Suicid - Jugend

Hi,

Trifft das Argument :" Wenn ein Jugendlicher Suicid begeht, dann
ist das zum größten Teil ein Versäumnis der Eltern" zu ?

A.

Nein! OWT

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Ich glaube, so kann man das nicht sagen. Das ist doch das gleiche Phänomen wie mit Kinderschändern (versteh mich bitte richtig, ich meine hier die Reaktion der Leute…). Da werden dann Nachbarn befragt und die Eltern, und die sagen dann alle: „Ach, er war immer ein ganz Ruhiger, und so freundlich und zuvorkommend…“
Ich glaube nicht, dass Eltern immer mitkriegen, was in ihren Kindern so vorgeht, und das aus dem Grund, weil die Kinder nicht WOLLEN, dass die Eltern es mitkriegen. Ein Suizid ist nicht die Entscheidung der Eltern, sondern der/des Jugendlichen, es ist in dem Moment ein Teil seiner/ihrer Selbstbestimmung.
Anders sieht es vielleicht aus, wenn der Jugendliche sich aufgrund der Lebensumstände im Elternhaus umbringt (zuviel Druck, keine Liebe, Gewalt). Dann kann man zu Recht von einem Versäumnis der Eltern sprechen. Aber in allen anderen Fällen würde ich dem Argument nicht von vorneherein zustimmen.

Gruß, Dine

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Meiner Meinung nach ist Suicid von Jugendlichen die Schuld derer, die weg geguckt haben. Meist stimmt bei solchen Jugendlichen vieles nicht. Stress in der Schule, nur wenige Freunde, Eltern die ständig meckern etc. Da die Schuld alleine auf die Eltern zu schieben wäre ziemlich engstirnig.

Tara

Hallo zurück,
in welchem Sinne Versäumnis? Weil sie etwas in der Erziehung versäumt haben? Weil sie versäumt haben, Zeichen „richtig“ zu deuten? Weil…?
Die Frage könnte implizieren, dass Suizid ein Resultat aus einer von den Eltern nicht komplett abgearbeiteten „Erziehungsliste“ sein müsste - jedenfalls ich finde sie extrem seltsam gestellt.

Anyway, ich habe hier eine Zusammenfassung gefunden, die ich irgendwann mal für eine Prüfung gemacht habe, vielleicht kann Dir das ein wenig weiterhelfen. Ansonsten empfehle ich „Krisenintervention und Suizidverhütung“ von Gernot Sonneck als leicht verständliche Hintergrundlektüre.
(http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN…)

LG;
NOrah

Suizid

  • gehört zu 10 häufigsten Todesursachen
  • Risikogruppen: Schizophrene, Depressive, Drogen- und Alkoholabhängige, vereinsamte Menschen, Menschen mit Suizid-Historie
  • Anstieg ab 65.Lj
  • Zw. 15 u 35 zweithäufigste Todesursache
  • Suizidalität ab 8.Lj
  • Kinder u Jugendliche besonders abhängig u beeinflussbar v Familie u Gesellschaft

Begriffe:

Suizididee

  • Nachdenken über Tod im allgemeinen und speziell eigener Tod
  • Todeswunsch
  • Direkte Vorstellung Suizidhandlung

Suizidversuch/ Parasuizid

  • Selbstinitiiertes Verhalten
  • sich verletzen oder Substanz in Menge nehmen, die therapeutische Dosis oder gewöhnliches Konsumniveau übersteigt, und von der geglaubt wird, dass pharmakologisch wirksam
  • aktive Intention zur Beendigung eigenes Leben
  • Unterteilung:
    o Parasuizidale Pause:
    Wunsch nach Zäsur, „einfach mal Ruhe haben“, ohne Formulierung Todeswunsch
    o Parasuizidale Geste
    Appell an Mitmenschen, oft so arrangiert, dass mit Sicherheit gefunden wird
    o Parasuizidale Handlung
    Mit ausgesprochener Autoaggression, Suizid ist „missglückt“, eindeutige Intention zu sterben

Suizid:

  • zum Tode führende Handlung
  • tut Betroffener für sich selbst
  • als letzter und bester Ausweg aus unerträglicher Situation

suizidale Verhaltensweisen:

  • auf kurzen Zeitraum beschränkte absichtliche Selbstschädigung
  • nicht wissen können, ob man Handlung überlebt oder nicht

selbstschädigende Verhaltensweisen:

  • verzögerte Selbsttötung
  • kein bewusster Todeswunsch

Ursachen:

Biologie:

  • Vererbung
  • vererbbare Disposition zur Depression

Soziologie:

  • Durkheim: nicht geglückte Anpassung des Individuums an verschiedene Gesellschaftsformen
  • Imitationshypothese: suizidales Verhalten nach Vorbild initiiert: „Werther-Effekt“

Psychologie:
Freud: Theorie der Depression:

  • Depressiver wendet Aggressionen gegen eigenes Ich, da nicht gegen andere richten darf
  • A entsteht aus ambivalenter Haltung anderen gegenüber (Hass u Liebe)
    Henseler: Narzisstischer Charakter
  • Narzissten = höchst kränkbare Menschen
  • Fühlen sich verletzt durch Kritik und Ablehnung
  • Basis: schwach ausgebildetes Selbstwertgefühl, zugleich Überschätzung dessen
  • Rettung im Suizid
  • Unrealistische Einschätzung anderer Personen  Kränkungen in Beziehungen vorprogrammiert: Nicht-Wahrnehmen Bedürfnisse Partner, braucht ihn aber für seelisches Gleichgewicht  Wenden der Aggressionen gegen sich selbst
    Cry for Help
  • Appell
  • Entspricht parasuizidaler Geste
    –> können sich nicht als monokausale Ursachen halten
    –> Krisenintervention!

psychosoziale Krise:

  • berücksichtigt psychologische Dispositionen und soziales Umfeld und gesundheitlichen Zustand

Kinder u Jugendliche:

Suizidalität:

  • Ausdruck v. tiefen seelischen/ innerpsychischen Krisen des Einzelnen
  • Oft am Ende langer Leidengeschichte  aktuelle und auch bereits länger anhaltende innerseelische Konflikte
  • Fast immer Hinweis auf zwischenmenschliche Bindungen  persönliche, familiäre, soziale Probleme im Vordergrund
  • Stark besetztes Motivbündel: Appell, Rache, Autoaggression, Flucht

Kinderselbstmorde:

  • Kinder unter 10 noch kein rationales Wissen über Tod, kein Bewusstsein über Endgültigkeit
  • Eher als spiel zu verstehen, Wunsch, zu verreisen
  • Tod eines Nahestehenden: erlebt als Verlassenwerden  auch weggehen
  • Flucht vor unangenehmen Situationen, Selbstbestrafung, Umkehr aggressiver Impulse
  • Problem der Feststellung ob Suizid oder eher Unfall

Pubertät:

  • kritische Auseinandersetzung mit Endlichkeit
  • per se schwierige Phase
  • 3 Problembereiche: Autoritätskrisen, Identitätskrisen, psychosexuelle Krisen
  • Verarbeitung der körperlichen u psychischen Reifung
  • Identitätsfindung: Hin- und hergerissen zwischen Bedürfnis nach Zuneigung u Autonomie
  • Gefühl des Einsamseins und Nicht-Verstanden-Seins
  • Ablösungs- und Trennungsproblematik von den Eltern  Trennungs- und Bindungsängste
  • Neigung zur Impulsivität, emotionale Instabilität  Neigung zu Experimenten und zum Erleben des Außergewöhnlichen

Risikofaktoren für suizidales Verhalten:

  • verminderte Problemlösekompetenz
  • Störungen des Selbstwertgefühls
  • Gestörter Dialog in Familie
  • Zerbrochenes Weltbild
  • Ohnmachtsgefühl während Vertrauens-, Autonomie- oder Identitätsphase --[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]