poeta doctus
Hallo, Tsezsefliege!
Überall heißt es: „eine für Thomas Mann typische Erzählweise“,
aber was dieses ‚typische‘ ist, das würde ich gerne wissen.
Thomas Mann versteht sich und ist das, was man einen „Poeta doctus“ nennt, ein gelehrter, viel wissender, Bildungsgut verarbeitender Schriftstellen; kein inspirierter, genialer Dichter.
Ein „Wortmetz“, um mit Arno Schmidt zu sprechen.
Wenn er z. B. den Tod durch die Cholera, Typhus oder Schwindsucht beschreiben will, informiert er sich in medizinischen Lexika, exzerpiert und baut diese Exzerpte in seinen Text ein.
Er tut das wie ein Fachjuornalist. Das macht seine Texte so glaubwürdig und „realistisch“.
Auch wenn er Romanfiguren schildert, hat er stets konkrete Personen und Verhaltensweisen vor sich. Dabei schont er weder Familie, Freunde und Bekannte. Für „Echo“ im Dr. Faustus hat er nicht einmal vor seinem Lieblingsenkel Halt gemacht.
Die musiktheoretischen Stellen, etwa zur Zwölftonmusik, dort hat er sich von Adorno eingeben lassen.
Für den „Petepre“ im Josephsroman hatte er als Vorbild eine ägyptische Statue des Ägyptischen Museums in Kairo.
Peeperkorn im Zauberberg ist eine Karikatur Hauptmanns.
Auch so wird seine Erzählung und Schilderung „lebendig und realistisch“.
Also: keine Phantasie, sondern verarbeitete Wirklichkeit! Das ist Thomas Mann.
Gruß Fritz