Thomas Gordon: Was haltet ihr davon?

Hallo,

was haltet ihr von Thomas Gordon, insbesondere seinem Buch „Lehrer-Schüler-Konferenz“?

Ist das Konzept des „aktiven Zuhörens“ und der Ich-Botschaften in der Praxis tatsächlich hilfreich und umsetzbar?

Hat vielleicht sogar schon mal jemand an so einem „Gordontraining“ teilgenommen?

Hallo,

was haltet ihr von Thomas Gordon, insbesondere seinem Buch
„Lehrer-Schüler-Konferenz“?

Hallo Michael, kann nur für mich sagen, dass ich es recht gut finde.
Grund: Man geht, wie bei mir im Kontakt mit Schülern, nicht gleich direkt auf den Schüler los: „Kommst Du schon wieder zu spät…“,
sondern lässt dem Gegenüber etwas mehr Spielraum, d.h. auch Bewegungsmöglichkeiten:„Schade, wir haben schon angefangen, aber wir könnten noch eine Unterstützung im…gut gebrauchen…“ usw.

Ist das Konzept des „aktiven Zuhörens“ und der Ich-Botschaften
in der Praxis tatsächlich hilfreich und umsetzbar?

Das „aktive Zuhören“ oder auch „Spiegeln“, bzw. „Focussieren“ genannt weist die Möglichkeit auf für den Sprecher eine Rückmeldung zu bekommen, ob ich als Zuhörer sein Gesagtes auch verstanden habe, indem ich als Zuhörer es noch einmal mit meinen Worten versuche zusammenzufassen. Insofern kann es, wenn man mal bei dem Unterricht bleiben, für den Schüler gut sein, denn er bekommt direkt seine Aussage mit etwas anderen Worten bestätigt (oder auch nicht, wenn ich es falsch verstanden hätte) und für den Betreuer/Lehrer bietet es die Chance den Schüler richtig(er) zu verstehen.

Hat vielleicht sogar schon mal jemand an so einem
„Gordontraining“ teilgenommen?

Das zwar nicht, jedoch wird diese Arbeitstechnik des Spiegelns bei uns in der Schule in der Streitschlichtung recht erfolgreich eingesetzt.
Weitere Literatur dürftest Du demnach auch bei Gesprächsführung (Carl Rogers u.a.), Streitschlichtung/Mediation usw. finden.
Viel Erfolg.
Achim

Hallo Joachim

Danke für die Antwort.

Und wie sieht es mit den „ICH-Botschaften“ im Sinne von Gordon aus in der Art „Wenn du deine Füsse in den Gang streckst, dann stürze ich leicht und fürchte mir weh tun zu können“ (Ursache -> Wirkung -> Gefühle)? Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass dies in der Praxis funktioniert und wenn dann nur in bestimmten Klassen / unter bestimmten Bedingungen.

Okay, sicher, das Dilemma oder sagen wir besser die Krux ist wie bei wahrscheinlich den meisten Theorien, dass sie in der Realität, respektive bei der Anwendung im Alltag an ihre Grenzen stoßen.
Ich glaube nicht, dass es an dem Klientel (hier: BVJ-Schüler)liegt, das ich „unterichte“, bzw. betreue, denn meines Erachtens ist der Einsatz von „Ich-Botschaften“ nicht das Problem, sondern entscheidend ist die Authenzität des Users, die Ausdauer diese (ja i.d.R.)neue oder auch ungewohnte Verhaltensweise konsequent zu gebrauchen und für mich auch entscheidend ihre Dosis.
Es wirkt geradezu lächerlich und erinnert an so manche Botschaften
der 68er-Generation wollte man Gordons Buch zu 100% in die (Schul-) Pädagogik dieser Zeit übernehmen, das ist zumindest mein Eindruck, wenn der Gebrauch der jeweiligen Situation nicht entsprechend ist
(wie auch in Deinem/ Ihrem Beispiel), da hast Du, haben Sie Recht.
Aber da verhält es sich so wie bei Carl Rogers: Authenzität, Empathie und die Fähigkeit das aktive Zuhören richtig anzuwenden kann für eine Hilfegespräch sehr nützlich sein. Frägt der Ratsuchende aber einfach nach einer einfachen wirtschaftlichen Hilfe (z.B. BaföG o.ä.) dann wäre hierbei „Rogers“ wenig hilfreich.
Grundsätzlich aber ist in meiner Arbeit mit meinen Rat-und Hilfesuchenden (BVJ-Schüler bis Wirtschaftgymnasiasten)
von Vorteil ein professionelles Gesprächsschema zu haben, um ihre Anliegen mit dem gebotenen Abstand (Gefahr: Projektion), aber mit dem notwendigen Maß an Einfühlungsvermögen zu bearbeiten.
Gruß von Achim

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