'Thelma Arnolds'/Datenspeicherung von Suchmaschine

Hallo,

ich habe erst kürzlich von dem Problem Rund um „Thelma Arnolds“ gehört - AOL hatte einen Ausschnitt der Suchanfragen ihrer Kunden anonymisiert veröffentlicht.
Es ist wohl so, dass Suchmaschinen alle Anfragen speichern, die ein Nutzer stellt. Allein aus den Begriffen, nach denen gesucht wird, lässt sich einiges über denjenigen herausfinden, der die Suchanfragen stellt. (Im Fall der Thelma Arnolds konnte sogar die konkrete Person allein anhand der Suchanfragen ausfindig gemacht werden.)
Wenn ich nun lange Zeit die selbe Suchmaschine nutze, kann sich der Anbieter der Suchmaschine ein ganz gutes Bild von mir machen.

Wäre es nicht eine Möglichkeit, über ein Programm automatisch immer wieder nach zufällig ermittelten Worten suchen zu lassen? Dann könnte der Betreiber meine „echten“ Suchanfragen nicht von den automatisch erzeugen Anfragen unterscheiden. Das Profil, das der Suchmaschinenanbieter von mir erstellt, wird also verfälscht. Würden sehr, sehr viele Nutzer so vorgehen, würde der Anbieter irgendwann von all den Nutzern keine echten Profile mehr erstellen können.
Hat sich jemand mit der Frage schon mal beschäftigt? Gibt es so ein Programm? Oder stimmt in meinen Annahmen etwas nicht?

Viele Grüße,
Kay

Du gehst offenbar davon aus, dass eine Suchmaschine in der Lage sei, einen Benutzer zu erkennen. Das ist grundsätzlich nicht der Fall, es sei denn, der Benutzer besitzt ein personalisiertes Konto bei einem Dienst des Betreibers oder eines assoziierten Unternehmens.

Was die Maschine erkennen kann, ist der Browser, u. U. auch der Computer, in dem die Abfrage verfasst wurde. Google nutzt dafür derzeit zwei Techniken, zum einen Cookies, zum anderen Cookies vergleichbare Datenschnipsel, die mit Hilfe von Javascript auf dem Rechner abgelegt werden und später wieder abgerufen werden können. Derzeit wird darüber hinaus mit einer weiteren Technik experimentiert, die über Umleitungen der Treffer-URLs eine eindeutige Wiedererkennbarkeit des Browsers selbst dann ermöglichen soll, wenn Cookies und Javascript deaktiviert sind. Vorläufig wird diese Technik aber offenbar nicht eingesetzt.

Um mit Hilfe dieser Informationen den Nutzer des Computers erkennen zu können, müssen die Suchabfragen selbst zusätzliche Informationen enthalten. Im Fall Arnolds war das der Fall, i. d. R. dürfte das nicht so sein.

Aber selbst wenn das der Fall wäre, wäre es wesentlich effektiver und einfacher, zu verhindern, dass der Browser wiedererkannt wird, als zusätzlich sinnlose Suchanfragen einzuschmuggeln. Das lässt sich mit jedem aktuellen Browser leicht realisieren und es ist eine sehr gute Idee, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Denn mit deiner Idee erschlägst du vielleicht das Thema Google.

Was aber ist z. B. mit Facebook, dem Unternehmen, welches deinen kompletten Surfverlauf abspeichert? Dem Unternehmen, welches sich jede von dir im Web besuchte Seite (selbstverständlich mit Zeit- und Ortsstempel!) merkt, wenn die Seite nur einen ‚Gefällt mir‘-Button besitzt? Willst du jetzt auch noch anfangen, deinen Browser zufällige, willkürliche Seiten ansurfen zu lassen?

Nee, nutze die Privatheitsmodi der Browser und du bist das Problem ein für alle mal (vorbehaltlich HTML5) los. Selbst die o. g. experimentelle Trackingmethode von Google, Browser auch ohne Javascript und Cookies wiedererkennbar zu machen, sollte scheitern, wenn du auf Caching im Browser verzichtest oder dafür sorgst, dass der Browser den Verlauf und den Cache nach jeder Sitzung löscht.

Kostet dich u. U. ein bisschen Bequemlichkeit.

Gruß

Hallo Kay,

Wäre es nicht eine Möglichkeit, über ein Programm automatisch
immer wieder nach zufällig ermittelten Worten suchen zu
lassen?
Gibt es
so ein Programm?

Es gibt für Firefox ein Addon, das genau so etwas macht, TrackMeNot:
https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/trackmenot/
Allerdings wird als Gegenargument angeführt, daß es mehr Traffic erzeugt, was ja nicht ganz von der Hand zu weisen ist. In einem älteren Beitrag dazu wurde ausgerechnet, daß es sich dabei um ca. 60 MB pro Tag handelt.
http://www.schneier.com/blog/archives/2006/08/trackm…
Ob das nun angesichts der vielen Filme, die inzwischen durchs Netz schwirren, so furchtbar viel ist, muß jeder selbst entscheiden.
Eine andere Lösung wäre das Benutzen von alternativen Suchmaschinen, die nicht protokollieren, z.B. metager2
http://metager2.de/
oder ixquick
https://ixquick.com/
bzw. den „Umweg“ über Scroogle zu nehmen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Scroogle
http://www.scroogle.org/

Viele Grüße
Marvin

Um mit Hilfe dieser Informationen den Nutzer des Computers
erkennen zu können, müssen die Suchabfragen selbst zusätzliche
Informationen enthalten. Im Fall Arnolds war das der Fall, i.
d. R. dürfte das nicht so sein.

Ich glaube nicht ernsthaft, dass sich jemand bei google ein paar Tage Zeit nimmt, um meine Anfragen zu analysieren und zu prüfen, ob sich etwas daraus ablesen lässt.
Vielleicht ist es ein wenig Verfolgungswahn, aber ich fände es einfach schöner zu wissen, dass diese Möglichkeit gar nicht erst besteht.

Was aber ist z. B. mit Facebook, dem Unternehmen, welches
deinen kompletten Surfverlauf abspeichert? Dem Unternehmen,
welches sich jede von dir im Web besuchte Seite
(selbstverständlich mit Zeit- und Ortsstempel!) merkt, wenn
die Seite nur einen ‚Gefällt mir‘-Button besitzt? Willst du
jetzt auch noch anfangen, deinen Browser zufällige,
willkürliche Seiten ansurfen zu lassen?

Klar: Ein Allheilmittel gegen alle Datenkraken sind die künstlichen Anfragen nicht. Damit hast du natürlich recht.
Um es überspitzt zu formulieren: Wenn ich schon der Ochse bin, der zur Schlachtbank gezogen wird, will ich wenigstens ein entrüstetes „Muh“! machen. ;o)
Ich bin nicht David, der mit der Steinschleuder Goliath platt machen wird. Aber vielleicht kann ich ein paar Staubkörner in seine Richtung pusten.
Auch wenn es nur ein symbolischer Widerstand ist, finde ich es immer noch besser, als gar keinen.

Nee, nutze die Privatheitsmodi der Browser und du bist das
Problem ein für alle mal (vorbehaltlich HTML5) los. Selbst die
o. g. experimentelle Trackingmethode von Google, Browser auch
ohne Javascript und Cookies wiedererkennbar zu machen, sollte
scheitern, wenn du auf Caching im Browser verzichtest oder
dafür sorgst, dass der Browser den Verlauf und den Cache nach
jeder Sitzung löscht.

Ich hatte nicht im Blick, dass man dem Tracking auch mit dem Privat-Modus etwas entgegen wirken kann. Danke für den Tipp!

Beste Grüße,
Kay

Cool! Ist schön zu sehen, dass andere schon eine Lösung programmiert haben. :o)

„TrackMeNot“ ist installiert, die rss-Quellen sind auf deutsche Seiten umgestellt und ich beobachte mit Spaß, wie die „TMN“-Zeile anzeigt, wonach „ich“ gerade gesucht habe.

Aber dein Tipp mit „Scroogle“ scheint mir die viel bessere Idee zu sein. Ich werde mir das mal ansehen!

Danke für die Tipps!
Kay