Hallo,
es kommt in der Tat sehr auf die lokalen Gegebenheiten an. Von Stadt zu Stadt und Region zu Region gibt es enorme Unterschiede.
Meine Erfahrungen hier in Düsseldorf liegen schon ein paar Jährchen zurück. Allerdings habe ich noch Kontakt zu einigen Fahrern und Unternehmern. Das Geschäft ist in den letzten 5 - 6 Jahren schwieriger und ruppiger geworden, es war allerdings noch nie ein Zuckerschlecken. In Düsseldorf gibt es derzeit so um die 1360 Lizenzen, und trotz grosser Messen und Flughafen ist es für kleine Unternehmer mit 1 - 3 Taxen schwierig, über die Runden zu kommen.
Ich kann Wolfgang in den meisten Punkten recht geben. In grösseren Städten fährt das „Billigpersonal“ allerdings ausschliesslich auf Provision - 40 % - 50 % von den Einnahmen gehen in die Tasche des Fahrers. In Düsseldorf sind 45 % die Regel. Die Einbrüche, die das Geschäft in den letzten Jahren erlebte, haben übrigens alle grossen Taxi-Unternehmer hier mittlerweile dazu veranlasst, Sitzkontakte einzuführen. Vorher „vergass“ der eine oder andere Fahrer schon mal, den Taxameter einzuschalten . . .
Die Reglementierung, die Wolfgang im Taxigewerbe kritisiert, hat für den Unternehmer auch erhebliche Vorteile. Grossartige Freiheiten hat der Unternehmer sicherlich nicht: Von der Farbe der Fahrzeuge bis zu Beförderungsrichtlinien (z.B. dem Pflichtfahrgebiet) ist vieles reglementiert. Allerdings ist der Unternehmer insbesondere durch die strikte Lizenzen-Vergabe der Gemeinden auch abgesichert und vor ruinösem Preiskampf wie z.B. bei den Kurierunternehmen gefeit. Das Taxi-Gewerbe an sich ist schon eine Monopol-Institution: Die meisten Unternehmer geben keinen Pfennig für Werbung aus - die Kunden stehen ja schliesslich auf der Strasse oder werden durch die Funkzentrale vermittelt. Ein Anschluss an eine Funkzentrale dürfte heutzutage wohl überall obligatorisch sein.
Wohin eine Liberalisierung im Taxi-Gewerbe führt, zeigt das Beispiel Zürich: Die Stadt hat seit der Liberalisierung einen explosionsartigen Anstieg an Taxen erlebt, und es werden immer mehr. Selbst in einer Geldstadt wie Zürich bleibt irgendwann kaum noch was beim Einzelunternehmer hängen. Das Arbeitsamt Zürich hat die Liberalisierung genutzt und zu Hauf Arbeitslosen den Personenbeförderungsschein gezahlt und hinters Steuer gesetzt. Dies hat nur dazu geführt, dass die Motivation der Fahrer nicht die grösste ist und die Beförderungs-Qualität insgesamt für den Fahrgast deutlich gesunken ist.
Sei also froh, dass es in Deutschland die Reglementierungen im Taxigewerbe gibt! Selbst im liberalen New York ist die Lizenzenvergabe im Taxigewerbe nicht ohne Grund strikt reglementiert.
Trotzdem kann ein Unternehmer sicher viel tun, um sich von anderen abzuheben. So fährt in Düsseldorf z.B. ein klassisches London-Taxi (zwangsweise auch cremefarben) herum, dass seine ganz spezielle Stammkundschaft gefunden hat. Ein gepflegter Wagen, Kreditkartenakzeptanz, Navigationssystem, Gepäckservice, Fremdsprachenfähigkeiten des Fahrers sind weitere Punkte, mit denen man sich abheben kann.
Am „Abreissen von Stunden“, wie Wolfgang es nennt, ändert dies alles nichts. 10-Stunden-Tage sind durchaus normal.
Wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg!
Gruss
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