Hallo Ulrike Enders,
Ich muss sagen, ich bin sehr enttäuscht!!!
Ich bin selber Synästhesist, Synästhetiker, Synnie, was auch immer. Aber der Test gleicht eher den üblichen bescheuerten (tschuldigung) IQ-Tests mit Zahlen merken und allem möglichen! Ich genieße es, Synästhetiker zu sein, ohne mir damit sinnlose Zahlenreihen zu merken. Eher ist es so dass wenn ich mir was merke, ich mir teilweise noch dazu die Farben merke, aber dazu muss ich mir Zeit lassen, außerdem passiert es meist ungewollt. Dieser „Test“ ist meiner Meinung nach absolut unbrauchbar für soetwas.
Die Telefonnummern konnte ich mir überhaupt nicht merken, ich wusste zwar noch, dass Die von Margot ziemlich weiß (viele 0en) war, aber nie und nimmer hätte ich mir die Zahlen merken können.
Der Text war überhaupt nichts, ich hatte nicht genug Zeit um alles zu lesen und zu zählen.
Die Zahlen danach konnte ich mir teilweise merken, aber auf ganz andere Art und Weise als dass es was mit meiner Synästhesie zu tun hätte.
Allgemein hast du/habt ihr ein total falsches Bild von Synnies, sie sind weder hochintelligent noch Gedächtnismeister, auch Texte sehen sie nicht farbig, wie hier wohl angenommen! Die Synästhesie spielt sich im Kopf (aber wirklich nur im Kopf!!!) ab, man sieht nichts, hört nichts, riecht nichts ungewöhnliches! Höchstens wenn man die Augen schließt spielt sich was ab. Aber man sieht oft buntestes Treiben vor seinem inneren Auge, hört den Farben beim streichen zu, fühlt im Inneren den Lärm zittern. Alles nur „innen drin“. Soll heißen, die Sinne geben nicht Signale, die die anderen geben müssten, sondern sie springen im Hirn auf andere Verarbeitungszentren über und lösen dort eine Wahrnehmung aus, aber nicht so dass man es wirklich sieht wie wenn man z.b. Halluzinationen o.ä. hat. Fragt man einen Synnie, welche Farbe das Wort Ironie hat, wird er z.b. wie aus der Pistole geschossen „gelb!“ sagen. Fragt man ihn warum, kommt höchstens die Antwort, dass die Is gelb sind. Fragt man ihn aber nach 4 Jahren wieder, sagt er sicher wieder „gelb!“, oder vielleicht auch mal „gelb, ins rötliche gehend“ sagen.
Nach diesem Ansatz sollte man eher einen Test entwickeln. Fragen wie:
-Welche Farbe hat eine 9?
-Welche Farbe hat eine Flöte?
-Wie klingt braun?
-Wie fühlt sich das Schlagzeug an?
wären meines Erachtens besser, da ein Synnie wirklich denkt, z.b.
-die 9 ist braun
-Die Flöte ist blau
-Braun klingt tief brummelnd,
-Das Schlagzeug fühlt sich samtig an.
und nicht:
Paulas Nummer war gelb-rot-violett-weiß-grün.
Auch könnte man ein Musikstück einbauen und fragen, wie was empfunden wurde. Man könnte dann ja rausfinden, ob viele Synnies das r rot sehen oder mehr es als grün sehen. Schulbildung ist von Synästhesie sicher nicht abhängig, dafür ist sie ungeeignet. Von der Händigkeit und vom Geschlecht ist sowas soweit ich weiß nicht abhängig. Ich habe übrigens noch keinen Abschluss, bin ja auch noch Schüler (Gym), rechtshändig (auch kein Wunder), männlich. Manche würden wohl gern hören oder annehmen linkshändige Frauen mit Abitur hättens am meisten. Aber ich kann mir kaum vorstellen dass das rauskommt. Schon allein deswegen weil es oft vererblich ist (meine Mutter hats auch!). Kinder haben es übrigens am stärksten, dort ists auch nicht so selten. Mit dem Alter „verschwindet“ es bei manchen, weil sies nicht mehr „bewusst wahrnehmen“ und nicht wissen, dass es sowas gibt. Ich las einmal einen Artikel darüber (P.M.), lebte fröhlich weiter bis es mir nach ein paar Monaten wieder wie aus heiterem Himmel einfiel. Internet an, suchen, suchen, finden, lesen. Und plötzlich merkte ich: „ich bin Synästhetiker!!!“
Ich kann nur sagen, es ist toll sowas zu haben. Mich bereichert es! Nicht weil ich mir Sachen merken kann, sondern weil ich die Welt mir allen Sinnen erfahren darf!
Gruß zurück,
Marcel