Thema 'Leid'

Hi! Wie würdet ihr das Thema Leid in einer 9. Realschulklasse einbringen? Wie sollte man anfangen? Wie weitermachen, auch über eine Schulstunde hinaus?
Gibt’s evtl einen passenden Droste-Hülshoff-Text, welche Bibelstelle (Hiob…Psalmen…) könnte man benutzen?
Könnte man vielleicht sogar aktuelle Nachrichten (Djerba) miteinbeziehen? Was denkt ihr? Es ist gar nicht so einfach, sich dazu Gedanken zu machen bzw einen guten Ansatz zu finden.

Grüße, Hanzi

Hanzi,

du tust mir Leid an!

Du nimmst aufgaben an, die du nicht allein erledigen kannst.
sogar 2mal in einem brett flehst du um hilfe.

und du bist student mit ca. 28 Jahren.

Ich leide derart unter diesem Symptom unserer Jugend.
Kannst du das verstehen. Evtl. als Comedian?

winkel

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Herr Moralapostel
Es geht hier nicht darum, dass andere meine Aufgaben erledigen. Nur hat vielleicht der eine oder die andere einen BlickWINKEL, den ich vorher noch nie angedacht hatte… Comprende?

Du nimmst aufgaben an, die du nicht allein erledigen kannst.
sogar 2mal in einem brett flehst du um hilfe.

Kein Hilfeschrei! Aber ich glaube, Du bist hier falsch. Es werden hier Leute gebraucht, die Hilfe anbieten, und nicht welche, die rummosern.

und du bist student mit ca. 28 Jahren.

jaaaa, ich bin Student mit 28, na und? Ich hab meinen Wehrdienst geleistet, hab vorher ne Ausbildung gemacht (und erfolgreich abgeschlossen), ausserdem schon als Angesteller ne Zeit lang im Büro gearbeitet, was stinkend langweilig - weshalb ich mich dann entschloss, doch noch zu studieren. Alles klärchen?
Bist du vielleicht so ein kleiner Sachbearbeiter der nie den Absprung geschafft hat und immer noch frustriert im Großraumbüro sitzt?

Ich leide derart unter diesem Symptom unserer Jugend.
Kannst du das verstehen. Evtl. als Comedian?

Du leidest… und ich dachte, dein Hobby sei Lockerheit (harharhar). Das merkt man dir gar nicht an.

Gruß, Hanzi

Hi Hanzi,

interessant wäre noch die Zielrichtung: Körperliches Leiden, soziales Leiden etc.

An Material gibt es da sicherlich reichlich: Anne Frank und KZs mit Kinderschicksalen im Allgemeinen.
Oder statistisch hinterlegtes Leiden in der Welt (am Tag verhungern Zehntausende von Kindern).

Gib mal paar Hinweise.

Und übrigens: Ich find’s O.K., daß Du andere Meinungen einholst.
„Das Wichtigste am Lernen ist das Lernen zu lernen“ (HOF)

Grüße RaRo

Hi Hanzi,

ich nochmal.

Hab 'ne Minute weiter drüber nachgedacht.
Die von Dir angedachte Bibel-Bezugnahme würde ich nicht machen, da sie sehr schnell polarisierend in der Gruppe wirken kann. Damit könntest Du Gefahr laufen, daß Dir das Thema entgleitet (wenn Du diskussionsfreudige Teinehmer hast). Bedenke evtl. Fronten von Christen, Juden, Atheisten etc.
Wie würdest Du mit Auffassungen umgehen, daß Jesu’s Leiden nicht aufgewogen werden kann mit den Leiden der Katharer und den Kreuzzügen etc? Ich denke, daß würde Deiner Intension nicht dienlich sein (ich interpretiere hier eine Intension).

Mein Tip: Laß Glaubenssachen außen vor und bezieh’ Dich auf aktuelle und betroffen-machende Schicksale oder Ereignisse. Dein Ziel sollte ein Nachdenklichmachen und kein (nicht gewollter) Streit sein.

Ansonsten, wie gesagt, sag mal was zum Ziel.

Gruß RaRo

ich dachte mein zynismus, hilft dir ein bißchen zum thema leid!

Leider nicht, so leide ich denn missverstnden weiter.

winkel

Hallo Hanzi,

der Ansatz zum Thema Leid, der mir als erstes einfällt ist die Grundlage des Buddhismus.

Das heisst, hier bietet es sich an, als Einleitung in verkürzter Form von dem Prinzen Siddhartha Gautama zu erzählen.
Das Leiden als festen Bestandteil der menschlichen Existenz.

Danach bietet es sich an einen kurzen Blick in Hiob zu werfen, um das Leiden in seiner Vollständigkeit zu zeigen, sowohl körperlich als auch seelisch (Interessanter Aspekt die drei falschen Freunde, die sein Leiden noch verschlimmerten.)

Schließlich das Versprechen der Religionen das Leiden dereinst zu beenden. Hier bietet sich die Einleitung der Bergpedigt an.

Schließlich der Sprung in die Gegenwart. Das Leiden heute von kleinsten Dingen (ein Kind das hinfällt und sich das Knie aufschrammt) bis zum Grausamsten (Die Mutter die vor der Leiche ihres Kindes steht).

Mit dem Thema Hoffning am Ende.

Das wäre so ein grober Leitfaden, wie er mir spontan einfällt.

Gruß
Carlos

Ziele
Hi RaRo,

(m)ein Ziel soll eigentlich sein, dass man Leid nicht immer erklären bzw begründen kann. Warum muss eine Mutter, die ihre Tochter verloren hat, auch noch das zweite Kind und den Mann verlieren? Warum müssen so viele unschuldige Menschen sterben bei terroristischen Anschlägen? wir wissen es nicht.

Dann kommt automatisch die Frage, warum Gott das zulassen konnte…

Vielleicht ist auch einfach mal wieder der Weg das Ziel. Einfach mal wieder drüber nachdenken, was auf dieser Welt passsiert. Wir hören zum 1000. Mal von einem Selbstmordattentat
in Jerusalem, aber berührt uns das noch?

Ein mögliches Ziel ist auch, dass man, so platt es auch klingt, Menschen in Not helfen soll und muss wo man nur kann.
Von da her könnte ich mir in einer 9. Klasse gut die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter vorstellen (natürlich kindgerecht aufgearbeitet bzw nacherzählt)

Aber es gibt noch massenhaft andere Sachen, die man in Unmengen von Literatur über Unterrichtsplanung nachschlagen kann. Soviel dann zur Theorie.

Vielleicht findet sich ja noch jman, der schon mal praktische Erfahrungen zum Thema gemacht hat.

Jedenfalls vielen Dank für Deine Mühe,

Grüße, Hanzi

Konstruktiver Zynismus
Hi Winkel!
Ja , wenn du konstruktiv mit viel Ironie und Zynismus an mein Thema herangehst, könntest du mir weiterhelfen.
Bin gespannt!

Grüße, Hanzi

Sei bloß vorsichtig!
Lieber Hanzi,
nach meiner Erfahrung gibts in den Religionsgruppen immer mindestens einen Fall, in dem ein Schüler/eine Schülerin extremes Leid erlebt hat. Mutter oder VAter tot oder seit Jahren auf der Intensiv oder starke Suchtprobleme in der Familie oder ernsthafte Selbstmordgedanken… also bitte, das Thema vorsichtig angehen, da kann man echt Porzellan zerschlagen.

Zumal auch weniger katastrophale und weniger seltene Leiderfahrungen subjektiv gerade von Jugendlichen als echtes, sehr ernstes Leid erfahren werden: Scheidung der ELtern, eine zerbrochene Freundschaft, Sitzenbleiben oder auch nur eine vergeigte ARbeit, Liebeskummer, oder auch nur ein Fußballverein, der absteigt, oder ein toter Hund. Wir als Erwachsene vergessen manchmal, wie existentiell solche Dinge oft für Jugendliche sind. Diese haben noch nicht unsere Erfahrung und können die WIchtigkeit von Ereignissen deshalb kaum einordnen.

Also, finde Möglichkeiten, über Leiderfahrungen zu reden, die einerseits sich im Horizont der Jugendlichen befinden, aber andererseits so weit weg sind, dass die Schüler jeweils selbst entscheiden können, inwieweit sie dies auf ihre eigene Existenz beziehen - denn wenn sie diese Möglichkeit nicht haben, machen sie meist ganz „zu“ - oder sie nehmen Schaden. Soweit ich weiss, geht dies ganz gut über fiktionale Literatur - alles andere bleibt oft zu theoretisch. Ich habe gute ERfahrungen mit dem Buch „Sheila“ von Torey L. Hayden gemacht. Vorteil: Es geht gut aus und ist sehr motivierend erzählt. Das ist enorm wichtig, denn sonst überträgt sich die ganze niedergedrückte Stimmung auf den Religionsunterricht an sich und den Lehrer im Besonderen. Nachteil: Nicht frei von Kitsch. Empfehlenswert auch viele Jugendbücher von Christine Nöstlinger, vielleicht ein Film wie „Das Leben ist schön“ oder „Gilbert Grape“ oder „Forrest Gump“.

Was hältst du davon, nicht allgemein von „Leid“ zu sprechen, sondern lieber ein bestimmtes Unterthema auszuwählen? Also, zum Beispiel Trauerkultur o d e r Vorstellungen vom Leben nach dem Tod o d e r Verlusterfahrungen o d e r Holocaust o d e r Selbstmord o d e r Versagensangst o d e r Wunschträume o d e r die Vorstellung von einem Gott, der Leid verhindert? Nach meiner Meinung ist dies die einzige Möglichkeit, wenigstens einigermaßen zu einem vernünftigen Gespräch und zu einer Lösung zu kommen. Ich beobachte, dass gerade im Religionsuterricht die verhängnisvolle Tendez besteht, möglichst großgeschnittene Themen zu wählen, und verstehe nicht, warum FAchleiter, Richtlinienschreiber und ähnliches Volk dies so fördern.

Grüße Juliane

Hi Hans,

ich schließe mich Juliane an … und finde die Ideen super.
„Forrest Gump“ oder „Das Leben ist schön“ … ich denke das spricht an und reizt.
Nach wie vor: Bitte nicht mit Bibelzitaten; das polarisiert und bringt der Hälfte nichts.
Richtig von Juliane ist wohl auch, daß Leid fernab des eigens empfundenen Leids sein sollte, da Du sonst von Alltäglichem überrollt und überfordert wirst.

Gruß RaRo

Hallo juliane gebe dir recht,

als empfehlung würde ich schlicht und einfach mal ne Kinderbibel greifen und eine der Alt-Testamentarischen Geschichten nehmen um dieses thema zu bearbeiten:

z.B. Joseph

winkel

1 „Gefällt mir“

Danke Juliane, das hat mich echt ein Stück weiter gebracht. Die Tatsache, das SchülerInnen selber schon extremes Leid erlebt haben, ist sehr wahrscheinlich.
Vielleicht könnte man die Sch. auch mal anonym aufschreiben lassen, was für sie Leid bedeutet bzw. ob sie schon mal Leid erlebt haben.

Was hältst du davon, nicht allgemein von „Leid“ zu sprechen,
sondern lieber ein bestimmtes Unterthema auszuwählen? Also,
zum Beispiel Trauerkultur o d e r Vorstellungen vom Leben nach
dem Tod o d e r Verlusterfahrungen o d e r Holocaust o d e r
Selbstmord o d e r Versagensangst o d e r Wunschträume o d
e r die Vorstellung von einem Gott, der Leid verhindert? Nach
meiner Meinung ist dies die einzige Möglichkeit, wenigstens
einigermaßen zu einem vernünftigen Gespräch und zu einer
Lösung zu kommen. Ich beobachte, dass gerade im
Religionsuterricht die verhängnisvolle Tendez besteht,
möglichst großgeschnittene Themen zu wählen, und verstehe
nicht, warum FAchleiter, Richtlinienschreiber und ähnliches
Volk dies so fördern.

->Richtig!
Ich werde das beachten!

Grüße, Hanzi

Hallo

auch ich muß Juliane uneingeschränkt zustimmen!
Ob es nun in Deine Religionsgruppe paßt weiss ich nicht, aber mir hat z.B. H. Hesse sehr geholfen, Leid für mich selbst (vom Verstand her) zu integrieren. Nicht nur, daß er selbst SEIN Leid überwunden hat, hat er auch gleich dem Leiden allgemein einen Sinn gegeben:

„Aus Leiden kommt Kraft, aus Leiden kommt Gesundheit. Es sind immer die „gesunden“ Menschen, welche plötzlich umfallen und an einem Luftzug sterben. Es sind die, welche nicht leiden gelernt haben, Leiden macht zäh, Leiden stählt.“

Auszug aus „Die Hölle ist überwindbar“

Das muß natürlich differenziert betrachtet nicht zum Schluß führen, Leiden zum Ideal zu stilisieren, sondern dem Verzweiflungspotential, das dem Leid oder den Assoziationen dazu oft immanent ist, eine ganz andere Perspektive zu bieten. Die aus der Erfahrung geborene Weisheit, Leid zu subliminieren.

Das Lesebuch „die Hölle ist überwindbar“ empfehle ich Dir jedenfalls sehr. Es enthält zahlreiche Gedanken, Gedichte, Auszüge etc. Hesses über Dein Thema.

Herzliche Grüsse
HC

1 „Gefällt mir“