OK, einen habe ich noch…
Und zwar ein Häppchen aus ‚Die Brüder Löwenherz‘ (ist auch von Astrid Lindgren):
_Dann geschah es. Etwas Seltsameres habe ich nie erlebt. Ganz plötzlich stand ich einfach vor der Gartenpforte und las auf dem grünen Schild: Die Brüder Löwenherz.
Wie kam ich dorthin? Wann flog ich? Wie konnte ich den Weg finden, ohne jemanden danach zu fragen? Das weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich plötzlich dort stand und das Namensschild an der Gartenpforte sah. Ich rief nach Jonathan. Mehrmals rief ich ihn, doch er antwortete nicht. Und da fiel es mir ein. Er saß natürlich unten am Fluss und angelte.
Ich lief los. Den schmalen Pfad hinunter zum Fluss. Ich lief und lief - und dort unten auf der Brücke saß Jonathan. Mein Bruder, er saß dort, sein Haar leuchtete im Sonnenschein, und auch wenn ich es hier zu erzählen versuche, so lässt sich doch nicht beschreiben, welch ein Gefühl es war, ihn wiederzusehen.
Er hörte mich nicht kommen. Ich versuchte „Jonathan“ zu rufen, weinte aber wohl, denn ich brachte nur einen leisen, komischen Laut hervor. Jonathan hörte mich trotzdem. Er blickte hoch.
Zunächst schien es, als erkenne er mich nicht wieder. Doch dann schrie er auf, warf die Angel ins Gras, stürzte auf mich zu und packte mich, als wolle er sich vergewissern, dass ich wirklich gekommen war. Und da weinte ich nur noch ein bisschen. Warum sollte ich denn noch weinen? Ich hatte mich ja nur so sehr nach ihm gesehnt.
Doch Jonathan lachte, und wir standen dort auf der Uferböschung und hielten uns umschlungen und freuten uns darüber, dass wir wieder zusammen waren, mehr, als ich sagen kann.
Und dann sagte Jonathan:„Na also, Krümel Löwenherz, jetzt bist du endlich da!“
Krümel Löwenherz, das klang wirklich komisch, wir kicherten beide darüber. Und dann lachten wir und lachten immer mehr, als wäre es das Lustigste, das wir je gehört hatten. Dabei war es wohl nur so, dass wir etwas zum Lachen brauchten, weil es vor Freude in uns blubberte. Und während wir noch lachten, fingen wir an, miteinander zu rangeln, hörten dabei aber nicht auf zu lachen.
Nein, wir lachten so, dass wir ins Gras fielen und uns kugelten
und immer noch mehr lachten, und schließlich rollten wir vor Lachen in den Fluss und lachten im Wasser weiter, bis ich dachte, wir ertrinken.
Statt dessen aber fingen wir an zu schwimmen. Ich habe nie schwimmen können, obwohl ich mir immer gewünscht hatte, es zu lernen. Jetzt konnte ich es plötzlich. Ich schwamm richtig gut.
„Jonathan, ich kann schwimmen!“ schrie ich.
„Klar kannst du schwimmen!“ rief Jonathan. Und da fiel mir etwas auf.
„Jonathan, hast du gemerkt?“ fragte ich. „Ich huste nicht mehr.“
„Klar hustest du nicht mehr“, sagte Jonathan. „Du bist ja jetzt in Nangijala.“_
Hexenschmatzer!
T.