Hallo,
mich interessiert, obs irgendwelche Studien o.ä. gibt die sich damit beschäftigen, wie sich Tagebuchschreiben auf das psychische Befinden auswirkt.
Ein Bekannter von mir hat etwa in einer Therapie empfohlen bekommen, ein detailliertes Tagebuch zu führen um belastende Gedanken quasi los zu werden; ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man durch Tagebuchschreiben gerade weniger mit manchen Erlebnissen abschließen kann.
Da man ja nicht alles exakt so aufschreiben kann, wie es gewesen ist - kann man durch Tagebuchschreiben seine eigenen Erinnerungen sozusagen verfälschen, indem man sich nur noch an das erinnert, was man aufgeschrieben hat und nicht daran, was man erlebt hat? Das passiert einem ja auch bei Fotos manchmal.
(Ich meine kein Tagebuch, in dem man nur bestimmte Sachen aufschreibt wie in welchen Situationen man Alkohol trinkt etc…)
Also, ist es gut, Tagebuch zu führen im Hinblick auf „seelische Hygiene“ (den Begriff hab ich in dem Zusammenhang auch schon mal gehört) oder dreht man sich dadurch eher im Kreis und bleibt in seiner eigenen Perspektive gefangen? Was meint ihr, und wie sieht die Psychologie das im Allgemeinen (Tipps, was ich tun soll brauche ich aber nicht, das ist bloß eine theoretische Frage.)
Viele Grüße
Sonja
Hallo Sonja
mich interessiert, obs irgendwelche Studien o.ä. gibt die sich
damit beschäftigen, wie sich Tagebuchschreiben auf das
psychische Befinden auswirkt.
Würde mich ebenfalls interessieren, gibts aber wahrscheinlich schon deswegen nicht, weil man das schwer valide untersuchen kann. Der eine schreibt jeden Käse auf, den er phantasiert, ein anderer nur harte Fakten, ein dritter pubertiert sich da aus… Es gibt so viele Möglichkeiten, ein Tagebuch zu führen.
Ich persönlich - was dich jetzt vielleicht nach meiner Einführung hier wundert - stehe da drauf. Ich schrebe schon seit den 50er Jahren Tagebuch. Am besten daran finde ich, dass ich viele wundeschöne Erlebnisse erst wieder so richtig detailliert erinnee, wenn ich meine Tagebuch-Aufzeichnungen von weißichwann lese.
Ich empfehle übrigens auch meinen Patienten, zumindest ihre Träume in ein Traumagebuch zu schreben und dieses in die Therapiesitzungen mit zu bringen. So kann man viel mehr Träume behalen und gemeinsam besprechen / analysieren. In diesem Punkt bin ich mal kein Freudianer, denn der hielt ja nix vom Aufschreiben der Träume, weil er achte, der Widerstand legte sich dann schon beim Aufzeichnen darauf. Meiner Ansicht nach irrte er hier, der Meister. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit diesen Traumtagebüchern bei meinen Patienen gemacht. Einem war es mal zu mühsam, nachts zu schreiben, der hat dann auf sein Diktiergerät gesprochen.
Gruß,
Branden
hallo sonja,
tagebuchschreiben ist mit sicherheit hilfreich, wenn man gerne schreibt. ob es als pflichtübung was bringt, weiß ich nicht. ich habe einige autor/inn/en, die autobiografisch schreiben und sich dadurch von der seele schreiben, was schwer auf ihr lastet oder was sie sonst wie bewegt. dadurch ist es vielen erst möglich, erlebnisse zu verarbeiten (man gewinnt ja beim schreiben auch eine gewisse art abstand) oder sogar abzuschließen.
beim tagbuchbuch schreiben u.ä. ist es völlig belanglos, ob erinnerungen verzerrt werden (das werden sie übrigens immer, mit jedem zugriff darauf! erinnerungen sind keine statische masse!)
wichtig ist allein sie sichtweise des schreibers zu dem augenblick. ein paar tage oder jahre später kann die sichtweise ein ganz andere sein. das ist egal, wenn nicht sogar erwünscht. erst dann kann der schreiber ja an sich selbst eine entwicklung ausmachen. und wenn diese entwicklung sich schon beim schreiben des textes einstellt - umso besser!
wie oft man in dieses tagebuch schreibt, ob regelmäßig jeden tag oder nur dann, wenn der äußere druck, etwas loszuwerden zu groß wird, ist dem schreiber überlassen. (wobei die letzte weise mehr eine ventilfunktion hat als das gewohnheitsmäßige dokumentieren.)
schöne grüße
ann
Hallo,
ich kann nur für mich sprechen: wenn ich Tagebuch schreibe,
funzt es bei mir mit dem kreativen Schreiben nicht.
Wahrscheinlich, weil ich mich dann mit dem Tagebuchschreiben
"leer"schreibe.
Aber ich nehme an, dass ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Gruß
Elke
Hi Sonja,
mich interessiert, obs irgendwelche Studien o.ä. gibt die sich
damit beschäftigen, wie sich Tagebuchschreiben auf das
psychische Befinden auswirkt.
gibt es natürlich, z.B.:
http://www.amazon.de/Zwischen-Zeilen-psychologischen…
oder besonders überblickhaft:
http://www.amazon.de/Tageb%C3%BCcher-Therapie-Forsch…
Ein Bekannter von mir hat etwa in einer Therapie empfohlen
bekommen, ein detailliertes Tagebuch zu führen um belastende
Gedanken quasi los zu werden; ich kann mir aber auch gut
vorstellen, dass man durch Tagebuchschreiben gerade weniger
mit manchen Erlebnissen abschließen kann.
das kann man nicht pauschalisieren;
das Tagebuchführen wird im therapeutischen Zusammenhang m.W. ja vor allem zu Dokumentationszwecken (Suchtverhalten, Zwangsverhalten, etc.) und zur Stützung/(Selbst)Verstärkung von (Um)Lernprozessen verwendet.
Sprich: das Tagebuch wird dafür gebraucht um durch das schriftliche Fixieren sein prä-reflexives Verhalten bewusst zu machen bzw. dafür, um den Lern-/Genesungsprozess zu objektivieren, Fortschritte sichtbar zu machen, der subjektiven und momentanen Verzerrung zu entreißen, …
Da man ja nicht alles exakt so aufschreiben kann, wie es
gewesen ist - kann man durch Tagebuchschreiben seine eigenen
Erinnerungen sozusagen verfälschen, indem man sich nur noch an
das erinnert, was man aufgeschrieben hat und nicht daran, was
man erlebt hat? Das passiert einem ja auch bei Fotos manchmal.
das ist klar! aber die „Verfälschung“ der Erinnerungen (Erinnerungen werden grundsätzlich ständig „verfälschend“ rekonstuiert) ist m.E. nicht das Spezifische des Aufschreibens, sondern das schriftliche Fixieren ist es, das Ent-Äußern seiner selbst in ein Objekt.
(Ich meine kein Tagebuch, in dem man nur bestimmte Sachen
aufschreibt wie in welchen Situationen man Alkohol trinkt
etc…)
genau solche „bestimmten“ Tagebücher werden aber vornehmlich therapeutisch eingesetzt.
Viele Grüße
Franz
Hallo Branden,ich habe vor ein Paar Wochen ein (kurzer)Artikel
gelesen über das Schreiben mit der linken Hand.
Weiss nicht mehr wo?
Bei Linkshändern natürlich umgekehrt,dabei wird logischer-
weise die entgegengesetzte Hirnhälfte beansprucht.
Dabei soll man sozusagen mit seinem inneren Kind
in Kontakt kommen (hört sich esoterisch an gell?)
Frage: Hast du vom Linksschreiben Erfahrung?
Habs mal versucht,man(n) kommt sich schon kindisch
vor dabei,aber was es bewirken soll???
Gruß Kai
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Hallo Branden
Hallo Kai
ich habe vor ein Paar Wochen ein (kurzer)Artikel
gelesen über das Schreiben mit der linken Hand.
…
Dabei soll man sozusagen mit seinem inneren Kind
in Kontakt kommen (hört sich esoterisch an gell?)
Ja, ein bißchen. 
Frage: Hast du vom Linksschreiben Erfahrung?
Nicht wirklich. Wenn ich das mal probiert habe, wars mir zu anstrengend. Das ist so ähnlich, als wenn ich die Gitarre andersherum spiele.
Habs mal versucht,man(n) kommt sich schon kindisch
vor dabei,aber was es bewirken soll???
Ich glaube, das wurde ein wenig hochgespielt. Wird nicht so arg viel bringen, fürchte ich.
Gruß,
Branden
Ich glaube, das wurde ein wenig hochgespielt. Wird nicht so
arg viel bringen, fürchte ich.
Gruß,
Branden
hab ich mir fast schon gedacht,danke
Gruß Kai
Huhu,
danke, das erste hatte ich selbst auch schon gefunden aber das zweite klingt deutlich interessanter. Mal gucken…
Den Aspekt, dass man seine Erinnerungen sowieso verfälscht - klar, da hab ich nur nicht dran gedacht.
Also siehts doch allgemein nach Tagebuch - gut aus.
Grüße
Sonja
:http://www.amazon.de/Zwischen-Zeilen-psychologischen…
oder besonders überblickhaft:
http://www.amazon.de/Tageb%C3%BCcher-Therapie-Forsch…
Hallo Branden!
Ich schreibe schon
seit den 50er Jahren Tagebuch.
Wow…ich bin erst seit Anfang des Jahrtausends dabei…Aber ich habe auch gemerkt, dass ich in schwierigen Situationen besser mal ne Zeitlang nichts schreibe um mich nicht völlig zu verrennen.
Bin gespannt, ob das bei meinem Bekannten funktioniert, aber ganz davon abgesehen interessiert mich das Thema schon lange. Schade, dass nicht irgendjemand mal eine richtig große, repräsentative Gruppe Tagebuchschreiber mit einer richtig großen repräsentativen Gruppe Nichtschreiber systematisch eine ganz lange Zeit beobachtet und verglichen hat.
Grüße
Sonja
Hallo Sonja
Schade, dass nicht irgendjemand mal eine richtig große,
repräsentative Gruppe Tagebuchschreiber mit einer richtig
großen repräsentativen Gruppe Nichtschreiber systematisch eine
ganz lange Zeit beobachtet und verglichen hat.
Ja, das wär schon interessant. Irgendwas wird es schon für sich haben, dieses konsequente jahrelange Tagebuchschreiben. Man hat einen anderen Überblick, wenn man darauf zurückgreifen will. 
Ich habe übrigens auch Lücken in meinen Aufzeichnungen.
Einige Tagebücher aus den 60ern habe ich Anfang der 70er oder so vernichtet, weil sie mir zu teenagerhaft waren.
Gruß,
Branden