da angedeutet wurde, nur nach einem krieg wäre eine diagnose einer posttraumatischen belastung sinnvoll, bitte ich um tips, wie man der betroffenen helfen könnte, sei es auch nur mit tips zu einer effektiveren theapie:
die betroffene ist mitte fünfzig (verwandte), lehrerin in einer schule für sozial schwerst behinderte. vor einem jahr passierte das, was sie immer noch als „unfall“ bezeichnet.
ein schüler griff sie mitten im unterricht an, verletze sie schwer und konnte gerade noch von einer tötung abgehalten werden.
nach abheilung der körperlichen verletzungen wird natürlich das ausmaß der seelischen verletzungen deutlich und die betroffene erkämpft (!) sich bei der schulverwaltung eine psychotherapie, welche aus gesprächen besteht.
angehörige und weitere außenstehede haben den eindruck, daß trotz des zeitraums seit des angriffs die psyche des opfers eher sich weiter rapide verschlechtert, statt sich zu bessern.
das opfer will nur eines, nicht wieder in die schule zurückzumüssen und sieht keine anderen wege als die gesprächstherapie, um sein wohlsein zu verbessern.
symptome sind u.a. depressive schübe, schlaflosigkeit, übelkeit, angstattacken usw.
habt ihr irgendwelche tips, was gemacht werden könnte?
Die Posttraumatische Belastungsstörung ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, da sie sich chronifizieren kann.
Ein schnelles Eingreifen und Therapeutische Begleitung würde ich dringend anraten.
Anlaufstelle wären Therapeuten die damit explizit arbeiten (nachfragen) oder der Krisendienst, die auch weiter vermitteln können.
Diese zwei Links sind vielleicht hilfreich für dich
der Krisendienst in Berlin, falls sie bei dir in der Nähe wohnt, ansonsten gibt es das fast in jeder größeren Stadt: http://www.berliner-krisendienst.de/
Ich wünsche deiner Verwandten viel Kraft und Hilfe zum verarbeiten.
es ist unverständlich, warum man beim schulamt eine psychotherapie „erkämpfen“ muss. das muss man nicht. man geht mit der versichertenkarte zum therapeuten und fängt die therapie an. als lehrerin ist sie wahrscheinlich privat versichert und das geht mit sicherheit ohne lange wartezeiten.
anders sieht es mit der berechtigten frage des arbeitgebers aus, wann man denn wieder gesund ist und wiederkommt. das geht dann die ämter und behörden etwas an, besonders bei streitfällen.
was man tun kann? gesund werden, sich dabei psychotherapeutisch oder über eine gewaltopfer-beratungsstelle oder in einer selbsthilfegruppe(oder alles 3) gegleiten lassen und schrittweise in den beruf zurückkehren. auch zur eigenen heilung der schlimmen erinnerungen.
abschliessend möchte ich nochmals wiederholen, dass man eine postraumatische belastungsstörung (ptbs) nicht nur im krieg erleiden kann, sondern schon heute auf der strasse, wenn man z.b. zeuge eines schlimmen verkehrsunfalles oder einer gewalttat wird oder bei einem banküberfall dabei ist. wer in solchen situationen massiven schrecken und todesangst erlebt, kann symptome einer ptbs entwickeln. die forschung zur ptbs hat aber ihre tradition in der untersuchung von kriegsleiden, sie ist dort entstanden. auch heute kehren aus dem irak-krieg busseweise ptbs-patienten zurück und die bundeswehr hat eigene ptbs-therapeuten für die jungen wilden, die nicht das grauen der eigenen erlebnisse (und taten) in afghanistan verarbeiten können.
das bedeutet aber keinesfalls, dass man im krieg gewesen sein muss, um eine ptbs „bekommen zu dürfen“. wenn jemand einen angriff auf das eigene leben erlebt hat -wie diese lehrerin- kann es sein, dass ihre symptome (angst etc.) auf dieses trauma zurückzuführen sind und auch DARAN geheilt werden müssen. differenzialdiagnostisch kann sie aber auch vorher eine angststörung oder einen depressiven verarbeitungsstil gehabt haben, welches durch den angriff sehr verstärkt wurde und dysfunktionale entwicklungen nach sich zieht. dann muss man ursächlich weiter zurückgehen.
ausserdem gehen mit der ptbs weitere symptome einher, die man auch finden muss, um diese diagnose zu geben. das gute an den neuen forschungsergebnissen zur ptbs ist, dass die behandlungstechniken eine größere vielfalt bekommen haben und man damit die symptome der patienten besser und effektiver heilen kann. wie lange das dauert, zeigt die therapie selbst.
Deiner Verwandten wäre zu raten, BERATUNGSSTELLEN anzufragen, die ihr dabei Helfen, SICH neu zu organisieren bzw SICH neu zu finden.
Dafür dürfte die Opferhilfe „Weißer Ring“ stehen.
Die Verwandte sollte in jedem Fall IHR eigener Herr in Hinblick auf eine denkbare Therapie bleiben. Am besten ein 8-wöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik (Auskunft über die Krankenkasse; Adressen überdies auf Empfehlung oder im Internet).
Den ´direkten´ Weg zu einem Therapeuten halte ich für rund um falsch. Ohne beratende Hilfe, würde die Verwandte von den Therapeuten grundsätzlich nur ausgenutzt. Transparenz ist nicht unmittelbar Sache der Therapeuten. Die sehen sich nicht verantwortlich für den Verlauf der Therapie. Misserfolge werden den Patienten in die Schuhe geschoben.
Den ´direkten´ Weg zu einem Therapeuten halte ich für rund um
falsch. Ohne beratende Hilfe, würde die Verwandte von den
Therapeuten grundsätzlich nur ausgenutzt. Transparenz ist
nicht unmittelbar Sache der Therapeuten. Die sehen sich nicht
verantwortlich für den Verlauf der Therapie. Misserfolge
werden den Patienten in die Schuhe geschoben.
Solche Äußerungen, die geeignet sind, Personen von dringend notwendigen therapeutischen Hilfestellungen abzubringen, halte ich für verantwortungslos und gefährlich - und somit für einen Verstoß gegen die Netiquette. Sowas geht imho nicht mehr nur als „Informationsverschmutzung“ durch.
Kontakt zum Täter aufnehmen!
Sie soll diese Person nochmal sehen, hören, sprechen und seine Sterblichkeit erkennen. Vielleicht hört danach der Wachstum dieser Person in ihren Gedanken auf? Und vielleicht wird nach der Begegnung, der Vorfall wirklich zu dem für was sie es hält, nämlich zu einem „Unfall“
Vielleicht entschuldigt er sich bei ihr? Vielleicht erklärt er ihr die Umstände?
Den finde ich vor allem grenzenlos ignorant. Er verhindert aber nicht die eventuell dringend notwendige therapeutische Hilfe - bzw. arbeitet nicht dagegen, eine solche aufzusuchen.
Wenn die Betroffene einem solchen Paulaschen Tip ohne sorgfältigste Vorbereitung (die sie ohne therapeutische Begleitung und Unterstützung gar nicht machen könnte) nachgehen würde, könnte das natürlich in einer Katastrophe enden.
Das heißt aber nicht, daß einer Konfrontation mit einem Täter (natürlich nur im Rahmen einer Therapie) prinzipiell abzuraten wäre. Nur könnte das natürlich nicht derartig gedankenlos naiv vor sich gehen, wie das dort vorgeschlagen wurde.
Ich habe nur die Wahl des ´richtigen´ Therapeuten problematisiert und deshalb empfohlen, behutsam, also mit zusätzlicher Hilfe von Opfer-Beratern vorzugehen. Nicht Therapeutische Hilfe an sich. Um es zu verdeutlichen: Therapeutische Hilfe macht durchaus Sinn. Aufgrund der Umstände des nachgefragten Falles dürfte sogar alles dafür sprechen.
„Informationsverschmutzung“.
Meine kritischen Anmerkungen lassen sich bestenfalls als Sticheleien bezeichnen. Alles andere trifft es nicht mehr.
Das heißt aber nicht, daß einer Konfrontation mit einem Täter
(natürlich nur im Rahmen einer Therapie)
prinzipiell abzuraten wäre. Nur könnte das
natürlich nicht derartig gedankenlos naiv vor sich gehen, wie
das dort vorgeschlagen wurde.
Auch dazu eine Anmerkung: „Prinzipiell“ würde ich ´unbedingt´ davon abraten. Motto: Verdrängen, vergessen. „Neu konfigurieren“
Es sollte vielmehr alles verhindert werden, was den Täter nachträglich auch nur ´möglicher´ Weise noch aufwertet. Und sei es auch nur indirekt. Zu unterscheiden wäre in wie weit eine Aufwertung ´möglich´ und in wie weit eine Aufwertung ´wahrscheinlich´ ist. Das Opfer sollte nämlich nicht das Gefühl haben, letztlich weggesperrt zu werden.
Ausnahmen von der Regel daher vorbehalten. Das sei aber nur der Vollständigkeit wegen angemerkt.
vielen dank für deinen beitrag. das hilft sicher weiter. sicher muss einem opfer auch erstmal ein wenig dampf gemacht werden, damit es die ihm zustehende hilfe in anspruch nimmt.
natürlich vorsichtig, auch um nicht lebenslang opfer zu sein.