Suche Rat bezüglich psychosomatischer Klinik

Guten Abend zusammen,

bin ziemlich verzweifelt und würde mich wirklich sehr freuen, wenn mir jemand von Euch einen Rat geben könnte.

Ganz kurz zu meiner Situation: Seit einigen Monaten befinde ich mich in psychoanalytischer Behandlung, während der es mir zunehmend schlechter geht. An meiner Therapeutin liegt das aber definitiv nicht, denn ich habe Vertrauen zu ihr und kann gut mit ihr reden. Die Diagnose ist u. a. Borderline. Bei meiner Arbeit, die ich bislang sehr gut bewältigen konnte, fühle ich mich mittlerweile echt überfordert. Ich kann mich schlecht konzentrieren und bin einfach nicht belastbar. Meine Therapeutin hat mir schon des öfteren zu einem stationären Aufenthalt geraten und mir zwei psychosomatische Kliniken empfohlen. Allerdings beläuft sich die Wartezeit für eine Aufnahme auf ein halbes bis dreiviertel Jahr…

Ein Beispiel: Gestern hab ich mich krank schreiben lassen, weil ich einfach zu platt und energielos war, um aufzustehen. Zwar tat mir die Ruhe gut, aber mir ist auch klar geworden, dass daheim rumzuhängen auch nicht die Lösung ist, da ich dann nur wieder am Grübeln bin.

Jetzt meine Frage: Was soll ich Eurer Meinung nach tun? Einerseits ist mir meine Arbeit sehr wichtig und lenkt mich ab, andererseits ist mir das Arbeiten aber auch zuviel und ich würde gerne in eine Klinik gehen (obwohl ich davor bislang immer Angst hatte), weil ich merke, dass ich doch kränker bin als ich dachte und ich Angst habe, dass es mir immer schlechter geht.

Vielen Dank schon mal für’s „Zuhören“ bzw. Lesen.

Grüße an alle!

Hallo,

was Du da beschreibst ist mir nicht so unbekannt. Ich konnte nicht akzeptieren, dass ich einfach nicht mehr funktionierte und je mehr ich damit haderte, desto schlechter erging es mir.

Ich kann nun nicht behaupten, dass ein Klinikaufenthalt, ein freiwilliger, die „Welt“ nun gleich verbessert hätte, aber ich denke, dass ich durchaus zugeben kann, dass dieser Schritt in meinem Falle vermutlich den totalen Absturz gerade noch verhindert hat.

Auch wenn ich nicht sagen kann, dass plötzlich alle Probleme gelöst waren, so hat es mir dennoch gut getan, auch wenn ich es gehasst habe.
Ich habe nette Menschen getroffen, die verstanden, was mich bewegte, was nicht betroffene in der Regel eben nicht können und habe auch manches gelernt und eine Weile habe ich Ruhe gefunden und neue Kräfte gesammelt.

Ich kann Dir nur empfehlen, Dir diese Auszeit zu nehmen, auch wenns schwer fallen mag, es lohnt sich.

Ich wünsche Dir gute Besserung und alles gute auf Deinem weiteren Weg.

Liebe Grüsse
Petra

Guten Morgen,

wollte meine Frage noch etwas präzisieren bzw. noch etwas ergänzen:

Zur Disposition stehen für mich:

* Weiterhin 1-2 Mal pro Woche zu meiner Therapeutin zu gehen
(allerdings hab ich das Gefühl, das wird mir nicht ausreichen und
so gerne ich zu ihr gehe, habe ich irgendwie Angst davor)
* Tagesklinik, Aufnahme in bis zu 3 Monaten möglich
* psychosomatische Klinik mit einer Wartezeit von 6 bzw. 9 Monaten
(Ich hab das Gefühl, so lange nicht mehr warten zu können)
* Akutklinik mit einer Wartezeit von 4-6 Wochen, von der mir meine
Therapeutin allerdings abrät, weil sie zu wenig spezialisiert ist
auf mein Krankheitsbild Borderline
(das würde ich momentan eigentlich am liebsten machen, bin aber so
unschlüssig, weil mir meine Therapeutin davon abrät).
* …

Wisst Ihr, ich habe eben schon mein Leben lang psychische Probleme und möchte endlich wissen wo die Ursachen liegen mit der Intention, mich selbst besser verstehen und mit dem Leben klar kommen zu können.

Vielen Dank schon im Voraus für hilfreiche Antworten!

Herzliche Grüße

Liebe Petra,

vielen Dank für Deinen Rat und Deine guten Wünsche!

Wie Du schon gesagt hast ist auch mir bewusst, dass ein Klinikaufenthalt alleine mich nicht in einen selbstzufriedenen und glücklichen Menschen verwandeln wird, aber er kann mir Hilfe beim Gesundwerden geben. Und ich bin ja gewillt, gesund zu werden und wünsche mir nichts mehr.

Hab gerade noch was ergänzt und vielleicht kannst Du mir auch darauf antworten?! Denn ich bin mir nicht sicher was ich machen soll bzw. in welche Klinik ich gehen soll. In was für einer Art Klinik bist Du denn gewesen, wenn ich fragen darf?

Dir wünsche ich auch alles Gute!

Hallo,

eben WEIL Du Dein ganzes Leben an Deiner Erkrankung leidest, solltest Du Dir jetzt die Zeit lassen und auf Deine Therapeutin hören: Wichtiger als die Wartezeit muss doch wohl die „Kompetenz“ der Einrichtung sein, damit die Heilungschancen nicht unnötig verringert werden . . .

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Ich kann dir nur empfehlen, dem Rat deiner Psycholgin zu folgen, und zu einem stätionären Aufenthalt, weil die Freizeit mit deinen Leidensgenossen Teil der Therapie ist. Stichwort Gemeinschaftsgefühl.

Und bedenke, dass die Wartezeit erst beginnt, wenn du dich anmeldest und dass sie in der Praxis oft kürzer als angegeben ist.

Die Alternative Arbeit/Therapie stellt sich kurzfristig, vielleicht geht es noch ein paar Wochen oder Monate gut. Langfristig ist ein gewisses Maß an Wohlbefinden Grundvoraussetzung für erfolgreiche Arbeit.

Da ich persönliche Erfahrungen habe und diese hier nicht weiter verbreiten möchte, stehe ich auch für Rückfragen per E-Mail zur Verfügung.

Hallo,

also, wie die anderen schon sagten, die Klinik sollte auf Deine Bedürfnisse ausgerichtet sein. Ich denke, das wird Deine Ärztin/Therapeutin am besten beurteilen können.

Ich war damals in einer psychosomatischen Klinik, konnte aber direkt dorthin, weil es extrem dringend war. Ist aber auch schon einige Jährchen her.

Gruss
Petra

Hi Du,
es schreibt Dir ein betroffener, der Jahre lang mit einer Borderline kranken Frau lebte.
Wir haben viel durchgemacht.
Polizeieinsätze, Krankenwageneinsätze, Ortungsorgien um sie zu finden, damit sie sich nichts antut, bei -7 Grad im Schlafanzug auf einen Marsch von über 40km, um mich so richtig zusammen zu schnauzen usw.
Hoffentlich ist es nicht bei Dir so.
Wir hatten eine unglaublich extreme Zeit verbracht. Sie war meine ganz große Liebe auf den zweiten Blick.
Es passte einfach alles.
Dann kamen diese Schübe bei ihr.
wie gesagt. Ein Extremfall. Soweit ich es als Laie beurteilen kann.
Sie ging dann zu einer Therapeutin.
Eine, die mich nicht mochte, obwohl sie mich nie gesehen oder gehört hätte. So wurde mir berichtet.
Ende vom Lied war.
Bedingung für einen Neuanfang: stationärer Aufenthalt.
Wenigstens da waren wir uns einig. Äh! die Therapeutin und ich meine ich.
Sie war in Bad Segeberg.
Eher ein 5-Sterne Hotel, als eine Klinik.
Die Fortschritte waren unglaublich gut.
Ich hatte sie wieder.
Meine Traumfrau.
Leider war sie sehr ungeduldig und wollte alles auf einmal weg haben.
Verstehe ich nur zu gut.
Wer hätte nicht gerne komplett neu und von vorne angefangen.
Dafür muss man nicht an Borderline leiden.
Heute ist sie mit einem anderen Mann glücklich und überraschender Weise ich schuldig und nicht die anderen negativen Dinge in ihrem Leben. Lange vor mir erlebte schlechte Erfahrungen.
Mit mir hatte es einen Namen.
Wir sind auseinander gegangen, weil es nicht mehr zu ertragen war und wir beide uns die Zeit nicht gaben.
Wir wollten beide zu viel zu schnell.
Das machte die tolle große Liebe, die im Übrigen auf beiden Seiten war kapputt.
Hätten wir vielleicht ein bisschen mehr ausgehalten, wäre ich wahrscheinlich mit ihr verheiratet.
So kann es auch gehen, wenn man zuviel zu schnell will.
Auch sie musste über 9 Monate warten, die im Endeffekt nur noch 3 Monate waren.
Wir hatten es vergessen und auf einmal war der Termin zur Vorstellung da.
Danach ging es relativ schnell und sie war für einen Monat dort.
Sie machte super Fortschritte und alles war gut.
Die Zeit danach haben wir beide vermasselt.
Nicht die Krankheit.
Nicht die Klinik.
Es hätte mir sehr geholfen, wenn die Therapeutin auch mich gecoacht hätte, wie ICH mich zu verhalten habe, wenn es ihr schlecht geht.
Es waren sehr schöne Zeiten, aber auch Zeiten, die mich geprägt haben.
Seit dem will ich nicht mehr alles sofort und gleich.
Ich bereue es, alles zu schnell und zu übereilt gewollt zu haben.

Nehme DIR die Zeit.
Gebe Deinem Umfeld eine Chance, Dich gesund zu erleben.

Tue es NUR FÜR DICH.
FÜR DEIN LEBEN.
Vergesse, was andere denken.

Nur DU.

Ich finde es toll, dass Du so weit bist, es zu erkennen, dass Du eben in eine Klinik willst.

Das ist in unserem Fall der größte und schwierigste Schritt gewesen.

DAS hast Du schon hinter Dir.
Den Rest packst Du auch noch.

Melde Dich an und nehme Dir ein Maßband.
Schneide jeden Tag einen Strich weg und freue Dich jeden Tag, dass das Maßband immer kürzer wird und nicht mehr sooooo viel übrig ist.

Es war nicht kurz. Sorry, aber ein paar Gedanken eines Laien, der Borderline nur von den Auswirkungen her kennen gelernt hat und wie ein Hund gelitten hat.

Mache DEINE EIGENE ERFOLGSSTORY daraus.

Es geht!

Du musst nur wollen.
Halte es aus. Es geht!

Dir viel Glück und Freude bei Deinem Aufenthalt in der Klinik.

-)

Peace and Love

Franky

Guten Tag,

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Hallo Franky,

es tut mir sehr leid zu lesen, dass Du so leiden musstest!

Ich hoffe, Du hast das alles verarbeitet und kannst wieder glücklich werden.

Wünsche Dir alles Gute!

Grüße