Sünde gegen den Heiligen Geist

Die Bibel sagt in Matthäus 12,31, Markus 3,29 und Hebräer 10,29, dass die Sünde gegen den Heiligen Geist nicht vergeben werden kann. Ich habe mal einen Pastor gefragt, worauf sich diese Stellen beziehen. Er antwortete mir: „Jede Sünde (wie z. B. in Galater 5, 19-21 aufgezählt) kann vergeben werden, wenn jemand sich zu Jesus bekehrt, ihm die Herrschaft für sein Leben voll und ganz ohne Einschränkung überlässt und ihn um Vergebung dieser Sünden bittet.
Die Sünde gegen den Heiligen Geist besteht darin, dass jemand über dieses Gnadenangebot Gottes ganz genau Bescheid weiß und auch weiß, dass er umkehren, dadurch sein Leben ändern müsste und dies aber aus vollster Überzeugung trotz besseren Wissens bis zur letzten Sekunde seines Lebens ablehnt.“

Ist diese Auslegung richtig? Was denkt ihr darüber?

Alex

Schreckgespenst: Sünde gegen den Heiligen Geist
Grundsätzlich stimme ich dieser Auslegung zu, aber:
Die „Sünde gegen den Hl. Geist“ ist das Druckmittel Nr. 1 in vielen Diskussionen fanatischer Christen mit Andersdenkenden: „Wenn du mir jetzt nicht sofort zustimmst, hast du die Sünde gegen den Hl. Geist begangen und bist auf ewig verloren!“ Wenn die Argumente wacklig sind, muss die Angst nachhelfen.
Es wäre zu unterscheiden zwischen „Gott ablehnen“ und „die religiösen Ansichten einer bestimmten christlichen Gruppierung ablehnen“. Nicht zu vergessen ist, dass die katholische Kirche jahrhundertelang behauptet hat, wer den Katholizismus ablehne, hätte die Sünde gegen den Hl. Geist begangen, weil jeder ehrliche Mensch erkennen müsse, dass der Katholizismus die einzig richtige Religion sei. Teile der katholischen Kirche behaupten das noch heute.
bb

Die Bibel sagt in Matthäus 12,31, Markus
3,29 und Hebräer 10,29, dass die Sünde
gegen den Heiligen Geist nicht vergeben
werden kann.
[…]
Ist diese Auslegung richtig? Was denkt
ihr darüber?

Alex

Im Prinzip richtig, kann aber noch präzisiert werden.

Im Zusammenhang von Matt.12,24 und 31 kann man erkennen, dass Jesus auf eine Ansicht der Pharisäer reagiert hat, die möglicherweise auch heute noch anzutreffen ist. Nämlich: die Wirkung des Heiligen Geistes (wörtlich: Ruach Ha Kodesh, dh. Geist der Heiligkeit) wurde dem Teufel zugeschrieben.

Wenn aber der Heilige Geist, der uns von unserer Schuld überzeugen soll, als nicht von Gott angesehen wird, WER soll uns dann noch auf unsere Fehler hinweisen? Und wenn wir unsere Fehler nicht erkennen, werden wir ja auch nicht um Vergebung bitten. Und das bewirkt dann auch, dass wir keine Vergebung bekommen.

Gruß Harald

Hallo Alexander

Ich denke, daß die Auslegung sinnvoll und vernünftig ist. Sie hat mit der Problematik des Vergebens zu tun.

Ist Vergeben eine einseitige Sache oder ist sie zweiseitig?
Was mache ich mit Menschen, die Vergebung verlachen und als Dummheit klassifizieren?
Ist das Gericht Gottes als Strafe zu sehen oder als Chance?

Stelltst Du Dir diese Fragen nicht in der Beziehung Gott-Mensch sondern Mensch-Mensch und nimmst an, Du wolltest verständnisvoll und liebevoll handeln, aber auch Deine Mitmenschen schützen, dann kommst Du in die Richtung, die Deine Interpretation weist.

Viele Grüße
Thomas

Hallo Alexander

Ist Vergeben eine einseitige Sache oder
ist sie zweiseitig?

In einem christlichen Buch habe ich kürzlich gelesen, wir dürften Menschen erst vergeben, wenn sie uns um Vergebung bitten.Begründung war der Vers, in dem davon die Rede ist, einen Bruder erst unter vier Augen zu ermahnen, dann zwei oder drei zeugen zu bringen usw. Wie ist das aber nun, wenn jemand auf meine Vergebung keinen Wert legt oder mich nicht mehr bitten kann (weil er/sie z.B. tot ist)?
bb

Ist Vergeben eine einseitige Sache oder
ist sie zweiseitig?

In einem christlichen Buch habe ich
kürzlich gelesen, wir dürften Menschen
erst vergeben, wenn sie uns um Vergebung
bitten.Begründung war der Vers, in dem
davon die Rede ist, einen Bruder erst
unter vier Augen zu ermahnen, dann zwei
oder drei zeugen zu bringen usw. Wie ist
das aber nun, wenn jemand auf meine
Vergebung keinen Wert legt oder mich
nicht mehr bitten kann (weil er/sie z.B.
tot ist)?
bb

Hallo Barbara!

Du liest vielleicht Bücher !?!

Als Jesus am Kreuz seinen Mördern vergab mit den Worten:„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“, wartete er auch nicht, dass die Kriegsknechte sich bei ihm entschuldigten.
Derselbe Vorgang wird uns von Stephanus berichtet.

Wenn jemand an uns schuldig wird, ist es sehr empfehlenswert, ihm möglichst sofort im Herzen zu vergeben. Wenn er dann kommt, sich zu entschuldigen, fällt es uns dann auch leichter, die Entschuldigung anzunehmen.

Gruß Harald