Ein Zellensystem funktioniert, weil nur die übergeordnete
Zelle die untergeordneten kennt. Zellen der gleichen Ebene
haben normalerweise keinen Kontakt miteinander.
Hallo, Peter!
Hier sitzt der Chef der „allerobersten“ Zelle zusammen mit den
wenigen Männern, die überhaupt sein Gesicht und seinen
wirklichen Namen kennen. Im Buch werden sie als seine
„Leutnants“ bezeichnet, nicht, dass diese Anrede von ihnen
selbst benutzt wird. Jeder von diesen „Leutnants“ ist wiederum
Führer einer untergeordneten Zelle und erstattet Bericht über
deren Aktivitäten. Im Englischen ist mir häufig untergekommen,
dass dieses „lieutenant“ synonymisch gebraucht wird für
„Stellvertreter“, „Vertrauter“, „rechte Hand“. Nun passiert
übersetzenderweise, dass die vorgenannten Begriffe schon
vergeben sind oder verwendet, oder einfach nicht passen.
Das sind gleich zwei Probleme auf einmal. Der Autor, den Du da übersetzt hat eine irgendwie obskure Idee von einem Zellensystem, Die Leute mit denen er zusammensitzt werden nicht die Anführer sondern die Führungsoffiziere nachgeordneter Zellen sein. Außerdem ist natürlich gerade die oberste Zelle eine sehr große Zelle, weil es eben keine operative Zelle ist.
Aber das ist ja für die Übersetzung alles ziemlich belanglos, weil Du ja das Buch so übersetzen musst, wie es ist. Ich sehe hier verschiedene Möglichkeiten:
a.) Du übersetzt das einfach als „Leutnants“. Dann ist das als Wort sicher nicht falsch und sachlich genauso falsch wie im Original.
b.) Du weichst auf das arabaische Wort Râfik aus. Das bedeutet „Bruder“, nicht im Sinne von leiblicher Bruder sondern mehr wie Vertrauter.
c.) Im geheimdienstlichen und militärischem Sprachgebrauch gibt es das sachlich richtige Wort „Führungsoffizier“, was aber in diesem Falle auch etwas hinkt, da der Autor diese zwei Funktionen eines Zellensystems munter vermischt hat.
Wenn Du also jemanden als „Leutnant“ oder mit einem
äquivalenten Ausdruck bezeichnest, dann ist das der
Führungsoffizier aus der übergeordneten Zelle. Der Anführer
der untergeordnetene Zelle ist eben genau der Anführer der
untergeordneten Zelle und nichts anderes.
Der muss aber doch für die Leute seiner untergeordneten Zelle
auch irgendeinen „Rang“ haben?
Signifikant für Untergrundorganisationen in einem Zellenschema ist die Konzentration auf die Funktion, nicht auf den Rang. Da ein Zellensystem ohnehin mit kleinen Einheiten arbeitet, besteht auch gar keine Notwendigkeit einer großen Ranghierarchischen Struktur. Ein schönes Beispiel dafür waren die französischen Widerstandsgruppen im 2.Weltkrieg. Was unter dem Begriff Resistance zusammengefasst wurde, waren in Wirklichkeit Dutzende von Organisationen. Alles waren in Zellen organisiert. Nicht nur, dass die Organisationen verschiedene Anführer hatten, sie hatten auch unterschiedliche politische Zielsetzungen. Deswegen war die Zusammenarbeit häufig nur auf der Ebene unterer Zellen und ohne Wissen der Anführer in den oberen Zellen möglich. Daran sieht man, dass die einzelnen Zellen weitgehend unabhängig arbeiteten. Aber eine Zelle aus vielleicht 20 Leuten, wenn sie groß war, braucht keine Ränge im militärischen Sinne.
:alten österreicher Kellner, die aus jedem Leutnant im Café
einen „Grüß Gott Herr major“ machten,
-)
Das klappt auch im Nahen Osten, jedenfalls für die Kellner.
so kennt man in vielen
Sprachen der islamischen Welt auch Ehrentitel. Im arabischen
wird och „Schech“ verwendet, die Patschuten in Afghanistan
verwenden auch „Khan“ (nicht zu verwechseln mit einem
mongolischen Khan).
Guter Tipp! Aber wie gesagt, als Anrede wird das Wort nicht
gebraucht, es ist halt die Bezeichnung für die im Raum
Anwesenden. Ich denke, ich werde auf „Vertraute“ ausweichen.
Das hier sind Ehrentitel, also in Anreden. Siehe oben Lösung b.) Râfik.
Danke Dir!
Gern geschehen.
Gruß
Peter B.