Terror-Hierarchie

Hallo!
Anders, als Betreff vermuten lässt, eine eher banale, aber für mich wichtige Frage:
Anführer einer islamistischen Terrorzelle sitzt mit den Anführern der Unterabteilungen seiner Zelle zusammen und lässt sich Bericht über die letzten Aktivitäten erstatten. Diese Unteranführer, kann man die als „Leutnants“ bezeichnen? Der Autor schreibt „lieutenants“. Das sind natürlich nicht die Leutnants aus der „normalen“ Armee, aber ich kann mich erinnern, dass man bei der Mafia auch von „Leutnants“ spricht, die „segundos“ des Paten. Oder gibt es für diese engsten Vertrauten eines ranghohen Mudschahed eine spezielle Bezeichnung?

Und haut mich nicht, wenn das wieder unrealistisch klingt. Ich versuche nur, als Übersetzer mein Bestes zu geben :wink:

Gruß,
Eva

Hi!

Oder gibt es für diese engsten
Vertrauten eines ranghohen Mudschahed eine spezielle
Bezeichnung?

Und haut mich nicht, wenn das wieder unrealistisch klingt. Ich
versuche nur, als Übersetzer mein Bestes zu geben :wink:

Unterführer
Statthalter
Stellvertreter
Vertrauter

Grüße
Heinrich

Hallo,

mit dem „Nahostexperten“ hast Du Dir wirklach was an den Hals geholt. Mal kurz was vorneweg um das Verständnis der Situation zu erleichtern:
Ein Zellensystem funktioniert, weil nur die übergeordnete Zelle die untergeordneten kennt. Zellen der gleichen Ebene haben normalerweise keinen Kontakt miteinander. Das geht sogar soweit, dass die „Führungsoffiziere“ der übergeordneten Zelle nicht für alle untegeordneten Zellen die gleichen sind, d.h. wenn einer aus der übergordneten Zelle geschnappt wird kann man aus ihm lediglich Informationen über die untegeordneten Zellen herausholen, die von ihm betreut wurden, aber nicht die anderen Zellen, die von seinen Kameraden betreut wurden.

Wenn Du also jemanden als „Leutnant“ oder mit einem äquivalenten Ausdruck bezeichnest, dann ist das der Führungsoffizier aus der übergeordneten Zelle. Der Anführer der untergeordnetene Zelle ist eben genau der Anführer der untergeordneten Zelle und nichts anderes.
Hinzu kommt, dass in der arabischen Sprache der alleinige Gebrauch eines Titels schon beinahe an eine Beleidigung grenzt. Einen Leutnant einfach nur mit „Leutnant“ anzureden ist unüblich, da wird normalerweise noch der Name dazu gesagt, also Leutnant Ali (nur ein Beispiel).
Ich würde dem Problem in der Übersetzung mit dem aus dem Wege gehen, was wir als „Alt-Österreichisch“ kennen. Genau wie die alten österreicher Kellner, die aus jedem Leutnant im Café einen „Grüß Gott Herr major“ machten, so kennt man in vielen Sprachen der islamischen Welt auch Ehrentitel. Im arabischen wird och „Schech“ verwendet, die Patschuten in Afghanistan verwenden auch „Khan“ (nicht zu verwechseln mit einem mongolischen Khan).

Gruß
Peter B.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ein Zellensystem funktioniert, weil nur die übergeordnete
Zelle die untergeordneten kennt. Zellen der gleichen Ebene
haben normalerweise keinen Kontakt miteinander.

Hallo, Peter!
Hier sitzt der Chef der „allerobersten“ Zelle zusammen mit den wenigen Männern, die überhaupt sein Gesicht und seinen wirklichen Namen kennen. Im Buch werden sie als seine „Leutnants“ bezeichnet, nicht, dass diese Anrede von ihnen selbst benutzt wird. Jeder von diesen „Leutnants“ ist wiederum Führer einer untergeordneten Zelle und erstattet Bericht über deren Aktivitäten. Im Englischen ist mir häufig untergekommen, dass dieses „lieutenant“ synonymisch gebraucht wird für „Stellvertreter“, „Vertrauter“, „rechte Hand“. Nun passiert übersetzenderweise, dass die vorgenannten Begriffe schon vergeben sind oder verwendet, oder einfach nicht passen.

Wenn Du also jemanden als „Leutnant“ oder mit einem
äquivalenten Ausdruck bezeichnest, dann ist das der
Führungsoffizier aus der übergeordneten Zelle. Der Anführer
der untergeordnetene Zelle ist eben genau der Anführer der
untergeordneten Zelle und nichts anderes.

Der muss aber doch für die Leute seiner untergeordneten Zelle auch irgendeinen „Rang“ haben?

:alten österreicher Kellner, die aus jedem Leutnant im Café

einen „Grüß Gott Herr major“ machten,
-)

so kennt man in vielen

Sprachen der islamischen Welt auch Ehrentitel. Im arabischen
wird och „Schech“ verwendet, die Patschuten in Afghanistan
verwenden auch „Khan“ (nicht zu verwechseln mit einem
mongolischen Khan).

Guter Tipp! Aber wie gesagt, als Anrede wird das Wort nicht gebraucht, es ist halt die Bezeichnung für die im Raum Anwesenden. Ich denke, ich werde auf „Vertraute“ ausweichen.

Danke Dir!

Gruß,
Eva

Danke Dir!

Vertrauter

Hallo, Heinrich!
Obiges werde ich wohl an anderer Stelle im Text auswechseln und an der fraglichen Stelle unterbringen.

Danke und Gruß,
Eva

Ein Zellensystem funktioniert, weil nur die übergeordnete
Zelle die untergeordneten kennt. Zellen der gleichen Ebene
haben normalerweise keinen Kontakt miteinander.

Hallo, Peter!
Hier sitzt der Chef der „allerobersten“ Zelle zusammen mit den
wenigen Männern, die überhaupt sein Gesicht und seinen
wirklichen Namen kennen. Im Buch werden sie als seine
„Leutnants“ bezeichnet, nicht, dass diese Anrede von ihnen
selbst benutzt wird. Jeder von diesen „Leutnants“ ist wiederum
Führer einer untergeordneten Zelle und erstattet Bericht über
deren Aktivitäten. Im Englischen ist mir häufig untergekommen,
dass dieses „lieutenant“ synonymisch gebraucht wird für
„Stellvertreter“, „Vertrauter“, „rechte Hand“. Nun passiert
übersetzenderweise, dass die vorgenannten Begriffe schon
vergeben sind oder verwendet, oder einfach nicht passen.

Das sind gleich zwei Probleme auf einmal. Der Autor, den Du da übersetzt hat eine irgendwie obskure Idee von einem Zellensystem, Die Leute mit denen er zusammensitzt werden nicht die Anführer sondern die Führungsoffiziere nachgeordneter Zellen sein. Außerdem ist natürlich gerade die oberste Zelle eine sehr große Zelle, weil es eben keine operative Zelle ist.
Aber das ist ja für die Übersetzung alles ziemlich belanglos, weil Du ja das Buch so übersetzen musst, wie es ist. Ich sehe hier verschiedene Möglichkeiten:
a.) Du übersetzt das einfach als „Leutnants“. Dann ist das als Wort sicher nicht falsch und sachlich genauso falsch wie im Original.
b.) Du weichst auf das arabaische Wort Râfik aus. Das bedeutet „Bruder“, nicht im Sinne von leiblicher Bruder sondern mehr wie Vertrauter.
c.) Im geheimdienstlichen und militärischem Sprachgebrauch gibt es das sachlich richtige Wort „Führungsoffizier“, was aber in diesem Falle auch etwas hinkt, da der Autor diese zwei Funktionen eines Zellensystems munter vermischt hat.

Wenn Du also jemanden als „Leutnant“ oder mit einem
äquivalenten Ausdruck bezeichnest, dann ist das der
Führungsoffizier aus der übergeordneten Zelle. Der Anführer
der untergeordnetene Zelle ist eben genau der Anführer der
untergeordneten Zelle und nichts anderes.

Der muss aber doch für die Leute seiner untergeordneten Zelle
auch irgendeinen „Rang“ haben?

Signifikant für Untergrundorganisationen in einem Zellenschema ist die Konzentration auf die Funktion, nicht auf den Rang. Da ein Zellensystem ohnehin mit kleinen Einheiten arbeitet, besteht auch gar keine Notwendigkeit einer großen Ranghierarchischen Struktur. Ein schönes Beispiel dafür waren die französischen Widerstandsgruppen im 2.Weltkrieg. Was unter dem Begriff Resistance zusammengefasst wurde, waren in Wirklichkeit Dutzende von Organisationen. Alles waren in Zellen organisiert. Nicht nur, dass die Organisationen verschiedene Anführer hatten, sie hatten auch unterschiedliche politische Zielsetzungen. Deswegen war die Zusammenarbeit häufig nur auf der Ebene unterer Zellen und ohne Wissen der Anführer in den oberen Zellen möglich. Daran sieht man, dass die einzelnen Zellen weitgehend unabhängig arbeiteten. Aber eine Zelle aus vielleicht 20 Leuten, wenn sie groß war, braucht keine Ränge im militärischen Sinne.

:alten österreicher Kellner, die aus jedem Leutnant im Café

einen „Grüß Gott Herr major“ machten,
-)

Das klappt auch im Nahen Osten, jedenfalls für die Kellner.

so kennt man in vielen

Sprachen der islamischen Welt auch Ehrentitel. Im arabischen
wird och „Schech“ verwendet, die Patschuten in Afghanistan
verwenden auch „Khan“ (nicht zu verwechseln mit einem
mongolischen Khan).

Guter Tipp! Aber wie gesagt, als Anrede wird das Wort nicht
gebraucht, es ist halt die Bezeichnung für die im Raum
Anwesenden. Ich denke, ich werde auf „Vertraute“ ausweichen.

Das hier sind Ehrentitel, also in Anreden. Siehe oben Lösung b.) Râfik.

Danke Dir!

Gern geschehen.

Gruß
Peter B.

Hallo Eva
erinnern, dass man bei der Mafia auch von „Leutnants“ spricht,
die „segundos“ des Paten. Oder gibt es für diese engsten
Vertrauten eines ranghohen Mudschahed eine spezielle
Bezeichnung?

Du hast es auch nicht leicht; wie von den Anderen schon angesprochen, hast Du wohl nicht die beste Wahl bei Deinem „Experten“.

Aber wie dem auch sei, dieses Problem ist ausschliesslich lokal erreichbar.
Deine sogenannten Unterfuehrer, soweit dieses System ueberhaupt existiert, heissen je nach Gegend: Effendi, Mahdi, Jurkah oder Dhurka usw., auch religioese Bezeichnungen wie Mufti werden verwendet.
Es gibt keine einheitliche Begriffe wie bei Armeen.
Such Dir irgendeinen gutklingenden Begriff wie z.B. Konteradmiral Oezdemir, nein, Seldschik ruerel, zum Bleistift, oder sowas.
Das klappt schon. Wenn Du die Sprache, aus der Du ueberstzt, kennst findest Du auch Worte, die dem Rang des " Untergebenen, aber Weiterleitendem Chef" entspricht.

Hilfreicher Gruss
Rochus