Lieber Admiral Wurstwasser,
die Frage ist zum einen schwierig zu beantworten, da sie zwei Ebenen enthält, zum einen eine allgemeine Frage bzgl. Suizidgedanken (ob diese normal sind) und zum anderen da du diese allgemeine Frage dann auf dich beziehst.
Das Problem ist jetzt, dass die allgemein gestellte Frage so nicht mit einer einfachen und konkreten Antwort beantwortet werden kann und für die anknüpfede persönliche Frage zu wenige Informationen zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus ist Suizid ein heikles Thema, da es -wie das Thema schon sagt- um sehr viel, nämlich um Menschenleben geht.
Nichtsdestotrotz will ich versuchen deine Fragen, die dir persönlich unter den Nägeln brennen zu beantworten, ohne dabei den Anspruch zu haben, eine gemeingültigen Aussage liefern zu wollen.
Ich sehe den Ablauf bzw. die Entstehung deiner Frage so (korrigier mich bitte wenn ich falsche Vermutungen anstelle): Dir geht es gut, du führst ein Leben mit den üblichen Höhen und Tiefen, ab uns zu spielst du im Kopf durch wie es wohl wäre zu sterben, ob und wer dich vermissen würde, wie die Beerdigung aublaufen würde und wer kommen würde, wer um dich weint, ob man dich vermissen würde etc. Die Gedanken kommen und gehen wie Wolken am Himmel und du bewertest sie nicht, sie sind einfach manchmal da und ebenso auch wieder verschwunden. Dann kommt ein Bericht im Fernsehen, der dich auf bestimmte Umstände aufmerksam macht und die Gedanken, die du zuvor nicht bewertet hast, auf einmal in einen Kontext packen und mit z.B. Depressionen verknüpfen. Auf einmal treiben die Gedanken nicht mehr vorbei, sondern du fängst an sie bewerten, sie anfassen und in einen größeren Kontext einordnen zu wollen. „Bin ich depressiv? - Bin ich suizid gefährdet?“ usw. Alle möglichen Fragen schwirren jetzt in deinem Kopf herum, die du dir beantworten möchtest, so dass du dich noch eingehender mit den Gedanken beschäftigst und es dir noch eindringlicher ein Bedürfnis wird sie einzuordnen, da sie dir auf einmal (vielleicht) Angst machen.
Wie du siehst bist du an dieser Stelle in einem zirkulären Prozess und drehst dich mit dem Fragen etc. im Kreis, der nur noch mehr Fragen aufwirft und das Thema für dich salienter macht.
Du siehst nicht der Gedanken an sich ist in diesem Gedankenspiel das Problem, sondern die Bewertung dessen bzw. der Versuch dessen.
Die Frage ist auch, aus welchem Grund du dich manchmal mit solchen Gedanken beschäftigst, ist es eine Todessehnsucht bzw. das auseinandersetzen mit der Vergänglichkeit und dem Tod oder tritt es vielleicht in Stresssituationen auf und ist mehr eine gedankeliche Kompensationsstrategie mit Druck etc. umzugehen (ohne das jemals die tatsächliche Absicht besteht) und es genauso ein Gedanke wie z.B. Rachefantasien, weil einen mal wieder jemand im Leben gedemütigt hat (Lehrer, Beamte auf Behörden, etc.) oder ist es aus einer (im wahrsten Sinne des Wortes) Lebensmüdigkeit, alles ist trostlos, es gibt für dich keine Freuden, nur Leiden, du fühlst dich alleine etc.
Wenn du Letzteres bejahst rate ich dir dich bitte an einen Psychologischen Psychotherapeuten zu wenden bzw. es gibt auch entsprechende Anlaufstellen wo man anrufen kann. Du musst selber einschätzen wie ernst es ist. Suche dann bitte auf jeden Fall Hilfe und es sich dabei erst einmal nur um Freunde handelt, mit denen du weitere Schritte einleiten kannst.
Bei den beiden anderen Möglichkeiten sehe ich keinen Grund zur Besorgnis, da dies zum menschlichen Dasein dazugehört und es eine aktive Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit und dem Tod geht (nimm nur als kleines Beispiel die Epoche der Romantik, in der -neben vielem anderen- eine gewisse Todessehnsucht aufkam und sich diese in der damaligen Literatur manifestiert hat und dort beschrieben wurde).
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.