Hallo,
ich gebe demnächst einen Workshop, in dem ich die systemische Familientherapie als
Fortbildungsmaßnahme vorstelle. Da ich insgesamt nur 80 Minuten zur Verfügung
habe, plane ich einen kurzen Theorieteil und möchte den Rest der Zeit für die
praktische Veranschaulichung der systemischen Haltung und Arbeitsmethoden,
nutzen.
Ich habe schon einige Ideen, suche aber noch dringend nach einer Methode für
den Anfang, mit der ich den TeilnehmernInnen, den systemischen Grundgedanken näher
bringen kann.
Wer kann mir weiterhelfen?
LG aus Köln
töngi
Hi Töngi
suche aber noch dringend nach
einer Methode für
den Anfang, mit der ich den TeilnehmernInnen, den systemischen
Grundgedanken näher
bringen kann.
Der Grundgedanke steckt ja (glücklicherweise…endlich mal ein treffendes Fachwort für einen Therapieansatz) schon im Namen selbst: Es geht bei der SYSTEMISCHEN Paar- und Familientherapie eben nicht darum, dass/ob EINER den schwarzen Peter hat bzw. wer mehr böse ist, sondern es geht um die problematischen Verstrickungen im System zwischen diesen Menschen.
Gruß,
Branden
Hallo Branden,
danke für Deine Antwort. Das ist mir natürlich klar, dass es um das
Beziehungsgeflecht geht
Und genau das würde ich den TeilnehmernInnen gerne
deutlich machen: dass es nicht nur eine Lösung gibt, bzw. sobald sich ein Teil des
Systemes bewegt, sich alle mitbewegen.
Leider fällt mir nur nichts ein, wie ich es methodisch „erfahrbar“ machen kann.
LG
töngi
*Mobile* (ganz kurz) 
Guten Morgen Töngi,
wie oben steht: Am Beispiel eines Mobiles.
Ich fände das einen prägnanten, „zwar althergebrachten“ aber guten Einstieg.
Mobile in die Mitte der Gruppe hängen, zeigen, was sehen sie, benennen lassen…
Teilnehmer einen Mobileteil aussuchen lassen (z.B. das schwarze Schaf *gg* im Einschlafschafherdemobile?..)
Das schwarze Schaf von einer Person phantasievoll erklären lassen, was es aus seiner Sicht alles macht, zeigen , dass es Unruhe in das Systemmobile bringen kann, vormachen.
Mobile/ System beruhigen lassen.
Du:
„Tjaja, das böse, böse Schwarze Schaf! Immer macht es Unruhe und ist immer schuld“ 
Du:
„Was glauben sie, wird geschehen, wenn sich *der Hirte*/ *das gelbe Schaf*…bewegen wird?“
Am „Herdenmitglied“ ziehen, staunen, was passiert…
Und siehe da:
Bewegt sich ein beliebiges Teil des Systems, bewegt sich auch immer das System…
*…soooooooooooooooo ähnlich…*
Wäre doch ein Einstieg, oder?
Nur kurz
sorry, war heute erst spät im Bett und muss jetzt los,
Gruß Finjen
http://images.google.de/images?hl=de&q=Mobile&btnG=B…
Hurra, ich kann hellsehen
owT
Hi Thöni, guck mal, haben zeitgleich abgeschickt…
Hoffe, es hilft Dir *meine* Anregung…
Grinsegruß zu einem guten Tag,
Finjen
Leider fällt mir nur nichts ein, wie ich es methodisch
„erfahrbar“ machen kann.
Liebe/r Töngi!
Ich habe schon einige Ideen, suche aber noch dringend nach
einer Methode für
den Anfang, mit der ich den TeilnehmernInnen, den systemischen
Grundgedanken näher
bringen kann.
Ich würde vorschlagen, zu Anfang etwas zu präsentieren, das den Grundgedanken des systemischen Blicks bereits veranschaulicht, bevor theoretisch erst erläutert werden kann, was diesen Blick denn auszeichnet.
Klassisches Beispiel einer Szene bei einer fiktiven Familientherapie:
Ehemann: Meine Frau fängt ständig völlig grundlos an zu nörgeln, zunächst ziehe ich mich dann immer zurück, aber das veranlasst sie, nur noch stärker zu nörgeln als würde sie ganz bewusst immer wieder Streit provozieren wollen.
Ehefrau: Mein Mann hat die Angewohnheit, sich immer wieder völlig grundlos einfach zurückzuziehen, ich versuche dann immer, ihm zu sagen, dass mir das einfach nicht gefällt, aber er geht darauf gar nicht ein, sondern zieht sich sogar noch stärker zurück als würde er ganz bewusst immer wieder Streit provozieren wollen.
Der Systemische Familientherapeut erkennt, dass keiner von beiden „bewusst immer wieder Streit provozieren will“, dass der Grund dafür aber auch nicht irgendein ominöses „Unbewusstes“ ist, wie die Analytiker dies so gerne verantwortlich machen und so bei jedem der beiden Ehepartner für sich in der Kindheit wühlen (montags abends postkleinianisch beim Mann, donnerstags vormittags bionitisch bei der Frau), sondern dass ein systemischer Kommunikationsfehler zwischen den beiden herrscht, der folgendermaßen aussieht:
Der Ehemann sieht sein Sich-Zurückziehen als Reaktion auf die aktive Nörgelei der Frau, ihr Weiternörgeln sieht er als bösartiges Trotzverhalten trotz seines doch offensichtlichen vorgebachten Wunsches, dem (durch Rückzug) zu entgehen.
Die Ehefrau sieht ihr kritisches (Nörgel)Verhalten als Reaktion auf das aktive Sich-Zurückziehen ihres Mannes, sein Weiter-Sich-Zurückziehen sieht sie als bösartiges Trotzverhalten trotz ihres doch offensichtlich vorgebrachten Wunsches, er würde sich nicht immer zurückziehen.
Fazit: Beide haben mit ihrer Sicht der Dinge vollkommen Recht, wenn man bedenkt, dass am Anfang des aufgeschaukelten Streits ein minimaler Auslöser war, von dem man gar nicht wirklich ausmachen kann, ob erst sich-zurückgezogen wurde, oder ob erst genörgelt wurde.
Da der Ehemann aber das Nörgeln als Anfang/Ursache setzt, und damit sein Verhalten als Reaktion, die Ehefrau aber das Sich-Zurückziehen als Anfang/Ursache, und ihre Kritik daran als Reaktion, müssen sie beide notwendig den jeweils anderen für streitsüchtig und für alleinschuldig an der Ehekrise halten.
Solange diese unterschiedliche wechselseitige Beschuldigung (die auf einem grundlegend unterschiedlichen Wahrnehmungsverhalten beruht, von denen keines der beiden das „wahre“ ist; der Grund ist also nicht Bösartigkeit oder Wahrnehmungsverzerrung von einem der beiden; beide meinen es gut, und beide schätzen die Situation jeweils richtig ein.) besteht, können die Ehepartner ihren Konflikt nicht durch Dialog lösen, denn der Ehemann würde dabei halt wieder anfangen, sich zurückzuziehen, weil seine Frau schon wieder bösartig zu nörgeln beginnen würde, und die Ehefrau würde schon wieder das Sich-Zurückziehen des Ehemannes kritisieren.
Und wenn sie nicht gestorben sind …
Der Systemische Familientherapeut versucht, diese paradoxe Kommunikationsstruktur beiden vor Augen zu führen, bevor sie gestorben sind, damit wirklicher Dialog überhaupt erst möglich werden kann.
_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð €
Das System ist es, das dem Menschen erlaubt, mit sich bekannt zu werden.
(Raij Batarana)_
den systemischen Grundgedanken
„Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!“
Goethe, Faust
Hey Finyen,
die Idee das Mobile direkt mitzubringen, um es anschaulich zu machen finde ich prima. Ich benutze es zwar immer mal wieder als „Bild“, aber anhand eines echten Mobiles ins Gespräch zu kommen, hört sich gut an.
Da schau ich doch mal direkt, ob ich irgendwo eins finden kann.
Danke und viele Grüße
Töngi
Vielen Dank für Eure Anregungen, das Fallbeispiel werde ich mir gleich mal ausdrucken und der Satz von Goethe kommt direkt auf meinen Schreibtisch: der ist einfach perfekt
Naja und ein Mobile sollte ich mir so und so mal zulegen!
Wie Ihr schon schreibt, es sollte etwas vor der Theorie geben, das ist auch meine Idee.
Suche aber doch noch nach etwas Praktischem. Wie können die TeilnehmerInnen z.B. durch Interaktion das Bild des Mobiles erfahren. „Wenn einer sich bewegt, bewegt sich der andere mit…“
Sonst fallen mir immer so schöne kreative Dinge ein… hier bin ich aber leider ratlos?!
LG
töngi
hi,
baue doch ein mobile mit leuten. sie sollen sich mit miteinander über schnüre/taue (am besten plastik-wäscheleine-stücke) von verschiedener länge verbinden, und jeder soll sie am gürtel festbinden. dann bittest du eine person (den IP), sich zu einer seite langsam zu bewegen. das wird die anderen über die leinen mitnehmen.