Teratokarzinom

Hallo,

vor einiger Zeit sah ich ein Bild eines Teratokarzinoms. Ein wirklich abstoßender Gewebeklumpen mit Haaren, einer Hand und einer Art Gesicht. Das gesamte Erscheinungsbild erinnerte stark an einen, wenn auch extrem verkrüppelten, Menschen. Wie ich inzwischen erfahren habe, handelt es sich um eine Abart des Hodenkrebses und besteht aus mutierten Stammzellen.

Drei Fragen:

  • Wie entsteht diese Krebsart? Nur eine Laune der Natur?

  • Ist das schon Leben?

  • Wenn nein, könnte daraus Leben entstehen? Mich interessiert dabei weniger die technische Machbarkeit oder die Frage, wann Leben beginnt, sondern, ob es theoretisch unter günstigsten Umständen und mit evtl. Hilfe von außen möglich wäre.

Gruß und Danke
Dirk

PS: Ich wollte hier noch einen Link auf eine Abbildung reinsetzen, habe aber nichts gefunden. Ist vielleicht auch besser so.

Ein Teratokarzinom ist genauso eine Art von Krebs wie z.B. auch Brustkrebs oder Lungenkrebs, also eine unkontrollierte Wucherung von Zellen. Der einzige Unterschied ist dabei, daß hier nicht ausdifferenziertes Gewebe zu wuchern beginnt, sondern eben Stammzellen, aus denen jedes denkbare Gewebe entstehen kann.
Dadurch ergibt sich dieses eher abstossende Bild eines solchen Karzinoms, weil es ein Gemisch verschiedenster Gewebetypen darstellt. Doch auch wenn es viele unterschiedliche Gewebe beinhaltet sist es kein eigenständiges Lebewesen und kann es auch nie werden, weil ja keine Koordination im Wachstum und keine physiologischen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Teilen des Karzinoms vorhanden ist.
Es steht also nicht zu befürchten, daß aus einen Teratokarzinom ein Klon des Erkrankten entsteht.

Hallo Dirk,

zu Deinen Fragen:

  • Wie entsteht diese Krebsart?

Die Entstehungswege sind verschieden. So ein Karzinom kann aus unterschiedlichsten Gewebearten bestehen: Haut-, Knochen-, Knorpel- oder Drüsengewebe, aber auch unbefruchtete Keimzellen werden diskutiert.

  • Ist das schon Leben?

Klar ist das Leben. Es sind ja lebende Zellen. Freilich kein „Mensch“, auch wenn in solchen schauderhaften Karzinomen sogar schon Zähne gefunden wurden. Aber Leben im weitesten Sinne ist es auf jeden Fall.

  • Wenn nein, könnte daraus Leben entstehen?

Du meinst sicher: Könnte daraus ein - ein wie auch immer gearteter - mehr oder weniger „kompletter“ Mensch entstehen? Klare Antwort: Nein. Entwicklungsbiologische Vorgänge sind derart komplex, dass sie in einem ungeordneten Zellhaufen (wie es das Karzinom ja darstellt) nicht komplikationslos stattfinden können. Die Entwicklung solche komplexer Strukuren wie unserem Gehirn, den Augen oder Händen muss hochgradig geordnet ablaufen. Dazu ist zu beachten, dass ja ein Karzinom eine Ansammlung von Krebszellen ist. Krebszellen neigen vor allem zu einem: Unkontrolliertes Wachstum ohne Differenzierung der einzelnen Zelle. Ein funktionstüchtiges Lebewesen entsteht so keinesfalls.

Lass Dich nur nicht von den Bildern schockieren. Es gibt in der Medizin allerlei Grusliges - Du musst nicht denken, dass sich hier irgendwelche Kobolde oder Zwergerl oder so entwickeln können.

Grüsse
Anna