Termin beim Psychiater.... sehr viele Fragen

Hallo,

Meine Therapeutin hat mir empfohlen einen Psychiater aufzusuchen. Ich bin schon etwas länger in Behandlung und es funktioniert an sich recht gut, aber ich bin im Moment so down, dass sie Medikamente für notwendig hält! Ich bin mir ziemlich unsicher was ich jetzt tun soll…… Ich habe ziemliche Angst davor, dass mich AD´s müde machen und ich mich noch schlechter konzentrieren kann. Das ich irgendwie nicht ich selber bin….Ich kann gerade noch so meinen Job machen und es wäre natürlich schrecklich, wenn ich durch die Medikamente nur noch müde bin……! Wie lange brauchen diese Medikamente wirklich bis sie wirken- ich habe von 4 Tagen bis zu 3 Wochen gelesen… was sind eure persönlichen Erfahrungen? Sind die Nebenwirkungen wirklich so schlimm? Wie lange muss man sie dann nehmen (Monate, Jahre?)?? Spürt man die Wirkung selber oder merken es nur die anderen? Wird man dadurch weniger leistungsfähig? Was fragt einen der Psychiater? Werden dort körperliche Untersuchungen gemacht??? Es fällt mir zwar leicht über meine „Probleme“ zu reden aber ich weiß gar nicht worauf man bei einem Psychiatertermin schauen muss…. Was soll man ihn unbedingt fragen?
Fragen über Fragen…! Würdet ihr sagen, dass die positiven Wirkungen so gut waren, dass ihr die Nebenwirkungen gerne in Kauf genommen habt?? Ich hoffe ihr könnt mir mit ein paar positiven Rückmeldungen helfen…

LG

Hallo,

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass AD, wenn sie zu wirken beginnen Müdigkeit vertreiben, die Konzentrationsfähigkeit steigern, ich wurde ausgeglichen und tatsächlich auch wieder fröhlich.

Das erste AD, das ich (in Kombination mit anderen Medikamente s. u.) bekam, war ein Serotonin Wiederaufnahmehemmer, dann selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer, und jetzt ein Medikament, das auf zwei Neurotransmitter im Gehirn wirkt, von dem ich den zweiten vergessen habe, Effectin ER.

Aber es gibt im Psychapharmakabereich eine ganze Menge an Medikamenten, nicht ausschließlich nur Antidepressiva. So kann, wenn große Unruhe oder Ängste in Verbindung mit Depressionen vorhanden sind, die Einnahme von mehreren verschiedenen Medikamenten Sinn machen, z. B. mit angstlösenden / ev. beruhigenden Komponenten. Und vieles mehr mit dem ich keine Erfahrungen gemacht habe.

Meine Erfahrung war, dass manche Medikamente für große innere Ruhe sorgten, anfangs vielleicht etwas müde machten, aber der Zustand herrschte durch die Depression sowieso schon vor. Bei den SSRI (selektive Serotonin…usw.) bemerkte ich nach etwa zwei Wochen wieder Antrieb, den ich durch die Depression total verloren hatte, und nach etwa vier Wochen war ich wieder ein Mensch. Also keine Angst nicht mehr Du selbst zu sein, … ganz im Gegenteil. Und natürlich nimmt das auch die „Umgebung“ wahr, aber nicht nur die, sondern vor allem Du.

Ad. Arzt: Ich denke es gibt ein paar Sachen die jedenfalls von ihm gefragt werde sollten: Ob Ängste bestehen (ob begründet oder nicht), wie der Schlaf ist (zuviel?, zuwenig?, Probleme beim Ein- oder Durchschlafen?), Antrieb bzw. Antriebslosigkeit vorhanden, auch die persönlich Situation ist zu hinterfragen?

Und Du kannst ihn auf jeden Fall zu den Medikamenten befragen: Wirkung, Nebenwirkungen, machen die Medi abhängig (wobei, wenn er dir gleich sowas verschreibt und das nicht dazu sagt, ALARM!, und sonst muss schon ein SEHR guter Grund dafür bestehen). Wenn er diese Fragen nicht mag, oder nicht ausreichend auf Dich und Deine Bedenken eingeht, hätte ich kein gutes Gefühl bei ihm.

Unter Umständen werden auch körperliche Untersuchungen veranlasst, Schilddrüse fällt mir ein. Möglicherweise macht auch eine Psychologische Diagnostik Sinn, wo spezielle Tests betreffend der Arbeitsdiagnose durchgeführt werden, um sie zu bestätigen, oder mehr rauszufinden. Kannst auch ruhig danach fragen.

Das war jetzt nach langer Zeit ein langes Posting von mir

Alles Gute

morrighan

Hallo,

du vertraust doch deiner Therapeutin, oder? Also gehe ruhig zu einem Psychiater. Niemand wird dir etwas aufzwingen wollen aber höre dir die Meinung der Experten an. Stelle dort deine Fragen und äußere dort deine Ängste. Und dann entscheide dich.

LG Ralf E.

Hallo,
ich kann Dir nur aus meiner Beobachtung mitteilen, dass Antidepressiva sehr zwiespältig sind.

Es gibt Menschen, die Symptome aufweisen, wo sie notwendig wären, aber sie es ohne schaffen - nur weil sie keine nehmen wollen. Diese Menschen werden wohl eher die Minderheit sein und Du zählst anscheinend nicht dazu.

Es gibt Antidepressiva, die nicht wirken, bzw. nicht den erwünschten Effekt bringen. Die wirken bei anderen, aber nicht bei Dir. Das wird der Arzt beobachten und ggf. auf ein anderes Präparat umstellen.

Wie bei fast allen Veränderungen, tut es erstmal „weh“. Bei AD sind es erstmal die Nebenwirkungen, die in den ersten beiden Wochen auch in extremer Form auftreten können. Das bedeutet, die befürchtete Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Sehstörungen oder auch Gliederschmerzen. Es scheint, als würden die bereits bestehenden Beschwerden verstärkt. Danach treten diese Nebenwirkungen zurück und es geht Dir besser als zuvor.

Wenn man sich darüber bewusst ist und sich darauf einstellt, dass diese Unnanehmlichkeiten anfangs auftreten, kann man das durchhalten. Vielleicht ist sogar eine Krankschreibung für wenigstens die erste Woche ratsam, wenn es nicht anders geht.

AD sind kein Teufelszeug - richtig dosiert und eingesetzt können sie ein Leben ermöglichen, das ohne sie nicht möglich ist.

Wie lange Du sie nimmst ist abhängig von Deiner Therapie, die auf jeden Fall begleitend fortgesetzt werden sollte.

Das Absetzen wird in Begleitung des Arztes (Psychiaters) gemacht.

Viele Grüße und gute Besserung!

ich habe mal für 4-5 Monate AD`s genommen und habe es nie bereut. Ich habe nie Nebenwirkungen verspürt. Mir ging es wirklich von anfang an gut. Wenn der psychiater gut ist, wird er dir sicher das richtige verschreiben. hingehen würde ich auf jeden Fall. Ob du die Tabletten dann wirklich nimmst ist dann deine Entscheidung

Die Frage darüber wie genau Antidepressiva wirken ist von so vielen Faktoren abhängig, dass eine Ausführung sehr lange dauern würde.

Gleiches mit den Nebewirkungen, da kenne ich aus der Praxis alles, von Katastrophen bis zu Wundern, alles andere als gute Voraussetzungen um ein pauschales Urteil ab zu geben.

Ich würde aber der Therapeutin folgen und einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie anstreben, dort kann schneller auf eventuelle Nebenwirkungen eingegangen werden, als außerhalb des klinischen Umfeldes. Zudem ist die Therapie eventuell effektiver, weil der Druck durch das Lebensumfeld fehlt - und Du bist Krank geschrieben.
Wichtig: Der Arbeitgeber hat KEIN Recht die Diagnose „Depression“ (o.ä.) zu erfahren.

Psychiater/Neurologen (ob in der Praxis oder im klinischen Umfeld) führen immer körperliche Untersuchungen durch, das ist auch nötig wenn eventuelle Nebenwirkungen auftreten und um ab zu klären ob die Depression eine rein psychologische Ursache hat.

Ein guter Psychiater weis wo er nachfragt. Nehmen wir mal an, Du würdest eine Klinik wegen einem Termin anrufen, dann würde bereits in diesem Gespräch geklärt werden wann Du vorstellig werden sollst, es folgt dann ein Gespräch, in dem Du über alle Modalitäten der Behandlung aufgeklärt wirst. Bei sehr schwerer Problematik mit Selbstverletzung oder Selbstmordabsicht kann der Termin sogar sofort gegeben werden.