Moin, Anke!
Wie isses denn nu? Leider kam ich gestern nicht mehr dazu, Dir nochmal zu antworten. Inzwischen müßtest Du ja auch Deine eigenen Erfahrungen gemacht haben *g*
Lass doch mal hören, wie es war.
Also da wo ich hingehe, wird garantiert, dass das Tattoo in 6
Tagen völlig verheilt sein wird!
Was sagt der (offentsichtliche) Experte dazu?
Grund zum
zweifeln? Oder super?
Wenn ich mal so sagen darf: Offensichtlicher Blödsinn. Niemand kann Dir sowas garantieren. Natürlich ist es möglich, das Du bereits nach sechs Tagen eine weitestgehende Heilung feststellen kannst. Aber das ist abhängig von Deinem Körper. Jede Haut heilt anders, das ist individuell verschieden. Eine Tätowierung ist nunmal eine mehr oder weniger großflächige Wunde. Und die braucht Zeit zum Heilen. Sechs Tage mögen ja eventuell möglich sein, die Regel sind sie sicher nicht. Und garantieren kann das schon gleich gar keiner.
Vielleicht noch diese Hinweise: Jede andere Art, eine frische
Tätowierung zu behandeln, ist eigentlich Schwachsinn. Fang
blos nicht an mit den (oft empfohlenen) Mittelchen wie
Vaseline oder Melkfett oder sonstwas für´n Blödsinn. Damit
verklebst Du nur die Poren, die Tätowierung verschorft und Du
hast hinterher Probleme mit farblosen Stellen. Es ist auch
völlig normal, das beim Waschen der Tätowierung Farbe wieder
rauskommt. Das ist nichts schlimmes, davon geht das Bild nicht
verloren.
Und darauf kann ich mich völlig verlassen? Ganz ehrlich!? Weil
die Geschichten von Vaseline & Co. hab ich auch schon von sehr
sehr vielen gehört! Und die hatten da glaub ich keine Probleme
mit…
Man hört davon so viel 
In der Regel wird sowas von Leuten empfohlen, die sich zwar Tätowierer nennen, aber eigentlich nichts sind als (hoffentlich bessere) Hinterhofkopierer. Das mag jetzt hart klingen, es ist aber so.
Leider ist es in D ohne Schwierigkeiten möglich, sich Tätowierer zu nennen. Mir persönlich sind mehrere sogenannte „Tattoostudios“ bekannt, bei denen man diesen Begriff nicht mal mit Zwei-Augen-Zudrücken benutzen dürfte.
Weißt Du, wie einfach es ist, ein Tattoostudio zu eröffnen? Du blickst in eine einschlägige Zeitschrift, bezahlst vielleicht 1.000 bis 2.000 Euro für eine drittklassige „Internationale Vorlagen- und Motivsammlung“, erhältst dafür ein oder mehrere Ordner mit Standardmotiven, die sich schön einfach kopieren lassen. Dann gibst Du nochmal 200 Euro für eine gebrauchte Tätowiermaschine aus. Natürlich brauchst Du noch einen Sterilisator, den kannst Du billig gebraucht kaufen, kostet an die 1.000 bis 1.500 Euro mit ein bisserl Glück.
Wenn Du Dir, so hervorragend ausgestattet, dann ein nettes Ladenlokal in guter Laufgegend mietest, dann kannst Du schon loslegen. Genehmigungen? Brauchst Du keine, lediglich eine Gewerbeanmeldung für 20-25 Euro. Und los geht´s: Motiv kopieren, mit Blaupapier oder Fineliner auf den Körper aufmalen und nachstechen. Fertig, 150 bis 200 Euro kassieren, der Nächste bitte. Wenn Du schnell bist und Dich nicht allzu blöd anstellst, dann kannst Du bei guter Auslastung im Monat locker 25.000 Euro einnehmen. Klingt doch toll, oder?
Und im Übrigen: Jeder gute, Professionelle Tätowierer wird Dir
genau das gleiche erzählen. Leider gibt es inzwischen massig
„Billige“ Hinterhofhacker, die sich Tätowierer nennen. Die
stechen teilweise Bilder, die sehen aus wie mit ´nem Edding
gemalt. Schlicht zum Kotzen. Aber schön billig isses.
Also der, zu dem ich geh, is vom Gesundheitsamt empfohlen!
Bitte??? Vom Gesundheitsamt empfohlen? Was ist das denn? Hat der das erzählt? Also bei allem guten Willen kann ich mir nicht vorstellen, das irgendein Amt sich soweit aus dem Fenster lehnt und einen Tätowierer empfiehlt. Im Höchstfall wird das Gesundheitsamt den Laden mal überprüft und festgestellt haben, das es seitens des Gesundheitsamtes keine Bedenken gibt.
Eine Empfehlung würde Dich daraus nicht ableiten wollen.
Gut? Das hat ja im eigentlichen Sinne nichts mit dem Stechen
an sich zu tun, sondern mit Hygiene-was natürlich auch wichtig
is…
Also Hygiene sollte bzw. muß in einem guten Tattoostudio eine Selbstverständlichkeit sein, die ich nicht extra erwähnt haben möchte. Wenn ein Tätowierer es nötig hat, darauf hinzuweisen, das es bei ihm sehr hygienisch ist, dann kann es mit der Kunst an sich wohl nicht soweit her sein.
Die Definition eines guten Tätowierers hängt für mich schon in der Hauptsache an der Qualität der gestochenen Bilder. Tätowieren ist in meinen Augen eine Kunst, die man zwar als Handwerk erlernen kann, für die man aber auch nicht zuletzt ein gewisses künstlerisches Grundtalent benötigt. Mir sind zuviele tränenreiche Fälle bekannt, in denen hinterher ein professioneller Tätowierer die Sünden eines dieser Hinterhofhacker korrigieren mußte, um wenigstens etwas halbwegs ansehnliches daraus zu machen.
Bei uns um die Ecke ist seit etwa 1½ Jahren ein solches Supertattoostudio. Zufällig kenne ich die Inhaberin persönlich (was nicht heißt, das ich sie schätze). Die Dame betreibt eigentlich ein Solarium, eine ihrer Kabinen hat sie eben zum „Tattoostudio“ umgebaut. Die Dame hat von Tätowieren absolut keine Ahnung, aber sie hackt was das Zeug hält. Sie hat es genauso gemacht, wie ich oben beschrieben habe. Sie profitiert einfach davon, das Tätowierungen derzeit absolut in Mode gekommen sind und jedes Schulmädchen jetzt auch einen Teddy auf dem Hintern haben will.
Unsere Nachbarin war der Meinung, sich ihren jahrelangen Wunsch nacheinem bestimmten Motiv endlich erfüllen zu wollen und sie war eben genau in diesem Laden. Erstens kam die Dame schonmal heftig ins Schleudern, als der Wunsch vorgetragen wurde, kein Standardmotiv aus ihrem Katalog zu nehmen, sondern eben ein Motiv aus eigener Entwicklung unserer Nachbarin. Sie hat es trotzdem gestochen (ein guter Tätowierer hätte dies wahrscheinlich abgelehnt). Was soll ich sagen? Es war billig - und genauso sah es auch aus.
Am Ende, nach viel Frust, war unsere Nachbarin dann damit bei einem Profi, der es überarbeitet hat und dafür natürlich entsprechend kassiert hat. Zu Recht, Lehrgeld muß jeder mal zahlen. Leider ist Lehrgeld im Bereich der Tätowierungen in der Regel mit einem Lebenslangen Machwerk auf der eigenen Haut verbunden.
Ich fühl mich immer noch ein bisschen hilflos…
Naja, ich hoffe für Dich, das Du mit Deinem Tattoo zufrieden bist und alles nach Deinen Vorstellungen ablief. Ein paar Tage eher und wir hätten im Vorfeld etwas intensiver dazu kommunizieren können 
Laß doch mal hören, wie es lief.
Gruß & Bye…
Der Dicke MD.