Sütterlin-Hilfe bitte

Schönen Sonntag allerseits,

der Link zeigt einen Auszug aus einer Geburtsurkunde, in dem ich mindestens ein Wort nicht lesen (verstehen?) kann:

M.E. lautet der Text:

… der Persönlichkeit nach durch Familienbuch anerkannt, der xxxx -Blasemeister (?) Karl Christian …

Bei "Blasemeister bin ich noch recht sicher, aber was heisst das Wort davor???

http://www.pic-upload.de/view-8957861/GebScan.jpg.html

Mit dankbarem Gruss

rambam

Das sieht mir irgendwie nach „Reserve“ aus, allerdings mit 2 e vorne…

mfg,
Ché Netzer

Hallo,

Das sieht mir irgendwie nach „Reserve“ aus, allerdings mit 2
e vorne…

Das war auch meine erste Idee.
Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher. Der erste Buchstabe ist eher ein R als ein K. In der Mitte könnte auch ein f sein.

Kann das ganze Dokument eingestellt werden, damit mehr Vergelichsmöglichkeiten bestehen?
Interessant wäre auch der zeitliche und regionale Rahmen, um besser auf die Berufsbezeichnung schliessen zu können.

Gruß
Jörg Zabel

Danke erstmal,

der Rest gibt leider auch unter Buchstabenvergleichs-Gesichtspunkten nichts mehr her - das habe ich alles schon hinter mir (und ich habe mal Sütterlin gelernt). Der Mann könnte in einem Hüttenwerk gearbeitet haben. Im Jahr 1917 wäre der „Reserve-Blasemeister“ durchaus möglich gewesen. Das war übrigens auch meine Auslegung, aber dieser doppelte Buchstabe hinter dem R hat mich irritiert.

Anyway, vielen Dank noch mal

rambam

Hiho,

(und ich habe mal Sütterlin gelernt)

da nimmt es mich Wunder, daß Du Sütterlin nicht von der hier vorliegenden deutschen Kurrentschrift unterscheidest.

Wie auch immer: Wenn der kleine Buchstabe unmittelbar vor dem s ein v ist, ist der vorletzte ein w - dann kommt das ziemlich seltsame „Revserwe“ raus. „c“ und „o“ kämen noch in Frage - das „o“ ist nur in Sütterlin deutlich rund, in deutsch Kurrent nicht. Beide gäben aber auch keinen Sinn. Das „R“ ist unsauber angesetzt, aber am „K“ des Namens sieht man, daß eher ein „R“ gemeint ist.

Deine Interpretation, dass der zweite Kleinbuchstabe in „Re…“ schlicht überzählig ist, kommt mir auch am wahrscheinlichsten vor.

Schöne Grüße

MM

Guten Tag,

auch ich habe Sütterlin gelernt, mich viel in Archiven herumgetrieben und in Kirchenbüchern gelesen - zurück bis ins 15. Jh.

Der dritte Buchstabe kann auf keinen Fall ein „e“ sein. Am ehesten käme ein „o“ in Frage, doch das ergibt keinen Sinn. Die Suche in einem MEYER aus dem Jahr 1905 ergab nichts, was dem Schriftbild einigermaßen entsprechen könnte.

Nach meiner Erfahrung darf man sich vom so überaus korrekt erscheinenden Sütterlin nicht täuschen lassen. Auch damals haben sich die Schreiber vertan, vielleicht nicht richtig zugehört, vielleicht an Legasthenie gelitten. Ich würde mich unbedingt für „Reserve“ entscheiden.

mfg
Paulsson

Hiho,

ich weiß Sütterlin von Kurrent und Koch und wie sie alle heißen, sehr wohl zu unterscheiden, wollte hier aber nicht den Schulmeister spielen, nachdem der Fragesteller von „Sütterlin“ sprach.

mfg
Paulsson

Hallo rambam,

der Rest gibt leider auch unter
Buchstabenvergleichs-Gesichtspunkten nichts mehr her - das
habe ich alles schon hinter mir

Schön. Dann eben nicht. (Manchmal fällt einer „fremden“ Person etwas auf, das man übersehen hat.)

(und ich habe mal Sütterlin
gelernt).

Ich auch. Und ich habe mir an Berg-Grundbüchern die Zähne ausgebissen. (Die Steiger hatten eine „Sau-Klaue“ und die Fachbegriffe muß man auch erstmal kennen.)

Der Mann könnte in einem Hüttenwerk gearbeitet
haben. Im Jahr 1917 wäre der „Reserve-Blasemeister“ durchaus
möglich gewesen.

Dann sollte man sich mal mit den hüttentechnischen Fachbegriffen dieser Zeit auseinander setzen. Vielleicht hilfts was.
Möglicherweise auch Fachbegriffe anderer Industriezweige. Mir fällt da das „Glasblasen“ ein.

Viel Spass noch weiterhin.

Gruß
Jörg Zabel

Sütterlin vs. Deutsch Kurrent
Servus,

alldieweil die Letzten, die in der Oberschulmathe Vektoren noch mit Sütterlin-Minuskeln bezeichnet oder gar im Kunstunterricht noch Deutsch Kurrent und auch Sütterlin kalligraphiert haben, stramm auf dem Weg Richtung Pensionsalter und/oder Bahre sind, halte ich es nicht für eine lästige Schulmeisterey, sondern für durchaus hilfreich, wenn man auf die Unterschiede hinweist: Das erleichtert (man mag das Leben online mögen oder nicht) das Auffinden von Schriftproben zum Vergleichen ziemlich. Grade in der vorliegenden Probe haben wir mit Buchstaben zu tun, die in Kurrentschrift ganz anders aussehen als in Sütterlin - dass sie in Wirklichkeit ganz ähnlich sind, erkennt man bloß, wenn man sie selber schreibt: Du erkennst sie aus einschlägiger Praxis auf Anhieb, aber wenn man an die vorliegende Schrift mit einer Sütterlin-Tafel herangeht, kommt man schnell ins Unterholz.

Es wird wohl nicht mehr lange hin sein, bis auch die lateinischen Kanzleischriften des 18. und 19. Jahrhunderts in Bausch und Bogen „Sütterlin“ genannt werden. Da ist dann ein bissel Sturheit in der Nomenklatur schon nützlich.

Schöne Grüße

MM

Es wird wohl nicht mehr lange hin sein, bis auch die
lateinischen Kanzleischriften des 18. und 19. Jahrhunderts in
Bausch und Bogen „Sütterlin“ genannt werden. Da ist dann ein
bissel Sturheit in der Nomenklatur schon nützlich.

Wahrscheinlich war ich einer der letzten, die im Deutsch-Grundkurs als erstes die „Deutsche Schrift“ gelernt haben (im Jahre 1999). Schon zu dieser Zeit wurde ich stutzig, wenn mein Lateinleher mir fragte, warum ich in „Sütterlinschrift“ schriebe."

Frhr. v. Doppelripp

Verbesserung
Entschuldigung - es muß natürlich heißen: „…wenn mein Lateinlehrer mich fragte, warum ich in „Sütterlinschrift“ schriebe“.

Frhr. v. Doppelripp