Substantive: undeklinierbar?

Hallo, Sprachbewusste!
Was ist da eigentlich passiert? Seit einiger Zeit begegnen, jetzt auch in Beschriftungen zu Fernsehbildern in den Nachrichten, diese grauenhaften Wortungetüme nach dem Muster:
Sprecher Direktor BadBank Sowieso.
Werden Substantive nicht mehr dekliniert? Wie das betreffende Ding heißt, erkennt man doch auch, wenn der Genitiv gesetzt wird (ganz abgesehen davon, dass das nur Schreibe ist und beim Sprechen nie begegnet); in meinem Beispiel:
der Sprecher des Direktors der BadBank Sowieso.
Einigermaßen entsetzt
Hannes

Hallo,
Aus deiner Frage konnte ich sehr schwer entnehmen, was genau du meinst. Meinst du sowas wie „Direktor Sparkasse Sindelfingen“, „Abteilungsleiter Marktforschung“, „Geschäftsführer Deutsche Telekom AG“ und sowas?

Dass ein Attribut dem Kopfnomen folgt, ist im Deutschen durchaus möglich, aber etwas marginal. Meist tritt das in Fällen auf, wo keine Zugehörigkeit, sondern eine genauere Benennung stattfindet, da haben wir z.B. „Marke Eigenbau“, „Vermietung online“, „Natur pur“, „Gesellschaft Deutsche Sprache“, „VW Polo“, „Vodka Lemon“, „Projekt ‚Regenwald‘“, „Universität Leipzig“, „Wörterbuch Chinesisch-Deutsch“ usw.
Die Attribute können hierbei Nomen oder Adjektive sein und sie stehen hierbei undekliniert in der Nennform.
Die obengenannten Beispiele (à la „Direktor…“) sieht man sehr häufig in Bildunterschriften oder bei Nachrichten im Fernsehen unter den Personen, die gerade sprechen. Da kommt noch die Begründung hinzu, dass Platz (und damit auch Lesezeit für den Leser) gespart werden muss.

Es ist also eine weniger häufige grammatikalische Konstruktion des Deutschen. Da wir im Deutschen das Attribut meist vor dem Nomen haben, auf dass es sich bezieht, kommt uns das manchmal seltsam vor. Einige halten „Natur pur“ vielleicht sogar für falsch (Bastian Sick trau ich alles zu!), aber das ist’s wie gesagt nicht.

Grüße,

  • André

Hi, André!

Aus deiner Frage konnte ich sehr schwer entnehmen, was genau
du meinst. Meinst du sowas wie […]

Ich dachte, ich hätte genau beschrieben, was ich meine, nämlich dass man es vermeidet, Substantive zu deklinieren, weil man meint, die korrekte Bezeichnung von jemandem/etwas könne nur als Nominativ korrekt wiedergegeben werden; am Beispiel
Sprecher Direktor BadBank Sowieso
statt
Sprecher des Direktors der BadBank Sowieso.
Das ist doch ein abscheulicher Sprachgebrauch.

Einigermaßen entsetzt,

dass dieses Vorgehen nicht wahrgenommen, sondern hingenommen wird.
Hannes

Hi, André!

Aus deiner Frage konnte ich sehr schwer entnehmen, was genau
du meinst. Meinst du sowas wie […]

Ich dachte, ich hätte genau beschrieben, was ich meine,

Vielleicht stand ich auch etwas auf dem Schlauch (aber hab’s ja verstanden)… war für mich aber doch etwas uneindeutig, weil ich dein Beispiel sehr unnatürlich fand (von der Semantik her, nicht von der Grammatik).

Beispiel
Sprecher Direktor BadBank Sowieso
statt
Sprecher des Direktors der BadBank Sowieso.
Das ist doch ein abscheulicher Sprachgebrauch.

Geschmackssache.

Einigermaßen entsetzt,

dass dieses Vorgehen nicht wahrgenommen, sondern hingenommen
wird.

Also ich nehm’s hin und wahr. Gestern fiel mir das tatsächlich auf, aber nicht negativ. Meist bestehen solche Konstruktionen ja nur aus einem Nomen mit einem Attribut, und ich finde gar nicht, dass das so schlimm klingt. Dein Beispiel ist wohl eher ein Extremfall.

Grüße,

  • André

Moin, Hannes,

Einigermaßen entsetzt, dass dieses Vorgehen nicht wahrgenommen,
sondern hingenommen wird.

die Sprache lebt und ändert sich, ob es uns alten Zauseln gefällt oder nicht. Manches geht in den Sprachgebrauch ein, manches lebt eine Zeitlang und verschwindet dann wieder. Wo zieht man da die Grenzen? Mir gefallen diese aneinandergepappten Nomen auch nicht, aber vielen Leute erleichtern sie das Leben, weil sie die Nomen einfach nach fallender Wichtigkeit ordnen können. Und es klingt so schön nach Big Business, wenn ich mich als Motzkopp Ostallgäu vorstelle.

Gruß Ralf