Surrealismus DRINGEND

kann mir jemand sagen welche historischen hintergründe der surrealistischen literatur im schatten stehen un welche stilmittel etc genutzt worden(motive themen textarten textformen)

thx im vorraus

Hallo Baller4Lyfe,

kann mir jemand sagen welche historischen hintergründe der
surrealistischen literatur im schatten stehen un welche
stilmittel etc genutzt worden(motive themen textarten
textformen)

Wie so oft kann dir Wikipedia was dazu sagen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Surrealismus
und diese Seite:
http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/b_mod/sOO.htm

Viele Grüße
Marvin

Hmmm … im Schatten stehende Hintergründe sind schon mal ein guter Einstieg in den Surrealismus … (SCNR) Mal eine Antwort, die genauso kurz genüppelt ist wie Deine Anfrage. „Hintergründe“: ‚Schwarze‘ Romantik (Lautréamont), Symbolismus (Baudelaire, Rimbaud), Poètes maudits (Apollinaire, Jarry), Dada (Tzara). „Im Schatten“: Siegmund Freud und Karl Marx. Spezifische Stilmittel: ‚écriture automatique‘, Traumprotokolle.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Ralf,
ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber kannst Du mal genauer erklären, wie

Karl Marx

in den Hintergrund des Surrealismus kommt, wenn auch bloss „im Schatten“.
Frage jetzt wirklich aus Interesse, alles andere kannte ich ja so einigermassen, aber Karl Marx ist mir in dem Zusammenhang noch nicht untergekommen.

Viele Grüße
Marvin

Hallo Marvin,
ich beziehe mich da vor allem auf Bretons 2. surrealistisches Manifest von 1930 und auf das gemeinsame Manifest von André Breton und Leo Trotzki ‚Für eine unabhängige revolutionäre Kunst‘ (1938) als theoretische Grundlage.

Nicht ganz zufällig waren viele Surrealisten (die wichtigsten: Breton, Aragon, Éluard, Péret, Crevel) Mitglied in der PCF (Parti communiste français) und von 1930 - 1933 trug das Organ der Surrealisten den programmatischen Titel ‚Le Surréalisme au service de la révolution‘.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Ralf,
danke für die ausführliche und interessante Antwort, auch wenn ich die Schlußfolgerung für etwas kühn halte. Ich will und kann da jetzt keine Diskussion anfangen, da fehlen mir im Moment die tieferen Hintergründe.
Unbestritten haben etliche (nicht alle) Surrealisten eine enge Beziehung zu revolutionären Bewegungen, wen wunderts bei solch einer revolutionären Kunstrichtung, aber man kann auf diese Weise den Surrealismus auch in die Nähe des Anarchismus bringen, hätte etlichen Surrealisten sicher behagt und wahrscheinlich auch besser gepasst als der immer starrer und dogmatischer werdende Parteikurs, der ja z.B. Breton dann auch 1935 zum Bruch mit der KPF brachte.
Und nicht umsonst war für Marxisten spätestens seit 1934 alles, was nicht ins Schema des Sozialistischen Realismus passte, sowas von pfui.

Um Protesten vorzubeugen: Ja, das ist zu sehr verallgemeinert und neben dem, was sich in der Sowjetunion und den in ihrem Windschatten segelnden Kommunistischen Parteien abspielte, gab es noch genügend andere, mehr oder weniger marxistische Gegenpole. Aber ob z.B. Trotzki, dessen Anteil am „Manifest für eine unabhängige revolutionäre Kunst“ etwas unklar ist, da es ja offiziell nur von Breton und Riviera unterzeichnet wurde, ein Anhänger und Unterstützer des Surrealismus war, scheint mir doch etwas fraglich.

Aber das Thema ist zu komplex, um es hier auszudiskutieren, es gäbe Stoff für mindestens eine Seminararbeit. Wollte mit meinen Ausführungen nur andeuten, warum ich die Verbindung Marx - Surrealismus doch für etwas zu konstruiert halte. Um meine Meinung dazu auf einen Punkt zu bringen: Surrealismus ohne Psychoanalyse (also ohne Freud) halte ich für undenkbar, aber Surrealismus ohne Marxismus (also ohne Marx) schon für denkbar.
Oder vielleicht sage ich es mal so: Das anti-bürgerliche und der Drang der Surrealisten nach individueller Freiheit sind die wichtigsten Punkte, die die Surrealisten mit dem Marxismus zusammen-, aber auch wieder auseinanderbringen. Das sehe ich als ein Zusammenfliessen zweier ähnlicher Strömungen, die aber verschiedenen Quellen entspringen.
Aber Du siehst, dein Gedanke ist zumindest sehr anregend…

Viele Grüße
Marvin

Hallo Marvin,

Unbestritten haben etliche (nicht alle) Surrealisten eine enge
Beziehung zu revolutionären Bewegungen, wen wunderts bei solch
einer revolutionären Kunstrichtung, aber man kann auf diese
Weise den Surrealismus auch in die Nähe des Anarchismus
bringen, hätte etlichen Surrealisten sicher behagt und
wahrscheinlich auch besser gepasst als der immer starrer und
dogmatischer werdende Parteikurs, der ja z.B. Breton dann auch
1935 zum Bruch mit der KPF brachte.

… und der innerhalb der Surrealisten schon 1930 (Desnos: ‚Un cadavre‘) ebenfalls zu heftigen Zerwürfnissen, Austritten und Abspaltungen führte. Wobei Breton sich ja durchaus auch in der Rolle des Dogmatikers gefiel, der im Café de la Place Blanche Schauprozesse gegen Dissidenten inszenierte und mit großer Geste dekretierte, wer Surrealist war und wer nicht.

Und nicht umsonst war für Marxisten spätestens seit 1934
alles, was nicht ins Schema des Sozialistischen Realismus
passte, sowas von pfui.

Du setzt da ‚Stalinisten‘ mit ‚Marxisten‘ gleich … Aber Du hast insofern recht, als sich da auch die Bruchstelle zwischen Breton und Éluard auftat. Oder anders gesagt: zwischen Parteidisziplin und künstlerischer Autonomie.

Aber ob z.B. Trotzki, dessen Anteil am „Manifest
für eine unabhängige revolutionäre Kunst“ etwas unklar ist, da
es ja offiziell nur von Breton und Riviera unterzeichnet
wurde, ein Anhänger und Unterstützer des Surrealismus war,
scheint mir doch etwas fraglich.

d’accord …

Surrealismus
ohne Psychoanalyse (also ohne Freud) halte ich für undenkbar,
aber Surrealismus ohne Marxismus (also ohne Marx) schon für
denkbar.

Auch hier: einverstanden. Speziell Dali, dessen paranoisch-kritische Methode zweifellos ein wichtiger Beitrag zum Surrealismus war, lässt sich kaum mit Marx in Beziehung setzen. Trotzdem bleibt ein bedeutender Aspekt der surrealistischen Bewegung, dass sie sich nicht als Teil bourgeoiser Unterhaltungsindustrie verstand, sondern sich offiziell den Anspruch setzte, die bestehenden Verhältnisse - auch die sozialen - radikal umzustürzen. Mit künstlerischen, aber auch deutlich handfesteren Mitteln. Wie viel davon nur Bürgerschreck-Attitude und Salonkommunismus war, ist natürlich eine andere Frage. Und ebenso sicher auch individuell sehr unterschiedlich einzuschätzen.

Oder vielleicht sage ich es mal so: Das anti-bürgerliche und
der Drang der Surrealisten nach individueller Freiheit sind
die wichtigsten Punkte, die die Surrealisten mit dem Marxismus
zusammen-, aber auch wieder auseinanderbringen. Das sehe ich
als ein Zusammenfliessen zweier ähnlicher Strömungen, die aber
verschiedenen Quellen entspringen.

Ich halte Freud und Marx für inkommensurabel - das Scheitern dieses Ansatzes war somit mE vorprogrammiert.

Freundliche Grüße,
Ralf

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Hallo Ralf,

Du setzt da ‚Stalinisten‘ mit ‚Marxisten‘ gleich …

Oh, das will ich keinesfalls, und habe es auch im folgenden Absatz - vielleicht nicht deutlich genug - relativiert. Aber die KPF unter Maurice Thorez war ja geradezu ein gelehriger Schüler Stalins und kann durchaus als eine hochgradig stalinistische Partei betrachtet werden.
Außerdem bin ich der Meinung, daß man Marxismus und Stalinismus durchaus nicht so sauber voneinander trennen kann. Man soll beides unterscheiden, ja, aber neben den vielen anderen Möglichkeiten trägt der Marxismus eben auch immer den Keim eines Stalinismus in sich, so wie eben „das Böse“ auch in jedem Menschen vorhanden ist, nur eben abgedrängt oder besser gesagt, ins Unbewußte verdrängt.

Aber Du
hast insofern recht, als sich da auch die Bruchstelle zwischen
Breton und Éluard auftat. Oder anders gesagt: zwischen
Parteidisziplin und künstlerischer Autonomie.

Das ist genau der Punkt, da werden immer solche Konflikte auftreten, wo entweder der Künstler seine künstlerische Potenz einschränkt, so a la Majakowski «dem eigenen Lied auf die Kehle treten», oder der Partei den Rücken kehrt.

Trotzdem bleibt ein bedeutender Aspekt der
surrealistischen Bewegung, dass sie sich nicht als Teil
bourgeoiser Unterhaltungsindustrie verstand, sondern sich
offiziell den Anspruch setzte, die bestehenden Verhältnisse -
auch die sozialen - radikal umzustürzen.

Da sind wir uns ja einig. Aber daß dadurch viele Surrealisten mit dem Marxismus geliebäugelt haben möchte ich mit einem Bild erklären: Es scheint mir mehr die Einstellung eines Verliebten zu sein, der von der noch nicht eroberten Geliebten träumt, ihr alles Gute und Schöne beimisst um dann später im Alltag des Zusammenlebens zu erkennen, daß sie gar nicht so ist, wie erträumt, sondern daß er vielmehr all seine Wünsche und Sehnsüchte in sie hineinprojiziert hat und er eigentlich ein Phantom geliebt hat, das mit der tatsächlichen Geliebten nur wenig Übereinstimmung besitzt.

Ich halte Freud und Marx für inkommensurabel - das Scheitern
dieses Ansatzes war somit mE vorprogrammiert.

Genau, da sind wir uns am Ende doch noch ziemlich eing geworden.

Viele Grüße
Marvin