Hallo!
Ich habe einen interessanten Effekt beobachtet. Ich starrte längere Zeit auf eine circa 30 cm entfernte Wand. Nach einiger Zeit erschien mir die Wand näher zu sein als sie es eigentlich war. Nach mehrfacher Wiederholung gelang es mir sogar durch das Bild von der Wand, das ich sah, hindurchzufassen. Anfangs gelang dies nicht, weil die Täuschung wieder verschwand, sobald ich meine Hand ausstreckte. Das hat mich fasziniert.
Allerdings konnte ich diese Wahrnehmungstäuschung noch nicht erklären. Tiefenwahrnehmung beruht auf dem Vergleich der von beiden Augen gelieferten Bilder. Wahrscheinlich hat sich die Koordination der beiden Augen verändert. Aber wie?
Falk
Hallo Falk
zwar bin ich kein Fachmann auf dem Gebiet der Medizin oder Biologie, weiss aber im groben, was da vor sich geht.
Wenn man einen nahen Punkt betrachtet, muss fuer die Akomodation, also Anpassung des Auges an diese Entfernung, der Ringmuskel (Ziliarmuskel) anspannen, um die Linse auf diese Entfernung einzustellen.
Wenn man nun staendig den gleichen Punkt anschaut, ermuedet das Auge und stellt sich wieder auf Fernsehen (nein, nicht die Glotze) ein.
Wenn man dann nicht eine Augenbewegung ausfuehrt, sondern dieser Entspannung nachgibt, lassen sich diese witzigen Effekte erleben.
Das die Wand naeher erscheint, koennte dann damit zusammenhaengen, das durch eine unscharfe projektion des Lichteinfalls ins Auge auf die Netzhaut das Bild, also die Wand, groesser erscheint.
Hindurchfassen kannste, weil du die Entfernung zu der Wand ja nicht mehr richtig erfassen kannst mit einer unscharfen betrachtung. Davon ab muessen die Augen fuer eine korrekte Entfernungsbestimmung zwei Bilder deckungsgleich darstellen und fuer nahe objekte etwas schielen. Auch dies erfolgt durch Muskelanspannung und unterliegt einer Ermuedung.
Mal sehen, was ein experte dazu sagt.
Gruss
der Alex
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo Falk,
die Vorgänge beim Tiefensehen sind ausführlich, wegen der vielen Abbildungen leicht verständlich und überdies amüsant behandelt in Wolfgang METZGER, Gesetze des Sehens, Kramer, Frankfurt 1953, 2. Aufl.
Speziell das binokulare Tiefensehen auf den S. 235 ff.
mfg
Schneider