Hallo zusammen!
Meine Anfrage erfolgt nur rein interessehalber, ich will nicht versuchen, jemanden zu therapieren, falls es im Folgenden den Eindruck machen sollte.
Folgende Situation: Mensch, weiblich, 17 Jahre alt, Eltern geschieden, lebt bei Mutter, die neuen Lebenspartner hat.
Nun ist es so, dass betreffendes Mädchen anscheinend viel Aufmerksamkeit braucht. Folgende kurze Anekdoten möchte ich zum Besten geben:
- Brüstet sich damit, die dunkelsten Seiten des Lebens kennengelernt zu haben - 3 Freunde sind gestorben, Vater hat sie mal krankenhausreif geprügelt etc. Ich gehe davon aus, dass es wahr ist. Mein Gefühl ist allerdings (ich bezeichne mich mal als relativ empathisch, von daher gehe ich davon aus, dass ich nicht allzu falsch liege), dass ihr weniger die Ereignisse ansich nahegehen, als dass sie sie benutzen kann, um Mitleid zu erhaschen.
- Sagt von sich selbst andauernd „Ich weiß nichtmal selber, wer ich bin“, und das zu jeder sich bietenden Gelegenheit.
- Etwa im Drei-Wochen-Takt wechseln sich About-Me’s in diversen Chatrooms und auf ihrem Weblog zwischen „Ich bin wieder glücklich, ich kann wieder lachen“ und „Mein Lachen ist nur Fassade, ich bin zerstört“ ab. Erlebt man sie „live“, merkt man zumindest letzteres definitiv nicht.
- Blockt Versuche, ihr zu zeigen „Ich bin für dich da“ vehement ab. Bei E-Mails liest sie sich selektiv das heraus, worauf sie gerade eine halbwegs passende Antwort hat, ohne auf Argumente einzugehen, geschweige denn, selbst welche zu bringen. Steht fest auf dem Standpunkt, alleinig selbst Recht zu haben. Erwidert auf begründete Argumente aber keine Gegenargumente, spricht also nicht sonderlich für die Standhaftigkeit ihres Egos. Weicht oft aus.
- Ist nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Um das mal so weit zu klären, es handelt sich um meine Ex-Freundin. Die Beziehung lief in Ordnung, allerdings kamen gewisse widrige Umstände dazu, die sie ‚zwangen‘, eine Entscheidung zwischen mir und ihrem vormaligen Freund zu treffen. Mir hat sie drei Wochen lang erzählt, sie habe keinen Kopf für eine Beziehung, ist allerdings 2 Tage, nachdem es zur Notwendigkeit dieser Entscheidung gekommen ist, geheimerweise wieder mit ihm zusammengewesen. Aufgeklärt hat sich das ganze durch eines der vielen Streitgespräche. Hat ca. 5mal gesagt ‚Mir liegt was an Freundschaft, ich will was dafür tun‘, sobald aber die Fragen zu unangenehm wurden, hieß es ‚Du hörst nie wieder von mir‘. Die Ewigkeit kann so kurz sein - drei Tage im Durchschnitt.
Sagt mir am Ende, es hätte mit der Freundschaft sicher wunderbar geklappt, wenn ich nicht so wäre, wie ich bin.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Stimmungsschwankungen echt oder vorgetäuscht sind.
Weiterhin bin ich mir ziemlich sicher, dass sie auch selbst glaubt, was sie sagt und tut.
Hinzuzufügen sei nur noch, dass sie sich bisher aller ‚Freunde‘ entledigt hat, die irgendwie auch nur ansatzweise wagten, sie zu kritisieren - konstruktiv! - obwohl sie von sich selbst sagt, konstruktive Kritik akzeptieren zu können. Äußert man sie dann jedoch, wird einem an den Kopf geworfen ‚Du kennst mich sowieso nicht‘. Die Schuld lag natürlich immer bei den Freunden. Kommentar dazu: ‚So merkt man, wer wahre Freunde sind, und wer nicht.‘ Ich denke, die wahren Freunde sind bei ihr die, die sie nicht hinterfragen.
Sowieso ist eine allgemeine Inkonsequenz und Impulsivität, beides sehr ausgeprägt, festzustellen. Im Monatsrhythmus entschließt sie sich, nach der Schule in eine andere Stadt zu ziehen - jeweils immer eine andere, den momentanen Umständen entsprechend, was z.B. Verteilung des Freundeskreises angeht. Dieser ändert sich etwa einmal in zwei Monaten vollständig.
Als letztes möchte ich noch den Musikgeschmack erwähnen, der sich bei ihr immer mit dem momentanen festen Freund ändert. So diffamierte sie vor ca. 2 Monaten Raver noch als „Schwuchteln mit Schlaghosen und Neoprenhemden“ und konnte die Musik auf den Tod nicht leiden - nun hört sie Bass- und Speedcore. Eine Zeitlang war sie eher auf dem Gothic-Trip und fand Black Music scheiße - dann war es eine zeitlang R’n’B. Nun gut, das ist vielleicht nicht so ausschlaggebend, und ich möchte beileibe keine Diskussion über Musikgeschmäcker anregen, aber, ohne Schubladendenken zu propagieren, man kann jeder mit Musik zusammenhängenden Jugendsubkultur doch gewisse Verhaltensweisen und Ansichten anschreiben. Diese jedoch werden bei ihr wieder mit totaler Inkonsequenz behandelt, jeder Außenstehende dürfte sie wohl als „Poserin“ abstempeln. Ich bezeichne das mal als Halbwissen, was weiterhin so ziemlich jeden Themenzweig angeht, den man ihr gegenüber ansprechen kann. Überall findet sich nur Halbwissen, handfesten Dingen entzieht sie sich, ob nun bewusst oder unbewusst.
Das ist längst nicht alles, was es dazu zu sagen gibt, aber ich hoffe, es reicht für den Anfang. Wenn Fragen sind, einfach an mich stellen, ich denke, ich dürfte so ziemlich jede reinen Gewissens beantworten können.
Ich würde ins Blaue hinein mal auf ADS ohne Hyperaktivität tippen, sofern es so etwas gibt. Eine gewisse autoritäre Vernachlässigung liegt vor, Profilierungsdrang, Anpassung, ‚Ich mag nur Leute, die zu allem Ja und Amen sagen‘, erwähntes Halbwissen („Ich stimme bloß jedem zu, der mit mir über gewisse Themen redet, um ihn mir freundlich zu gesinnen und werfe mit ein paar Begriffen durch den Raum, die ich mal aus dieser Sparte gehört habe“) etc.
Möge die Diskussion beginnen. Für jeden Hinweis schonmal vielen Dank im Voraus!
Zerreiß mich halt nicht gleich in der Luft, weil ich, wie du schon sagst, voreingenommen bin. Ich habe versucht, die Ereignisse so objektiv wie möglich darzustellen, also was sie sagt und tut, das kannst du als Fakt nehmen.
