Hi Andreas,
mitunter ist er etwas ängstlich wenn es dunkel wird,
besonders, wenn er mal wieder heimlich irgendwelche Filme im
Fernsehen gesehen hat, während die Eltern schon schliefen.
Hm, nun, das mit dem Fernseher wegnehmen würde wohl nicht gerade was bringen - es gibt auch genug, was man lesen kann, dass gruselig genug ist, dass man sich danach fürchtet… es liegt nie am Medium, sondern am Inhalt.
Obwohl es natürlich schon ungünstig ist, wenn ein 11jähriger nach der ‚watershed‘ (der Uhrzeit, bis zu der ‚jugendfreies‘ gezeigt wird), alleine fernsehen kann. Eben wegen des Inhalts. Aber das ist ein völlig anderes Thema.
Dann schaut er unter Bett und in der Abseite nach, ob sich da
jemand versteckt hat. Aber das habe ich als Kind auch getan.
Hab ich als Kind auch getan - immer unterm Bett geschaut, und sogar im Bad hinterm Duschvorhang. Dass sich da nichts ‚reales‘ versteckt, wusste ich, aber ich konnte es trotzdem nicht lassen. Es waren eher ‚Geister‘, irgendnen Fantasiezeug, dem ich damit auch befahl, gefälligst da zu bleiben, wo sie vielleicht sein mögen…
Nur: Ich war als Kind keineswegs normal, sondern extrem schüchtern und verängstigt.
Sonst ist der neueste Hit „Tick, du bist verhext“ und „nimmst
Du das zurück (das Verhexen), ich kann sonst nicht schlafen“.
Eh, ja, siehe oben.
Insgesamt mit den Nerven wohl etwas schlecht zu Fuß, der Herr
Sohn.
Hm. Entweder, seine Ängste sind für sein Alter ganz normal (wie normal bist Du, der ja schliesslich auch als Kind unter’s Bett geschaut hat?).
Oder er hat einfach eine sehr rege Fantasie.
Oder er hat eine rege Fantasie, die auch ‚Symptom‘ für anderes es - wie sieht es denn bei ihm mit sozialen Kontakten aus? Wie kommt er - heute - mit Mitschülern, Freunden etc klar, wie war es früher, zB Kindergarten? Kommt er gut klar, oder kompensiert er über eine Fantasiewelt?
Wie sieht’s denn mit Euch Eltern aus? Du kommst mir recht ‚alt‘ vor, und das meine ich nicht in Jahren, sondern in der Distanz zu einem 11jährigen. Wie warst Du in dem Alter, bzw kannst Du Dich dran erinnern?
Wie ist Eure Kommunikation mit ihm? Seid Ihr Eltern als Autorität, oder seid ihr Eltern auch als ‚Freunde‘, inwieweit könnt ihr Euch mit ihm identifizieren?
Ich würde an Deiner Stelle über zwei Dinge nachdenken: Hat einer von Euch beiden Elternteilen Symptome, die die tic- Vermutung bei Deinem Sohn irgendwie rechtfertigen würden? (Da ist es SEHR schwer, sich selbst gegenüber einerseits bewusst genug, und andererseits ehrlich genug zu sein).
Wenn eher nicht, dann würde ich mich fragen: Wie gut ist der Instinkt Deiner Frau Deinem Sohn gegenüber? Man denkt nicht daran, seinen Sohn in psychologische Behandlung zu schicken, weil er sich plötzlich andauernd entschuldigt - hat Deine Frau tieferliegende Vermutungen oder ‚Instinkte‘?
Wenn hier auch nein, kommt das zweite:
Vergiss erstmal die ‚Psycho-Schiene‘, und sprich Deinen Sohn drauf an. Aber nicht in so nem betroffenen Ton, als wäre entweder was ‚falsch‘ an ihm selbst, oder als ob er eben einen Fehler begehen würde.
Eher lächelnd, ‚amused‘ - ‚sag mal [grins], Du entschuldigst Dich schon wieder‘?
Und etwas, was hier noch gar nicht bedacht worden ist:
Könnte er den Gesamtausdruck irgendwo aufgeschnappt haben? Manchmal kopiert man ja, bewusst oder unbewusst, Ausdrücke anderer Leute.
Ich muss sagen, mit Deinen bisher kargen Aussagen hab ich hier ne Reihe von Sachen erwähnt, die alles von wahr bis zu komplettem Unsinn sein können.
Daher noch ne Frage: Wenn Du sagst, er entschuldigt sich, wenn es keiner erwartet - wofür entschuldigt er sich eigentlich, und in welchem Zusammenhang??? Es muss ja irgendwo in einem Dialog geschehen.
Gruss, Isabel
(die ADS hat, was sie aber noch nicht allzu lange weiss, heute alles andere als schüchtern oder introvertiert ist, aber als Kind schon ein paar Macken hatte, die man wohl nur als tics einordnen kann)