Thomas Mann - Erzählstil!?

Hallo, wie viele hier ja auch wissen, hat Thomas Mann eine eigene unnachahmliche Erzählweise.

Ich habe nun Tristan gelesen und muss darüber auch was erzählen können, also im Deutsch Unterricht.

Nur komme ich mit der Erzählweise von Herrn Mann nicht ganz zurecht.
Überall heißt es: „eine für Thomas Mann typische Erzählweise“, aber was dieses ‚typische‘ ist, das würde ich gerne wissen.

Hoffe Ihr könnt mir helfen.

Gruß CC

poeta doctus
Hallo, Tsezsefliege!

Überall heißt es: „eine für Thomas Mann typische Erzählweise“,
aber was dieses ‚typische‘ ist, das würde ich gerne wissen.

Thomas Mann versteht sich und ist das, was man einen „Poeta doctus“ nennt, ein gelehrter, viel wissender, Bildungsgut verarbeitender Schriftstellen; kein inspirierter, genialer Dichter.

Ein „Wortmetz“, um mit Arno Schmidt zu sprechen.

Wenn er z. B. den Tod durch die Cholera, Typhus oder Schwindsucht beschreiben will, informiert er sich in medizinischen Lexika, exzerpiert und baut diese Exzerpte in seinen Text ein.

Er tut das wie ein Fachjuornalist. Das macht seine Texte so glaubwürdig und „realistisch“.

Auch wenn er Romanfiguren schildert, hat er stets konkrete Personen und Verhaltensweisen vor sich. Dabei schont er weder Familie, Freunde und Bekannte. Für „Echo“ im Dr. Faustus hat er nicht einmal vor seinem Lieblingsenkel Halt gemacht.

Die musiktheoretischen Stellen, etwa zur Zwölftonmusik, dort hat er sich von Adorno eingeben lassen.

Für den „Petepre“ im Josephsroman hatte er als Vorbild eine ägyptische Statue des Ägyptischen Museums in Kairo.

Peeperkorn im Zauberberg ist eine Karikatur Hauptmanns.

Auch so wird seine Erzählung und Schilderung „lebendig und realistisch“.

Also: keine Phantasie, sondern verarbeitete Wirklichkeit! Das ist Thomas Mann.

Gruß Fritz

Erzählweise?
Hallo Fritz!

Ich würde in diesem Bezug zunächst rückfragen, ob das, was du aufzählst, dem Begriff „Erzählstil“ entspricht?

Für mich wäre das der Satz- und Periodenbau, die Vermischung der Autoren- und Personenperspektiven, die berechnende Verwendung der Leitmotive, der Ironie, der Umgang mit der Zeit etc.

Deine Beschreibung davon, wie sich Th.Mann auf das Schreiben vorbereitete, stimmt absolut. Wird damit in der Schule die „Erzählweise“ abgedeckt?

Gruß

Überall heißt es: „eine für Thomas Mann typische Erzählweise“,
aber was dieses ‚typische‘ ist, das würde ich gerne wissen.

Thomas Mann versteht sich und ist das, was man einen „Poeta
doctus“ nennt, ein gelehrter, viel wissender, Bildungsgut
verarbeitender Schriftstellen; kein inspirierter, genialer
Dichter.

Ein „Wortmetz“, um mit Arno Schmidt zu sprechen.

Wenn er z. B. den Tod durch die Cholera, Typhus oder
Schwindsucht beschreiben will, informiert er sich in
medizinischen Lexika, exzerpiert und baut diese Exzerpte in
seinen Text ein.

Er tut das wie ein Fachjuornalist. Das macht seine Texte so
glaubwürdig und „realistisch“.

Auch wenn er Romanfiguren schildert, hat er stets konkrete
Personen und Verhaltensweisen vor sich. Dabei schont er weder
Familie, Freunde und Bekannte. Für „Echo“ im Dr. Faustus hat
er nicht einmal vor seinem Lieblingsenkel Halt gemacht.

Die musiktheoretischen Stellen, etwa zur Zwölftonmusik, dort
hat er sich von Adorno eingeben lassen.

Für den „Petepre“ im Josephsroman hatte er als Vorbild eine
ägyptische Statue des Ägyptischen Museums in Kairo.

Peeperkorn im Zauberberg ist eine Karikatur Hauptmanns.

Auch so wird seine Erzählung und Schilderung „lebendig und
realistisch“.

Also: keine Phantasie, sondern verarbeitete Wirklichkeit! Das
ist Thomas Mann.

Gruß Fritz

7 „Gefällt mir“

Erzählweise / Erzählstil
Du bist sicher in der Lage, Peet, den Unterschied zwischen „Stil“ und „(Art und) Weise“ darzulegen.

Dann können wir weiter reden.

Dazu:

_Stil [:, :] der; -[e]s, -e :

  1. Art des sprachlichen Ausdrucks [eines Individuums].

  2. einheitliche u. charakteristische Darstellungs- u. Ausdrucksweise einer Epoche od. eines Künstlers;

Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM]_

Gruß Fritz

Hallo Fritz!

Erstmals vielen Dank für eine „direkte“ Antwort auf meine Frage. Ich glaube, wir werden jetzt viel Spass miteinander haben. :smile:

Du bist sicher in der Lage, Peet, den Unterschied zwischen
„Stil“ und „(Art und) Weise“ darzulegen.

Nein, Fritz, damit kann ich nicht dienen. Der junge Mann (du weißt noch, der Fragesteller, ich hoffe, du hast ihn noch nicht vergessen) hat den Begriff „Erzählstil“ und den Begriff „Erzählweise“ als Synonyme verwendet. Dein Duden genauso - ich zitiere dich:

„Erzähl stil [ist] Darstellungs- und Ausdrucks weise eines Künstlers“.

Falls du das möchtest, können wir selbstverständlich diese zwei Begriffe auseinanderführen und genauer bestimmen, das wäre allerdings nicht das Thema des Threads und würde dem Fragesteller weniger helfen.

Du hast jetzt zwei oder gar drei Alternativen. Du kannst deinen Fehler zugeben und dem Fragesteller vorbildlich beweisen, dass Lehrer auch imstande sind, ihre Fehler zuzugeben. Vielleicht hat er in seinem Leben sowas noch nie erlebt…
Oder du kannst selbst definieren, was du unter der Frage nach einem Erzählstil/einer Erzählweise verstanden hast und somit den Fehler als ein Missverständnis erklären und minimieren.
Oder du gibst weitere genauso „direkten“ und präzisen Antworte in deinem speziell dafür bekannten Ton wie

Dann können wir weiter reden.

bis die Moderation kommt. :smile:

Amüsierte Grüße

6 „Gefällt mir“

Ha, es freut mich ja mal schon mal sehr, dass ich hier sogar ein Grund für eine etwas anspruchsvollere Diskussion darstelle. :smiley:

Falls ihr diskutieren wollt, kann ich die Moderation gerne übernehmen :smiley:

Zur Angelegenheit, vielen Dank für deine ausführliche Antwort Fritz.

Allerdings, falls es einen Unterschied zwischen Erzählstil und Erzählweise gibt, was ich nicht wusste, und falls das Beschriebene von dir Fritz ausschließlich den Erzählstil enthalten sollte, dann würde ich doch gerne wissen wie die Erzählweise von Herrn Mann aussieht.
Damit ich auch gegebenfalls über beide Sachen Bescheid weiß.

Ach ja, Lehrer, die ihre Fehler zugeben…

… ich bin jetzt in der 13. Klasse, habe also ca. 13 Jahre (bald) hinter mir, und ich habe das nicht oft erlebt, dass Lehrer ihre Fehler zugeben. *g* (betrifft jetzt aber nur meine Lehrer)

Meine Güte! (mit wenig Text)
Vielen Dank, aber so nicht!
Begnüge dich mit deinen Sympathiesternchen!
Fritz

Vielen Dank, aber so nicht!
Begnüge dich mit deinen Sympathiesternchen!
Fritz

Hmm, ich verstehe jetzt nicht ganz!?
Ich kann dir nicht folgen Fritz. :frowning:

Aber gibt es nun einen Unterschied zwischen dem Erzählstil und der Erzählweise?

Das war nicht von mir in einem kritischen Ton geschrieben, es war auch keine rhetorische Frage, sondern eine wirklich ernstgemeinte Frage meinerseits, falls du das meinst!?

Zur Angelegenheit, vielen Dank für deine ausführliche Antwort

Ich freue mich, wenn meine Ausführungen dir hilfreich waren, den Autor Thomas Mann besser einzuschätzen, und das genügt mit

Allerdings, falls es einen Unterschied zwischen Erzählstil und
Erzählweise …
Damit ich auch gegebenfalls über beide Sachen Bescheid weiß.

Das lässt du dir besser von Peet erklären, der ja Fachmann dafür zu sein scheint.

Ach ja, Lehrer,

Ach ja, ich bin hier nicht als Lehrer tätig.

Gruß

wenig Güte
Hallo!

Spass beiseite:

Versuch doch bitte, deine eigene Position zu formulieren: Was verstehst du unter dem Erzählstil eines Schriftstellers? Eher was oder eher wie?

Gruß

Danke
Hallo, heute durfte ich über „Tristan“ erzählen, und der Lehrer war mit dem Erzählstil zu frieden, ihm hat nur der „Ironie-Aspekt“ gefehlt, was noch vorkam.

Aber so in Ordnung, vielen Dank nochmals Fritz für deine Hilfe.

CC