ich verzweifle gerade an der Dechiffrierung eines Taufbucheintrags. Eigentlich kann ich die alte Kurrentschrift recht gut lesen, aber hier gibt es einige Wörter, die mir trotz aller Mühe noch immer ein Rätsel sind.
Ich habe heute Nacht und heute Vormittag bestimmt noch einmal 3 Stunden an diesem kleinen Textabschnitt gesessen, vergrößert, gerätselt, … - die Handschrift dieses Pfarrers ist ein Graus!
Ich meine nun Folgendes dechiffriert zu haben:
“Hat durch die nachgefolgte laut Copulierungsbuch Petersdorf tom. [lat. tomus = Band] IV / fol: [folio = Blatt] 40 am 24. November 1900 / vollzogene Ehe des G. H. / den ehelichen Beigang **[= die Herstellung der ehelichen Abstammung bzw. rechtlichen Stellung] seines Kindes / Maria mit Anna R. / [der] unehelichen Mutter derselben legitimiret.”
Es geht hier also um eine nachträgliche Anerkennung bzw. kirchliche Legitimierung eines unehelich geborenen Kindes durch den Vater.
Der Eintrag findet sich in einem Taufbucheintrag aus dem Jahr 1900. Er ist in einer deutlich anderen Handschrift verfasst als der übrige Taufbucheintrag, wurde also nachträglich eingefügt. - In der selben Handschrift erfolgte auch ein nachträglicher Eintrag in der zuvor leeren Spalte, die mit „Vater“ überschrieben ist.
Hat durch die nachgefolgte laut
[…]
vollzogene Ehe des G.H.
unehelichen Erzeuger dieses Kindes
Maria mit Anna Richter
unehelichen Mutter desselben legitimiret.
Das hier hat mein ChatGPT nach langem „Nachdenken“ (über 15 Minuten) als Ergebnis vorgeschlagen:
Copulirt in Magyarsófalva laut
Trauungsbuch Beledocz Tom IV
fol. 40 am 24. November 1900.
Der Erzeuger Hr. Georg Häuschel
im ehelichen Stande mit der Kindes-
Mutter Maria Anna Richter
nachträglichem Matrimonio legitimiert.
Das Ergebnis habe ich nicht geprüft. Ich selbst erkenne da gar nichts. Kann also reine KI-Phantasterei sein.
Tschättschi-Pity kann auch keine regelrecht geschriebene deutsche Kurrentschrift lesen - diese also erst recht nicht.
Warum bringst Du diese Soße daher, wenn praktisch nichts mehr am vorgelegten Text offen ist?
Müssen wir jetzt alle den Kotau vor irgendwelchen kinschdlichen Deppen machen, bloß weil es sie gibt?
Sie sind - richtig angewendet - wertvolle Werkzeuge, auch wenn ihnen Intelligenz vollkommen abgeht. Aber so ins Blaue geplappert haben sie genau gar keinen Wert.
Du hast exakt die Stelle herausgegriffen, bei der ich mir unsicher war: die 5. Zeile.
Diese hatte ich als „den ehelichen Beigang seines Kindes“ gelesen.
Deine Interpretation „unehelicher Erzeuger dieses Kindes“ macht für mich nach eingehender Betrachtung deutlich mehr Sinn:
Das „un-“ am Zeilenanfang ist und bleibt für mich völlig unlesbar,
„-ehelichen“ hatte ich ebenfalls gelesen.
Dein Vorschlag „Erzeuger“ für das zweite Wort ist für mich - mit neuem Anlauf und mehr Distanz - klar nachvollziehbar:
Den Buchstaben am Wortanfang als „E“ zu lesen ist schlüssiger als meine Interpretation. Der zweite Buchstabe „r“ ist vollkommen unleserlich, das „z“ hatte ich als „g“ gelesen - es ist aber doch eher ein „z“. Der 5. und 6. Buchstabe sind eindeutig „u“ und „g“.
Etwas anderes als „unehelichen“ in den beiden parallelen Appositionen zu Gregor und Anna scheint mir semantisch gar nicht möglich. Zumals die Schriftzüge beider Wörter einschließlich der Vorsilbe ja völlig identisch erscheinen.
Da Anna im Dativ steht (entsprechend die Apposition ja auch), Gregor aber im Genitiv, müsste es eigentlich „unehelichen Erzeugers“ heißen. Aber ich war mir nicht sicher, ob das Minikringelchen am Ende von „Erzeuger-“ tatsächliche ein „s“ ist.
Mutter und Kind hätten keinen Anspruch auf Unterhalt gehabt - d.h. 1900 zu einem Leben in Armut in einem heute kaum mehr vorstellbaren Grad verurteilt gewesen - und das Kind wäre gegenüber dem Vater nicht erbberechtigt gewesen.
Also bei der Vorsilbe „un-“ sehe ich da schon erhebliche Unterschiede!
Und ich habe noch immer Probleme, das „u“ als solches nachzuvollziehen: Der große Bogen zu Beginn der 5. Zeile ist schon sehr irritierend.
Dennoch: Deine Interpretation macht Sinn und erscheint mir sehr plausibel.
Danke nochmals!
auch dann wäre es zur einstweiligen Rettung der Reste von wewewa nützlich, wenn Du Dich vorwiegend zu Fragen äußertest, in deren Gegenstand Du Dich auskennst - vorliegend kann man z.B. überhaupt nichts ohne Kenntnisse (verbunden mit Lesepraxis) der deutschen Kurrentschrift und sinnvollerweise auch benachbarter und verwandter Schriften erreichen.
Es ist zwar erstaunlich, wie viel Frl. Tschätschie-Pity erkannt hat - ich hätte ihr z.B. die unterschiedlich und teils recht eigenwillig geschriebenen e nicht zugetraut - und damit immerhin (unter Nutzung von vielleicht zwei oder drei Atomkraftwerken, die für andere Zwecke nützlich eingesetzt werden könnten) in die Nähe des vorgelegten Textes gekommen ist, aber bereits die frei erfundenen Ortsnamen und der falsche Name des Kindsvaters machen das Ergebnis wertlos.