Hallo !
Respekt ! Schlimmer geht’s nimmer
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Meiner Meinung nach gehört so etwas -was das Abitur angeht- verboten. Keynes ist wenn man es einmal genau betrachtet denkbar ungeeignet, wenn man nicht en detail in der Makroökonomie drin steckt. Den Schülern wird aufgrund der Tatsache, dass eben nur (!) Keynes besprochen wird, ein Lösungsweg für wirtschaftspolitische Probleme aufgezeigt, der schlichtweg falsch ist und heute von der Ökonomie abgelehnt wird.
Dazu nur zwei Anmerkungen:
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Das Buch welches Keynes im Jahre 1936 veröffentlichte (The General Theory of Employment, Interest and Money ) ist dermaßen kompliziert geschrieben, dass es anfangs gar nicht verstanden wurde. Es bedurfte erst einer aufwendigen Interpretationsarbeit durch Hicks, bis es in einer Form vorlag, die allgemein verständlich war.
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Keynes gilt heute nicht mehr. Im Gegenteil, heute kann seine Theorie zu mitunter schweren wirtschaftspolitischen Schäden führen. Hier hat der kürzlich verstorbene Milton Friedman neue Wege aufgezeigt.
Leider gibt es aber auch in unserem Land besonders in Form von Herrn Lafontaine immer noch Leute die meinen, die Lehre Keynes sei der Schlüssel zu allen Problemen. Dabei ist seine Frau studierte Volkswirtin und müsste es besser wissen. Ein Zeichen dafür, das im Hause Lafontaine nicht genug geredet wird
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Bevor ich nun auf Deine Frage antworte, möchte ich folgendes vorausschicken, da die Hausaufgabenhilfe ja untersagt ist. In Deinem konkreten Fall muss man jedoch sehen, dass ihr als Schüler gar nicht in der Lage seit, den Stoff eigentständig abzugrenzen und mit euren Schulbüchern oder noch schlimmer, mit denen vom Lehrer verteilten Kopien kann man die Tragweite dieser Theorie nicht vermitteln.
Es bedarf schon mehrerer (!) Semester an einer Uni oder FH, um dem wirklichen Geist von Keynes auf die Spur zu kommen und vor allem um zu erkennen, dass man auf diese Art heute nicht mehr weiter kommt.
Wie muss man sich dem Thema nähern ?
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WANN hat Keynes WOZU etwas gesagt ?
Er hat während der Jahre der Weltwirtschaftskrise (sie war zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile im Gange) eine theoretische Abhandlung und fast schon Anleitung in Bezug auf ein angemessenes (staatliches) Verhalten veröffentlich.
Wenn man sich weiter mit dem Thema beschäftigt wird man erkennen, dass diese erste Feststellung (vor allem der Zeitpunkt) von enormer Bedeutung für die insgesamte Beurteilung der empfohlenen Maßnahmen ist.
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Keynes kam zu der Erkenntnis, dass unter den (DAMALS) vorherrschenden Bedingungen eine umfassende und tiefgehende staatliche Aktivität unerlässlich sei. Stichwort hier: Fiskalpolitik. Es sollten also z.B. über Steuersenkungen oder aber auch Erhöhungen der Staatsausgaben, starke Impulse in den Markt gegeben werden. Der Staat sollte als Nachfrager auftreten und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel (es handelte sich natürlich um sehr große Mittelbestände) dazu nutzen, Nachfrage zu stimulieren und somit die gesamtwirtschaftliche Produktion auf ein Niveau zu bringen, welches weit von dem der Depression lag.
Es wurde somit nicht (!) auf die sog. „Selbstheilungskräfte“ der Märkte vertraut.
Solbald es der Wirtschaft wieder besser ging, sollten durch Steuererhöhungen und Senkung der Staatsausgaben die einst gewährten Mittel „zurückgeholt“ werden.
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Bis in die 60er Jahre ging es mit den Keynesianern gut. Dann kamen aber die sog. „Monetaristen“, angeführt von dem bereits erwähnten Milton Friedman.
Sie vertraten eine völlig entgegengesetze Meinung und waren nicht davon überzeugt, dass die Wirtschaftspolitik a la Keynes dazu führten, eine Wirtschaft genauestens steuern und Rezessionen vermeiden zu können. Man muss sich das mal vorstellen: Man dachte damals, man könne Rezessionen vermeiden.
Jetzt wird es etwas schwieriger und ich glaube kaum, dass ihr so in der Schule gemacht habt. Zentraler Anknüpfungspunkt von Friedman war, dass er die Bedeutung der Geldpolitik höher einschätzte, als die von Keynes vertretene Fiskalpolitik.
Kurz erklärt:
Fiskalpolitik: Der Staat soll was machen.
Geldpolitik: Die Zentralbank soll über eine Steuerung der Geldmenge die Märkte in die Lage versetzen, für eine „eigene“ Regulierung zu sorgen.
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Die 70er Jahre. Man befand sich mal wieder in einer Krise. Aber wie konnte das sein ??? Die Lehre von Keynes hatte doch schon einmal gefruchtet ? Warum funktionierte es nun nicht mehr ?
Diese Zeit war von der sog. damsls bekannt gewordenen „Stagflation“ gekennzeichnet. Infaltion und Stagnation gepaart. Für eine Volkswirtschaft absolut tödlich, wenn es nicht behandelt wird. Jetzt wollten viele den alten Keynes aus der Schublade holen. Dummerweise war dieser aber schon 1946 von dieser Welt gegangen und konnte somit nicht einmal für „Adjustierungen“ an seinem Werk befragt werden.
Zentral ist bzw. war, dass ein wesentliches Problem von Keynes bei seiner Arbeit 1936 nicht bedacht wurde - rationale Erwartungen. Die Wirtschaftssubjekte in einer Volkswirtschaft lernen. In ihrer höchsten Ausprägung spricht man dann sogar von adaptiven Erwartungen, man antizipiert. Wenn nun der Staat immer zur Hilfe eilt wenn es mal schlecht läuft (Keynes), muss man selber nichts oder nur noch wenig tun.
Und so kam es dann auch. Mit jedem Staatseingriff (z.B. Steuersenkungen) wurde gleichzeitig verbunden, dass die Steuern dann ja auch mal wieder (wenn es besser geht) raufgesetzt werden (würden). Der Brüger erkannte dies schon bei der Senkung legte daher mehr zurück. Dadurch kamen die Märkte nicht in Schwung und alles wurde schlimmer und der Staat konnte mehr und mehr in den Markt geben, es besserte sich aber kaum.
Dies ist der Grund, warum heute staatliche Interventionen sehr kritisch gesehen werden und warum der Geldpolitik nach Friedman der Vorzug gewährt wird.
Das kann man auch daran erkennen, dass heute in Zeiten wo es nach Rezession aussieht, zuerst nach den Zentralbanken gerufen wird. Die Geldpolitik ist gefragt, nicht der Staat durch die Fiskalpolitik.
Bestes Beispiel ist der ehemalige FED-Chef Greenspan. Er hat es über Jahre wie kein Zweiter geschafft, die Geldpolitik der USA und wegen der starken Koppelung vieler Währungen an den Dollar auch in anderen Ländern für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen.
Ein berühmter Ökonom unserer Zeit hat einmal gesagt, dass die USA im Prinzip auch von Donald Duck regiert werden könnten und dennoch so erfolgreich darstehen, solange Greenspan weiterhin die Geldpolitik macht.
Was aber ist mit Keynes ?
Sicherlich darf man ihn nicht vollends abschreiben. Er gilt zu Recht als Begründer der modernen Makroökonomie und ihm ist es zu verdanken, dass sich heute auf einem breiten theoretischen Weg dem Thema Wirtschaftspolitik genähert wird.
Außerdem haben viele „Komponenten“ seiner Arbeit noch heute bestand, wenngleich sie auch anders genutzt werden.
Nicht zuletzt hat er auch für uns Studenten viel getan. Ihm ist es zu verdanken, dass viele VWL Lehrbücher mit lustigen Zitaten von ihm beginnen, oder aber das wir uns durch mitunter sehr komplizierte mathematische Modelle „bemühen dürfen“.
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Sein aber wohl größter Beitrag ist, dass er -wenn auch ungewollt- gezeigt hat, dass die Wirtschaftspolitik niemals zum Stillstand kommt und das es eben nicht DEN Allheilweg gibt. Mit einem hat er aber dennoch recht und dies wird ihm nie einer streitig machen können
„in the long run we are all dead“ 
VG
TraderS
PS: Nochmal kurz zu Herrn Lafontaine und auch der PDS. Diese Leute sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Staat handeln müsse, damit es allen besser geht. Sie wollen in vielen Bereichen Handlungen die auf dem Konzept von Keynes beruhen.
Das könnt ihr ja auch mal in der Klasse besprechen und vielleicht man den Lehrer fragen, wie er dazu steht. „Was unterscheidet Lafontaine und Keynes ?“ Antwort: Der eine hat sich geirrt und hat es nicht mehr miterlebt, der andere irrt sich und und kriegt es nicht mit" *fg*