Hallo Anja,
Gestolpert bin ich vor allem über das Zitat von Freud, wonach
„das Wesen der künstlerischen Leistung psychoanalytisch
unzugänglich sei“.
Denke, dass diese Aussage zwischenzeitlich überholt ist.
ich kann zu der Aussage jetzt nicht viel sagen, weil ich ihren Kontext nicht kenne.
Aber was hältst Du für „überholt“?
Die Tatsache, dass das „Wesen“ der künstlerischen Leistung psychoanalytisch unzugänglich sei?
Da kann ich mir keine mögliche Überholung denken, weil sicher niemand, der das Standardverfahren der Psychoanalyse für die Kunstinterpretation anwendet, unwidersprochen behaupten könnte, damit das „Wesen“ der Kunst erfasst zu haben.
Oder hältst Du diese Anwendung der Psychoanalyse auf die Kunst als solches für überholt?
Da würde ich zustimmen, weil „die angewandte Psychoanalyse in der Analyse von Kunstwerken immer nur sich selbst finden kann“ (frei zitiert nach Žižek)
Kann mir jemand was über neuere Erkenntnisse in Sachen Kunst-
(genauer: Künstler-)Psychologie(-analyse) mitteilen bzw.
Quellen nennen, wo ich mehr zu diesem Thema erfahren kann?
das Gebiet der Kunst-Psychoanalyse ist absolut unüberschaubar, selbst für Experten (und deshalb für mich a fortiori);
insbesondere, da sich gerade im Bereich der psychoanalytischen Interpretation von Kunst, insbesondere des Films, eine sich auf den französischen Analytiker Lacan berufende sehr heterogene „Szene“ gebildet hat, die völlig anders vorgeht als diejenigen, die am Freudschen Verfahren festhalten.
in knappen Worten bestätigt findest Du das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalytische_Filmt…
Lektüre-Empfehlungen hast Du ja schon bekommen, da möchte ich keine weiteren hinzufügen.
Außer vielleicht, weil angenehm lesbar und gut als „Methode“ für eigene (Selbst)Analysen anwendbar:
Sarte, „Baudelaire“
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499142252/qid…
Als Künstlerin - also Praktikerin - interessieren mich die
Mutmaßungen der Theoretiker immer ganz besonders *smile*.

Naja, gerade viele „Lacanianer“ unter den Theoretikern halten sich selbst für Praktiker, beanspruchen also durchaus „künstlerisch“ vorzugehen, wie auch generell schon Lacans Revision Freuds sehr stark durch den Surrealismus der frühen 30er Jahre, vor allem durch den frühen Dalí, angestoßen wurde.
Viele Grüße
franz