Hallo,
Wie ist euer Rechtsempfinden?
ich finde, daß es ungeheuerlich ist, daß sich ein Teil der
Legislative derartig über ein Urteil äußert. Erst recht, wenn
es sich dabei um den stellvertretenden Bundestagspräsidenten
handelt. Der Mann gehört drei Wochen in einen Raum gesperrt,
der mit der Verfassung tapeziert ist.
Warum sollen Gerichtsurteile nicht auch zur Diskussion stehen? Herr Thierse hat sich hier wohl eher als Privatmann geäußert, als in amtlicher Mission.
Seht ihr das auch so?
Ist das Urteil verhältnismäßig?
Ich sehe es als Schandurteil an. Wenn man einer Kassiererin nach 30 Jahren Tätigkeit wegen 1,30 € Vertrauensbruch vorwirft, dann hat das eine Beigeschmack. Bei 1,30 € Breicherung unterstellen wäre ein Witz!
Steckt da wohl doch deren Gewerkschaftstätigkeit dahinter,
dass man
bei ihr einen formalen Grund vorgeschoben hat?
Ich glaube, dass man hier eher an die Beweggründe des Arbeitgebers herankommt. Und die Richterin hat kalt wie ein Computer entschieden.
Nach Angaben der Verkäuferin waren die Gutscheine vom Chef abgezeichnet, so dass die Kassierern sie an sich ausbezahlen durfte. In der Verhandlung waren natürlich die abgezeichneten Gutscheine nicht (mehr?) vorhanden.
Da spekuliert jeder so wie er möchte. Wäre ich Arbeitgeber,
würde ich jedenfalls auch niemanden an der Kasse sitzen haben
wollen, den ich im dringenden Verdacht habe, daß er mich
Bescheid. Und genau aus diesem Grunde hat das Gericht so
entschiede wie es entschied: dem Arbeitgeber kann die
Weiterbeschäftigung nicht zugemutet werden - unabhängig davon,
ob es um 1,30 oder 1.300 Euro handelte.
Ich sehe da schon einen Unterschied und an der Nichtigkeit von 1,30 € entzündet sich ja auch der Streit - bei 1300 € wäre alles klar! Nach 30jähriger Tätigkeit, offensichtlich ohne irgendwelche anderen Verfehlungen, habe ich eine gute, eingearbeitete Mitarbeiterin die sich sicherlich auch einig Verdienste erworben hat (unbezahlte Überstunden, geringe Manko). Die ziehen zu lassen wegen 1,30 € dazu gehört der Arbeitgeber mit dem Klammernbeutel gepudert. Jetzt sitzt die Frau auf der Strasse und ist der Armut und dem Steuerzahler ausgeliefert. Man muß in diesem Staat schon Patienten abmurksen, um mit 2 Mio € Abfindung glimpflich wegzukommen, oder Geld verbrennen mit Aussicht auf millionenschwere Boni!
Wolfgang D.
Wolfgang D.