'tätervolk' unwort des jahres 2003

hallo,

was haltet ihr von dieser wahl des institut für deutsche sprache? der hohmann hat doch sowohl die deutschen, als auch die juden eindeutig als „kein tätervolk“ bezeichnet. also kam diese wortschöpfung doch nur zustande, um die faktische existenz eines tätervolks überhaupt zu verneinen.

wenn ich sage: „ein X ist kein U“, dann kann mir doch niemand vorwerfen, ein X und ein U zusammen in eine schublade gesteckt zu haben … zwar in einem atemzug genannt, aber mit einem durchgestrichen = verneint!

bin gespannt, was ihr dazu meint.
lg, pit

Hallo !

Hat er nicht gesagt : „…die Juden sind damit auch ein Tätervolk!“ ?

Und damit die Beteiligung der Juden in Rußland an der Revolution gemeint?

Gruß max

Hallo Pit!

was haltet ihr von dieser wahl des institut für deutsche
sprache?

Also nach dem, was ich so mitbekommen habe, stand „Reform“ sehr hoch im Kurs. Dass es nun „Tätervolk“ wurde, wundert mich schon ein wenig.
   Ich möchte mich jetzt gar nicht mit diesem Begriff auseinandersetzen, weil es eh’ bekannt ist, dass die CDU (bzw. CSU) den rechten Rand nicht halten kann. Hohmann war in der Hinsicht nur ein Bauernopfer für die veröffentlichte Meinung, denn hinterher war Ruh’ mit dem Mediengetrommel.
   Für mich bleibt „Reform“ ein bzw. das letztjährige Unwort, denn die Definition für Reform wurde nach meiner Meinung auf den Kopf gestellt.

Marco

Zustimmung - ohne wenn und aber und owT

D’accord - ebenfalls owT

-)

   Für mich bleibt „Reform“ ein bzw. das letztjährige
Unwort, denn die Definition für Reform wurde nach meiner
Meinung auf den Kopf gestellt.

Marco

Der Begriff des Unworts steht doch für ein (in der Regel neu geschaffenes) Wort an sich und nicht für die verfälschte Benutzung eines an sich völlig alltäglichen Wortes.

hallo,

Der Begriff des Unworts steht doch für ein (in der Regel neu
geschaffenes) Wort an sich und nicht für die verfälschte
Benutzung eines an sich völlig alltäglichen Wortes.

sehr guter einwand … von daher wäre auch „achse des bösen“ oder „das alte europa“ passend gewesen. aber geht das denn überhaupt - einen äußerung eines us-amerikaners wird vom inst. d. dt. sprache auswählt? nehmen die nicht nur deutsche wortschöpfungen? oder nehmen die alles?

pit

hallo,

Hat er nicht gesagt : „…die Juden sind damit auch ein
Tätervolk!“ ?

Und damit die Beteiligung der Juden in Rußland an der
Revolution gemeint?

im mannheimer morgen wurde nach dem beginn des streits die rede abgedruckt. der begriff „tätervolk“ taucht in diesem abdruck drei mal auf.

u.a. im hinblick auf die beteiligung der juden an der russischen revolution sagte er: "… Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als ‚Tätervolk‘ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man die Deutschen als Tätervolk bezeichnet.

im letzten abschnitt steht dort zusammenfassend: „Daher sind weder ‚die Juden‘, noch ‚die Deutschen‘ ein Tätervolk!“

er bezeichnet also beide als kein tätervolk, und macht damit klar, daß es kein tätervolk gibt. interessant ist allerdings auch die aussage „… mit der man die Deutschen als Tätervolk bezeichnet.“ weiß denn jemand, ob (und wenn ja, auf wen, warum?) es da schon eine vorgeschichte gab, in der jemand wörtlich (nicht nur unterschwellig, sinngemäß, wie aus jüdischen organen) die deutschen als tätervolk bezeichnet hat?

die sprachliche bedeutung von ‚tätervolk‘ wäre vergleichbar mit äußerungen wie z.b. „sauberer krieg“ oder die „eierlegende wollmilchsau“ - jemand erschafft einen begriff für einen offenkundig nicht realen sachverhalt, und führt an, warum es diesen sachverhalt nicht gibt.

pit

Dieses Wort ist doch - auf das deutsche Volk bezogen - in verschiedenen Abwandlungen seit Jahren in Gebrauch. Und kein Hahn krähte.
Erst, als jemand das Volk der Juden mit diesem Wort in Verbindung brachte, ist die Aufregung groß.

Dieses Wort ist doch - auf das deutsche Volk bezogen - in
verschiedenen Abwandlungen seit Jahren in Gebrauch. Und kein
Hahn krähte.
Erst, als jemand das Volk der Juden mit diesem Wort in
Verbindung brachte, ist die Aufregung groß.

hallo jochen,

aha - da ist sie also wieder:
die auschwitz-keule, an der auch schon blut von anderen schlägen klebt …

das sage ich nicht vorwurfsvoll, denn ich weiß, daß zo ziemlich jedes volk dreck am stecken hat. vielleicht war dies sogar zwingend notwendig für das überleben eines volkes bis in die neuzeit …

pit

The chosen few
Hallo!

Dieses Wort ist doch - auf das deutsche Volk bezogen - in
verschiedenen Abwandlungen seit Jahren in Gebrauch. Und kein Hahn krähte.

Ich denke, dass man die Wahl der Jury nicht kritisieren kann. Es geht darum, ein Wort herauszupicken, das seit kurzem oder langem missbraucht, aber in einem besonders prominenten Fall im vergangenen Jahr falsch benutzt wurde. Somit finde ich die Wahl korrekt, wenn auch nicht übermäßig glücklich. „Tätervolk“ ist ein in sich falscher Ausdruck, weil er einen Eindruck erweckt, der nicht haltbar, aber durchaus zu widerlegen ist. Oder will jemand behaupten, dass eine derart heterogene Gruppe wie „die Deutschen“ oder „die Juden“ sich je homogen verhalten hat?

Erst, als jemand das Volk der Juden mit diesem Wort in
Verbindung brachte, ist die Aufregung groß.

Man kann durchaus Wörter finden, deren korrekte Benutzung dringender klargestellt werden sollte. Dass „das Volk der Juden“ bei einer derart breit gefächerten, unabhängigen Jury von Sprach-Experten den Ausschlag gegeben hat, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich kann nicht absehen, ob die Entscheidung, diesen Fauxpas noch einmal ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, das Verhältnis von jüdischen Deutschen und anderen Religionen angehörenden Deutschen eher positiv oder negativ beeinflusst. Für mich hat diese Entscheidung keinen Belang.

Gruß!
Christopher

Hallo pit,

und ob das geht! Wenn mich nicht alles täuscht, ist das „Alte Europa“ Wort des Jahres 2003 geworden. Nicht weil Bush das gesagt hat (das wäre in der Tat kein Grund für Wort oder Unwort), sondern weil dieser Begriff, der von Herrn Bush (der nach Stimmen ja wohl noch nicht mal Präsident sein dürfte) als Beleidigung gemeint war, dazu führte, daß die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland noch besser wurden, weil man sich in militärischer Position zugunsten des Friedens solidarisierte und das „Alte Europa“ hier als positiv belegt wurde.

Diese Umkehr war ähnlich wie die des Begriffs „Made in Germany“, der ursprünglich deutsche Waren durch Kennzeichnung ausgrenzen sollte (in GB?) und später zum Synonym für „deutsche Wertarbeit“ wurde.

Gruß
mowei

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