Suche Geschichte über Zeit

Hallo ihr!

Meine beste Freundin hat nächste Woche Geburtstag und ich möchte ihr gerne ein Buch oder eine Geschichte schenken, in der es um Zeit geht.

Sie hat nämlich keine.

Sie organisiert ihr Leben von morgens bis abends und gibt mir inzwischen schon enge Zeitfenster, zu denen ich sie anrufen oder treffen kann. Das kränkt mich natürlich, aber sie ist meine Freundin und ich will ihr helfen, da rauszukommen.

Zeit kann ich ihr nicht schenken, aber vielleicht das Gefühl, dass Nichtstun wunderbar ist. Dass man nicht sämtliche Freizeit verplanen muss, um alle Leute zu sehen, Sport zu machen, kulturell auf dem Laufenden zu bleiben etc. Dass man stundenlang Löcher in die Luft starren und dabei seine Seele streicheln kann.

Als Buch zum Thema ist mir erstmal MOMO eingefallen, aber erstens kennt sie das schon und zweitens ist das ja wirklich sehr deutlich. Gibt es nicht was ähnlich liebevolles für Erwachsene?

Über Tipps freut sich immer
Trilli

Hallo!

Vielleicht von Eco : „Die Insel des vorigen Tages“.

Das bringt sie sicher nicht auf den richtigen Weg, aber mehr Verständnis für die Zeit.

Gruß Werner

Michael Ende-‚Momo‘ (o.w.T.)

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Die Zeit steht still
Der Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor, hat ein Buch über seine Besuche in Klöstern geschrieben - über die Panik, völliger Stille, Abgeschiedenheit und verinnender Zeit ohne die gewohnte Hektik der Großstadt ausgesetzt zu sein, und die anschließende vollkommene Ruhe und Gelassenheit, die er dadurch gewinnt:

ISBN 3-446-19932-2 Buch anschauen

Gute Besserung für Deine Freundin :wink:)

Grüße
Diana

Hallo Du!

Mir fallen spontan folgende zwei Bücher ein, die mit Zeit (und dem Umgang mit ihr) zu tun haben:

Wenn Deine Freundin Englisch versteht und auch keine Angst vor Wortspielen hat, ist ,Thief of Time’ von Terry Pratchett das Richtige für Sie.
Ist gerade neu Erschienen und die deutsche Übersetzung wird wohl noch ein halbes Jahr auf sich warten lassen.

Meine zweite Idee ist ,Pyramiden!’ vom gleichen Autor.
In diesem Buch ist das mit der Zeit zwar nicht ganz offensichtlich, aber man kann - von dem Hohepriester Dios - ganz toll lernen, daß es einfach unmöglich ist, IMMER da zu sein und ALLES zu machen.

Beide Bücher sind satirische Fantasy-Romane (ich denke, das trifft es ganz gut, auch wenn man Pratchetts Bücher eigentlich nirgends so richtig einordnen kann).

Gruß
Jens

Hallo Trilli,

von „Elli Michler“ gibt es das Buch „Dir zugedacht - Wunschgedichte“:
ISBN: 3769806255 Buch anschauen für 19,90 DM

Darin findet sich auch dieses sinnvolle Gedicht:

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben.
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freu’n und zu lachen,
und wenn du sie nutzt, kannst du etwas d’raus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben.
Als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrau’n,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schau’n.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben.

Viele Grüße, Renate

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Wenn’s unterhaltend sein soll (und ein Fingerzeig darauf, daß man seine Zeit besser selber nutzt), ist meine Empfehlung ganz klar Michael Endes Buch „Momo“ (die grauen Herren kaufen den Menschen die Zeit ab, bis kein Mensch mehr Zeit hat).

Soll es lieber was (populär-)wissenschaftliches sein, dann greif zu Stephen Hawkings Buch „Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit“. Hier geht es mehr um den Begriff der Zeit an sich: was ist Zeit, wieso ist Zeit eine Dimension im Weltall, welche Effekte können auf die Zeit wirken usw.

Hope it helps

Siegfried

Hallo, Trilli!

„Der Mann, der Bäume pflanzte“ von Jean Giono ist nicht direkt ein Buch über die Zeit. Aber es erzählt, wie ein Mensch sich Zeit nimmt für eine (nur scheinbar sinnlose) Aufgabe, die ihm wichtig ist - auch wenn das „Ergebnis“ lang auf sich warten läßt.

Lieben Gruß vom
Sams

Huhu,
wie waers denn mit Sten Nadolny - Die Entdeckung der
Langsamkeit? Schoenes Buch!
Und dann faeltt mir noch ein (allerdings selbst noch nicht
gelesen, schaem): Marcel Proust - Auf der Suche nach der
verlorenen Zeit.
Ach ja, Umberto Eco - Die Insel des vorigen Tages.
Viel Spass,
baw

Julian Barnes - In die Sonne sehen

Hallo Trilli!

Momo fiel mir auch als erstes ein. Aber vielleicht ist „In die Sonne sehen“ von Julian Barnes das richtige. Die genaue Handlung kann ich Dir nicht mehr genau beschreiben - schon lange her, daß ich das buch gelesen habe. Besonders blieb mir allerdings eine Szene in Erinnerung, in der ein Pilot an einem Tag zweimal einen Sonnenaufgang erlebt; das ist schon eine Szene, bei der man darüber nachdenkt, was Zeit für eine komische Sache ist und wie man sie sinnvoll nutzen sollte.

Gruß

Tomcat

Da ist der Titel schon Aussage genug oder ?!

Gandalf

Kein Buch - eine Anekdote…
Hallo Trilli,

Heinrich Böll hat zu diesem Thema eine wunderbare kleine Geschichte geschrieben:

Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral

In einem Hafen an der westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen, schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch einmal: klick, und da aller guten Dinge drei sind und sicher sicher ist, ein drittes Mal: klick. Das spröde, fast feindselige Geräusch weckt den dösenden Fischer, der sich schläfrig aufrichtet, schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel angelt; aber bevor er das Gesuchte gefunden, hat ihm der eifrige Tourist schon eine Schachtel vor die Nase gehalten, ihm die Zigarette nicht gerade in den Mund gesteckt, aber in die Hand gelegt, und ein viertes Klick, das des Feuerzeugs, schließt die eilfertige Höflichkeit ab. Durch jenes kaum meßbare, nie nachweisbare Zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Tourist - der Landessprache mächtig – durch ein Gespräch zu überbrücken versucht.
„Sie werden heute einen guten Fang machen.“
Kopfschütteln des Fischers.
„Aber man hat mir gesagt, daß das Wetter günstig ist.“
Kopfnicken des Fischers.
„Sie werden also nicht ausfahren?“
Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität des Touristen. Gewiß liegt ihm das Wohl das ärmlich gekleideten Menschen am Herzen, nagt an ihm die Trauer über die verpaßte Gelegenheit.
„Oh, sie fühlen sich nicht wohl?“
Endlich geht der Fischer von der Zeichensprache zum wahrhaft gesprochenen Wort über. „Ich fühle mich großartig“, sagt er. „Ich habe mich nie besser gefühlt.“ Er steht auf, reckt sich, als wollte er demonstrieren, wie athletisch er gebaut ist. „Ich fühle mich phantastisch.“
Der Gesichtsausdruck des Touristen wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht: „Aber warum fahren Sie dann nicht aus?“
Die Anwort kommt prompt und knapp. „Weil ich heute morgen schon ausgefahren bin.“
„War der Fang gut?“
„Er war so gut, daß ich nicht noch einmal auszufahren brauche, ich habe vier Hummer, fast zwei Dutzend Makrelen gefangen …“
Der Fischer, endlich erwacht, taut jetzt auf und klopft dem Touristen beruhigend auf die Schultern. Dessen besorgter Gesichtsausdruck erscheint ihm als ein Ausdruck zwar unangebrachter, doch rührender Kümmernis.
„Ich habe sogar für morgen und übermorgen genug“, sagt er, um des Fremden Seele zu erleichtern. „Rauchen Sie eine von meinen?“
„Ja, danke.“
Zigaretten werden in Münder gesteckt, ein fünftes Klick, der Fremde setzt sich kopfschüttelnd auf den Bootsrand, legt die Kamera aus der Hand, denn er braucht jetzt beide Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen.
„Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten einmischen“, sagt er, „aber stellen Sie sich mal vor, Sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht ein viertes Mal aus und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen … stellen Sie sich das mal vor.“
Der Fischer nickt.
„Sie würden“, fährt der Tourist fort, „nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja, an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren – wissen Sie, was geschehen würde?“
Der Fischer schüttelt den Kopf.
„Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter, würden sie natürlich viel mehr fangen – eines Tages würden sie zwei Kutter haben, Sie würden …“, die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, „Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funkt Anweisungen geben. Sie könnten die Lachsrecht erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren – und dann …“, wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache. Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreude schon fast verlustigt, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen. „Und dann“, sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache.
Der Fischer klopft ihm auf den Rücken, wie ein Kind, das sich verschluckt hat. „Was dann?“ fragt er leise.
„Dann“, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, „dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen und auf das herrliche Meer blicken.“
„Aber das tu ich ja schon jetzt“, sagt der Fischer, „ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört.“
Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.

Heinrich Böll, 1963


Vielleicht als ausgedruckte Beigabe zu einem Geburtstagsgeschenk…

Gruß
Uschi

VIELEN DANK!
Ich habe mir ein paar von euren Anregungen aufgeschrieben und werde die Tage mal in eine Buchhandlung gehen und in die Sachen reinschmökern.
Wenn ich mich entschieden habe, schreib ich euch noch, was es geworden ist!

Liebe Grüße

Trilli

Selma
Hallo Trilli,

super süss ist das Bilderbuch „Selma“. Wenn du in der Buchhandlung bist schau es dir doch mal an. Ich fand es SUPERGEIL.
Die Geschichte vom Schaf Selma ist so wahr! Das Buch ist zur Zeit sehr populär und müsste in jeder grösseren Buchhandlung zu finden sein.

Also viel Glück beim Buchkauf

Mark

auch: Selma
Hallo,

ja dem Tip mit „Selma“ kann ich mich nur anschließen. Das Büchlein ist übrigens von Jutta Bauer und es gibt’s in zwei Ausgaben im Lappan Verlag.

Danke der Senderin des Hesse-Gedichtes: es hat mich angeregt, doch mal wieder in seine Gedichte hineinzuschauen (als Prosaisten mag ich ihn nämlich gar nicht).

Have a nice day & lots of time.

hendrik

noch eine
Ein Almhirt sitzt vor seiner Hütte in den Allgäuer Bergen. Kommt ein Norddeutscher und spricht ihn an.

„Sagen Sie mal, haben Sie hier auch Kühe?“

-Hmhm

„Und machen Sie auch Käse?“

-Hmhm

„das ist sicher sehr anstrengend hier“

-Hmhm

„Viel Arbeit nicht?“

-Hmhm

„Wie lange sind sie den schon hier oben?“

-Zwoi Monat (zwei Monate)

„Aha-aha, und waren sie letztes Jahr auch hier?“

-Na (nein)

„Aha-aha, also Ihr Vorgänger. Was ist denn mit dem passiert, warum ist der nicht mehr da?“

-Den hand´se z´dod gfrauget (den haben sie zu Tode gefragt)

Rolf

wie wäre es, wenn du ihr etwas selber schreibst !!!

gruss marian

Selma ist’s geworden!
Weil es einfach ist.
Weil es niedlich ist.
Weil es einen verwirrt.
Weil man immer wieder dran denken muss.
Weil man es schnell „lesen“ kann.
Weil es nicht mit der Holzhammermethode kommt.

Resonnanz hab ich noch keine bekommen - sie ist für 5 Tage in den USA…

Grüße an alle, die mir die guten Tipps gegeben haben!
Trilli