The new colossus (e.lazarus) und macbeth

hallo experten!

das 1883 entstandene gedicht „the new colossus“ der jüdischen emigrantin emma lazarus ist in die amerikanische freiheitsstatue eingemeisselt.
der darin enthaltene wort „tempest-tos“ kommt ebenfalls im „macbeth“ vor. welcher zusammenhang könnte zwischen beiden werken bestehen und warum ist lazarus´ gedicht nun ausgerechnet auf der freiheitsstatue?

hat jemand von euch ideen dazu?

shillington

Hi shillington,

Emma Lazarus schrieb dieses Gedicht, um Spenden für das Podest der Freiheitsstatue zu sammeln, daher auch der direkte Bezug im Text auf die Einwanderer.

http://usinfo.state.gov/usa/infousa/facts/democrac/6…
http://xroads.virginia.edu/%7ECAP/LIBERTY/lazarus.html

Emma Lazarus (1849-1887)

The New Colossus

Not like the brazen giant of Greek fame,
With conquering limbs astride from land to land;
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
„Keep, ancient lands, your storied pomp!“ cries she
With silent lips. „Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore.
Send these, the homeless, tempest-tost to me,
I lift my lamp beside the golden door!“

Written in aid of Bartholdi Pedestal Fund, 1883.

Macbeth First Witch:

I myself have all the other,
And the very ports they blow,
All the quarters that they know
I’ the shipman’s card.
I will drain him dry as hay:
Sleep shall neither night nor day
Hang upon his pent-house lid;
He shall live a man forbid:
Weary se’nnights nine times nine
Shall he dwindle, peak and pine:
Though his bark cannot be lost,
Yet it shall be tempest-tost
Look what I have.

Leider kann ich Dir in Bezug auf Deine Frage nach Macbeth und den Beweggründen von Emma Lazarus eben jenes „tempest-tost“ zu verwenden, nicht helfen.

Gruss
Eve*

Hi,

Eve hat die beiden Texte ja schon vorbildlich rausgesucht und nebeneinander gestellt. Ich denke mal, der Zusammenhang besteht darin, dass Shakespeare im Macbeth die Figur des „sturmgebeutelten“ (tempest-tost = tossed by the tempest) Seemanns „definiert“ hat, Emma Lazarus hat sich dann bei ihrer Beschreibung der Einwanderer, die aus armen Verhältnissen und unter unter rauen Bedingungen übers Meer nach NYC kamen, auf diese Figur bezogen. Diesen direkten Bezug hat sie durch die antiquierte Schreibweise kenntlich gemacht. Sie konnte wohl davon ausgehen, dass einem gebildeteten englischsprachigen Leserkreis (wie Dir ja auch)diese Referenz auffällt.

Mehr fällt mir dazu auch nicht ein. Hier aber noch ein interessantes Stück Rocklyrik dazu:

„Give me your hungry, your tired your poor I’ll piss on 'em
that’s what the Statue of Bigotry says
Your poor huddled masses, let’s club 'em to death
and get it over with and just dump 'em on the boulevard“

  • Lou Reed, Dirty Boulevard (auf: New York, 1989)

Schöne Grüße aus dem kalten Trier (an der Porta Nigra steht nix Vergleichbares eingemeißelt…)

Tom

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo und vielen dank für eure hilfe,

während meiner gestrigen recherchen ist sind mir die gedichte „the colossus“ und „lady lazarus“ von s.plath wieder eingefallen. merkwürdige zufälle gibts. wobei ich an solche zufälle eigentlich nicht glaube, denn in lady lazarus belegt sylvia plath ihre protagonistin mit allerlei attributen aus der jüdischen kultur und hinweisen auf kzs.

liebe grüße

shillington

Hi,
An die hab ich auch als erstes gedacht. Zufall war das mit Sicherheit keiner, immerhin waren Plaths Eltern Einwanderer aus Österreich.
Das Netz der Netze gibt allerdings nicht soviel her.

http://www.todayinliterature.com/stories.asp?Event_D… (leider muss man zahlen., um die ganze story zu lesen)

Außer der Tatsache, dass beides nordamerikanische DichterINNEN waren, gibt es vordergründig wohl keine Gemeinsamkeit. Ich bin grade dabei, meine MA-Prüfung u.a. über Sylvia Plath und Ted Hughes vorzubereiten; wenn mir da noch was in Richtung Emma Lazarus auffällt, meld ich mich nochmal. Müsste Lady L. und The Colossus auch erst noch mal gründlich lesen, kommt aber demnächst eh dran…

Generell denke ich, man kann davon ausgehen, dass Literaten, speziell die englischsprachigen, ihre Traditionen, Einflüsse und Vorläufer aus dem berühmten ff kennen. Sprich: Shakespeare kannte die Antike, Lazarus kannte Shakespeare und Plath kannte Lazarus. Und wer heute Gedichte schreibt, kennt Plath.

Beste Grüße

Tom

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

plath & hughes

Hi,
An die hab ich auch als erstes gedacht. Zufall war das mit
Sicherheit keiner, immerhin waren Plaths Eltern Einwanderer
aus Österreich.
Das Netz der Netze gibt allerdings nicht soviel her.

http://www.todayinliterature.com/stories.asp?Event_D…
(leider muss man zahlen., um die ganze story zu lesen)

Außer der Tatsache, dass beides nordamerikanische DichterINNEN
waren, gibt es vordergründig wohl keine Gemeinsamkeit. Ich bin
grade dabei, meine MA-Prüfung u.a. über Sylvia Plath und Ted
Hughes vorzubereiten; wenn mir da noch was in Richtung Emma
Lazarus auffällt, meld ich mich nochmal. Müsste Lady L. und
The Colossus auch erst noch mal gründlich lesen, kommt aber
demnächst eh dran…

Generell denke ich, man kann davon ausgehen, dass Literaten,
speziell die englischsprachigen, ihre Traditionen, Einflüsse
und Vorläufer aus dem berühmten ff kennen. Sprich: Shakespeare
kannte die Antike, Lazarus kannte Shakespeare und Plath kannte
Lazarus. Und wer heute Gedichte schreibt, kennt Plath.

Beste Grüße

Tom

hallo tom,

über die herkunft von plaths eltern erfährt man auch in den diversen biografien über sylvia eher wenig.

was plath und hughes angeht, so ist mir kürzlich der essayband von hughes in die hände gefallen („wie dichtung entsteht“, insel verlag), in dem auch ein essay über sylvias schreiben enthalten ist. (die „birthday letters“ sind meine vielleicht liebsten lyrischen texte überhaupt!) auch über seine eigenen texte, über die bildung seines literarischen bewusstseins, und über vieles andere - z.b. t.s.eliot, shakespeare, lyrik & gewalt - sind aufschlussreiche texte zu finden, die ich zwarzum „fühlen und verstehen“ seiner gedichte nicht brauche aber trotzdem sehr ansprechend finde.

und so bin ich immer wieder froh, wenn mein interesse an lyrik ausläufer bildet, die mich zu wieder anderen dichtern und anderen texten führen - und mich aus dem staunen gar nicht mehr rauskommen lassen (wer sich für shakespeare interessiert, kommt vielleicht an berryman auch nicht vorbei?).

grüße

shillington

hallo tom,

Hi,

über die herkunft von plaths eltern erfährt man auch in den
diversen biografien über sylvia eher wenig.

das hier ist so das gängige. Kann Dir aber leider nicht mehr sagen, wo das her stammt, wahrscheinlich aus einem dieser beiden Bücher:

Wagner-Martin, Linda: Sylvia Plath: a biography. London 1987.
Bronfen, Elisabeth: Sylvia Plath. London 1998.

1932 Sylvia Plath is born on 27 October in Boston, the first child of Aurelia Schober and Otto Emil Plath. Her mother is first generation American of Austrian descent; her father, Professor of Biology at Boston University grew up in Poland as the son of German parents and emigrated to the USA at 16.

1940 Otto Emil Plath dies as a result of a leg amputation. For Sylvia this death comes to signify a traumatic disturbance of her childhood existence.

1942 Aurelia Schober Plath moves her family to Wellesley, Massachusetts, and begins working as a High School teacher.

was plath und hughes angeht, so ist mir kürzlich der essayband
von hughes in die hände gefallen („wie dichtung entsteht“,
insel verlag), in dem auch ein essay über sylvias schreiben
enthalten ist.

Ist das der hier? http://www.earth-moon.org/german_pub.html, drittes von oben. Ich hab hier nur „Poetry in the Making“.

(die „birthday letters“ sind meine vielleicht
liebsten lyrischen texte überhaupt!)

Meine auch. Zumindest weit vorne.

und so bin ich immer wieder froh, wenn mein interesse an lyrik
ausläufer bildet, die mich zu wieder anderen dichtern und
anderen texten führen - und mich aus dem staunen gar nicht
mehr rauskommen lassen

Ich finde, so soll das ja auch sein… :smile:

(wer sich für shakespeare interessiert,
kommt vielleicht an berryman auch nicht vorbei?).

Wer ist denn Berryman?

grüße
shillington

Grüße zurück,
Tom

hi tom,

genau: den dritten von oben meinte ich. ist auch so ein besonderer lesegenuss. bislang kannte ich nur poetry von hughes. und die nichtmal komplett.

berryman ist ein starker vertreter der sogenannten confessional poets, der sich als shakespeare-spezialist einen namen gemacht hat. ich schätze besonders seine dreamsongs - sehr bildstarke, intuitive machwerke, die mich oft da packen, wo ichs gar nicht erwarte.

was mich im zusammenhang mit plath&huges etwas nervt, ist, dass ich keinen zugang zu beider erklärtem lieblingsbuch bekomme: robert graves` „die weisse göttin“.

grüße von

shillington

hi tom,
was mich im zusammenhang mit plath&huges etwas nervt, ist,
dass ich keinen zugang zu beider erklärtem lieblingsbuch
bekomme: robert graves` „die weisse göttin“.

Hi,
warum denn nicht?

Deutsch:
http://www.buecher.de/verteiler.asp?WEA=1100483&arti…

http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/detail/offer-lis…

Englisch:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0374504938/qid…

grüße von
shillington

Grüße zurück
von Tom