ThMann vs BBrecht

Hallo!

Es ist problematisch genug, weshalb ich von dem hier üblichen social-kit absehe: Welches Problem hatte Thomas Mann mit B.Brecht, daß er diesem die Unterschrift unter das Einreisegesuch in die USA verweigerte, als einziger der deutschen „großen Namen“ in der Emigration??
Wäre für jeden Hinweis dankbar. (Keine Uni-Arbeitsfrage. Pures Verständnisinteresse…)

x-n

Hallo x-n,
vermutlich haben da persönliche Verletzungen eine Rolle gespielt, Brecht hatte ja weder an Werk noch an Person des „regierungstreuen Lohnschreibers der Bourgeosie“, dem „bourgeoisen Hersteller künstlicher, eitler und unnützlicher Bücher“, dem „Stehkragen“ ein gutes Haar gelassen. Brecht war - was Kritk am Schaffen Th. Manns angeht - nicht der Einzige (Döblin und Tucholsky sind weitere prominente Namen) aber wohl der mit der giftigsten Suada.

Dass man politisch in zwei verschiedenen Welten lebte, dürfte ohnehin klar sein. Entsprechend konnte man sich dann auch im Exil nicht auf ein gemeinsames Handeln einigen - Mann verweigerte sich z.B. trotz intensivem Werbens Brechts der Mitarbeit (Ehrenvorsitz) am ‚Free Germany Comittee‘, und Brecht rechnete 44 nochmals mit deutlichen Worten mit dem Exilanten Mann ab:

Die Hände im dürren Schoß
Verlangt der Geflüchtete den Tod einer halben
Million Menschen.
Für ihre Opfer verlangt er
Zehn Jahre Bestrafung. Die Dulder
Sollen gezüchtigt werden.
Der Preisträger hat den Kreuzträger aufgefordert
Seine bewaffneten Peiniger mit bloßen Händen
anzufallen.
Die Presse brachte keine Antwort. Jetzt
Fordert der Beleidigte die Züchtigung
Des Gekreuzigten.

Freundliche Grüße,
Ralf

Vielleicht weil er wusste,
das Brechts Werk nicht sonderlich gut aufgenommen würde
in den USA, bis heute nicht.
http://www.n-tv.de/699567.html

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Vielleicht weil er wusste,
das Brechts Werk nicht sonderlich gut aufgenommen würde
in den USA, bis heute nicht.
http://www.n-tv.de/699567.html

Na ja - die ‚Courage‘ hat aber auch keine schmissigen Tanzszenen. Und gesungen wird da auch viel zu wenig. Vielleicht sollte man das Stück mal von Andrew Loyd Webber kräftig überarbeiten lassen …

Ralf

Vielleicht sollte man das Stück mal von Andrew Loyd Webber

der mit seinem Scheiss einst die ganze welt besuddelt hat,
so Helge Schneider.

Man darf das nicht überbewerten.
Ich war einmal am Broadway, weiter runter zum
Hafen hin mit den Fulgzeugträgern und Kriegsschiffen.
da war billiger. wie hatten uns ein optimales
Preisleistungsverhältnis zum Ziel gesetzt,
und fanden ein Musical aus London namens when Piggs fly,
dass einen renomierten Kostümpreis gewonnen hatte,
und gar nicht ausgebucht war.
Das hatten sich wohl auch die Flitterwöchenertouristen
(Maisbauern aus dem mittleren Westen) gedacht und setzten
sich, voller Erwartung hin. Als sich dann rausstellte,
das es sich um das Jugendschicksal eines Homosexuellen
handelte, dessen Mathelehrerin ihm nicht den Schulabschluss
gönnte, den er für den Bühnebildner brauchte, verliessen
sie rasch den Saal. Ein par kamen auf Geheiss der Gattin
dann aber wieder und haben am Ende laut geklatscht.
Also Maryl Streeps Aura könnte es noch raushauen.

Vielleicht weil er wusste,
das Brechts Werk nicht sonderlich gut aufgenommen würde
in den USA, bis heute nicht.
http://www.n-tv.de/699567.html

Hier ist die Rede von einer Inszenierung eines Brecht-Stückes.
Deine verallgemeinernde Schlussfolgerung ist also nicht zutreffend.

Zudem halte ich die Meinung von amerikanischen Theaterbesuchern zu einer Inszenierung eines wichtigen Brecht-Stückes für eher unwichtig :wink:

Gruß bobesch

N-tv (ist sicherlich keine kunstkritische Grösse)
zitiert ausdrücklich, dass es das Brechtstück sei,
was schwer,langweilig und langwierig ist,
(nicht die Aufführung selber),
da haben sie ja immerhin die Streep aufgefahren,
die ich also solche also ihr Darstellungen, wie Kramer vs Kramer
schon langweilig finde, während die Amerikaner
doch wohl Gefallen dran gefunden haben.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

N-tv (ist sicherlich keine kunstkritische Grösse)
zitiert ausdrücklich, dass es das Brechtstück sei,
was schwer,langweilig und langwierig ist,
(nicht die Aufführung selber),

Also, ich führe ja nun selbst keine Statistiken, aber in der Berliner Morgenpost heisst es über Brecht: „Er war bis in die achtziger Jahre der neben Shakespeare meistgespielte Autor der Welt“. Und die ‚Courage‘ wiederum ist sein meistgespieltes Stück. Schweren, langweiligen und langwierigen Stücken passiert es wohl kaum, dass sie immer wieder neu inszeniert und aufgeführt werden.

Sicher bürgt solche Quantität zwar für die Publikumswirksamkeit eines Stückes, nicht notwendig für die Qualität. Auch kann die Zahl der Aufführungen der ‚Courage‘ in der Spielzeit 2003/2004 (laut Werkstatistik des Bühnenvereins 187 in Deutschland, Österreich und der Schweiz) nicht z.B. mit „Klamms Krieg“ von Kai Hensel konkurrieren (596 Aufführungen). Die Frage ist, ob fast 60 Jahre nach der Uraufführung noch jemand wissen wird, wer denn wohl Kai Hensel war …

Theater- und Leseabstinenten sei die Verfilmung der ‚Courage‘ von 1961 (Regie und Bearbeitung Peter Palitzsch und Manfred Wekwerth) mit der großartigen Helene Weigel empfohlen (in Quizsendungen im Fernseh werden Literaturfragen ja auch nur noch nach Stoffen gestellt, die schon einmal verfilmt wurden). Oder auch die Fernsehaufzeichnung von Harry Buckwitz’ Inszenierung von 1965 bei den Ruhrfestspielen mit Lotte Lenya. Das dürfte genügen, obige Aussage ad absurdum zu führen.

Freundliche Grüße,
Ralf