Hallo Brigitte,
Eitelkeit ablegen, das is ein gutes Stichwort! Genau so ist es… Das fällt wahnsinnig schwer, ich kann das nachfühlen. Noch heute ziehe ich manchmal lieber die Strumpfhose an als einen einzelnen Strumpf - auch wenn die Strumpfhose umständlicher und unbequemer ist - nur um den Blicken der Leute zu entgehen. An anderen Tagen scheiß ich drauf und sag mir, is doch egal was die anderen denken! Is ja noch schön wenn man gefragt wird was der Strumpf soll, dann kann man erklären und dann erntet man auch Verständnis. Viel schlimmer sind die, die doof gucken, aber nix sagen und sich nur denken: Was läuft die bei 30 Grad im Schatten mit dicker Strumpfhose rum?!
Back to topic: Messgerät, das kann natürlich sein, dass man das so früh nicht bekommt. Ich sollte erst lebenslang Marcumar nehmen, daher bekam ich eins. Jetzt brauch ichs nicht mehr, weil schließlich festgestellt wurde, dass ich doch nur eine, nicht zwei verschiedene Gerinnungsstörungen hab. Kannst meins haben ;D
Das stimmt, hatte ich fast vergessen zu sagen: viel Bewegung und viel Trinken ist natürlich das A und O. Hab vor der Thrombose auch chronisch zu wenig getrunken, heute habe ich immer 1,5l Wasser dabei. Die Bewegung und die Strümpfe verhindern nicht nur weitere Thrombosen, sie sorgen auch dafür dass es deinem Bein langfristig gut geht. Die durch die Thrombose geschädigten Venen können das Blut nicht mehr so gut transportieren und unbehandelt kriegste am Ende ein offenes Bein. Mein krankes Bein sieht bis auf die obligatorische Schwellung, ein paar kleine Krampfadern und viele blaue Äderchen (Besenreißer) unten an der Ferse eigentlich noch fast aus wie das gesunde, und das nach 10 Jahren schlechter Durchblutung. Das ist nur durch konsequente Kompression zu erreichen.
Aber da wären wir wieder bei Eitelkeit, entweder man nimmt in Kauf das Bein 95% der Zeit im Strumpf zu zeigen und dafür ohne Strumpf noch halbwegs vorzeigbare Beine zu haben. Oder man verzichtet auf den Strumpf, hat dann aber nach einiger Zeit Krampfadern, geschwollene Füße, Wasser in den Beinen und im schlimmsten Fall nach einigen Jahrzehnten ein offenes Bein. Da trage ich lieber Strümpfe!
Korrekt, der Strumpf ist schon schwieriger anzuziehen nachdem man aus dem Wasser kommt. Besorg dir beim Sanitätshaus am besten ein paar Gummihandschuhe als Anziehhilfe, dadurch bekommst du besseren Halt, kannst die Strümpfe einfacher anziehen. Die sehen natürlich auch sehr sexy aus, diese Handschuhe… Giftgrün sind meine, und mir fast noch peinlicher als die Strümpfe.
Ich creme meine Beine nach dem Schwimmen immer mit einer leichten Bodylotion ein, lasse das einziehen (im Liegen) und nach 10 Min. oder so rubbele ich eventuelle Cremereste mit dem Handtuch ab und ziehe dann den Strumpf an. Die Haut ist durch das Eincremen geschmeidiger, das Anziehen geht besser. Sehr ölhaltige Lotionen können den Strumpf allerdings angreifen! Viel Cremen ist nach jahrelanger Kompressionstherapie eh super wichtig, da die Strümpfe leider jede Feuchtigkeit von der Haut saugen und man schnell Probleme mit trockener, juckender Haut bekommt.
Strumpfhosen sind nervig, aber was soll man machen. Ich seh’s positiv: gratis Bauch-weg und Po-formende Hose!
Für den Toilettengang sind Strümpfe praktischer, aber man gewöhnt sich auch an das Gefiddele mit der Strumpfhose. Anfangs habe ich morgens 15 Minuten und 3 Heulanfälle gebraucht bis die Strumpfhose richtig saß. Heute schaff ich’s in 3 Min. Alles eine Frage der Übung und Gewöhnung 
Wie ich mich fühle: Ich sag mal so, wie vor der Thrombose wird’s (für mich) nie wieder sein. Anfangs habe ich die Strümpfe vor allem auch deswegen getragen, weil mein Bein ohne Strumpf sofort angeschwollen ist und bei großer Anstrengung hart wie Beton wurde. Inzwischen hat sich das deutlich gebessert, der Körper braucht einige Jahre, aber er kann es ausgleichen. Unterstütze ihn durch die Kompressionstherapie, viel Trinken, viel Bewegung und Sport wie Schwimmen, Radfahren, gerne auch spezielle Venengymnastik/übungen (schau mal im Internet oder in der Bibliothek), aber hab Geduld! Noch drei Jahre nach meiner Thrombose war meine Beckenvene komplett geschlossen, alles Blut floß durch Umgehungsvenen. Inzwischen ist die Beckenvene wieder offen, wenn auch kleiner im Durchmesser als vor der Thrombose, daher geht’s mir inzwischen auch besser. Aber langes Sitzen bereitet mir nach wie vor Schwierigkeiten: Der Fuß fängt an zu kribbeln, Spannungsgefühl in der Wade - hast du das auch? Dann stehe ich auf, mache ein paar Venenübungen, dann geht’s meistens wieder besser. Noch ein Vorteil wenn man viel trinkt: Man muss automatisch oft auf’s Klo und hat damit einen Grund bei längeren Autofahrten, im Flugzeug, Zug oder Kino alle 60-90 Min. eine Pause einzulegen. Da is mir nix mehr peinlich, im Flugzeug stelle ich mich gern in den Gang und wippe auf den Zehen auf und ab oder lasse die Füße kreiseln. Kann man natürlich genauso gut in der Toilette machen, wenn die Leute schief gucken 
Ich bin schon traurig, dass ich jetzt, wo ich mich trauen würde meine nackten Beine in einem schönen Sommerkleid oder einer Jeansshorts zu zeigen (vor der Thrombose fand ich meine Beine häßlich), es nicht mehr wirklich kann. Aber ich freue mich dann schon über die paar Minuten im Park im Liegen auf der Wiese in kurzer Hose und die Füße im Gras - das genieße ich richtig. Barfuß laufen fehlt mir schon sehr. Aber wer weiß, vielleicht wird es irgendwann so gut, dass auch das wieder für kurze Zeit geht. Es hätte schließlich schlimmer kommen können, immerhin haben wir keine Lungenembolie oder ähnliches gekriegt 
Ich hoffe du hast einen ganz tollen Urlaub und ja, du bist auch mit Strumpf attraktiv! Da zählt schließlich so viel mehr als so ein oller Gummi an der Wade… Mach dir am besten so wenig wie möglich Gedanken darum, die anderen mögen kurz doof gucken - aber das wars auch schon. Je weniger du drüber nachdenkst desto weniger merken andere überhaupt das was nicht stimmt 
Viele Grüße,
Jana