Tafelaufsatz - auch funktional?

Hallo Experten/innen,

eigentlich, so dachte ich, sei der Tafelaufsatz eine allegorische oder sonstige Figur - meist aus Porzellan oder Kristall -, die dem Zweck gedient hat, den geladenen Gästen ein „unverfängliches“ gemeinsames Gesprächsthema zu geben.

Nun lese ich aber, z.B. auch bei Meissen, dass das Wort „Tafelaufsatz“ für irgendwelche von Figuren oder anderen ornamentalen Darstellungen getragenen Schalen (für Obst, Gebäck, Süßigkeiten vermutlich) verwendet wird.

Wer weiss genau, wie der Begriff definiert wird?

Für Antworten dankt im voraus

Burkhard

Hallo Burkhard,

beides ist richtig…

Das Schmucklexikon sagt dazu Folgendes:

_Dekorkorpusschmuck bei festlichen Tafeln. Silber oder Unedelmetall veredelt.

Im 16. und 17. Jh. waren Tafelaufsätze Schaugeräte für Repräsentationszwecke von Schiffen oder Darstellungen allegorischer Szenen. Gebrauchsgerät, wie z.B. Salzgefäße, Gewürzständer, Gebäckkörbe, Obstkörbe, Essig- und Ölflaschen. Zeremonialgerät, wie Pokale oder Trinkspiele. Etageren als Kombination von mehreren Schalen und Dosen.

Tafelaufsätze wurden im 16. und 17. Jh. sehr oft feuervergoldet (Vermeil). Hauptproduktionszentren waren Utrecht, Nürnberg und Augsburg. Im 18. Jh. hatten die Tafelaufsätze die Form von Huilièrs, Terrinen, Kerzenleuchtern. In diesem Jahrhundert wurde Silber oft durch Gold oder Porzellan ersetzt.

Im 19. Jh. (Historismus, Viktorianische Epoche, Gründerzeit) erlangten die Tafelaufsätze wieder große Bedeutung._

Was früher als Deko- und Prestige-Objekt diente, würden wir heutzutage vermutlich lästigen Staubfänger nennen… :wink:)) Oder würdest Du etwa für diesen Kitsch hier: http://www.auktionshaus-fine-art.de/Pozellan/pozella… (ganz oben) 16.000 Euro ausgeben?

Beste Grüße

Tessa

Danke, Tessa
… auch für den Link.

Na ja, ich würde mir diese Art von Tafelaufsatz, selbst wenn ich ihn mir leisten könnte, auch nicht auf den Esstisch stellen.

Aber Kitsch ist ja eine sehr relative Klassifizierung. Wer solche Stücke sammelt und sich mit dem bei der Entstehung herrschenden Zeitgeist beschäftigt, sieht das sicherlich anders.

Herzlich!

Burkhard