Liebe/-r Experte/-in,
ich führe seit Jahren ein rechst stressiges Leben, beruflich wie auch privat. Beruflich habe ich dies nach einer langen Phase mit Kopfschmerzen seit einem Jahr gebessert. Privat bleibt es weiterhin durch Scheidung und Kindeserziehung weiterhin sehr angespannt.
Nun leide ich seit über 2 Wochen an einem gleichmäßig starken Ohrenpfeifen. Es beeinträchtigt mich noch nicht im Alltag, allein wenn es ruhig ist, lenkt es ab.
Mit Verdacht auf Tinnitus bekam ich eine Überweisung zum HNO Arzt.
Die Standardkontrolle(Gehörleistung, Druckermittlung, Untersuchung der Nasenhöhle)hat keine Schädigung ergeben, mein Gehör ist i.O.
Weiter hat sich der Arzt nicht mit mir beschäftigt, ich bekam Nasentropfen und mir wurde alles Gute gewünscht. Ist es nicht so, dass man vor allem in der Anfangsphase einer Tinnitus Beschwerde Infusionen verschreiben müsste? Was halten Sie davon?
Vielen Dank!
Freundliche Grüße,
Bogdan
Hallo Bogdan,
wenn der Arzt keine Anzeichen für einen Tinnitus gefunden hat, ist es schon verständlich, dass er die Beschwerden nicht wie einen Tinnitus behandelt.
In wie weit man präventiv Infusionen geben kann, weiss ich nicht, würde es aber bezweifeln.
Sie einfach nach hause zu schicken find eich allerdings recht unverschämt. Da würde ich mich auch alleine gelassen fühlen. Ich würde nochmal zum Hausarzt gehen und mich beraten lassen. Vielleicht gibt es dann eine Überweisung zu einem anderen HNO und / oder zu einem Neurologen. Auch Psychotherapie könnte sicherlich helfen, wenn das Problem stressbedingt ist.
Hallo Bogdan!
Ja der Tinnitus…!
Also es ist so, dass die gesetzliche Krankenkasse eine Infusionstherapie seit 1.4.2009 nicht mehr zahlt. Das beinhaltet die Tinnitus-, Hörsturz- und Vestibularisausfallproblematik. Der Grund dafür ist, dass die Kassen sagen, es gäbe keine validierten Studien zum Therapieerfolg, außerdem sei die Spontanheilungsrate hoch. Nichts desto trotz ist es eigentlich die Therapie der Wahl. Wir bei uns in der HNO-Praxis machen die Therapie meist zuerst mit einem pflanlichen Präparat: Gingko (milde Durchblutungsförderung). In der Stärke 80-120mg, 1-3 Dragees tägl. Die gibt es freiverkäuflich in der Apotheke. Mal über 2 Wochen ausprobieren und schauen, ob der Tinnitus leiser wird.
Dann gibt es einMedikament, das verschreibungspflichtg ist, aber man auch selbst zahlen muss (seit 1.4.2009): Pentoxifyllin. Stärke 400-600mg 1-3 x tgl., auch durchblutungsfördernd. Aber wie gesagt, gibt es nur auf Rezept.
Bei schlimmen Tinnitus machen wir eine sog. Interventionstherapie. Es gibt 3 Infusionen mit Kochsalzlösung und Prednisolon hochdosiert (Kortison). (Bietet aber nicht jeder HNO-Arzt an). Das ist die Infusion, die auch die Kassen gezahlt haben, also nichts besonderes. Die Medikamente dafür kosten zwischen 60-70€ und die Infusionsleistung der Praxis nochmal ca. 30€. Macht summa summarum 100€ für 3 Infusionen. (10 Infusionen würden ca. 300€ kosten) Man kann danach ganz gut die Tendenz der Heilung beurteilen. Wir haben bis wirklich gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht finden Sie ja einen HNO-Arzt n Ihrer Nähe, der das auch anbietet.
ODER: Sie gehen als Notfall in eine Klinik (am besten mit HNO-Station). Da bekommen Sie in der Regel die Infusionstherapie bei einem stationären Aufenthalt. Aber nicht sagen, das Sie schon in abulanter Behandlung waren.
Sollte das alles nicht helfen, dann lassen Sie sich von Ihrem Tinnitus nicht unterkriegen, lernen Sie damit zu Leben, er gehört zu Ihnen, er wird von Ihnen „produziert“!
Aber wenn der Tinnitus erst seit kurzem auftritt, ist die Chance darauf, dass er wieder verschwindet groß.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen, indem aus dem Nähkästchen geplaudert habe.
Ich wünsche alles Gute und würde mich über eine Rückmeldung in Bezug auf die erfolgte Therapie freuen.
LG
Nadja Gorzelitz
Ein Geräusch im Ohr nennt man Tinnitus. Ursachen vielfältig, im einfachsten Fall eine Verstopfung des Gehörganges, aber auch Fremdkörper, Entzündungen, Löcher im Trommelfell, Ergüsse etc. können Tinnitus verursachen. All diese Ursachen sind zu beseitigen, und dann sollte das Geräusch weg sein - fertig.
Findet man keine dieser Ursachen, der Patient aber sagt, es sei immer noch ein Geräusch da, wird es schwierig. Niemand auf der Welt hat bislang eine Ursache solcher Geräusche nachweisen können. Man geht von einer akuten Durchblutungsstörung des Innenohres aus, verursacht evtl. durch eine Schwellung in der Umgebung des Innenohres, und so wird auch behandelt: Einige Tage Cortison gegen die evtl. Schwellung und 2 - 3 Wochen durchblutungsfördernde Medikamente. Da der Tinnitus nicht als Krankheit bewertet wird sondern als Befindlichkeitsstörung, dürfen die Medikamente von uns NICHT auf Kosten der gestzlichen Krankenkassen verordnet werden. Prognose: bei sofortiger Behandlung (1. Tag nach Beginn des Tinnitus) recht gut, mit jedem weiteren Tag bis zum Behandlungsbeginn stark sinkend. Ein Tinnitus, der erst nach 1 Woche behandelt wird, geht nicht mehr weg, basta! (Es mag Ausnahmen geben, die sind aber wie ein 6er im Lotto.) Eine BehandlungsPFLICHT besteht nicht. Ich selber empfehle in frischen Fällen stets eine Behandlung, auch Infusion. Ist natürlich privat zu bezahlen!
Hallo.
Ihr HNO-Arzt liegt grundsätzlich richtig. Bei Tinnitus geht es in erster Linie um eine Basis-Diagnostik, die eine wirklich messbare Störung ausschließt. Hierzu gehört v.a. ein Hörtest. Im Verlauf kann man auch mal eine Kernspintomographie des Schädels machen. Tinnitus ist nicht messbar, d.h. man kann ihn nicht nachweisen. D.h. auch, wenn Sie als Patient sagen „ich habe Tinnitus“, dann ist das erstmal so und lässt sich weder beweisen noch abstreiten. Da es aber keine effektive Therapiemöglichkeit für Tinnitus gibt, gibt es auch nichts, was Ihr HNO-Arzt tun müsse. Infusionen kann man versuchen, aber es gibt keinen Wirkungsnachweis von Infusionen. Genauso gut kann man auch einen Therapieversuch mit 3x Kamillen-Tee am Tag oder gesteigertem Jogging machen. Mein Rat: Wenn Sie selbst schon Ihren Stress als Ursache für den Tinnitus vermuten, dann würde ich natürlich hier ansetzen! Hier haben Sie dann entsprechend auch die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit.
Alles Gute, Gruß, JCL
Hallo!
Sorry für die lange Sendepause.
Infusionen beim Tinnitus sind momentan relativ out. Ich mache aus der Tradition heraus noch eine Behandlung mit Tabletten, die die Durchblutung am Innenohr verbessern aber gesichert funktioniert beim Ohrgeräusch gar nichts.
Deshalb zahlen die Kassen auch für nichts mehr.
Gruß
Peter