Taxiunternehmen übernehmen?

hi leute,

mir wurde angeboten ein taxiunternehmen zu übernehmen. das unternehmen ist in einer großstadt, ca. 110.000 einwohner, angesiedelt und hat zurzeit zwei lizenzen. neben der alltäglichen personenbeförderung werden auch viele behinderte schüler befördert. im groben erwirtschaftet das unternehmen gute umsätze. (150.000 Euro p.a.)

der jetzige inhaber möchte in ca. 4 jahren in den ruhestand gehen und würde bis dahin sukzessive aus dem unternehmen ausscheiden. ich kenne den inhaber gut, es besteht also ein gewisses vertrauensverhältnis.

meine sorge ist jetzt, wie es um taxiunternehmen heute und zukünftig bestellt ist. kennt sich jemand von euch aus? was sind die risiken in der branche? ist der markt hart umkämpft?

ich brauche für meine endgültige entscheidung noch andere meinungen.

mfg

kossi

mir wurde angeboten ein taxiunternehmen zu übernehmen. das
unternehmen ist in einer großstadt, ca. 110.000 einwohner,
angesiedelt und hat zurzeit zwei lizenzen. neben der
alltäglichen personenbeförderung werden auch viele behinderte
schüler befördert. im groben erwirtschaftet das unternehmen
gute umsätze. (150.000 Euro p.a.)

meine sorge ist jetzt, wie es um taxiunternehmen heute und
zukünftig bestellt ist. kennt sich jemand von euch aus? was
sind die risiken in der branche? ist der markt hart umkämpft?

Hallo,

über diese Art der Frage bin ich etwas erstaunt. Immerhin steht in Deiner Vika sinngemäß etwas von Diplom-Kaufmann mit Hang zum Event-Management.

Die Rentabilität eines Taxiunternehmens ist zunächst von der Wettbewerbssituation abhängig, sofern es sich um ein Feld-, Wald- und Wiesenunternehmen ohne Spezialisierung handelt. Ein Hinweis auf Spezialisierung könnte der Behindertentransport sein, sofern dafür Spezialfahrzeuge zum Einsatz kommen und Verträge mit z. B. Versicherungsträgern die Auslastung gewährleisten.

Der Markt für gewöhnliche Taxen in Ballungszentren ist i. d. R. reichlich gesättigt. Die Leute kommen zurecht, weil sie Billigpersonal beschäftigen, das viele Stunden hinter dem Steuer und am Wartestand verbringt. In vielen Regionen ist es für Taxiunternehmen überlebenswichtig, einer der Zentralen angeschlossen zu sein, deren Rufnummern auf dem Rücken aller Telefonbücher, in Kneipen, eigentlich überall bekannt sind. Das ist ein wichtiger Zugang zur Kundschaft.

Ich würde in ein Taxiunternehmen nur investieren, wenn es sich um ein ausschließlich spezialisiertes Unternehmen handelt, dessen Dienste nicht von jedem Führerscheininhaber ersetzbar sind. Andernfalls ist es ein Unternehmertum, wo man mit Innovation, eigener Handschrift und Ideen nichts bewirken kann, ja nicht einmal die Preise selbst bestimmen kann. Vielmehr muß man sein Geld durch Abreißen von Stunden und Kilometern verdienen - eine ziemlich öde Angelegenheit.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

es kommt in der Tat sehr auf die lokalen Gegebenheiten an. Von Stadt zu Stadt und Region zu Region gibt es enorme Unterschiede.

Meine Erfahrungen hier in Düsseldorf liegen schon ein paar Jährchen zurück. Allerdings habe ich noch Kontakt zu einigen Fahrern und Unternehmern. Das Geschäft ist in den letzten 5 - 6 Jahren schwieriger und ruppiger geworden, es war allerdings noch nie ein Zuckerschlecken. In Düsseldorf gibt es derzeit so um die 1360 Lizenzen, und trotz grosser Messen und Flughafen ist es für kleine Unternehmer mit 1 - 3 Taxen schwierig, über die Runden zu kommen.

Ich kann Wolfgang in den meisten Punkten recht geben. In grösseren Städten fährt das „Billigpersonal“ allerdings ausschliesslich auf Provision - 40 % - 50 % von den Einnahmen gehen in die Tasche des Fahrers. In Düsseldorf sind 45 % die Regel. Die Einbrüche, die das Geschäft in den letzten Jahren erlebte, haben übrigens alle grossen Taxi-Unternehmer hier mittlerweile dazu veranlasst, Sitzkontakte einzuführen. Vorher „vergass“ der eine oder andere Fahrer schon mal, den Taxameter einzuschalten . . .

Die Reglementierung, die Wolfgang im Taxigewerbe kritisiert, hat für den Unternehmer auch erhebliche Vorteile. Grossartige Freiheiten hat der Unternehmer sicherlich nicht: Von der Farbe der Fahrzeuge bis zu Beförderungsrichtlinien (z.B. dem Pflichtfahrgebiet) ist vieles reglementiert. Allerdings ist der Unternehmer insbesondere durch die strikte Lizenzen-Vergabe der Gemeinden auch abgesichert und vor ruinösem Preiskampf wie z.B. bei den Kurierunternehmen gefeit. Das Taxi-Gewerbe an sich ist schon eine Monopol-Institution: Die meisten Unternehmer geben keinen Pfennig für Werbung aus - die Kunden stehen ja schliesslich auf der Strasse oder werden durch die Funkzentrale vermittelt. Ein Anschluss an eine Funkzentrale dürfte heutzutage wohl überall obligatorisch sein.

Wohin eine Liberalisierung im Taxi-Gewerbe führt, zeigt das Beispiel Zürich: Die Stadt hat seit der Liberalisierung einen explosionsartigen Anstieg an Taxen erlebt, und es werden immer mehr. Selbst in einer Geldstadt wie Zürich bleibt irgendwann kaum noch was beim Einzelunternehmer hängen. Das Arbeitsamt Zürich hat die Liberalisierung genutzt und zu Hauf Arbeitslosen den Personenbeförderungsschein gezahlt und hinters Steuer gesetzt. Dies hat nur dazu geführt, dass die Motivation der Fahrer nicht die grösste ist und die Beförderungs-Qualität insgesamt für den Fahrgast deutlich gesunken ist.

Sei also froh, dass es in Deutschland die Reglementierungen im Taxigewerbe gibt! Selbst im liberalen New York ist die Lizenzenvergabe im Taxigewerbe nicht ohne Grund strikt reglementiert.

Trotzdem kann ein Unternehmer sicher viel tun, um sich von anderen abzuheben. So fährt in Düsseldorf z.B. ein klassisches London-Taxi (zwangsweise auch cremefarben) herum, dass seine ganz spezielle Stammkundschaft gefunden hat. Ein gepflegter Wagen, Kreditkartenakzeptanz, Navigationssystem, Gepäckservice, Fremdsprachenfähigkeiten des Fahrers sind weitere Punkte, mit denen man sich abheben kann.

Am „Abreissen von Stunden“, wie Wolfgang es nennt, ändert dies alles nichts. 10-Stunden-Tage sind durchaus normal.

Wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg!

Gruss

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meine sorge ist jetzt, wie es um taxiunternehmen heute und
zukünftig bestellt ist. kennt sich jemand von euch aus? was
sind die risiken in der branche? ist der markt hart umkämpft?

Die Branche leidet eigentlich immer, wenn die Spritpreise mal wieder (wegen eines Golfkrieges o.ä.) anziehen. Dann wird der Wettbewerb natürlich härter.
Es ist soweit ich weiss nicht selten, dass der Taxifunk der Konkurrenz abgehört wird, um der Konkurrenz die Kunden wegzuschnappen. Das gelingt auch fast immer, da besoffene und alte Menschen oft nicht immer feststellen können, ob das Taxi vom angerufenen Unternehmen stammt. Des weiteren ist es nicht unüblich, dass Taxifahrer ganz gerne mal ihren Chef „bescheissen“. Wie die das genau machen (in Zeiten von Sitzkontakten etc.) weiss ich allerdings nicht.
Risiken gibt es also genug.

Allerdings gibt es auch einige Chancen.
Es scheint lohnend zu sein kein reines Taxiunternehmen zu besitzen, sondern auch Kurierfahrten, Transportfahrten usw. für heimische Unternehmen anzubieten. Desweiteren sollte man langfristige Beziehungen zu Arztpraxen, Behinderteneinrichtungen, Altersheime, Kneipen usw. aufbauen und pflegen. Einige Taxiunternehmer vermieten auch Transporter oder Anhänger.

Beschränkt man sich ausschließlich auf den Transport anonymer Kunden muss man damit rechnen, dass man sich am Taxistand die Reifen eckig steht. Den Leuten sitzt das Geld halt nicht mehr so locker in der Tasche wie in der Vergangenheit. Fährt man als Chef noch selbst kann man allerdings noch viel „schwarz“ hinzuverdienen. Allerdings braucht man einen Taxischein. Diesen bekommt auch nicht jeder mit Führerschein.

Ich hoffe ein paar Denkanstösse geliefert zu haben.

MfG
Stephan

yo vielen dank für die tipps. ich bin zwar ausgebildeter dipl-kfm, aber grundsätzlich nicht abgeneigt jetzt schon einen laden zu übernehmen. wie die professoren in der fh schon gesagt haben: „sie müssen sich nach allen seiten viele möglichkeiten offen halten.“ oder „sie können auf vielen wegen geld verdienen.“

meine entscheidung ist noch nicht ganz gefallen, aber interesse besteht schon, da die reine personenbeförderung im unternehemen nur 30% beträgt.

also alles nochmals abwägen.

mfg

kossi

Hi Kossi,

was sagen denn die Bilanzen dieses Unternehmens? Und wie entwickelt sich das Geschäft nach Einführung des Euro?

Man hört ja allerortens, daß auch Taxi zu den Teuro-Firmen gehören. Was sagt der inflationsbereinigte Umsatz in diesem Jahr?

Prüfe das und du siehst, welche Perspektiven sich dort entwickeln. Suche nach Kriterien, die dadurch zu einem Verdrängungs- oder härterem Konkurrenzkampf führen.

gruss
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