Therapie PTBS bzw. PTSD
Hi,
da streiten sich nun wieder die Gelehrten, wie man mit PTBS-Patienten umgeht. Das ganze ist auch ein heiß diskutiertes Thema, weil Opfer von sexuellen Mißbrauch in der Kindheit eine Gruppe der PTBS-Patienten darstellen, und da stürzen sich dann plötzlich alle möglichen zweifelhaften Pseudoexperten auf das Thema (hier im Forum gibt es übrigens einen Physiker, der sich für einen „Experten“ bei solchen Krankheitsbildern hält und „psychologische Beratung“ anbietet, zu spekulieren wäre, welche psychische Störung solch ein Verhaltensmuster antreibt).
Mit Kindern und Jugendlichen habe ich keine Erfahrungen, das ist ein spezielles Gebiet, weil ja die psychische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, meine Aussagen will ich also explizit nur für erwachsene Patienten machen.
Generell ist PTBS eine sehr schwerwiegende Krankheit mit auch schwerwiegenden Auswirkungen, die auf jeden Fall eine Psychotherapie erfordern. Angehörige, Lebenspartner oder Freunde können da relativ wenig machen, auch eher wenig helfen, das gehört in die Hand von Fachleuten.
Insbesondere sollten Nichttherapeuten auf keinen Fall eine Erinnerung an die traumatisierende Situation fördern, da eine „Retraumatisierung“, also eine Verstärkung möglich ist. Es ist nach meiner Ansicht auch nicht notwendig, die Traumasituation zu erinnern, aber das ist wissenschaftlich umstritten.
Zunächst ist wichtig, daß Traumapatienten lernen, sich selber vor dem Erinnerungsnachhall zu schützen, d.h. Techniken erlernen, wie sie bei einer Überflutung mit Traumaerinnerungen sich selbst stabilisieren. Das sind imaginative und distanzierende Techniken. Eine leicht verständliche Technik ist beispielsweise ein „sicherer Ort“, der Patient stellt sich einen idealen sicheren Ort vor, und begibt sich
in seiner Vorstellung an diesen sicheren Ort. Auch medikamentös kann man unterstützen, aber das birgt wieder eigene Probleme in sich, da PTBS-Patienten suchtgefährdet sind und die hier in Frage kommenden Medikamente teilweise Suchtpotential in sich bergen.
Dann können Traumapatienten mit verschiedenen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden behandelt werden, z.B. kognitive Umstrukturierung, Angstmanagment, Stressimpfungstraining, EMDR (eine sehr effektive Methode mit sehr geringem Aufwand) u.a., am besten im Sinne einer multimodalen Therapie, die verschiedene dieser Methoden kombiniert.
Außerdem gibt es ergänzend oder alternativ (wenn z.B. eine längere Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken ist) die Möglichkeit der Psychopharmakotherapie, z.B. mit SSRI.
Tiefenpsychologisch arbeitende Therapeuten gehen etwas anders an die Sache heran, stellen eher die Traumaerinnerung und die Bewältigung von verdrängten intrapsychischen Konflikten in den Vordergrund.
Dies ist aber extrem schwierig, da viele Traumapatienten ja überlagernd auch eine Borderline-Persönlichkeitsstörung oder eine histrionische Persönlichkeitsstörung haben, die Patienten sind oft leicht suggestibel und schlecht ausgebildete und unerfahrene Therapeuten können leicht versehentlich eigene Konflikte über Suggestion auf den Patienten übertragen.
Gruß
Yoyi
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