Syntaxanalyse

Hallo
Wir schreiben eine Arbeit zum Thema syntaxanalyse und da habe ich mir einen Text rausgesucht. Dabei hatte ich folgende Fragen, wäre nett wenn mit jemand helfen würde :smile: :

  1. „Titan ist das vierthäufigste Metall der Erdrinde.“ „Titan“ ist Ergänzung im Nominativ, „ist“ ist finites Verb, ist „das vierthäufigste Metall“ jetzt noch eine Ergänzung im Nominativ oder ein prädikatsnomen? Und: Ist „der Erdrinde“ ein Attributive Angabe oder eine Ergänzung im Nominativ? grammatikalisch kann man es weglassen, aber inhaltlich würde es keinen Sinn ergeben, also weiß ich jetzt nicht ob das eine Angabe oder eine Ergänzung ist. Danke.
  2. „Er nannte das Element Titan, nach den ersten Kindern der Götter von Erde und Luft, den Titanen.“ „Er“ ist Ergänzung im Nominativ, „nannte“ das gebeugte Verb, „das Element“ Ergänzung im Akkusativ und „Titan“ noch mal eine Ergänzung im Akkusativ? „nach den ersten Kindern“ ist ein Präposizionalobjekt im Dativ, „der Götter von Erde und Luft“ wäre dann ein Attribut oder eine Ergänzung im Genitiv? „,den Titanen“ wäre dann noch eine Ergänzung im Dativ, aber hier mit Präposition oder ohne?
  3. Bei Präpositionalangaben mit Sinnrichtung, wie benennt man diese? Bsp: „seit drei Jahrzehnten“. Ist das ein Präpositionalobjekt im Dativ oder eine Temporale Angabe?
  4. „Daher“: „Man spricht im Fachjargon daher auch von Biokompatibilität“: „daher“ ist eine Angabe, nur welche Sinnrichtung? Temporal, Modal, Kausal, Konzessiv, Adversativ, Kausal…?
    Vielen Dank schon jetzt für eure Antworten.
    MfG
    hahihu

Hi,

hahihu!

4:1. „Titan ist das vierthäufigste Metall der Erdrinde.“

"Titan"ist Ergänzung im Nominativ,

„Titan“ ist Subjekt.
„ist“ ist finites Verb,
also hier: Prädikat eines Hauptsatzes

ist „das
vierthäufigste Metall“

ein prädikatsnomen.

  1. „Er nannte das Element Titan, nach den ersten Kindern der
    Götter von Erde und Luft, den Titanen.“ „Er“ ist

wieder das Subjekt.

„nannte“ das gebeugte Verb,

also das Prädikat

„das Element“
Ergänzung im Akk. -
von Erde und Luft"

ist (auf die "Frage „was für …?“) ein Attribut

„,den Titanen“ wäre dann

Apposition

  1. Bei Präpositionalangaben mit Sinnrichtung, wie benennt man
    diese? Bsp: „seit drei Jahrzehnten“. Ist das eine

eine Temporale Angabe, denn man frägt „seit wann?“

  1. „Daher“: „Man spricht im Fachjargon daher auch von
    Biokompatibilität“
    „daher“ ist eine Angabe, nur welche
    Sinnrichtung?
    Kausal,

denn es gibt einen Grund an.

Konzessiv, Adversativ,

Nein, damit sind ja Gegensätze gemeint.
Mach’s gut!
Hannes

Hallo
Erstmal vielen Dank für die Antworten.

„Er nannte das Element Titan, nach den ersten Kindern der Götter von Himmel und Erde, den Titanen.“
Aber hier doch „den Titanen“ ebenfalls ein Objekt zu nennen, oder? Man kann ja das gaze dazwischen auslassen und sagen „…Titan, nach den Titanen“. Dann wäre „den ersten Kindern der Götter von Luft und Erde“ doch eher ein Attribut zu „den Titanen“, oder?
Danke schon jetzt.
MfG
hahihu

"Er nannte das Element Titan,
nach den ersten Kindern

Ich halte das für einen modalen Präpositionsausdruck (zur Erläuterung, WIE er das Element benannt hat).

Götter von Himmel und Erde, den Titanen."
Aber hier doch „den Titanen“ ebenfalls ein Objekt

Siehe oben!

zu nennen, oder?

„den Titanen“ ist Apposition zu „den ersten Kindern“

Man kann ja das gaze dazwischen auslassen und sagen
„…Titan, nach den Titanen“. Dann wäre „den ersten Kindern
der Götter von Luft und Erde“ doch eher ein Attribut zu „den
Titanen“, oder?

Wenn du es so auf den Kopf stellst, schon. Aber so lautet der Satz doch nicht. „Titanen“ ist zur Erklärung beigefügt, deshalb Beifügung/Apposition.

Danke schon jetzt.

Gern geschehen.
Hannes

Hi,

hahihu!

4:1. „Titan ist das vierthäufigste Metall der Erdrinde.“

"Titan"ist Ergänzung im Nominativ,

„Titan“ ist Subjekt.
„ist“ ist finites Verb,
also hier: Prädikat eines Hauptsatzes

ist „das
vierthäufigste Metall“

ein prädikatsnomen.

Nicht ganz, das Prädikat ist hier nicht „ist“, sondern „ist das vierthäufigste Metall der Erdrinde“, wovon der Teil nach dem „ist“ wie du schon sagtest, das Prädikatsnomen ist.

  1. „Er nannte das Element Titan, nach den ersten Kindern der
    Götter von Erde und Luft, den Titanen.“ „Er“ ist

wieder das Subjekt.

„nannte“ das gebeugte Verb,

also das Prädikat

Das finite Verb ist nicht gleich dem Prädikat. Das direkte Objekt gehört ebenfalls zum Prädikat. Ich denke, das müsste „das Element“ hier sein. Ob „Titan“ dazu gehört, weiß ich nicht.

„das Element“
Ergänzung im Akk. -

Man spricht hier eher vom direkten Objekt. „Ergänzung“ habe ich in einer syntaktischen Analyse noch nie gehört.

Aber was genau ist in dem Satz „Titan“?

von Erde und Luft"

ist (auf die "Frage „was für …?“) ein Attribut

„,den Titanen“ wäre dann

Apposition

  1. Bei Präpositionalangaben mit Sinnrichtung, wie benennt man
    diese? Bsp: „seit drei Jahrzehnten“. Ist das eine

eine Temporale Angabe, denn man frägt „seit wann?“

Genauer gesagt, ein Adjunkt (wenn’s um Syntax geht).

  1. „Daher“: „Man spricht im Fachjargon daher auch von
    Biokompatibilität“
    „daher“ ist eine Angabe, nur welche
    Sinnrichtung?
    Kausal,

denn es gibt einen Grund an.

Konzessiv, Adversativ,

Nein, damit sind ja Gegensätze gemeint.
Mach’s gut!
Hannes

Sonst geh ich mit.
Gruß,

  • André

"Er nannte das Element Titan,
nach den ersten Kindern

Ich halte das für einen modalen Präpositionsausdruck (zur
Erläuterung, WIE er das Element benannt hat).

Ich denke, wir meinen in etwa das gleiche, ich würde’s einfach als den nominalen Teil einer Präpositionalphrase bezeichnen, Kopf der PP ist hier ebenfalls „nach“, was zuvor ja schon Kopf der PP mit „den ersten Kindern (usw.)“ war.

Gruß,

  • André

Man spricht hier eher vom direkten Objekt. „Ergänzung“ habe
ich in einer syntaktischen Analyse noch nie gehört.

Huch, ich sehe, der Originalposter hat das Wort selbst verwendet…
Ich wüsste auf Anhieb nicht, was eine Ergänzung ist. Ein Adjunkt? Ein Objekt? Oder allgemein ein Argument?

Grüße,

  • André

Hallo André,

eine Ergänzung ist in der Tat irgendein Argument, mitunter auch ein Objekt:
Das Problem ist nämlich in der Fragestellung zu suchen: Hahihu verrät uns ja nicht, ob und was er studiert oder ob er noch in die Schule geht, und wenn dies der Fall ist, in welche Klasse, und nach welchem Lehrbuch dort unterrichtet wird.
Die Syntaxanalyse wird nämlich leider nicht so einheitlich durchgeführt wie sie vielleicht sollte: So bezeichnet in der deutschen Grammatik der Begriff „Prädikat“ klassischerweise nur die Verbform (im Gegensatz zur vergleichenden Sprachwissenschaft, wo eben auch die Objekte dazugehören), allerdings nicht nur die gebeugte: „Ich habe nicht schuld sein wollen“ - hier ist „habe nicht sein wollen“ das Prädikat. Zugegebenermaßen leicht verwirrend, aber so wird das meist in der Schule unterrichtet.
Dort haben wir auch zu Objekten „Objekt“ gesagt, zum Prädikativum allerdings manchmal „Ergänzung“ (es hieß, „Prädikatsnomen“ und „Nominativergänzung“ bezeichnen dasselbe).
Den Begriff „Ergänzung im Nominativ“ für „Subjekt“ habe ich noch nie gehört, aber in Anbetracht der bunten Vielfalt von Syntaxschulen halte ich es nicht für unmöglich.

Im Grunde genommen kann man dem UP also nur helfen, wenn man weiß, auf welcher Grundlage er unterrichtet wird, ansonsten ist alles bisher geäßerte auch irgendwie richtig; und aus diesem Grunde halte ich mich auch mit der mir aus der 5. Klasse bekannten Syntaxanalyse zurück.

Liebe Grüße
Immo

Vielen Dank, Immo.
Da von „Syntaxanalyse“ die Rede war und wir das in der Schule nie so genannt haben (bei uns hieß das glaub einfach „Satzglieder bestimmen“ o.Ä.), ging ich automatisch davon aus, dass der UP das für die Uni braucht.

Mal sehen, vielleicht meldet er/sie sich nochmal…

Gruß,

  • André

Hallo
'tschuldigung, hab das hier vollkommen übersehen udn war auch noch mit anderen Arbetien (Mathe, Physik, griechisch…) beschäftigt.
Danke erst einmal für all eure antworten.
Bei uns ist das 8. Klasse Gymnasium Berlin, allerding meint unser Deutschlehrer, dass wir relativ leistungsstark sind und macht mit uns schon ein bisschen 1. Semster Germanistik-Studium (was ich eigentlich recht gut finde).
Wir haben das immer so gemacht:
Unterschied zwischen Angabe und Ergänzug. Angabe ist nicht zwingend erforderlich, während eine ergänzung unbedingt hin muss, sonst würde ein Satz keinen Sinn ergeben.
Als Angabe haben wir bis jetzt immer nur mit Sinnrichtungen gemacht (->Modale Angabe, Temporale Angabe, etc.). Ergänzung kennen wir so:
Ergänzung im z.B. Nominativ, Genitiv, usw.
Ab und zu auch mal modale ergänzung, aber eher selten.
Alle Verbformen unterscheiden wir frundsätzlich mit „Verb finit“ und „Verb infinit“. Als finite zählen bei uns die gebeugten und alles andere (also Infinitive, Partizipien, Präfixe…) als infitnite.
So hab ich’s mir gedacht.
(Wir haben aber noch Prepositionalobjekt, Prädikatsnomen, etc. gemacht, aber das war nur als Schema).
Danke trotzdem,
MfG
hahihu

Ps.: ich bin ein Er :wink:

Hey, danke für die Antwort. =)
Finde ich gut, dass dahingehend auch etwas anspruchsvolles gemacht wird.

Bei uns in der Linguistik gibt’s das Wort „Ergänzung“ nicht, ich denke, wir nennen das anders. Eventuell „Argument“, da bin ich nicht sicher…
Verstehe ich das also richtig, dass ein Subjekt eine Ergänzung ist?

Denn dann muss ich nämlich sagen: Es gibt Sätze ohne Subjekt im Deutschen. :smile:
Abgesehen von Imperativen wie „Mach die Tür zu!“ oder „Schlaf jetzt!“ haben z.B. auch einige Passivsätze wie „Jetzt wird geschlafen.“ oder „Gestern wurde viel getanzt.“ keine Subjekte.
Ein Subjekt (und damit, wenn ich’s recht verstehe, eine Ergänzung) ist für einen deutschen Satz also nicht zwingend erforderlich.

Viele Grüße,

  • André

Bei uns in der Linguistik gibt’s das Wort „Ergänzung“ nicht

Das stimmt nicht. Der Terminus ›Ergänzung‹ wird insbesondere mit der Valenz- bzw. Dependenzgrammatik von Lucien Tesnière (1893–1954) in Verbindung gebracht; er ist eine (mäßig gelungene) deutsche Übersetzung des französischen ›actant‹. Es gibt obligatorische und fakultative Ergänzungen: Erstere sind grob mit dem äquivalent, was als ›Argument‹ bezeichnet wird, also Satzteile, die eine Leerstelle des Verbs füllen und in einer bestimmten Konstruktion nicht salva grammaticalitate weglassbar sind. Fakultative Ergänzungen sind auch Argumente, aber solche, die etwa in definiten Ellipsen entfallen können, also bei kontextueller Vorerwähntheit. Ein typisches Beispiel ist das Präpositionalobjekt von ›teilnehmen‹:

(1) Nimmst du an dem Ausflug teil? Ja, ich nehme Ø teil.
(2) Hilft Anna ihrem Bruder? Ja, sie hilft Ø.
(3) Kennt Peter diesen Professor? Ja, er kennt Ø.

Für ein syntaktisches Phänomen ist das eine schwammige semantische Unterscheidung; an den drei Sätzen sieht man, dass es eher eine Gradienz statt einer scharfen Trennlinie gibt (und man könnte sich fragen, welche Rolle da der Kasus spielt). Darüber hinaus fehlt dann noch die klare Abgrenzung zu umgangssprachlichen Konstruktionen, in denen auch das Subjekt weggelassen wird (›Komme später‹). Der ›Ergänzung‹ gegenübergestellt ist bei Tesnière jedenfalls die ›Angabe‹ (frz. ›circonstant‹), die man bisweilen auch ›Umstand‹ genannt hat und die mehr oder weniger dem ›Adjunkt‹ entspricht. Sie kann, anders als Ergänzungen, potenziell mit allen Verben kombiniert und eben auch in jedem Fall problemlos weggelassen werden.

Richtig ist, dass ›Ergänzung‹ und ›Angabe‹ als Begriffe von ›der Schulgrammatik‹ (schön, diese Generalisierungen) übernommen wurden – weil sie so einfach klingen und, was der bessere Grund wäre, weil ›Argument‹ und ›Adjunkt‹ durch aktuelle Syntaxtheorien belastet sind. Mit Valenzgrammatik dagegen arbeiten heute vergleichsweise wenige Linguisten.

Ein Subjekt (und damit, wenn ich’s recht verstehe, eine Ergänzung)
ist für einen deutschen Satz also nicht zwingend erforderlich.

Die Valenzgrammatik ist eine verbzentrierte Theorie, bei der es nicht besonders sinnvoll sein dürfte, über ›den deutschen Satz‹ zu generalisieren: Man kann nur feststellen, dass es Konstruktionen gibt, in denen Objekte (etwa mit intransitiven Verben) oder auch Subjekte (etwa Imperative oder unpersönliches Passiv) nicht obligatorisch sind.

Um zu dem Ausgangsposting zurückzukehren:

Ist „der Erdrinde“ ein Attributive Angabe oder eine Ergänzung im Nominativ?

Das ist eine attributive Angabe im Genitiv, die von keinem anderen Element syntaktisch verlangt wird.

Das finite Verb ist nicht gleich dem Prädikat. Das direkte Objekt gehört ebenfalls zum Prädikat.

Ja und nein. Eine finite Verbform ist das minimale, aber nicht zugleich das maximale Prädikat. Im Gegensatz zu beispielsweise Partikeln oder auch inkorporierten Nomina gehört das Objekt nach traditioneller Analyse – und die soll hier offensichtlich abgefragt werden – nicht zum Prädikat. Bei einem Satz wie ›Er nannte das Element Titan‹ haben wir also ein Prädikat ›nannte‹, das drei Ergänzungen benötigt: eine im Nominativ, nämlich das Subjekt ›er‹, und zwei im Akkusativ, nämlich das Objekt ›das Element‹ und das Prädikativ ›Titan‹, dem man seinen Kasus nicht ansieht.

Man spricht hier eher vom direkten Objekt.

Nicht in diesem Fall. Die Begriffe ›direktes Objekt‹ und ›indirektes Objekt‹ sind in der Regel nur dann angebracht, wenn in einem Satz beides an der Oberfläche vorkommt; sie sind, wie man sich denken kann, vor allem semantisch motiviert und sollen das direkt in die Handlung involvierte Objekt von dem nur mittelbar beteiligten differenzieren. Das ist alles andere als eine unproblematische Herangehensweise, aber wenn man ihr terminologisch folgt, ist die Verwendung als Begriffspaar wohl die sinnvollste. Durch welche Kasus diese Objekte realisiert werden, ist eine ganz andere Frage – auch wenn das im Deutschen recht vorhersagbar ist.

Gruß
Christopher

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