Hallo zusammen,
glücklicherweise bin ich nur indirekt von dieser unschönen Geschichte betroffen; es geht um jemanden, der mir sehr nahe steht, nur bin ich mit meinem Latein so ziemlich am Ende.
Aber ich fange mal bei Adam und Eva an…
K. (W, 32) und C. (M, 40 oder 41) sind seit über zehn Jahren zusammen, haben sich auch irgendwann verlobt; in der Beziehung krachte es immer wieder gewaltigst und zwar nicht nur in Form von verbalen Auseinandersetzungen sondern auch körperlichen Übergriffen seinerseits, mehreren - auch längeren (ca. ein halbes Jahr) - Trennungen und Versöhnungen, etc.
K. zog vor gut zwei Jahren des Jobs wegen nach Süddeutschland; hat sich dort privat und beruflich ihre Welt aufgebaut).
C. lebt nach wie vor in Berlin, ist mehr oder weniger trockener Alkoholiker; jobbte mal hier mal dort, blieb aber nirgendwo länger - Stichwort: ‚ich lasse mir doch nichts sagen; ich kann alles besser und weiß alles besser, und überhaupt‘ - für die heutige Berufswelt IMHO absolut ungeeignet; seit längerem - sprich: bereits vor der Beziehung - getreu dem Motto ‚die ganze Welt ist schuld, nur ich nicht‘ mit sich und seinem dem Leben unzufrieden.
Depressionen (incl. mehrfacher Suizidandrohung) hatte er schon immer, wobei er sich vor einiger Zeit um die Aufnahme in die Psychiatrie bemühte, jedoch von dem diensthabenden Doc abgewiesen wurde. Seine Mutter bot ihm an, ihm einen Therapieplatz zu besorgen, was er allerdings mit dem Spruch ‚so, wie du dir das vorstellst, funktioniert es nicht‘. Ich muß dazu sagen, daß das Verhältnis zwischen C. und seinen Eltern nicht das Beste ist (im Klartext: er macht auch sie für sein Versagen im Leben verantwortlich). Suizidandrohungen gab es - wie gesagt - bereits in der Vergangenheit, was K. auch beruflich vor größere Probleme stellte; es kamen im Büro z. B. Anrufe à la ‚hol mich dort und dort ab, sonst fahre ich gegen den nächsten Baum‘, woraufhin K. sofort aufsprang und losfuhr.
Ich persönlich halte K. für emotional abhängig von ihm, wobei ggf. auch eine Portion - aus meiner Sicht unbegründeter - Schuldgefühle im Spiel ist, aber dazu komme ich gleich.
Gestern nacht nun die absolute Krönung… Er rief sie sturzbetrunken vom Handy aus an, daß er mit dem Wohnmobil unterwegs ist und sich nur verabschieden wollte, weil er vorhat, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Er liebt sie, blablabla, die übliche Brühe. Kurz darauf war sein Handy abgestellt. Daraufhin rief sie - natürlich total aufgelöst - mich an und ich merkte schon beim Abheben, daß die Kacke am dampfen ist; als dann die Frage kam, wie man ein Handy orten kann, war klar, was los ist. Von Süddeutschland aus, kann sie nicht viel machen, also haben wir seine Eltern eingeschaltet, die sind dann mitten in der Nacht zur Polizei und haben ihn zur Fahndung ausschreiben lassen.
Na ja, wie die Nacht aussah, könnt Ihr Euch in etwa vorstellen: ich hing nur kettenrauchend am Telefon und versuchte, der Rotz und Wasser heulenden K. ihre Schuldgefühle auszureden. Es wechselte zwischen Selbstvorwürfen, daß sie ihn in letzter Zeit etwas ruppig behandelt hat, Stoßgebeten à la ‚Lieber Gott, laß ihn sich nichts angetan haben‘, von ‚das ist so unfair von ihm‘ begleiteten Weinkrämpfen und der geradezu panischen Angst davor, daß sie selbst durchdreht (‚ich habe Angst, daß ich einen Hau weg habe, wenn er sich etwas angetan haben sollte‘).
Heute früh kam zwar die Entwarnung in Form einer SMS, daß er wieder nüchtern ist, allerdings war sein Vater auch heute früh zu seiner Wohnung gefahren und kam heulend und praktisch unansprechbar zurück, weil C. die Wohnungsschlüssel auf dem Fensterbrett hat liegen lassen. Das war bei seinen vorherigen Eskapaden noch niemals der Fall, insofern vermuten wir, daß er dieses Mal tatsächlich vorhatte, sich auszuknipsen.
Die Fahndung läuft wie gesagt, K. steht im ständigen Kontakt mit der inzwischen eingeschalteten Kripo und seinen Eltern, und wird - so sie ihn finden - auch Druck machen, daß er notfalls zwangseingewiesen wird.
Sofern Ihr Euch bis hierhin durch mein chaotisches Geschreibsel durchgekämpft habt:
Nun meine Frage: wie kann ich in dieser vertrackten Situation IHR bzw. seinen Eltern helfen und beistehen? Gestern nacht konnte ich nur ein rund um die Uhr offenes Ohr und den Vorschlag, daß sie sich ggf. selbst mit einem Therapeuten zusammensetzen sollte (was sie auch einsieht), anbieten… Nun bin ich aber auch mit meinem Latein am Ende.
Für Tips und Ratschläge wäre ich Euch sehr dankbar.
Beste Grüße
Renee