teekränzchen

hallo!

mit ein paar kollegen hatten wir folgende diskussion:

2 personen haben je eine tasse heissen tee, einen löffel und eine kaffeesahne-portion (aus dem kühlschrank). jeder darf eine minute rühren, und jeder darf die portion sahne in die tasse schütten.

wann ist der tee kühler:

a. wenn man zuerst die sahne hineintut und dann rührt?

b. wenn man zuerst rührt und dann die sahne zufügt?

ich war der meinung, dass b. richtig ist, da der wärmeausgleich mit der umgebungsluft grösser ist, wenn der tee noch heisser ist?

stimmt dass, und kann man das auch mit zahlen belegen (werte können angenommen werden, z.b. 2 dl tee à 60°, sahne à 5° etc,
beide „testpersonen“ haben schliesslich dieselben voraussetzungen)

thx + cu

laurent

Wenn der Anfangstemperaturunterschied der Tasse zu ihrer Umgebung ΔT0 und τ ihre Zeitkonstantante ist, dann beträgt die Temperaturdifferenz nach der Zeit t

(1) ΔT(t) = ΔT0·exp(-t/τ)

Wenn wir in eine Tasse der Masse m und der Temperatur ΔT Sahne der Temperatur ΔTS und der Masse mS schütten, dann beträgt die Mischungstemperatur bei gleichen Wärmekapazitäten

(2) ΔTm = (m·ΔT + mS·ΔTS)/(m + mS)

Schütten wir jetzt im Fall a zuerst die Sahne in die Tasse und Lassen sie dann abkühlen, dann müssen wir anstelle der Anfangstemperaturdifferenz ΔT0 in Gleichung (1) das Ergebnis von Gleichung (2) einsetzen:

(a) ΔTa = (m·ΔT0 + mS·ΔTS)/(m + mS)·exp(-t/τ)

Schütten wir dagegen im Fall b die Sahne erst in die Tasse, nachdem diese sich abgekühlt hat, dann müssen wir anstelle der Temperatur T in Gleichung (2) das Ergebnis aus Gleichung (1) einsetzen, wobei wir allerdings beachten müssen, daß auch die Sahne sich der Temperatur ihrer Umgebung anpaßt. Unter der Annahme, daß alle Zeitkonstanten gleich sind (sonst wird mir das zu kompliziert) ergibt sich dabei:

(b) ΔTb = [m·ΔT0·exp(-t/τ) + mS·ΔTS·exp(-t/τ)]/(m + mS)

Nach dem Ausmultiplizieren stellt man überrascht fest, daß ΔTa und ΔTb identisch sind.

Nimmt man die Sahne dagegen direkt vor dem Eingießen in die Tasse aus dem Kühlschrank, dann ist

ΔTb = [m·ΔT0·exp(-t/τ) + mS·ΔTS]/(m + mS)

und die Differenz von ΔTa und ΔTb beträgt

ΔTab = ΔTa - ΔTb = ΔTS·[exp(-t/τ)-1]/(m + mS)

ΔTb ist also kleiner als ΔTa, wenn ΔTS kleiner als Null ist (wenn die Sahne also kälter als die Umgebung ist).

hi!

ist es aber nicht so, dass schwarze oberflächen (sprich schwarztee) schneller wärme austauschen als weisse (sahne)? wenn man die verschiedenen koeffizienten berücksichtigt, staut die sahne die kälte länger? und, wenn man zuerst die sahne beimischt, wird der tee heller (somit schlechterer wärmeaustausch)?

cu

laurent

ps: danke schon mal für die ausführlichen berechnungen :wink:

ist es aber nicht so, dass schwarze oberflächen (sprich
schwarztee) schneller wärme austauschen als weisse (sahne)?
wenn man die verschiedenen koeffizienten berücksichtigt, staut
die sahne die kälte länger? und, wenn man zuerst die sahne
beimischt, wird der tee heller (somit schlechterer
wärmeaustausch)?

Weil das zu kompliziert geworden wäre, bin ich ausdrücklich von gleichen Zeitkonstanten ausgegangen (was gleichbedeutend ist mit gleichem Wärmeaustausch). Ansonsten müßte man noch viel mehr berücksichtigen: Material der Gefäße, Wärmekapazitäten der Flüssigkeiten, Verdunstung, Mischungswärme, Oberflächen-Volumen-Verhältnisse bei verschiedenen Gefäßformen und Füllständen usw. Wie groß der Einfluß der einzelnen Größen auf das Endresultat ist, läßt sich leider erst abschätzen, wenn man sie in die Rechnung einbezogen hat.

mr Stupid hat ja schon viel geschrieben, muss ich nix mehr sagen.

Mir f"allt ein, dass fast genau dieselbe Fragestellung im Aufgabenteil vom Gerthsen auftaucht. Da die neueren auch L"osungen haben, lohnt es sich, evtl mal da nachzuschlagen.

So richtig war ich allerdigsn auch noch nie "uberzeugt. Viellecith schnapp ich mir eines Tages mal einen ntc und messe selber nach :wink:

michaela

ist es aber nicht so, dass schwarze oberflächen (sprich
schwarztee) schneller wärme austauschen als weisse (sahne)?

Weil das zu kompliziert geworden wäre, bin ich ausdrücklich
von gleichen Zeitkonstanten ausgegangen

wobei auch noch zu sagen waere, dass ein idealer strahler (oft faelschlicherweise schwarzer strahler genannt) fuer fernes ir (= waermestrahlung) durchaus nicht schwarz sein muss. wenn ich mich erinnere war die farbe egal, oberflaechenstruktur weniger…

joachim