Taktgefühl

Hallo Ihr Lieben!

Gibt es eine kurze und knackige Definition, was „Taktgefühl“ ist?

Und: hat man es, oder hat man’s nicht, oder lässt sich das vielleicht auch erlernen oder verfeinern?

Danke und viele Grüße

To.i

Hallo Ihr Lieben!

Nanu!

Moin, To.i,

Gibt es eine kurze und knackige Definition, was „Taktgefühl“
ist?

meine (nicht sehr maßgebliche): Die Fähigkeit, sich in das Gegenüber hineinzudenken, sich vorzustellen, was ihm wehtun könnte und dieses zu lassen. Obwohl - manchmal juckt’s halt doch …

lässt sich das
vielleicht auch erlernen oder verfeinern?

Aber gewiss doch, wenn auch nicht von jedem. Es gibt zwar Universalgelehrte, aber keine Universaltalente.

Gruß Ralf

Hallo,

Taktgefühl ist die logische Konsequenz eines ausreichend sensiblen Menschen, wenn ihm bewusst wird, dass Themen, Handlungen, … für sein Gegenüber aufgrund bestimmter Erlebnisse belastend sind. Diese werden dann vermieden, um dem Gegenüber die vermeidbare Belastung zu ersparen.

Nun gibt es natürlich Menschen mit einer Holzfällerseele, die sich so gar keinen Kopf darum machen, was ein Gegenüber gerade ggf. belasten könnte. Aber selbstverständlich kann man sich zur Regel machen, einfach darüber nachzudenken, wenn man ein Gespräch aufnimmt, ob einem Dinge bekannt sind (ggf. auch im Gespräch bekannt werden), die ggf. entsprechend vorsichtig behandelt werden sollten.

Gruß vom Wiz

Hi,
hier ein paar Versuche:

-„Die praktische Anwendung von Emphatie“

oder noch kürzer:

-„Rücksichtsnahme“

-„Das Wissen darüber, was jetzt grade in die Situation passt“

Das Wort selbst scheint ja aus der Musik zu kommen, wer da einfach mittendrin die Posaune bläst, hat offenbar kein „Takt-Gefühl“.
Daher könnte man vielleicht übertragen sagen:
„Im richtigen Moment das richtige sagen“

Hoffe es war was für Dich dabei…

Viele Grüße,
David

hi

-„Das Wissen darüber, was jetzt grade in die Situation passt“

Daher könnte man vielleicht übertragen sagen:
„Im richtigen Moment das richtige sagen“

und im richtigen Moment eben auch mal nichts zu sagen :wink:

Gruß H.

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Moin,

Gibt es eine kurze und knackige Definition, was „Taktgefühl“
ist?

Meinst du die musikalische oder die metaphorische Bedeutungsvariante des Begriffs?

Gruß
Uwe

Hallo,

Meinst du die musikalische oder die metaphorische
Bedeutungsvariante des Begriffs?

Warum sollte er im Psych-Brett nach einem musikalischen Begriff forschen?
Soviel Zielsicherheit traue ich Tokei schon zu.

Gruß
Elke

Taktgefühl = Rhythmusgefühl

Warum sollte er im Psych-Brett nach einem musikalischen
Begriff forschen?

Für mich klingt eine Frage nach psychologisch ergründbaren psychischen Ursachen von Rhythmusgefühl durchaus sinnvoll.

Weiß hier jemand etwas über die psychologisch ergründbaren Ursachen von Rhythmusgefühl bzw. fehlendem Rhythmusgefühl?

Gruß
Uwe

Hallo,

Weiß hier jemand etwas über die psychologisch ergründbaren
Ursachen von Rhythmusgefühl bzw. fehlendem Rhythmusgefühl?

Wissen - nein.

Aber ich arbeite manchmal mit Menschen, die von sich sagen, sie hätten kein Rhythmusgefühl. Fast immer ist es so: Wenn ich ihnen eine Musik auflege und eine Anweisung gebe, bei der sie gehen, die sich aber überhaupt nicht auf den Rhythmus bezieht - dann laufen diese Menschen ganz wunderbar im Takt.
Bitte ich sie, auf den Rhythmus zu hören und entsprechend zu gehen, gelingt es ihnen nicht.

Mein Eindruck ist: Es ist eine Frage der Herangehensweise. Lässt man sich auf einen Rhythmus ein, dann begibt man sich in ihn und die Musik hinein, überlässt sich ihm, gibt etwas eigenes Bestimmen auf, gibt sich hin. Man schwingt sich ein in ein anderes Bezugssystem. Das gilt auch, wenn man den Rhythmus selbst produziert, denke ich, z.B. beim Musikmachen.

Wenn man weit interpretieren will, dann hat das vielleicht mit Vertrauen zu tun, mit der Fähigkeit, sich einzulassen.

Jedenfalls ist es eher hinderlich, wenn man zu aktiv versucht, den Rhythmus zu ergreifen.

Wobei: Ich glaube, das mit den psychologischen Ursachen darf man nicht zu hoch hängen. Manchmal ist es auch einfach Ungeübtheit: Wie mach ich das, dass ich von den Ohren zu den Füßen komm? Wie vereinbare ich Hören/ Aufnehmen und Körperkontrolle?

Auch das geht am besten mit möglichst wenig Denken.

Hmmm, das ist jetzt ziemlich ins Unreine geschrieben, aber vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.

Schönen Gruß,

Jule

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„Im richtigen Moment das richtige sagen“

und im richtigen Moment eben auch mal nichts zu sagen :wink:

dazu fällt mir ein Gedicht von Kate Haack ein:

Takt ist etwas, das man kaum bemerkt, wenn man es hat, das aber sofort auffällt, wenn man es nicht hat.

Grüße,
jeanne

Warum sollte er im Psych-Brett nach einem musikalischen
Begriff forschen?

Für mich klingt eine Frage nach psychologisch ergründbaren
psychischen Ursachen von Rhythmusgefühl durchaus sinnvoll.

Weiß hier jemand etwas über die psychologisch ergründbaren
Ursachen von Rhythmusgefühl bzw. fehlendem Rhythmusgefühl?

Hi Uwe,

trotzdem Elke in meinem Fall Recht hat, halte ich deine Herangehensweise für überaus interessant.

Übrigens fehlt mir dieses von dir genannte musikalische Taktgefühl. Das ist aber nicht das, was ich oben meinte und damit kann ich auch recht entspannt leben :smile:

To.i

Danke Wiz,

Taktgefühl ist die logische Konsequenz eines ausreichend
sensiblen Menschen, wenn ihm bewusst wird, dass Themen,
Handlungen, … für sein Gegenüber aufgrund bestimmter
Erlebnisse belastend sind. Diese werden dann vermieden, um dem
Gegenüber die vermeidbare Belastung zu ersparen.

Das ist eine schöne Definition für Bürokraten wie mich.

Nun gibt es natürlich Menschen mit einer Holzfällerseele, die
sich so gar keinen Kopf darum machen, was ein Gegenüber gerade
ggf. belasten könnte. Aber selbstverständlich kann man sich
zur Regel machen, einfach darüber nachzudenken, wenn man ein
Gespräch aufnimmt, ob einem Dinge bekannt sind (ggf. auch im
Gespräch bekannt werden), die ggf. entsprechend vorsichtig
behandelt werden sollten.

Gut, es gibt natürlich bestimmte Themen, die bei Gesprächen mit Fremden grundsätzlich tabu sind.

Zum Beispiel fragt man niemals, warum jemand keine Kinder hat. Oder kritisiert Inhalte oder Verfahren irgendwelcher Berufe.

Taktgefühl ist mir selbst auch manchmal abhanden. Glaube ich.

In den oben von mir genannten Fällen weiß ich mich aber entbotenen Distanzlosigkeiten mir gegenüber erfolgreich zu erwehren. Glaube ich.

Gruß

To.i

Wenn man weit interpretieren will, dann hat das vielleicht mit
Vertrauen zu tun, mit der Fähigkeit, sich einzulassen.

Jedenfalls ist es eher hinderlich, wenn man zu aktiv versucht,
den Rhythmus zu ergreifen.

Ich halte diesbezüglich MARSCHMUSIK für eine hervorragende Rhythmusschule. Auch wenn diese Musik häufig und verständlicherweise mit Militär und Militarismus in Verbindung gebracht wird und auch bei mir aus diesem Grunde „negative“ Assoziationen auslöst, erinnere ich mich immer wieder gern daran, wie mir (in den 60er Jahren) der Rhythmus „in die Glieder fuhr“, wenn ich als Kind die Schützenkapelle beim Schützenfest hörte und dann neben der durch die Straßen marschierende Schützenkapelle herlaufen konnte, natürlich im „Rhythmus, bei dem man mitmuß“. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man das Gefühl hat, die Musik bewegt einen und weniger als sonst der eigene Wille, das dabei zustandekommende „Verschmelzen“ mit der Musik und der daraus resultierende Lustgewinn.

Dies nur mal als „Anregung“. :wink:

.

Auch das geht am besten mit möglichst wenig Denken.

Natürlich. Der Groove fährt einem ja auch direkt in die Glieder. Oder? „Kopf“ ist da nicht dazwischen… Gerade deshalb frage ich nach den psychologischen Ursachen. Vom Kopf her ist das Rhythmusgefühl offensichtlich nicht steuerbar. Dennoch kann man sicherlich den Kopf benutzen, wenn man Rhythmusgefühl erlernen will, z. B. indem man trotz der Aversionen gegen Marschmusik diese als Wegweiser auf dem eigenen Weg zum Erlernen von Rhythmusgefühl zu sehen. Und das halte ich für durchaus möglich; ich sehe das als möglich-kontinierliche Entwicklung an. Auch „schon-seiende“ Trommler entwickeln sich weiter, da ist es dann - statt der Marschmusik z. B. die cubanische Rumba, brasilianische Samba oder indische Ragas. :wink:

LG Uwe

Hallo!

Ich halte diesbezüglich MARSCHMUSIK für eine hervorragende
Rhythmusschule. Auch wenn diese Musik häufig und
verständlicherweise mit Militär und Militarismus in Verbindung
gebracht wird

Da gibt es eine einfache Lösung: Man nimmt einfach den Marsch „The Liberty Bell“ von John Philip Sousa. Das ist eine schöne, schmissige Marschmusik … und kein halbwegs mit der Kultur des 20. Jahrhunderts vertraute Mensch wird damit das Militär verbinden … höchstens Füße, große Füße … *kicher* …

Lg,
M.

, oder lässt sich das
vielleicht auch erlernen oder verfeinern?

Nur, wenn man will…
Ist so mit allen Folgen oder Nichtfolgen der Sozalisation.

Hallo Uwe,

auf ein Neues: Ich hatte gerade eine lange Antwort fast fertig, dann ist der PC abgestürzt. Grrr!

Also versuch ich’s nochmal:

Ich halte diesbezüglich MARSCHMUSIK für eine hervorragende Rhythmusschule.

Ja, die macht es einem leicht. Vielleicht sogar zu leicht, wenn man dahinterkommen möchte, wie das geht, sich auf einen Rhythmus einzulassen. Aber klar, man kann damit erleben, dass der Rhythmus einen „packt“.

Und genau das:

natürlich im „Rhythmus, bei dem man mitmuß“. Es ist schon etwas Besonderes,
wenn man das Gefühl hat, die Musik bewegt einen und weniger als sonst der eigene Wille

ist natürlich bei Militärmusik und auch bei Vereinsmusik (wir alle zusammen, das gleiche Ziel) der erwünschte Erfolg.

Der Groove fährt einem ja auch direkt in die Glieder.

Wenn er denn fährt… Mich persönlich regt ein zu deutlicher, zu regelmäßiger 4er-Rhythmus überhaupt nicht zum Tanzen an, ich muss mich dann richtig zwingen. Es ist mir körperlich zu langweilig.

Vom Kopf her ist das Rhythmusgefühl offensichtlich nicht steuerbar.

Doch, doch, auch. Beim Musikmachen gibt man sich ja selbst einen Rhythmus, in den man sich hineinbegibt. Und das braucht manchmal viel Präzision und Konzentration. Ähnlich beim Tanzen, wenn man einen schwierigeren Rhythmus lernt und sich mit Mitsprechen hilft. (Schon mal eine französische Mazurka getanzt? Ist ein schlichter Dreier, aber der Fußwechsel ist am Anfang ziemlich irritierend, so dass man die ersten Tänze mit anregendem Gesprächsstoff verbringt: „Ma-zur-ka - eins-zwei-drei…“). Da baut man sich dann eine Brücke vom Wissen und Verstehen zum sinnlichen Eindruck und Tun.

Ich glaube, es lohnt sich, das Erfassen des Rhythmus und die Umsetzung in die Bewegung zu unterscheiden.

Ich hatte mal in einem Kurs einen Profi-Musiker, der sagte: Musik ist Mathematik. Er hat einen Rhythmus gleich gehört und konnte mitzählen.
Aber er konnte sich zunächst nur schwer im Rhythmus bewegen.
Er hat dann recht schnell den Zugang zu der Ebene gefunden, wo er vom Erfassen zum Bewegen kam, ohne zuviel bewusstes Denken dazwischen zu schalten. Damit ist man dann einfach zu langsam, das spielt gerade bei der Umsetzung in Bewegung eine Rolle.

Eine andere Frau sagte: Ich höre den Rhythmus nicht, ich finde ihn nicht, ich weiß nicht, wo ich suchen soll. Ich habe ihr einerseits erklärt, worauf man in der Musik hören kann (Bass, Melodieführung), und andererseits fiel ihr der Zugang über die Vorstellung leicht, sich in die Musik hineinzuwiegen, sich hineinzubegeben.

das dabei zustandekommende „Verschmelzen“ mit der Musik und der daraus resultierende Lustgewinn.

Ja, Tanzen ist ein erotisches Geschehen (und zwar nicht erst mit einem Partner, sondern schon mit der Musik)! Kommt in Deinen Worten wunderbar zum Ausdruck.

Und, das hat vielleicht auch mit dem Verschmelzen zu tun: Ich finde es ganz faszinierend, dass man, schon als sich das Hören entwickelte, in einen Rhythmus hineinwuchs, den Herzschlag der Mutter.

Beim Tanzen verbindet sich das mit der eigenen Gestaltungsfreiheit, das ist eine reizvolle Mischung. Und ich bekomme beim Schreiben Lust zu tanzen!

Diesmal scheint’s der PC nicht zu fressen - viele Grüße!

Jule

Hallo,

Zum Beispiel fragt man niemals, warum jemand keine Kinder hat.

Hier liegt dein Problem, glaube ich. Du gehst zu formalistisch an die Frage.
Mein Mann und ich haben 12 Jahre gebraucht, bis wir Kinder bekamen/adoptierten. Die letzten 6 Jahre waren wir im Großen und Ganzen mit dieser Frage beschäftigt, d.h. das Übliche: Gynäkologensuche, Behandlungsversuche, schließlich Wartezeit bei der Adoption.
Eine Frage, warum wir keine Kinder haben, hätte mich nie verletzt oder gestört. Wir gingen sehr offen mit dem Thema um (was nicht heißen soll, dass wir kein anderes Thema kannten, bzw. bei neuen Bekanntschaften sofort auf dieses Thema zustrebten). Aber das waren wird. Bei anderen kann das anders sein.

Was ich sagen will: es gibt keine Tabuthemen.
Es gibt das Eingehen auf den Menschen gegenüber.

Taktgefühl ist mir selbst auch manchmal abhanden.

*autsch* Jetzt hab ich mir die Finger im Keyboard eingeklemmt (=Äquivalent zum „auf die Zunge gebissen“) :wink:

Gruß
Elke

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Hi,

Zum Beispiel fragt man niemals, warum jemand keine Kinder hat.

Hier liegt dein Problem, glaube ich. Du gehst zu formalistisch
an die Frage.,

Meinst du?

Mein Mann und ich haben 12 Jahre gebraucht, bis wir Kinder
bekamen/adoptierten. Die letzten 6 Jahre waren wir im Großen
und Ganzen mit dieser Frage beschäftigt, d.h. das Übliche:
Gynäkologensuche, Behandlungsversuche, schließlich Wartezeit
bei der Adoption.

Diese Thematik rührt, denke ich, bei den meisten an Wunden. Die müssen nicht durch eilfertige Fragen von Fremden aufgebrochen werden.
Wenn Ihr zu wildfremden Menschen so offen seid, dann zeigt das eine große, ich nenn’s mal Reife, und dass ihr die Thematik bewältigt habt.

Eine Frage, warum wir keine Kinder haben, hätte mich nie
verletzt oder gestört. Wir gingen sehr offen mit dem Thema um
(was nicht heißen soll, dass wir kein anderes Thema kannten,
bzw. bei neuen Bekanntschaften sofort auf dieses Thema
zustrebten). Aber das waren wird. Bei anderen kann
das anders sein.

Die Erfahrung habe ich gemacht, dass bei den meisten Menschen, bei denen hier „etwas ist“ die Frage danach unangenehme Gefühle hervorruft.
Die Frage „Habt Ihr Kinder“ ist für diese Menschen noch in Ordnung, aber das „Warum denn nicht?“ ist, und da muss ich mitgehen, dann schon sehr persönlich.

Was ich sagen will: es gibt keine Tabuthemen.
Es gibt das Eingehen auf den Menschen gegenüber.

Taktgefühl ist mir selbst auch manchmal abhanden.

*autsch* Jetzt hab ich mir die Finger im Keyboard eingeklemmt
(=Äquivalent zum „auf die Zunge gebissen“) :wink:

Na also komm … :wink:

Aber ein schönes Beispiel für Taktlosigkeit hab ich dieser Tage bei Aldi erlebt. Ich traf eine Bekannte, die einst in meiner Nachbarschaft lebte. Wir plauderten und luden dabei Kräuterleberwurst, Frühlingsquark und Spanische Oliven in unsere Einkaufswägen. Da sehe ich einen Kunden von mir auf uns zusteuern. „Mensch … Sie kenne ich doch!“ rief er mir schon von Weitem zu.

Als nächstes sah er meine Exnachbarin. „Und Helga…! Helga!!!“.

Und laut und für alle vernehmlich rief er zu mir: „Helga und ich, wir gehen in dieselbe Selbsthilfegruppe!“.

Autsch.

To.i

Hallo,

Diese Thematik rührt, denke ich, bei den meisten an Wunden.

Meinst du oder weist du?
Ich war in vielen Adoptionsgruppen aktiv (auch als Teil eines „couple in waiting“, also vor der Adoption) und nein, was du da meinst ist ein Klischee. Es gibt sehr viele Paare, die offen mit dem Thema der ungewollten Kinderlosigkeit umgehen. Menschen sind verschieden.

Die müssen nicht durch eilfertige Fragen von Fremden
aufgebrochen werden.

Nun ja, fremd und fremd ist ein Unterschied. Natürlich möchte nicht jeder von wildfremden Menschen in einem neutralen Kontext auf sein Übergewicht, die Kinderlosigkeit, die Schlappohren, die Arbeitslosigkeit usw. angesprochen werden.
Aber wenn man sich etwas kennt, wird das anders.
Oder aber es ist im entsprechenden Kontext (mir fällt da jetzt z.B. eine Veranstaltung einer Organisation ein, wo für Adoption geworben wird*).

Die Erfahrung habe ich gemacht, dass bei den meisten Menschen,
bei denen hier „etwas ist“ die Frage danach unangenehme
Gefühle hervorruft.

Vielleicht kommt es auf die Art der Frage an?

Die Frage „Habt Ihr Kinder“ ist für diese Menschen noch in
Ordnung, aber das „Warum denn nicht?“ ist, und da muss ich
mitgehen, dann schon sehr persönlich.

Siehe oben. Kontext und Bekanntheitsgrad.

Aber ein schönes Beispiel für Taktlosigkeit […] Selbsthilfegruppe!".

Autsch.

In der Tat.
Aber auch da kommt es darauf an, was man draus macht.
Eine analoge Geschichte: Ich hatte meinen niegelnagelneuen Sohn mit mir und war in dem deutschen Delikatessgeschäft einkaufen, in das mich gelegentlich heimatliche Gelüste führten. Die große Walküre hinter der Fleischtheke, ganz laut: „Ist das Ihr Baby?“ Ich, strahlend: „Ja!“ Sie: „Aber Sie warn doch gar nicht schwanger! Und außerdem isser viel zu dunkel…“ Ich, immer noch strahlend (als neugebackene, stolze Mutter): „Das kommt daher, dass wir ihn adoptiert haben…“ Es war der Dame schrecklich peinlich. Ihre Entschuldigung habe ich abgewunken, erstens war es lustig, zweitens war mir dieser offene Umgang mit dem Thema weitaus lieber, wie die verhuschten Blicke damals in der südafrikanischen Öffentlichkeit und das Getuschelt („was die wohl mit ihrem Gärtner gemacht hat…“). Und als Ergebnis war unser Sohn der King in dem Laden, solange wir dort lebten. Er bekam immer das größte Stück Wurst oder eine Bretzel und durfte hinter die Theke usw.

Gruß
Elke

*mir fiel kein besseres Beispiel ein, von D. her kenne ich solche Veranstaltungen nicht, in Südafrika war das der Versuch, Eltern für nichtweiße Babys zu finden