Suizid + Emotionale Erpressung (lang)

Hallo zusammen,

glücklicherweise bin ich nur indirekt von dieser unschönen Geschichte betroffen; es geht um jemanden, der mir sehr nahe steht, nur bin ich mit meinem Latein so ziemlich am Ende.

Aber ich fange mal bei Adam und Eva an…

K. (W, 32) und C. (M, 40 oder 41) sind seit über zehn Jahren zusammen, haben sich auch irgendwann verlobt; in der Beziehung krachte es immer wieder gewaltigst und zwar nicht nur in Form von verbalen Auseinandersetzungen sondern auch körperlichen Übergriffen seinerseits, mehreren - auch längeren (ca. ein halbes Jahr) - Trennungen und Versöhnungen, etc.

K. zog vor gut zwei Jahren des Jobs wegen nach Süddeutschland; hat sich dort privat und beruflich ihre Welt aufgebaut).
C. lebt nach wie vor in Berlin, ist mehr oder weniger trockener Alkoholiker; jobbte mal hier mal dort, blieb aber nirgendwo länger - Stichwort: ‚ich lasse mir doch nichts sagen; ich kann alles besser und weiß alles besser, und überhaupt‘ - für die heutige Berufswelt IMHO absolut ungeeignet; seit längerem - sprich: bereits vor der Beziehung - getreu dem Motto ‚die ganze Welt ist schuld, nur ich nicht‘ mit sich und seinem dem Leben unzufrieden.

Depressionen (incl. mehrfacher Suizidandrohung) hatte er schon immer, wobei er sich vor einiger Zeit um die Aufnahme in die Psychiatrie bemühte, jedoch von dem diensthabenden Doc abgewiesen wurde. Seine Mutter bot ihm an, ihm einen Therapieplatz zu besorgen, was er allerdings mit dem Spruch ‚so, wie du dir das vorstellst, funktioniert es nicht‘. Ich muß dazu sagen, daß das Verhältnis zwischen C. und seinen Eltern nicht das Beste ist (im Klartext: er macht auch sie für sein Versagen im Leben verantwortlich). Suizidandrohungen gab es - wie gesagt - bereits in der Vergangenheit, was K. auch beruflich vor größere Probleme stellte; es kamen im Büro z. B. Anrufe à la ‚hol mich dort und dort ab, sonst fahre ich gegen den nächsten Baum‘, woraufhin K. sofort aufsprang und losfuhr.

Ich persönlich halte K. für emotional abhängig von ihm, wobei ggf. auch eine Portion - aus meiner Sicht unbegründeter - Schuldgefühle im Spiel ist, aber dazu komme ich gleich.

Gestern nacht nun die absolute Krönung… Er rief sie sturzbetrunken vom Handy aus an, daß er mit dem Wohnmobil unterwegs ist und sich nur verabschieden wollte, weil er vorhat, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Er liebt sie, blablabla, die übliche Brühe. Kurz darauf war sein Handy abgestellt. Daraufhin rief sie - natürlich total aufgelöst - mich an und ich merkte schon beim Abheben, daß die Kacke am dampfen ist; als dann die Frage kam, wie man ein Handy orten kann, war klar, was los ist. Von Süddeutschland aus, kann sie nicht viel machen, also haben wir seine Eltern eingeschaltet, die sind dann mitten in der Nacht zur Polizei und haben ihn zur Fahndung ausschreiben lassen.

Na ja, wie die Nacht aussah, könnt Ihr Euch in etwa vorstellen: ich hing nur kettenrauchend am Telefon und versuchte, der Rotz und Wasser heulenden K. ihre Schuldgefühle auszureden. Es wechselte zwischen Selbstvorwürfen, daß sie ihn in letzter Zeit etwas ruppig behandelt hat, Stoßgebeten à la ‚Lieber Gott, laß ihn sich nichts angetan haben‘, von ‚das ist so unfair von ihm‘ begleiteten Weinkrämpfen und der geradezu panischen Angst davor, daß sie selbst durchdreht (‚ich habe Angst, daß ich einen Hau weg habe, wenn er sich etwas angetan haben sollte‘).

Heute früh kam zwar die Entwarnung in Form einer SMS, daß er wieder nüchtern ist, allerdings war sein Vater auch heute früh zu seiner Wohnung gefahren und kam heulend und praktisch unansprechbar zurück, weil C. die Wohnungsschlüssel auf dem Fensterbrett hat liegen lassen. Das war bei seinen vorherigen Eskapaden noch niemals der Fall, insofern vermuten wir, daß er dieses Mal tatsächlich vorhatte, sich auszuknipsen.

Die Fahndung läuft wie gesagt, K. steht im ständigen Kontakt mit der inzwischen eingeschalteten Kripo und seinen Eltern, und wird - so sie ihn finden - auch Druck machen, daß er notfalls zwangseingewiesen wird.

Sofern Ihr Euch bis hierhin durch mein chaotisches Geschreibsel durchgekämpft habt:

Nun meine Frage: wie kann ich in dieser vertrackten Situation IHR bzw. seinen Eltern helfen und beistehen? Gestern nacht konnte ich nur ein rund um die Uhr offenes Ohr und den Vorschlag, daß sie sich ggf. selbst mit einem Therapeuten zusammensetzen sollte (was sie auch einsieht), anbieten… Nun bin ich aber auch mit meinem Latein am Ende.

Für Tips und Ratschläge wäre ich Euch sehr dankbar.

Beste Grüße

Renee

Hallo Renee

auch wir haben so eine ähnliche Beziehung hinter uns! Auch unser damals Ex hat immer wieder damit gedroht, sich umzubringen und uns damit erpresst. Bzw. sich dann total zugesoffen und so.
Das was du da schreibst liest sich fast wie unsere Geschichte damals!
Bei uns war die einzige Chance da raus zu kommen, ihn sitzen zu lassen auch wenn das schwer ist wenn man denkt man ist eh an allem selber schuld was er macht. Heute wissen wir dass wir nicht daran schuld waren!
Und als ihn alle stehen gelassen hatten und er ganz alleine dagestanden hatte, ist er endlich in die Psychiatrie und hat sich freiwillig einweisen lassen.
Wobei er heute noch die Schuld an seinem Elend uns in die Schuhe schiebt, bzw. seiner Umgebung.Wir mussten irgendwann einsehen, dass die einzige Chance die wir hatten, nicht selbst draufzugehen, die war, von ihm wegzugehen. Allerdings hätten wir das ohne unsere Mutter nicht geschafft!
Wir hätten ihn nicht ändern können und er hätte sich nie geändert! Wir haben damals alles für ihn getan, haben uns selbst total aufgegeben nur weil er uns einredete wir wären an allem Schuld! Er hat sich bis heute nicht geändert! Für uns war die einzige Chance zu gehen!
In diesem Fall wäre eine zwangseinweisung wahrscheinlich erst mal ein erster Schritt das Problem is nur dass er selber einsehen muss, dass das was er macht nicht ok ist und solange er das nicht einsieht wird sich auch nicht ändern befürchten wir.

Wir hoffen wir konnten vielleicht ein bissl weiterhelfen!

Grüße die thousands

ein erfahrungsbericht
hallo renee,

sei froh, dass du nur indirekt betroffen bist. ich kenne diese situation, ganz ähnlich wie die, die du hier geschildert hast - leider kenne ich sie ganz persönlich.

ich weiß nicht, ob dir das was hilft. ich schreib dir einfach mal meine erfahrungen hier auf.

wir waren 8 jahre zusammen, davon haben wir ca. 6 jahre zusammen gelebt. dann zog er (in sogenanntem beidseitigem einverständnis) aus und ging zurück nach spanien. er hatte sich hier nie wohl gefühlt und sich die ganzen jahre über dementsprechend schlecht integriert. hinzu kamen gesundheitliche probleme (heftigste allergien mit erstickungsanfällen (psychisch bedingt?), die er zuhause auf der insel nicht hat. er war damals nur meinetwegen nach deutschland gekommen - und eigentlich wollten wir, so war es geplant, nach ein paar jahren gemeinsam nach spanien ziehen.

bei uns gab es zwar keine körperliche gewalt (ich denke, dann wär ich sofort gegangen), allerdings flogen durchaus die türen ins schloss und sonstige dinge durch die luft - jedoch nicht nur von ihm aus.

alkohol spielte bei uns nie eine rolle, dafür aber immer mal wieder alle möglichen sonstigen drogen. er war kein dauerkonsument, obwohl ich davor immer angst hatte, sondern dröhnte sich die birne zu, wenn er das leben mal wieder nicht aushalten konnte. er ist depressiv, auch wenn sich das nicht immer zeigt. phasen - vornehmlich im winter - in denen er an freien tagen das zimmer, das bett nicht verließ und noch nicht mal den tag durchs fenster dringen lassen wollte, gab es immer wieder.

daran war dann - in diesen schlechten phasen - immer das wetter, die ungeliebte stadt (er ist der absolute naturbursche), dieses kalte land, die kühlen menschen, die miesen chefs, die blöden kollegen, seine kindheit (was ich jedoch nicht mal in zweifel ziehe, die war schon recht heftig)… und je nachdem auch ich schuld, die ihn hierher „geschleppt“ hatte, die zu chaotisch war, die zu viel programm machte, die nur unterwegs war, die ihn nicht in ruhe ließ wo er doch keinen menschen sehen wollte - und die aber, wenn sie ihn in ruhe ließ und rausging, um irgendwelches leben zu sehen (denn zuhause war ja nur depression angesagt - sinnlos laufender fernseher, der nicht mal gesehen wurde, frischer und kalter zigarettenrauch, zugezogene vorhänge) sich nicht für ihn interessierte, ihn im stich ließ, den freunden mehr beachtung schenkte als ihm, die familie vernachlässigte…

viele dieser vorwürfe revidierte er, wenn es ihm wieder gut ging, manches jedoch manifestierte sich und wurde zur daueranklage. in guten zeiten war er super tatkräftig, hatte ideen (mehr als viele - die er jedoch dann selten umsetzte) und war unternehmungslustig. in guten zeiten war es meist wunderschön (natürlich gab es dann trotzdem mal knatsch, aber das hatte nichts beklemmendes, das waren normale meinungsverschiedenheiten). in guten zeiten hatten wir viel besuch, waren gemeinsam draußen, fuhren weg … und waren uns sehr nah.

allerdings war auch da oft eine gewisse abhängigkeit spürbar: „ich liebe dich, wie ich noch nie jemanden geliebt habe.“, „ich brauche dich!“, „was würde ich ohne dich machen?“… waren sätze, die ich oft gehört habe. zunächst schmeicheln solche sätze manchmal, aber eigentlich sind sie gift. eigentlich legen sie den boden für das sukzessive verschieben von verantwortlichkeiten - und auf der anderen seite für das übernehmen derselben.

ich versuchte immer wieder, ihm zu helfen. ich gab ihm adressen von therapeuten. ich versuchte, ihn in depressiven phasen nicht zu sehr zu belasten, stress von ihm fern zu halten. ich entschuldigte ihn vor freunden, wenn er wieder mal verabredungen nicht einhalten wollte oder konnte. ich übernahm nach und nach immer mehr verantwortung für ihn. je unselbständiger er (vermutlich auch gerade dadurch) wurde, desto unattraktiver wurde er auch für mich. ich wollte kein weiteres kind, für das ich mitdenken, um das ich mich kümmern musste. ein teufelskreis!

irgendwann verliebte ich mich in einen anderen mann. ich erzählte ihm davon, er hatte es trotz der geographischen distanz sowieso gemerkt. danach war er, der vorher nicht eifersüchtig gewesen war, in dieser hinsicht nicht mehr wieder zu erkennen.

letzten herbst trennte ich mich von ihm. für mich hatten sich inzwischen ganz andere lebensmodelle herauskristallisiert. außerdem konnte ich diese enge und diese vorwürfe und schuldzuweisungen nicht mehr ertragen.

ich hatte dabei schon angst, wie er reagieren würde. er hatte schon früher, bevor wir uns kennen gelernt hatten, einen suizidversuch unternommen. auch während unserer gemeinsamen zeit, als er jedoch in spanien wohnte. (damals rief er mich an, sagte, er hätte tabletten geschluckt und wollte sich verabschieden. ich informierte von hier aus den notdienst und betete, dass er die sanitäter ins haus lassen würde…)

auch diesmal wieder. genau wie du das beschrieben hast: hinweise per handy, doppeldeutige abschiedssätze per sms - und dann bei meinem rückruf sein telephon ausgeschaltet. das macht mürbe. es setzt so dermaßen unter druck, lässt dich so machtlos fühlen. irgendwann, nachts, während eines besuches in berlin, eine nacht, die ich niemals vergessen werde, hab ich beschlossen, auch mein handy auszuschalten. ich wusste ja, dass ich sowieso nichts machen konnte. und ich wollte nichts mehr damit zu tun haben. ich wollte nicht mehr alle 2 minuten anrufen, in panik, nur um seine stimme zu hören, um zu wissen, dass er noch lebte. ich versuchte zu schlafen - und konnte es sogar. allerdings hatte ich mir vorher tausend mal schon gesagt, dass ich diese verantwortung nicht haben konnte, dass ich nicht für ihn und sein leben verantwortlich sein konnte. das ist nicht so leicht, wenn man jemanden - trotz allem - liebt. das ist nicht so leicht, wenn man immer versucht hat, ihn zu verstehen, die gründe für sein problem nachvollziehen konnte - nicht jedoch das verhalten selbst. das ist nicht so leicht, wenn man sich an den spruch der guten und der schlechten tage erinnert (wobei das, was man diesem menschen als hilfe anbieten könnte, erstens einen selbst auffrisst und zweitens keine hilfe für ihn ist, weshalb die idee vom fallenlassen in schlechten tagen hier meiner meinung nach nicht zutrifft).

das ist auch nicht so leicht, wenn man sich, auch gegen jeden verstand, mitschuldig fühlt: schuldig, weil man abmachungen nicht eingehalten hat. schuldig, weil man dem vater sein kind vorenthält - auch wenn man weiß, dass das zusammenleben nicht funktionieren würde, auch wenn man weiß, dass das kind bei ihm nicht den geringsten stabilen rahmen erfahren würde.

es ist leider überhaupt nicht leicht, mit depressiven, suizidgefährdeten menschen umzugehen, wenn man versuchen möchte, sowohl ihren als auch den eigenen bedürfnissen gerecht zu werden - und sich trotzdem nicht erpressbar machen möchte. ich denke, ich bin noch nicht wirklich klar mit dieser situation - wie überhaupt mit der ganzen beziehung, zumal er der vater meiner tochter ist. im moment läuft alles gut. er ist stabil und es geht ihm einigermaßen gut. aber ich habe immer noch angst davor, dass sich eine solche phase wiederholen könnte - und dass er dann seine drohung wahr machen könnte.

ich weiß nicht, ob er es damals wirklich vorhatte. ich weiß auch nicht, ob er dazu kurzschlussmäßig fähig wäre. ich weiß überhaupt nicht, was in solchen momenten in ihm abgeht. ich selbst kenne suizidgedanken nicht und stehe völlig hilflos davor.

aber ich weiß, dass - egal was er tut - es SEINE entscheidung, SEINE wahl ist. ich bin nicht dafür verantwortlich. ich bin bereit, auf ihn zuzugehen und mache das auch. ich bin bereit, kompromisse zu suchen. aber ich bin nicht mehr bereit, mich hinter seine krankheit zu stellen.

ich weiß das alles. und meist fühle ich es auch so. und trotzdem ist manchmal alles verdammt schwer…

ich wünsche deiner freundin, dass sie den emotionalen absprung aus dem karussell der verantwortungsverschiebungen schafft. ich wünsche ihrem freund, dass er sein leben endlich selbst in die hand nehmen kann.

du kannst aus deiner position nicht viel tun, sagen manche. ich würde sagen, dass du eine menge tun kannst: du kannst, wenn du die kraft dazu hast und wenn sie das bedürfnis hat, sich auszukotzen, ihr immer und immer wieder zuhören. ich habe das gebraucht. ich habe jeden vorfall kommentiert. ich habe jedes wort, jede begebenheit aus jeder perspektive 500 mal beleuchtet. ich habe alle wenns und abers und obwohls und vielleichts und hoffentlichs mit freunden besprochen - und sie bestärkten mich in meiner sich langsam herauskristallisierenden auffassung. sie hörten mir zu und sie taten mir ihre sichtweise kund. sie redeten mir nichts ein oder aus, aber sie waren da. das klingt nicht viel. aber es kann alles sein. ohne freunde hätte ich diese phase kaum überstanden…

liebe grüße
tabaiba
die jetzt ein paar tage lang nicht online sein wird…

Hallo Ihrs,

Du wirst Deine Gründe dafür haben, warum Du im Plural schreibst…

Zunächst einmal ein großes Danke für Deine Antwort - sie bestätigt mich in dem, was ich K. gesagt habe. Ach ja, bevor ich es vergesse: ich werde natürlich alle Antworten an sie weiterleiten.

Du schreibst, daß Du diese Schuldzuweisungen kennst. Die kenne ich auch und weiß, was sie aus einer selbstbewußten Frau machen können. K. war gestern - nicht zum ersten Mal - wirklich nur noch ein Häufchen Elend. Und das Recht, eine Frau in ein Häufchen heulenden Elends zu verwandeln gestehe ich keinem mit sich unzufriedenem Mann zu. Wäre er gestern per Handy zu erreichen gewesen, hätte ich ihn sowas von zusammengeschissen.

Was mich am meisten ankotzt: er macht K. für alles, was in seinem Leben schiefgelaufen ist, verantwortlich und er weiß ganz genau, daß sie darunter leidet. Er redet ihr regelrecht Schuldgefühle ein.

Bei uns war die einzige Chance da raus zu kommen, ihn sitzen
zu lassen auch wenn das schwer ist wenn man denkt man ist eh
an allem selber schuld was er macht. Heute wissen wir dass wir
nicht daran schuld waren!

Ja… Wenn es nach mir ginge, wären sie längst getrennt, aber es ist eine erwachsene Frau, der ich nur schlecht Vorschriften machen kann. Sie kennt meine Meinung, aber sie kann nicht anders (deswegen sprach ich vorhin auch von emotionaler Abhängigkeit). Ich gebe auch zu, daß ich damit noch nie objektiv umgehen konnte. Wenn irgendwas war: sie rief mich an; wenn die Kacke am Dampfen war: sie zog zu mir. Ist alles soweit OK, aber sie hat meines Erachtens Angst davor, eine klare Entscheidung zu treffen (im Klartext: ihn endgültig in den Arsch zu treten).

Wobei er heute noch die Schuld an seinem Elend uns in die
Schuhe schiebt, bzw. seiner Umgebung.Wir mussten irgendwann
einsehen, dass die einzige Chance die wir hatten, nicht selbst
draufzugehen, die war, von ihm wegzugehen. Allerdings hätten
wir das ohne unsere Mutter nicht geschafft!

Daß sie psychisch draufgeht, ist eben meine Befürchtung. Ich befürchte zwar nicht, daß K. sich etwas antut, aber ich habe schlicht und ergreifend Schiß davor, daß sie emotional zusammenklappt und selbst in der Klapse landet.

Vielen Dank nochmal & Grüße

Renee

Hi Renee,

Nun meine Frage: wie kann ich in dieser vertrackten
Situation IHR bzw. seinen Eltern helfen und
beistehen?
Gestern nacht konnte ich nur ein rund um die
Uhr offenes Ohr und den Vorschlag, daß sie sich ggf. selbst
mit einem Therapeuten zusammensetzen sollte (was sie auch
einsieht), anbieten… Nun bin ich aber auch mit meinem Latein
am Ende.

mehr wirst Du auch weiterhin nicht tun können. Für die Angehörigen ist es am wichtigsten, jemanden zum reden zu haben, jemanden, der zuhört und zur Not auch mal alles von einer objektiven Perspektive beleuchtet, diese geht bei vielen Angehörigen nämlich sehr schnell verloren, was sich ja auch darin zeigt, dass K. sich die Schuld an allem gibt usw. Ich denke, Du hilfst ihnen schon sehr damit, dass Du einfach nur da bist. Mehr geht nicht.

Was K.'s Therapeutenbesuch angeht, solltest Du sie weiterhin ermutigen, es muss ja nicht gleich in einer Therapie enden, aber eine fachmännische Meinung zu ihrer Beziehung wäre sicherlich nicht schlecht nach dem, was Du schilderst. Am wichtigsten ist hier wohl, ihr klarzumachen, dass sie keinen „Hau“ weg hat, wenn sie sich einem Psychologen o.ä. anvertraut, davor hat sie ja anscheinend ziemliche Angst.

Ansonsten schau, dass Du Dich selbst nicht mit runterziehen lässt, ganz wichtig.

Viele Grüße & viel Grlück
Natascha

Servus

  1. Deiner Schilderung nach ist der Kerl Alkoholiker. PUNKT.
    Mehr oder weniger trockener Alki ist ähnlich sinnig wie mehr oder weniger schwanger. Das Verhalten ist ziemlich typisch, insbesondere das „alle anderen sind schuld“ Syndrom.

  2. Deine Freundin könnte ein Fall von Co-Abhängigkeit sein. Damit ist sie nicht alleine. Sie sollte sich eventuell auch mal an eine Suchtberatung wenden, da gibt es imho Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchtkranken.

  3. Du kannst nur für deine Freundin da sein, mehr geht nicht. Aber gerade das ist etwas sehr wertvolles.

Gruß
Mike

Hallo Renee,

ich werde wohl keine so grosse Hilfe sein aber was mir dazu in den Sinn kommt ist, das es für SIE wohl mehr als schwierig sein muss.

Das du für solche Fälle immer eine extra Schachtel Zigaretten im Schrank hast und ein offenes Ohr ist wohl das Wichtigste überhaupt sofern man SIE nicht kurzfristig in den Arm nehmen kann.

Was ich wirklich wichtig finde, ist irgendwann einen Schlußstrich zu ziehen und das rein aus dem eigenen Seelenheil heraus. Es ist schwer einen Entschluß zu fassen dessen Auswirkungen in der nahen und fernen Zukunft nicht abschätzen kann aber ER missbraucht solche Vorankündigungen ja nun offensichtlich.

Missbrauch ist wohl auch das Schlagwort hier. Das es verwerflich ist steht wohl außer Frage, wobei ich ihm hier keinen Vorwurf machen will da ich nicht weiß wie gesteuert das ganze ist. Nur gehören auch Zwei dazu, einer der etwas missbraucht und einer der darunter leidet. Aus gesundem Egoismus heraus sollte SIE hier schon versuchen für sich eine endgültige und abschließende Entscheidung treffen (leichter gesagt als getan aber wie wir in Hamburg sagen wat mut da mut)

Wenn du nun fragst wie du ihr helfen kannst dann wäre das vielleicht noch ein weiter Punkt SIE hier einfach ein bisschen zu unterstützen.

liebe Grüsse
Me

hallo renee,

ich kenne das gut. wenn du magst, ruf mich an (# steht u.a. im großen buch) und ich erzähle dir davon. vielleicht hilft es ja.

du kannst für sie und die eltern des selbstmordandrohenden nix tun, außer ihnen einzuhämmern, daß auch sie NIX tun können. sie haben alle erdenkliche hilfe angeboten. das annehmen muß aber von ihm können, ansonsten ist er für sämtliche hilfsmaßnahmen unerreichbar.

ich persönlich würde heutzutage - will sagen: nachdem, was ich mitgemacht/-erlebt habe - jedem, der mir mit selbstmord droht, zureden, daß er es jetzt und auf der stelle macht.
(nein, das war nicht immer so. auch ich habe mich damals erpressen lassen.)

liebe grüße
ann

Hallo Renee
Wie du schon sagst sie ist abhängig von ihm! Er hat sie so „unter der Fuchtel“, hat sie so getrimmt, dass sie ihm nicht mehr aus eigener Kraft aus kann. Auch wir waren abhängig und hätten es wahrscheinlich nie aus eigener Kraft geschafft zu gehen, weil die Angst, er könnte sich wegen uns was antun (wenn man ja eh schon an der ganzen Misere schuld ist), war viel zu groß. Wir wollten nicht auch noch daran schuld sein, dass er sein Leben hinschmeisst wegen uns. Dass er uns geschlagen und gedemütigt hat und in regelmäßigen abständen ausgerastet war… Wir waren ja selber schuld! So etwas in der Art wurde uns jahrelang vorher schon eingeredet und er hatte leichtes Spiel!
Vielleicht hilft dir, wenn wir dir erzählen, wie wir damals aus dem Schlammassel kamen!
Sie hat uns weggelockt von der Wohnung und dann ihm die Polizei auf den Hals gehetzt! Er rief uns an, wir sollen zurückkommen und das schöne tolle Leben und er kann nich ohne uns und er wird sich das Leben nehmen wenn wir nicht zurückkommen.
Sie haben dann dafür gesorgt dass wir völlig untertauchen mussten!
Es war sicher für alle Beteiligten ein harter Kampf uns zunächst davon abzuhalten, ihn doch wieder anzurufen oder so!
Aber als er dann in der Klinik war und wir wieder frei, waren wir froh dass sie uns nicht aufgegeben haben und uns trotz unseres widerwillens von ihm weggeholt haben.

Wir hoffen dir geholfen haben zu können

Liebe Grüße

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Hallo Renee,

ich bin kein Experte! Ich kann nur aus persönlichen Erfahrungen sprechen.

Nach dem Tode meines Vaters begann meine Mutter, die ihr ganzes Leben auf solche emotionale Erpressungen aufgebaut hat, mit Suizid-Ankündigungen. Sie verlachlässigte sich, ließ sich völlig gehen, aß nichts, rauchte viel zuviel, verweigerte einfach alles, jammerte herum das es ihr schlecht ging, rief mitten in der Nacht an mit einer Grabesstimme das sie gleich in den Fluß springt um im gleichen Moment Vorwürfe vom Stapel zu lassen, „WENN du nicht, dann…“.

Sie ließ sich aber auch nicht helfen, es sei denn es geht nach ihren Spielregeln. So ähnlich wie in deinem Fall. „Ich lasse mir doch nichts vorschreiben“, „so wie du dir das vorstellst geht das nicht“, „ihr glaubt wohl ich bin blöd, ihr wollt mich nur einweisen lassen.“

Die Sache liegt anders, ich finde da aber schon Ähnlichkeiten.

Ich will keine langen Geschichten erzählen, nur soviel.

Du kannst nichts tun außer Hilfe und Beistand anbieten und auf deine Bekannte eingehen. Ich denke sie lässt sich da sehr erpessen und ausnutzen. Ihr Schuldgefühle sind geplant und kalkuliert von ihm. Er weiss wie er sie packen kann. Das ist so ziemlich das mieseste und rücksichtsloseste was man tun kann.

Ihr musst du helfen und ich denke du wirst wissen wie du das am Besten machen kannst. Vor allem, versuche ihr auch mal die Seite zu zeigen wie er mit ihr spielt. Vielleicht hilft ihr das?

Wenn er sich wirklich umbringen will, dann wird er es sowieso tun. Das ist leider so, da kann niemand was tun.

Allerdings sind es meißtens die Leute, die vorher keine großen Gefühlsorgien inszenieren, die es dann auch wirklich tun.

So wie ich das einschätze hängt dieser Typ viel zu sehr an seinem Leben und mag vielleicht sogar diese Situationen, die er inszeniert, denn da „regiert er, hat Macht und lenkt die Gedanken und Gefühle anderer“. Da kann er sich abreagieren, denn er weiss genau was er anstellt. Er kann austeilen und sich durchsetzen. Er hat alle in der Hand - ein Selbstmordanruf und dann das Telefon ausstellen.

Meine Mutter hat mir schon mehrals genau gesagt wo und wie sie sich umbringen will. Sie hat es so oft gesagt und am Telefon angedroht, vorwurfsvoll, heulend. Irgendwann kam ich an den Punkt an dem ich ihr ganz brutal einfach sagte „Dann tus doch. Tu uns allen endlich den Gefallen und spring in den Fluß. Du ersparst uns eine Menge Ärger, wir können endlich beruhigt schlafen, haben keine panischen Anrufe mehr mitten in der Nacht. Und bitte machs richtig, ich habe keine Lust dich querschnittsgelähmt in einem Heim zu besuchen.“

Das mag fürchterlich brutal sein, aber ich konnte nicht mehr. Ich hatte schon Angst und Widerwillen ans Telefon zu gehen wenn es nach 22 Uhr klingelte. Ich spielte ihr Spiel einfach nicht mit, ihr habe ihr den Boden entzogen. Das sollte auch deine Bekannte endlich schaffen.

Ab dem Punkt an dem ich ihr das sagte und ihr ganz deutlich machte das sie hier am Ende mit ihren Spielchen ist, war endlich Ruhe. Und meine Mutter lebt noch!!!

Solange sie mit sich spielen lässt und er das weiss, wird das weitergehen. Wenn er endlich merkt das er kein Publikum hat für solche Spiele, wird er vielleicht ja endlich einsehen das er jetzt an sich arbeiten muss. Denn mehr wird ihm nicht übrigbleiben.

Gruß
Helena

Hallo alte Hexe,

Nun meine Frage: wie kann ich in dieser vertrackten
Situation IHR bzw. seinen Eltern helfen und
beistehen?
Gestern nacht konnte ich nur ein rund um die
Uhr offenes Ohr und den Vorschlag, daß sie sich ggf. selbst
mit einem Therapeuten zusammensetzen sollte (was sie auch
einsieht), anbieten… Nun bin ich aber auch mit meinem Latein
am Ende.

Es scheint für dich wenig zu sein, was du für deine Freundin und seine Eltern tust, da du gewohnt bist zu agieren, hier hast du nur eine passive Rolle.
Es ist aber für die Betroffen sehr wichtig, jemanden zu haben, der zuhört und hilft die eigenen Gedanken zu sortieren, und dies sogar mitten in der Nacht. Es gibt Sicherheit, in einer solchen chaotischen und orientierungslosen Phase, jemanden zu haben der als eine Art Leuchtturm eine bekannten Punkt im Leben markiert. Ohne einen solchen Fixpunkt kann man sich in seinen eigenen Gedanken so verstricken, dass man psychisch erkrankt, weil man den Bezug zum Leben, der Realität, komplett verliert.
Was du tun kannst, hast du ja schon getan und wirst du sicher auch noch tun. Solche „Kleinigkeiten“ wie den Kontakt herstellen, Telefonnummern raussuchen und weiterleiten, etc. pp., sind eine Riesenaufgabe wenn die Gedanken von Schuldgefühlen und änlichem, blockiert sind. Genau hier hast du ja geholfen.

Oft macht man persönlich scheinbar wenig, hilft aber anderen um so mehr damit.
Also, wie schon gesagt wurde, besorge dir genügend Zigaretten, was zu Trinken, etwas Essbares und eine bequeme Sitzgelegenheit in Reichweite des Telefons und sei für deine Freunde, soweit es dir möglich ist, da um zuzuhören !!
(Dies scheint etwas zu sein, was in unserer Gesellschaft leider langsam Seltenheitswert bekommt, bzw. nur noch zu Bürozeiten und gegen Rechnung erhältlich ist.)

MfG Peter(TOO)

Vielen Dank Euch allen!
Ich werde die Tips weiterleiten…

Beste Grüße

Renee