Liebe Freunde der weltlichen Dinge,
habe heute auf dem Markt zwischen Wachtelbohnen, Bulgur, Sesam, Hafer und dergleichen unerwartet Hanfsaat erspäht, mir aus alter Freundschaft zu dem Gewächs gleich ein Pfund eintüten lassen und gefragt, ob die neu im Programm sei. Darauf zur Antwort bekommen, die gäb es bloß zu Weihnachten, wo nämlich viele Russlanddeutschen danach fragen, bei denen es zu Weihnachten traditionell eine Hanfsuppe gibt.
Ich kenne Hanfsaat bloß in der trockenen Pfanne angeröstet als kleinen leckeren Obendrauf für das morgendliche Vogelfutter oder für Rohkostsalate, etwa um geriebenem Topi ein wenig Pfiff zu geben.
Frage mich jetzt, wie ich das mit der Suppe angehen soll: Schroten, Mörsern oder ganz lassen? Trocken anrösten, in Öl anrösten und dann Aufgießen oder gleich in Wasser oder Brühe garen?
Wer weiß was über die (bessarabische?) Weihnachtssuppe von Hanfsaat?
Bolshe spassiba sagt
MM
Hallo, Martin,
Ich kenne Hanfsaat bloß in der trockenen Pfanne angeröstet
Frage mich jetzt, wie ich das mit der Suppe angehen soll
ein paar Rezepte für Hanfsaatsuppe hätt ich schon anzubieten - ob aber das bessarabische (?) dabei ist?
Frohe und erholsame Festtage!
Kreszenz
Servus Kreszenz,
die Bessarabien-Schiene war pure Spekulation. Es geht sicherlich um die Sieminotka. Wobei mir die Variante aus Schlesien-Obär spontan mehr zusagt.
Danke Dir jedenfalls! - Will einmal schauen, ob mehr dabei herauskommt als eine freundliche Reminiszenz an die Vorfahren (wie mir es vom Brennten Mues her kennet, das man eigentlich auch niemandem ernsthaft als Delikatesse empfehlen kann, und das seinen Zauber bloß von dem hat, was man halt individuell damit verbindet).
Beiläufig: Hast Du etwas davon eigentlich schon gekannt oder liegts bloß an Deiner geschickteren Suche (ich hab mich an dem Wort „Hanfsaat“ aufgehalten)?
Schöne Grüße und schöne Feiertage!
MM
Hallo, Martin,
Will einmal schauen, ob mehr dabei
herauskommt als eine freundliche Reminiszenz an die Vorfahren
lass mich wissen, wie das Süpple geworden ist 
Beiläufig: Hast Du etwas davon eigentlich schon gekannt oder
liegts bloß an Deiner geschickteren Suche (ich hab mich an dem
Wort „Hanfsaat“ aufgehalten)?
Ich kenne zwar viele Rezepte, aber von dieser Spezialität hatte ich noch nicht gehört - hab den Weg über „Hanfsuppe“ genommen (was mich u. a. auf diverse Kiffer-Seiten verschlug *g*).
Ich hab noch eine weitere Variante entdeckt - diesmal auf Englisch:
Here’s the way to make hemp seed soup. Get the seeds and remove the peels by boiling the seeds slowly until the peels rise to the surface. Remove the peels, place the seeds in a sieve and drain them thoroughly (but be sure to save the liquid). Now, cook them over a fire with the bread crumbs and the onions, which you have already browned in olive oil. Then, add the liquid you saved, put in some saffron and other spices, and sprinkle the plates with raisins before serving.
http://www.nicomarin.com/ricette/ric370_e.htm
Um(weih)nachtete Grüße
Kreszenz
Servus Kreszenz,
lass mich wissen, wie das Süpple geworden ist 
Die Trennung des Inhaltes aus den Hanfnüssen ist in der Tat ein mühseliges Unterfangen. Ich hab als eine Art Destillat aus den verschiedenen Rezepten die Hanfnüsse in der trockenen Pfanne leicht geröstet, dann gekocht, bis sie anfingen, aufzugehen, und dann insgesamt vier Mal mit dem Mörser aufgerieben und mit Wasser aufgekocht, die Hanfmilch abgeseiht.
Das Ergebnis erinnert ein wenig an stark verdünnten Fensterkitt: Eine helle, milchige Flüssigkeit mit einem leicht bitteren Oberton, nussigem Körper. Es ist leicht verständlich, warum die Suppe in verschiedenen Rezepten mit Orangeat und süß zuzubereiten empfohlen wird: Das kann die bittere Note wohl dämpfen.
Ich habe zum gleichen Zweck angedünstete Zwiebeln-Karotten-Butterkohl damit aufgegossen und einige mehligkochende Kartoffeln hineingeschnitten.
Wenn das Ergebnis auch außerhalb des 24. Dezember gegessen Glück und Segen im neuen Jahr bringt, soll es mir grad willkommen sein. Aber zu einem anderen Zweck, etwa des puren Genusses halber, würde ichs nicht essen. Ich kann mir vorstellen, dass es zu Zeiten, wo Kulturhanf nicht so extrem THC-arm war wie heute, auf die Wirkung ankam: Eine Art Armeleutedroge vielleicht - kulinarisch gibt der Stoff jedenfalls nichts her.
Schöne Grüße
MM