Hallo,
Aber neben aller Betroffenheit beneide ich diesen und die
anderen Springer ein wenig, denn sie haben etwas gehabt, was
ich nie erleben werde: Die vollkommene Freiheit.
Beneiden? Ist das Dein Ernst?
ja, aber nur neben all der Betroffenheit (sehr wichtig), natürlich nicht nur ausschließlich. Wie gesagt hätten all meine Gedanken dazu hier den Rahmen gesprengt, ich hatte erst versucht sie zu beschreiben. Es wäre ein kleiner Roman geworden und hätte trotzdem nicht wiedergegeben, was ich wirklich fühle. Also habe ich das alles als „Betroffenheit“ verpackt.
Und wenn das für Dich Freiheit
ist, hat jeder sie, zu jeder Zeit.
Egal wo und wie wir fallen, immer wartet unten irgendwas. Beim Fallschirmsprung öffnet sich der Fallschirm - und den gibt es in gewisser Weise immer. Man hat vielleicht Angst vom 10-Meterbrett im Schwimmbad zu springen, aber unten ist Wasser. Selbst wenn wir beruflich oder persönlich fallen werden wir irgendwo aufgefangen - und sei es nur durch unser soziales Netz. Wirklich fallen werden wir nie. Für ihn jedoch war der Fall das letzte, danach war alles vorbei.
Ich glaube er hat den schönsten Tod gewählt, den es gibt.
Ich kann mir haufenweise schönere Todesarten vorstellen. Und
eine wirklich Wahl sieht für mich auch anders aus.
Ich kann mir haufenweise schlimmere Todesarten vorstellen.
Ein
freier Fall und auf dem Boden angekommen auf der Stelle tot,
er hat sicherlich zumindest nicht körperlich gelitten.
Wir haben da wohl etwas sehr unterschiedliche Ansichten. Ich
kann da keine wirklich Freiheit erkennen.
Für ihn wurde ein Tod geplant (lebendig verbrennen, im besten Fall vorher bewusstlos zu werden), er hat sich die Freiheit genommen einen anderen Tod zu sterben. Wie gesagt relativiert das seinen Tod keineswegs, gibt mir aber ein wenig Trost. Es ist schön zu wissen, dass wenn er (und all die anderen) schon sterben musste, dass er es wenigstens auf eine schmerzlosere Art getan hat als ihm von den Menschen gewünscht wurde, die ihn ermordet haben.
Die Menschen die
gesprungen sind taten das aus Verzweiflung, Panik und
Todesangst. Gewiss haben sie keine Wahl getroffen im Sinne von
Abwägen der Möglichkeiten. Ich kann mir sogar vorstellen, daß
sie gesprungen sind, weil der Spung weg von den Flammen ihnen
entsetzlicherweise noch Sekundenbruchteile die Illusion einer
Hoffnung vermittelt hat.
Dann sind sie mit Hoffnung gestorben. Das ist besser als mit Hoffnungslosigkeit, auch wenn die Hoffnung unbegründet ist. Ich habe auch geschrieben, dass niemand die Verzweiflung nachvollziehen kann die dazu geführt hat sich in den sicheren Tod zu stürzen, ich wünsche es auch niemandem soetwas zu erleben.
Ganz bestimmt aber haben sie den
freien Fall nicht genossen.
Das habe ich auch nicht behauptet.
Das relativiert seinen Tod - und die für keinen von uns
nachvollziehbare Verzweiflung, die ihn zum Springen getrieben
haben wird - keineswegs, aber ich hoffe es ist für die
Angehörigen wenigstens ein kleiner Trost.
Darüber mache ich mir immer noch Gedanken und ich bin mir
nicht sicher. Ich stimme Dir allerdings zu, für die, die
gesprungen sind ging es schneller (wie schmerzlos würden wir
erst wissen,wenn wir selbst gesprungen wären).
Ich weiß ehrlich gesagt nicht wieviele Meter die Springer gefallen sind, aber aus unmittelbarer Erfahrung weiß ich, dass schon bei einem Sprung aus 100 Metern mit dem Kopf voran nicht mehr viel von dem übrig bleibt, was Schmerzen empfinden könnte.
Wie gesagt relativiert nichts davon überhaupt den Tod, den so viele Menschen sterben mussten und ich denke auch nicht „Ach, wie gut hatte der es, da runterspringen zu können“.
Grüße,
Sue