Hallo Mathias
da wir uns vom Thema des Brettes schon so weit entfernt haben, jetzt nur noch eine Anmerkung.
Also die moralische Wertung bringst Du hier ein. Daß
Autofahrer doch immer so empfindlich reagieren müssen, wenn
ihnen jemand erzählt, er oder sie kommt völlig ohne Auto
aus…
…weil das nicht stimmt.
Ohne Autos/Laster würdest Du keine Post erhalten, Dein
Supermarkt wäre leer, Dein Arbeitsplatz wäre
höchstwahrscheinlich weg und die Radwege würden verwahrlosen,
da die Kfz_Steuer für deren Erhaltung fehlt…
Gut, ich habe mich mißverständlich ausgedrückt: Ich komme ohne
eigenes Auto aus, d.h. ich verstelle keinen Platz, sei es in
einer Garage oder im öffentlichen STraßenraum nur dafür, daß
ich jedesmal, wenn ich mich von einem Ort zum anderen bewegen
möchte, eine ganze Blechkiste um mich herum mitführen kann.
Du vernichtest also Arbeitsplätze, weil Du kein Auto kaufst…
Als Anhängerin der Friedensbewegung der 70er und 80er kenne ich das Arbeitsplatz-Argument zur Genüge. Damals hieß es, wenn die Rüstungsindustrie ihre Arbeitsplätze nicht zur Verfügung stellen würde, dann ginge es uns ganz furchtbar schlecht.
Dann kam Gorbatschow und Perestroika, das Feindbild aus dem kalten Krieg fiel weg, und natürlich auch ein paar Arbeitsplätze, hier in München z.B. bei MBB plus Zulieferern und bei Siemens Unterschleißheim plus zulieferern. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Und was passierte? Die Wohnungen in München wurden billiger, weil nicht mehr ein so hoher Zuzugsdruck auf der Stadt lag, auch andere Lebenshaltungskosten sanken (z.B. Dinge des täglichen Bedarfs) weil auch die gewerblichen Mieten nicht mehr so stark unter Druck standen und diese Kosten nicht mehr an die Preise weitergegeben werden mußten…
Und dann kam die Joboffensive der IT-Branche: Es gibt 10 Jahre nach dem Einbruch wieder keine Wohnungen hier, Läden, die in München überleben wollen, müssen mit ihren Preisen wieder teuere Gewerbeflächen finanzieren, einfach alles wird teurer.
Ich würde sicher als Technische Redakteurin (Dipl. Ing. (FH) Elektrotechnik) weniger verdienen, wenn durch die Autoindustrie und ihre Zulieferer nicht so unsinnig viel zu verdienen wäre, ich hätte aber auch geringere Lebenshaltungskosten. Und Du kannst, wenn Du Dich umschaust, dies auch regional nachvollziehen. Ich kenne nur das Beispiel Nürnberg, da dort meine Tochter studiert, die Lebenshaltung ist dort deutlich billiger, aber es läßt sich sicher bundesweit nachvollziehen.
Also erzähle mir nicht, daß Arbeitsplätze, die durch Rückgänge in einer veralteten oder nicht mehr so unmäßig prosperierenden Branche wegfallen, die Katastrophe schlechthin sind, so daß alle, die die derzeitige sog. Schlüsselindustrie nicht durch Konsum unterstützen, Schuld an einer etwaigen Wirtschaftsmisere seien.
Da könnte ich ja gleich mal Dich fragen, ob Du Kinder hast, und wenn nein, wie Du es verantworten kannst, die Wirtschaft nicht durch den automatisch entstehenden Zusatzkonsum (Kinder brauchen regelmäßig neue Anziehsachen, auch regelmäßig zu essen wäre nicht schlecht, und wenn sie in die Schule kommen, dann geht das Ausgeben selbst bei dem allernotwendigsten, erst so richtig los) zu fördern.
Gruß, Karin