Tinnitus-Behandlung

hallo, hab seit gestern ein Wasserkessel-ähnliches Pfeifen im linken Ohr. HNO vermutet wegen Halswirbelblockade, die ich seit ein paar Tagen auch noch habe, und vermutlich auch wegen Stress, der bei mir derzeit nicht zu knapp ist.
Er hat mir Chemiebomben vom feinsten aufgeschrieben: ein Durchblutungsförderndes Medikament und Cortison, das ich hochdosiert nehmen soll (3 Tbl. à 50 mg auf einmal pro Tag).
Irgendwie ist mir nicht wohl bei den „Bomben“. Ich hatte zuhause noch Gingko-Tabletten, die ich seit gestern abend nehme, bis jetzt ohne Erfolg.
Kriegt man das Pfeifen wirklich nur durch solche Hämmer weg?
Kriege übrigens vom Orthopäden verschrieben noch Massagen der HWS, um die Verspannungen zu lösen.

Das Problem ist, dass ich noch Colitis ulcerosa habe (derzeit ruhen die Schübe gottseidank) und eine Thrombozytopenie mit derzeit zumindest um die 110.000 (waren schon mal auf 50.000 herunten - Ursache unbekannt -> Autoimmunthrombozytopenie als vom Hämatologen deklariert).
Drum ist mir nicht wohl mit den Tabletten.

Gibts nicht noch andere Möglichkeiten, einem Tinnitus beizukommen, als solche Chemiebomben?
Kann ich selbst noch was tun (Stressbekämpfung ist gut gesagt, I do my very best)?

Chris

Hallo Chris
Die Kombination von HWS-Syndrom, Tinnitus aurium und Colitis ulcerosa ruft meiner Ansicht nach nach einer psychoanalytischen Langzeit-Behandlung bei einem Facharzt für Psychosomatische Medizin und psychoanalytisch orientierter Psychotherapie.
Ich würde an Deiner Stelle daher in Deinem Umkeis nach einem solchen suchen.
Gruß, Branden

Hallo Chris.
Vielleicht kannst du dich hier mal informieren oder beraten lassen:
http://www.tinnitus-klinik.de/

Grüße
Tutulla

Hallo Chris,

ich muss sagen, dass die Behandlung mit durchblutungsfördernden Mitteln in Kombination mit Stressabbau und zu guter letzt auch Neuraltherapie oft gute Wirkung zeigt. Nicht selten werden aber auch Infusionen mit Hydroxyethylstärke (HAES) eingesetzt. Diese Behandlung basiert auf der Theorie, dass Tinnitus auf Grund von Durchblutungsstörungen entsteht. Allerdings tritt Linderung nicht immer gleich am ersten oder zweiten Tag ein, sondern manchmal erst nach einer Woche oder sogar später. Das ist ganz unterschiedlich. In einigen Fällen hört der Tinnitus niemals mehr auf, dann ist auch Psychotherapie ratsam. Ich will aber nicht schwarz malen. Nimm dir in jedem Fall eine Auszeit, wenn nötig einen Krankenschein! Stressabbau ist ein wesentlich zur Abheilung eines Tinnitus beitragender Faktor. Viele Menschen mit chronischem Tinnitus berichten, dass das Geräusch in Stressphasen sehr viel lauter vernommen wird als in ruhigen Zeiten.

Alternativen: In der Schweiz wird/wurde mit einer Substanz namens Caroverin (eigentlich ein Blutdrucksenker) experimentiert, die ua. den Überträgerstoff Glutamat hemmt. Man geht dabei davon aus, dass ein lokales Zuviel an Glutamat für die Entstehung von Tinnitus verantwortlich ist. Die schweizer Studien versprechen sehr viel, jedoch werden sie von vielen Außerschweizerischen stark angezweifelt. Dieses Medikament ist leider auch zur Zeit in Deutschland nicht erhältlich, zumindest nicht dass ich wüsste. Such doch mal bei Google, wenn du mehr wissen möchtest. Dann wirst du bestimmt etwas darüber finden.

Bezüglich der Thrombozytopenie kann ich leider nichts sagen. Ich denke aber auch, dass auf Cortison getrost verzichtet werden kann.

Lieben Gruß und gute Besserung
Habe Durchfall

Hallo,

danke für den Tip. Aber was kann ich akut gegen das Pfeifen machen? Das macht einen ja wahnsinnig?
Kann man wirklich nicht mehr machen als die Chemiebomben nehmen? Das hochdosierte Cortison ist mir am unsympathischsten :frowning:
Chris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi Chris!

Oft wird er mit blutverdünnenden Mitteln bekämpt. Die Behandlung des Kleinen Mannes ist da Aspirin, im Krankenhaus in der Regel mit Infussionen. Auch eine Sauerstoffkur wird dabei angewandt. Wichtig ist aber, dass du schnell darauf reagierst.

Der neueste „Schrei“ ist mittels CD und Laser das dauerhafte Problem in den Griff zu bekommen. Wie dies wirkt - und was der Arzt dazu sagt - weiß ich allerdings nicht!
Hier gibts Infos darüber: http://www.obere-apotheke.com/content_news/641.html

Würde mich jedoch von einem Spezialisten ausführlich beraten lassen, bevor du wirklich einen bleibenden Schaden davon trägst!!!

Gruß
Falke

Hi Chris!

Das hochdosierte Cortison ist mir am unsympathischsten

Allerdings ist es genau dieses Kortison, dem man bei den derzeit gewählten Behandlungsmethoden noch den besten Effekt zuschreibt.
Die Anwendung in den Dosen, die in der HNO eingesetzt werden, ist unproblematisch, wenn man mal bei älteren Personen von einer vorübergehenden Blutzuckererhöhung absieht.
Ein Tip für Dich wäre, für Umgebungsgeräusche zu sorgen, also das Radio einzuschalten und nicht im stillen Kämerlein Deinem Ohrpfeifen zu lauschen.

Gute Besserung
Peter

Hallo,

danke für den Tip. Aber was kann ich akut gegen das Pfeifen
machen? Das macht einen ja wahnsinnig?
Kann man wirklich nicht mehr machen als die Chemiebomben
nehmen? Das hochdosierte Cortison ist mir am unsympathischsten

-(

Chris

Die Kortison-Angst sitzt tief, ist aber nur bei hochdosierter Langzeit-Einnahme berechtigt. Kortison ist ein körpereigener Stoff und wird auch wieder abgebaut. Bei kurzfristiger Einnahme (bis zu ein paar Wochen) kann nicht viel passieren (ebenso wie ich seit Jahren als Asthmatikerin Kortison inhaliere, aber da ist es lokal und nicht so hoch dosiert). Ich weiß es nicht, aber könnte es sich nicht sogar günstig auf die Colitis auswirken?
Die Angst kommt daher, dass in den 60er und 70er Jahren das Kortison als Wundermittel galt und hochdosiert und langfristig gegeben wurde. Da hast dann wirklich heavy Nebenwirkungen. Aber eben … ach, hab ich ja schon geschrieben.

Gute Besserung!
Livia

Hi,

zusätzlich!!! nicht anstatt der konservativen Behandlung habe ich da ein paar gedankliche Anregungen.

Tinnitus gabs schon immer und hieß früher „Mann im Ohr“. Klingt nach Abspaltung, war es wohl auch. Genau wie heute. Tinnitus ist ein Symptom und keine Krankheit (nur ein Gedanke!). Ein Mann im Ohr ist jemand mit dem man reden kann, ein Tinnitus ist nur was zum totschlagen- wenn es denn klappt.
So gehe ich an meinen Tinnitus heran, der mich immer mal wieder heftig überfällt mit Geräuschen, die mich auch aus dem tiefsten Schlaf hochfahren lassen, oder vor Schreck zusammenfahren, oder schwerhörig gegenüber anderen Geräuschen:
Ich betrachte ihn als einen von mir abgespaltenen personifizierten Teil meines Selbst. Er ist laut, weil ich ihm nicht zugehört habe als er noch leise war. Also setze ich mich hin und höre ihm zu. Pfeiff, fiep, heul, winsel, tröööt, klingel. Ich stelle mir vor er sei ein Gefangener, eingesperrt in einem fremden Land. Ich kann ihn zwar nicht verstehen und ich weiß auch nicht warum er eingesperrt ist, aber er braucht meine Aufmerksamkeit, damit er nicht wahnsinnig wird.Nicht dass ich ihn verstünde, aber ich höre ihm zu und nach 10 Minuten spätestens ist er weg.
Ich nehme übrigens keinerlei Medikamente dagegen, weil ich von Gingko Kopfweh bekomme und dem Rest auch nicht traue. Aber es scheint ja bei mir auch nicht ganz so schlimm zu sein wie bei dir.
Viele Leute kommen nur klar, wenn sie lernen wegzuhören. Ich will das nicht in Frage stellen, es wird wohl seine Gründe haben. Aber wenn an mir etwas laut wird, will es wohl gehört werden.

Ein bisschen morgentliches Durcheinander, ich hoffe es geht dir bald wieder besser.
Alles Gute
Susanne

Hi Chris,
denke dass Massagen im Nackenbereich nicht schaden können und die auch kundig sind bzgl. Deiner Verspannungen. Nun zum Tinnitus - kann ich sagen, dass es gut ist, rechtzeitig was dagegen zu tun, ausserdem ist das zum durchdrehen… Mein Heilpraktiker hatte mir „Wobenzym“ (eine Zusammensetzung versch. Enzyme)empfohlen, das ist nicht chemisch und hat mir super geholfen. Es löst auch andere Blockaden im Körper ist halt ne Kur für ca. 3 Wochen und pro Tag mind. 6 einnehmen, damit es wirkt. Also ich wurde den Tinnitus damit los! Viel Glück
Patricia

Hallo Chris,
Wenn der Tinnitus noch frisch ist, also nicht älter als 2-3 Wochen, dann kann man mit der Neuraltherapie schöne Erfolge erzielen. Hierbei wird Procain oder Lidocain an bestimmte Stellen in Ohrnähe in und unter die Haut injeziert. In deinem Fall wäre auch eine gleichzeitige neuraltherapeutische Behandlung der HWS sinnvoll.
Bei meinen Tinnituspatienten mache ich noch unterstützend eine Magnetfeldtherapie direkt auf das Ohr und eine Akupunkturbehandlung.
Da Stress bei dir auch eine große Rolle zu spielen scheint würde ich dir dringend raten, eine Entspannungsmethode zu erlernen. Hier bietet sich die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen an.
Autogenes Training ist zar auch sehr gut wirksam aber es dauert für dich zu lange, bis es wirkt.
Die übliche Infusionsbehandlung beim HNO-Arzt hat leider oft nur einen Placebocharakter, da sie auf die Verbesserung der Durchblutung abzielt. Durchblutungsstörungen sind aber nur sehr selten die Ursache für Ohrgeräusche.
Gruß und beste Genesungswünsche
KH

Wobenzym bei Tinnitus?
Hallo Patricia,

Wobenzym allen Ernstes gegen Tinnitus? Wo ist denn da der Zusammenhang?
Verstehe ich nicht, die Enzyme sind doch eher bei entzündlichen Dingen angezeigt, dachte ich - ich hab die nämlich sogar zuhause, nehme ich immer bei Halsentzündungen etc.

Chris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Jetzt knackts auch noch :frowning:((
Hallo,

danke für die guten Tips - Wobenzym hab ich sogar zuhause, wäre auch eine Möglichkeit.

Das Cortison ist mir total suspekt wegen der Dosis: 150 mg soll ich auf einen Schlag nehmen, das ist doch Wahnsinn. Das 2 Tage lang, dann am 2. Tag noch 100 mg, am 3. Tag 75 mg, am 4. Tag 50 mg, am 5. 25 mg … ich weiß nicht, in der Packungsbeilage steht als Normaldosis 7 mg drin … ich hab da wirklich Bedenken, dass da Magen, Darm, Leber etc. wenig erpicht sind auf diese Bombe. Sind 150 mg nicht ein bisschen heavy?

Seit heute morgen tut das Ohr auch noch richtig weh, ein stechender Schmerz, wie wenn man mit der Stricknadel drin rumpopeln würde und bei jedem Schlucken und Trinken kracht/knackt es im Ohr, aber nur im „pfeidenden“ Ohr, im anderen hab ich nur ein leichtes Rauschen.

Gehört das Knacken da auch zum Tinnitus?

Und was mich völlig konfus macht:
wenn einem nichts fehlt, hört man ja nicht so drauf, was man „im“ Ohr hört. Drum hab ich jetzt schon vor lauter „Lauschen“ keinen Plan mehr, was eigentlich normal ist und was nicht.
Daher mal an euch Gesunde die Frage:

wenn ihr in einem total stillen Raum sitzt und auf eure Ohren lauscht … hört ihr da auch ein leichtes Rauschen?
Vielleicht ist es das Blut, das man „hört“?
Ist dieses Rauschen bei jedem?

chris, die langsam irre wird

P.S.: wieso eigentlich Cortison?
P.S.:
was mir ohnehin gerade kommt: warum gibt man da eigentlich Cortison?
Ich dachte, das ist was bei Entzündungsvorgängen, aber bei Tinnitus? Wo ist da der Zusammenhang?

Hi!

Wie hörst Du denn auf dem Ohr?
Ich würde mal nochmal da reinsehen lassen, es kann ja durchaus sein, daß sich mittlerweile eine Entzündung entwickelt hat, da Schmerzen eigentlich nicht zum Tinnitus gehören. Dieses auffällige Knacken hört sich jedenfalls nach gestörter Mittelohrbelüftung an, also einem mechanischen Problem, wie es zum Beispiel bei Erkältungen auftritt.

Ein gewisses „Betriebsrauschen“ auf den Ohren ist normal. Habe Dir ja schon mal empfohlen, für Umgebungsgeräusche zu sorgen, damit Du Dich nicht so auf das Geräusch konzentrierst!

Die Kortisondosis ist für die kurze Zeit der Einnahme ohne Bedeutung, die angegeben Dosis im Beipackzettel wird wohl für die Dauertherapie veranschlagt sein. Man nutzt beim Cortison die abschwellende Wirkung unter der Vermutung, daß evtl irgendwelche Schwellungszustände, vielleicht in Verbindung mit noch ungeklärten Viren das Problem verursachen.

Gruß
Peter

Hallo Chris,
Wobenzym sollte man vielleicht nicht oft nehmen; aber in meinem Fall hatte das was mit meinem Ohr zu tun. Da war ne Entzündung im Gange, die sich dann u.a. mit Tinnitus äusserte und nachdem die Ärzte bei mir mit ihrem Hammermtteln eher eine grausige Allergie auslösten hab ich das Problem mit Wobenzym gelöst und es blieb nichts zurück… Hatte ausserdem die gleichen Symptome wie Du sie beschreibst. Vielleicht lasst Du da mal nachsehen denn eine frühe Behandlung kann das Problem verschwinden lassen.
Gruss Patricia

Tinnitus-Zentrum
Hallo Chris1

In Ulm gibt es ein „Tinnitus-Zentrum“ mit einem guten Ruf. Ich hab durch deine Visitenkarte leider nicht erkennen können, wo du wohnst. Aber du findest bestimmt was im Internet drüber. Da arbeiten ein Psychiater, ein HNO-Arzt und ein Physiotherapeut zusammen!

Gute Besserung!

Grüßle, Iris