Was mich nun sehr interessieren würde, sind Dir diese
Verhaltensweisen denn nicht schon während Eurer Beziehung oder
sogar schon beim ersten Kennenlernen aufgefallen?
Nein, weil ich jedem Menschen, den ich kennenlerne, eine Grundportion Vertrauen schenke, bei der ich auch weiß, dass es mir nicht allzu nahegeht, wenn sie grundsätzlich enttäuscht wird. Da sich das Vertrauen insoweit aber sehr schnell sehr stark ausgedehnt hat, befand ich es nicht mehr als nötig, irgendetwas zu hinterfragen, da ich davon ausgegangen bin, dass es auf der Basis von Gegenseitigkeit beruht. Und das hat es größtenteils sicher auch. Zumal ihre „von-denen-ich-nicht-100pro-weiß-ob-sie-nun-lüge-oder-wahr-sind-Geschichten“ beim ersten, zweiten und dritten Hinhören sehr plausibel klingen. Und eine Beziehung, das heißt für mich nunmal uneingeschränktes, kompromissloses Vertrauen, hat sich nunmal so schnell eingestellt, dass mir auch keine Möglichkeit blieb, sie evtl. differenziert anzusehen.
HEY METAPHER, LIES MAL HIER! (Sorry, das nur, weil es für ihn durchaus auch interessant sein könnte
Ich bin, was Beziehungen angeht, nicht unbedingt so dermaßen gesegnet. Das ist im Grund weniger ein Problem, aber eine gewisse Sehnsucht hat bei mir immer bestanden. Durch diverse frustrierende Erlebnisse vorher habe ich auch erstmal davon Abstand genommen, weiter nach jemandem zu suchen und meine Bedürfnisse in dieser Hinsicht brachliegen lassen. Und dann habe ich halt sie kennengelernt, und sie ist auf mich zugegangen. Ich habe von meiner Seite aus keinen Finger gekrümmt, und hätte sie nicht entschieden, dass wir zusammenkamen, wären wir es auch nicht, obwohl Interesse meinerseits auch da war. Es hat mir halt so unglaublich gut getan, mal zu erfahren, wie es ist, wenn sich jemand wirklich für mich interessiert, so sehr, dass er alles in die Hand nimmt, alles unternimmt, um mir näher zu kommen. War bis dato etwas völlig neues für mich. Und bisher auch ein Einzelfall. Dementsprechend undurchsichtig war natürlich die erwähnte rosarote Brille und dementsprechend hart der „Aufprall“, als es so abrupt zu Ende gegangen ist. Ob es der „Boden der Tatsachen“ ist, das bestreitet Metapher ja aufs Heftigste, teils sicher auch gerechtfertigt, aber es gibt da so ein schönes Zitat von Rosa Luxemburg: „Ich bleibe dabei, dass sich der Charakter einer Frau nicht zeigt, wo die Liebe anfängt, sondern wo sie endet.“ Inwieweit dass jetzt auf meine Geschichte passt, weiß ich nicht, aber wenn man das so pauschal ausdrücken dürfte, dann wäre das nur eine Bestätigung für mich. Aber ich mach mir lieber mein ganz eigenes Bild, als mich auf die weisen Worte anderer zu berufen.
Deine
Ex-Freundin scheint wirklich die Hölle zu durchleben, und es
ist ihr nur zu wünschen, dass sie innerlich Frieden finden
kann. Du hast so viele negative Verhaltensweisen aufgezählt,
dass es auch schwer für mich nachvollziehbar ist, dass sie
sich mit positiven Erlebnissen in Eurer Beziehung aufwiegen
könnten. Was hat Dich dazu veranlasst, bei ihr zu bleiben?
Dieses gerade erwähnte, mir bis dahin weitestgehend unbekannte Gefühl von Geborgenheit, das sie mir wirklich gegeben hat. Und ich zweifele auch nicht an ihrer Lauterheit innerhalb der Beziehung. Bzw.: Ich will nicht daran zweifeln. Obwohl sie mir im Nachhinein genügend Anlass dazu gegeben hat. Das macht es mir ja auch so schwer: Ich kann über sie selbst nichts mit Sicherheit sagen.
Da sie die Initiative ergriffen hat, mag es ihr durchaus ernst gewesen sein. Und obwohl sie das einmal sogar aufs Heftigste dementiert hat, ist sie auf dem anscheinend festen Standpunkt, dass auch aus ihrer Sicht die Zeit mit mir schön war, das hat sie mir ausdrücklich gesagt. Nur - kann ich es ihr wirklich glauben, nachdem sie eine zeitlang auch mal die Schiene gefahren ist, ich sei beziehungsunfähig und sowieso ein Vollidiot und ich sei es ja schon immer gewesen und sie hätte mich wohl besser nie geküsst, und auf mein Nachfragen nur meinte „Tja, die Erkenntnis kommt spät“? Dann aber zwei Wochen später wieder: „Naja, es war fies von mir, das zu sagen, eigentlich war’s ja doch schön mit dir.“ So wäre das wohl immer weiter gegangen, wenn ich den Kontakt nicht abgebrochen hätte.
Bei vielen Menschen ist es in Beziehungsfragen so, dass sie
immer wieder einen ähnlichen Typen von Mensch „anziehen“,
besonders bei Co-Abhängigkeit ist das oft zu beobachten. Ich
will Dir jetzt bestimmt nicht zu nahe treten mit dieser
Aussage, aber mir hat sich beim Lesen Deiner Beiträge dieser
Gedanke oft eingeschlichen. Vielleicht hab ich da auch nur was
überinterpretiert, kann natürlich auch sein:smile:.
Lies dir dazu besser meine Posts an Metapher und Oliver durch, ich will nicht alles doppelt schreiben.
Aber ich denke, dass es bei mir eher an dieser „völlig neuen“ Erfahrung lag. Alle Beziehungen, die ich davor hatte, auch nicht unbedingt viele, da war einfach nichts hinter. Und die sind auch in einer Zeit gewesen, bevor ich mir mal meinen Lebensstil komplett überdacht habe. Früher war ich noch um einiges schlimmer als jetzt. 