutlicher Beweis für die Wirkkraft
und Wissenschafltichkeit analytischer Ansätze.

Ich lese auch immer höchst amüsiert Kritiken über meine Arbeiten… was die da so alles ‚sehen‘… Aber das sind ja noch nicht einmal Psychoanalytiker…
Gruß,
Anja

Hi Metapher,

neu aufgelegt als:
Christian Kellerer: Der Sprung ins Leere. Objet trouvé,
Surrealismus, Zen. Köln 1982

Ist notiert - danke :wink:
Anja