Sündenvergabe

„Der Mensch irrt, so lang’ er strebt.“ Ich war zwar nie ein Streber,
doch ein Sünder. Meine lieben Freunde im Dorf wussten, dass ich als
nicht-Katholischer nie meiner Sünden ledig werde. Deshalb gingen sie
unbefangen ihrem jugendlichen Leichtsinn nach, bei dem ich ihnen
unbekümmert zur Hand ging. Freitags war im Dorf Badetag und Samstags
gingen sie mit der exogenen Reinheit und holten sich im Beichtstuhl
nach einem tief empfundenen mea culpa die Lossprechung. Da ich dem
evangelischen Irrglauben angehöre, wartet nun das Purgatorium auf
mich - es sei denn, ich werde als Evangele doch meiner Sünden ledig.
Nur, wie mache ich das.

Hallo Alexander,

dafür musst Du nichts machen.

Eine prägnante Zusammenfassung zu diesem Thema steht bei Johannes 19, 30.

Wenn Du glauben willst, geht der ganze Rest auch in Ordnung. Wenn nicht, machts Dir nichts aus. Gibt also zur Ausnahme mal bloß zwei positive Alternativen.

Schöne Grüße

MM

Freitags war im Dorf Badetag und

Samstags
gingen sie mit der exogenen Reinheit und holten sich im
Beichtstuhl
nach einem tief empfundenen mea culpa die Lossprechung. Da ich
dem
evangelischen Irrglauben angehöre, wartet nun das Purgatorium
auf
mich - es sei denn, ich werde als Evangele doch meiner Sünden
ledig.
Nur, wie mache ich das.

Geh baden, dann ruf deinen Pfarrer an und mach mit ihm einen Termin zur Beichte aus. (geht auch umgekehrt)
Das geht bei Evangelen auch.
Bei den Katholen ist diese Beichte nur mehr „verpflichtend“ angelegt. Welche Auswirkung das auf die „tiefe Empfindung“ des „mea culpa“ hat,
lasse ich mal dahingestellt sein.

Beichte ist nicht gleich Beichte

Hallo Alexander,

dafür musst Du nichts machen.

Doch, „muss“ er schon, sofern er will. Aber dann konsequent. Im „echten“ christlichen Glauben gibts keine Halbheiten.
Von nix kommt bekanntlich auch in Glaubensfragen nix.

Aber das Prinzip des christl. Glaubens hier zu erläutern, sprengt das Forum wirklich. Stichwort: Sündenbekenntnis, Sündenvergebung und Umkehr.

Will heißen: ob du katholisch bist oder evangelisch ist piepegal. Ob die Firma Kirche katholischer Art die Pflichtbeichte hat, kann man halten davon was man will, aber selbst als evangelischer Christ, der sich nicht nur so schimpft, sondern es auch lebt, „beichtet“ man tagtäglich „im stillen Kämmerlein“, wo man heute wiedermal „versagt“ hat, „über die Stränge geschlagen“ hat, wie auch immer.

Einem „echten“ Christen ist das ein Bedürfnis , nicht eine lästige Pflicht.

Und eine Beichte ist einen, sorry, Furz wert, wenn man am nächsten Tag mit dem gleichen Mist wieder über die Stränge schlägt.

Beichte heißt ja nicht, eben mal schnell Dampf ablassen und den christlichen Mülleimer benutzen, sondern Beichte heißt, ehrlich bereuen, wo man ihm da oben Kummer gemacht hat, wo man anderen Leid zugefügt hat, usw. - und dann ehrlich bemüht sein, in Zukunft eben das zu lassen!

Schaffen wird man es nicht immer, aber dafür gibts ja auch „Hilfe von oben“.

Oder findet ihr es prickelnd, wenn euch euer Nachbar übern Haufen fährt und ein lapidares 'Tschuldigung murmelt, und am nächsten Tag euch seinen Müll in den Garten kippt?
Was ist euch dann sein 'Tschuldigung wert?
Gar nischt!

Genauso ist es mit Gott und dem Glauben auch - Gott ist es piepegal, ob einer evangelisch ist oder katholisch, es geht nur drum, wie ihr den Glauben lebt - und der zeigt sich nun mal im Leben und nicht im Blabla. Nicht alles, wo Christ drauf steht, ist auch Christ drin.

Chris

3 „Gefällt mir“

Hallo Chris,

in der bekannten Diskussion „Glauben“ versus „Werke“ ist das zentrale Argument Luthers auf Johannes 3, 16 gestützt: Es geht nach lutherischer Lesart tatsächlich nicht darum, besser oder schlechter oder im Sinn des Herrn zu handeln oder auch nicht: Man kriegts eh nicht gebacken, wie es eigentlich richtig wäre.

Sondern ausschließlich darum, sich auf das Erlösungswerk zu verlassen.

Dass daraus auch (wie Du mit Luther einer Meinung bist: freiwilliges) Handeln folgen mag, ist schon richtig: Luk 6, 46ff. Gleichzeitig ist es aber nicht statthaft, entsprechende Richtlinien für andere als bloß sich selbst zu entwickeln: Luk 6, 37ff.

In diesem Sinne

MM

Haben wir die gleiche Bibel?

Eine prägnante Zusammenfassung zu diesem Thema steht bei
Johannes 19, 30.

Nur finde ich diese Stelle nicht. Ich schaue in den Briefen des
Johannes. Bei mir schreibt es noch an die Hebräer und dann endet der
Briefverkehr des Johannes.

Hallo Alexander,

Du könntest katholisch werden:wink:
Oder damit leben, ein Sünder zu sein, und - so das Dir zusagt - an die Gerechtsprechung durch Gott glauben.
Da ich leider kaum Zeit habe, verweise ich auf eine im Netz vorhandene englische ZUsammenfassung des entscheidenen Textes von Luther:
http://www.iclnet.org/pub/resources/text/wittenberg/…
Du siehst, Luther hatte ähnliche Fragen:wink:

Beste Grüße,
Taju

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Alexander,

wohl schon die gleiche Bibel, aber unterschiedliche Zitierweisen. Ich verwende die „puren Namen“ Matthäus, Markus, Lukas, Johannes für die Evangelien. Für die Briefe des Johannes vor dem Namen ergänzt 1., 2., 3. - Dieses entspricht, glaube ich, gängiger Praxis.

Die zitierte Stelle ist übrigens nicht sehr geheimnisvoll: Es geht um das bekannte „Es ist vollbracht“, das nur bei Johannes vorkommt. Die Deutung, dass mit diesen Worten die Vollendung des Werkes Christi schlechthin zum Ausdruck gebracht wird, so dass darüber hinaus nichts mehr zu tun bleibt, ist freilich nicht die einzige.

Schöne Grüße

MM